Paul Harding: Sein Garten Eden

„Sein Garten Eden“ – Ein Buch besser als jede Geschichtsstunde

Der US-amerikanische Schriftsteller und Musiker Paul Harding (Jahrgang 1967) erhielt 2010 für seinen ersten Roman „Tinkers“ den renommierten Pulitzer Prize for Fiction. Mit seinem neuen Roman „Sein Garten Eden“, der am 28. August 2024 im Luchterhand Literaturverlag erschienen ist, wurde er für weitere Literaturpreise nominiert. Silvia Morawetz übersetzte den Roman ins Deutsche.

Wie in der Bibel: Eine Geschichte über die Vertreibung aus dem Paradies

Paul Hardings „Sein Garten Eden“ basiert auf einer wahren, historischen Begebenheit: auf Malaga-Island vor der Küste des US-Bundesstaates Maine lebte von ca. 1750 bis 1911 eine gemischtrassige Gruppe von Menschen, die sich überwiegend vom Fischfang und der Landwirtschaft ernährten. Mit der Einmischung des Staates und der Kirche, die das Treiben auf der Insel als „unrein“ einstufte, wurden die Bewohner und Bewohnerinnen 1912 gewaltsam vertrieben.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jane Campbell: Bei aller Liebe

Drei Menschen, miteinander in Liebe verstrickt, blicken auf ihr Leben zurück

In ihrer Kurzgeschichtensammlung „Kleine Kratzer“ brachte Jane Campbell vieles genial auf den Punkt, blickte in menschliche Seelen, in Frauenseelen, die mit ihren bisherigen Leben hadern. Diese Kurzgeschichten haben mich sehr beeindruckt.

Hier nun legt die Autorin einen Roman vor, der sich ähnlich mit dem vergangenen Leben der Protagonisten beschäftigt. Mit Lebenslügen, mit Geheimnissen, Verschweigen, mit falschen Wahrheiten und falschen Gefühlen.

Es geht um Agnes, deren Tochter kurz vor ihrer Hochzeit steht. Eingeladen zur Feier ist auch Agnes‘ Onkel, der sie nach dem Tod ihrer Eltern aufzog, der mehr über sie und ihren wahren Vater wusste, als er ihr je verriet. Eingeladen ist auch Joseph, Agnes‘ Therapeut, der sie mehr liebt, als zwischen Arzt und Patientin erlaubt ist.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lauren Asher: Love Unwritten: Lakefront Billionaires 02

Im zweiten Band dieser Reihe geht es um Milliardär Rafael Lopes und dessen Kindermädchen Ellie Sinclair. Die Beiden verbindet nur eines und das ist der Sohn von Rafael. Im Alltag gehen sich die Beiden seit acht Monaten aus dem Weg, doch dies geht nicht mehr, nachdem sie in einem gemeinsamen Urlaub notgedrungen miteinander Zeit verbringen müssen. Die schon lange dagewesenen Gefühle kochen langsam über, aber Ellie ist der Meinung, es geht nicht eine Beziehung mit ihrem Chef einzugehen und außerdem hat Rafael sich nach der unschönen Scheidung geschworen, sein Herz um jeden Preis zu schützen …

Das Buch kann unabhängig von dem ersten Buch dieser Reihe gelesen werden, genauso habe ich es auch gemacht. Es erwartet einen hier eine herzerwärmende Liebesgeschichte, durch die man förmlich fliegt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Otto Jägersberg: Abendblätter

Kurz und knackig auf den Punkt gebracht, aber mit viel Tiefgang. Abendblätter ist eine Mischung von Kurzgeschichten und Alltagsbeobachtungen, die bisweilen bis auf die Größe von Aphorismen verdichtet sind. In 134 Kapiteln verpackt Otto Jägersberg Buchtipps und Dichter, historische Anekdoten, Einblicke in seine Heimat im Schwarzwald und Kurioses aus dem Bereich des Zwischenmenschlichen. Keine Lust auf fette Schmöker? Dann ist diese Kürzest-Literatur, die Ihr Gehirnschmalz auf Trab hält und Ihnen dabei so manches Grinsen entlocken wird, genau das Richtige!

Die Zahnpasta als Metