Trude Teige: Und Großvater atmete mit den Wellen

Prequel zum Vorgängerroman – schmonzettenartige Geschichte um Liebe und Kriegsgefangenschaft

Das ist so oft das Problem mit dem Anschließen wollen an vorigen Erfolg: Es gelingt eben nicht immer. In dem letztes Jahr erschienenen Band erzählte Trude Teige die Geschichte von Tekla, ihrer Tochter Lilla und ihrer Enkelin Juni. Jener Roman war spannend und vor allem berichtete er von einem unbekannten Stück Historie aus dem zweiten Weltkrieg und der Zeit danach.

Nun, so laut Vor- und Nachwort, möchte Juni uns von ihrem Großvater Konrad erzählen, von seinen Erlebnissen in Asien während des Krieges. Er gerät erst in Seenot, gelangt halb tot an Land, kommt ins Krankenhaus und begegnet dort der Krankenschwester Sigrid. Schließlich geraten beide in japanische Gefangenschaft, wie auch Konrads Bruder Sverre.

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Naoise Dolan: Das glückliche Paar

Wenn zwei ihre Hochzeit feiern, hört man häufig den Satz vom schönsten Tag im Leben. Kann es danach nur noch weniger schön werden, wenn das junge Ehepaar nach vorne schaut? Bei dem ungleichen Paar Celine und Luke gab es in der dreijährigen Beziehung schöne und glückliche Momente. Der bindungsscheue Luke glaubt, inzwischen sei er so weit, ein Verlobter und Bräutigam zu werden. Und Celine glaubt, in ihrem Pianistinnenleben könne es auch einen Platz für Luke geben.

Die irische Autorin Naoise Dolan studierte in Dublin und Oxford englische Literatur. Ihr Debüt „Aufregende Zeiten“ wurde international ein Erfolg und für diverse Preise nominiert. Mit ihrem zweiten Roman spielt die inzwischen in Berlin wohnende Autorin mit dem Thema Beziehung zwischen zwei Menschen. Kann ein glückliches Paar in der heutigen Zeit funktionieren, wenn alte Rollenbilder nicht passen wollen und das verbindlich Unverbindliche den Alltag bestimmt? Das alte Model Mann – Frau, Patriarch – Mutter steht für ein Abhängigkeitsverhältnis, das der freien Entfaltung und Karriere entgegenwirkt.

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Anne Lück: Versprich mir morgen

Mit „Versprich mir morgen“ hat Anne Lück ihre sogenannte „Berlin-in-Love-Dilogie“ gestartet – und wie ich finde, durchaus erfolgreich.

Von Anfang an ist man mitten dabei, wenn Alica – die zentrale Figur in diesem New-adult-Roman  –  ziemlich hart auf dem Boden der Tatsachen landet, der keineswegs federt, sondern ihr alles abverlangt, was sie zu geben bereit ist. Alica steht das Leben offen, sie hat ihr Abitur in der Tasche, kommt aus einem Elternhaus, in dem Geld keine Rolle spielt, ein Studium an jeder renommierten Universität der Welt stünde ihr offen. Ihr Vater wünscht sich nichts mehr als sie in die Welt hinaus ziehen zu lassen und an einer Elite-Uni den Grundstein zu einer tollen Karriere legen zu sehen. Ihr Vater! Alica wünscht sich das alles nicht. Sie will eine Krankenpflege-Ausbildung machen und glücklich damit werden, Menschen zu helfen.

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Amelie Fried: Der längste Sommer ihres Lebens

Spannungsarmer Roman um drei Frauen und zu viele Themen

Dass sich dieser Roman des Themas Klimawandel annimmt und ein tatsächliches Ereignis rund um die Klimaaktivisten aufgreift, ist noch das Beste daran. Ansonsten bietet er wenig Überraschendes, schablonenartige Figuren und vor allem viele Klischees.

Claudia Berner führt in x-ter Generation ein Autohaus in einer überschaubaren Kleinstadt. Daneben arbeitet sie als Stadträtin und will nun Bürgermeisterin werden. Ihr Mann Martin ist in ihrem Autohaus angestellt und sie hat eigentlich vor, ihn, sollte sie gewählt werden, zum Geschäftsführer zu machen. Claudias Mutter Marianne hat jedoch schon immer Vorbehalte gegen ihren Schwiegersohn und mischt sich immer wieder in die Geschäfte ein.

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Bernardine Evaristo: Zuleika

Grotesk, genial, genreübergreifend. Was Booker-Prize Trägerin Bernardine Evaristo da zu Papier gebracht hat, fordert Lesegewohnheiten heraus und feiert die Fabulierkunst in all ihren Facetten.Zuleika liest sich so, als ob eine Rapperin Aristoteles und Shakespeare zu einem literarischen Stelldichein einladen würde. Die Form des Plots ist in Versen, in Paarzeilen, mit Enjambements (Zeilensprüngen) geschrieben.

Evaristo springt nicht nur durch Genres und Zeilen, sondern durch ganze Geschichtsepochen. Der Roman spielt in London des Jahres 211 n. Christus. Doch Zuleika kommentiert ihre Umgebung so rotzfrech und modern, dass der Plot genauso gut von einer Influencerin im heutigen New York verfasst sein könnte. Ein herausragendes Werk, welches beweist, dass Sprache auch im Zeitalter von ChatGPT noch richtig Spaß machen kann.

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Dani Atkins: Was die Sterne dir schenken

Dani Atkins Romane stehen für gefühlvolle und dramatische Geschichten, in denen Frauen wichtige Entscheidungen für ihr Leben treffen. In ihrem Roman „Was die Sterne dir schenken“ steht die tiefe Verbindung zweier Schwestern im Zentrum, die in der gleichen Petrischale künstlich befruchtet worden sind und im Abstand einiger Jahre zur Welt kamen. Sie fühlen wie Zwillinge und sehen zum Verwechseln ähnlich aus. Trotzdem sind beide in ihrem Wesen grundverschieden.

Die Geschichte beginnt mit Amelias Rettung, bei der zwei Ärzte sie zufällig unterkühlt und leblos am Strand von Somerset finden und zurück ins Leben holen. Als die in New York wohnende Lexi erfährt, dass ihre Schwester auf der Intensivstation liegt, lässt sie alles hinter sich: ihren Partner, den Job beim Verlag und die anstehende Beförderung, für die sie viel geopfert hat.

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Marie-Helene Lafon: Die Quellen

Ein abgelegener Bauernhof in der Auvergne, 1.000 Meter hoch gelegen, Juni 1967. Der Bauer schlägt seine Frau. Jeden Samstag. Am Wochenende hat das Dienstmädchen frei und er legt Hand an seine Ehefrau. Weil sie stinkt, weil sie so fett geworden ist, weil sie bei der Arbeit langsam ist. Ein Grund findet sich immer.

Die Frau ist dreißig Jahre alt und hat drei Kinder. Sie bemüht sich panisch, ihrem Mann alles recht zu mache. Sie wäscht nicht einmal das Geschirr, während er auf dem Sofa sein Mittagsschläfchen hält. Eine einzige geschiedene Frau gibt es im Dorf. Sie wird behandelt wie eine Aussätzige. So will die Bäuerin nicht enden. Stattdessen erstarrt sie in Angst und die Kinder mit ihr. Sie sind schon so groß, sie sehen, was läuft. Während eines Besuches bei ihren Eltern im Dorf beschließt sie von einer Minute auf die andere, nicht mehr mit auf den Hof zu fahren. Auch die Kinder sollen bei ihr bleiben. Als Beweis zeigt sie ihrer Mutter ihren blaugeschlagenen Körper. Daraufhin gibt es im Text eine Zäsur und die Geschichte wird 1974 aus der Sicht des Mannes weitererzählt.

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Anne Pauly: Bevor ich es vergesse

Wer bei dem Titel und der Ankündigung einer Vater-Tochter-Geschichte über das Abschiednehmen an Demenz denkt, was vielleicht naheliegt, der irrt.

Annes Geschichte beginnt am Totenbett ihres Vaters, als sie – gemeinsam mit ihrem Bruder – ins Krankenhaus gerufen wird, nachdem der Vater verstorben ist. Zusammen mit Jean-Francois ist sie gekommen, um die wenigen Habseligkeiten ihres Vaters abzuholen und sich von ihm zu verabschieden. „Die Reusen einholen“, dieser Spruch kommt ihr in der Klinik in den Sinn. Das würde er jetzt wohl gesagt haben, wenn er sie so sähe. An dieser Stelle beginnt so etwas wie ein stummer Monolog, der uns durch diesen leisen, anrührenden Roman trägt. Handlung gibt es kaum, auch wenn man natürlich dabei ist, wenn Anne die Beerdigung vorbereitet, Gespräche mit dem Pfarrer oder Gemeindemitgliedern, mit Nachbarn im Dorf oder mit Verwandten führt, die Formalitäten erledigt, mit denen ihr Bruder sie alleine lässt, aber all das ist eher im Hintergrund. Anne arbeitet auf. Eine Vergangenheit mit ihrem Vater, von dem sie offensichtlich nicht viel weiß. Zen-Buddhismus, orientalische Philosophie, das hat ihn interessiert. Aber er war auch Alkoholiker, häufig gewalttätig.

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Nicole Wellemin: Späte Ernte

Drei Frauenschicksale sind Thema dieses Buches. Schauplatz: Ein Bergbauernhof am Gebirgsmassiv Ritten in Südtirol. Am Tag, an dem er in den Zweiten Weltkrieg einrücken muss, heiratet der Hofnachfolger Elias Lene, die Liebe seines Lebens. Er trägt sie noch über die Schwelle, bevor er zur Sammelstelle gehen und fort muss in den Krieg. Lene bleibt mit der missmutigen, alten Schwiegermutter und der vielen Arbeit allein zurück. Sie schuftet buchstäblich Tag und Nacht. Nur der Gedanke daran, wie schön das Leben werden wird, wenn erst Elias zurückkommt, hält sie aufrecht. Und Elias kommt zurück.

Auf den ersten Blick scheint er unbeschadet. Lene und er werden allerdings keine gemeinsamen Kinder haben können … In der Gegenwart bewirtschaftet Anna den Hof, Lenes Enkeltochter. Denn ja, Lene ist auf eine demütigende Weise doch noch zu einem Baby gekommen. Auch Anna ist allein auf dem Hof. Ihr heißgeliebter Lebensgefährte ist rund um den Globus als Fotograf unterwegs. Anna hat trotz der Höhenlage den Betrieb in eine Apfelplantage umgewandelt und vermarktet sortenreine Spitzenfruchtsäfte.

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Helen Frances Paris: Der wunderbare Garten der Mrs P.

Ein herzerwärmender „Feel-good“-Frauenroman: Hier geht es nicht nur um die Liebe zu Pflanzen. Hier geht es um späte Freundschaften, zweite Chancen und darum, wie zwei „unsichtbare Frauen“ über sich selbst hinauswachsen, um wieder sichtbar zu werden. Daneben ist dieser wunderbare Roman durch und durch britisch. Ironische Spitzen finden hier ebenso ihren Platz wie die Liebe zu englischen Gärten und der geradezu heiligen Tea Time. Die Autorin streift etliche Situationen, in denen Frauen ihren Mann stehen müssen. Ob Wechseljahre, Führungspositionen in Männerberufen, lesbische Liebschaften bis hin zu den Verlusten des Lebens.

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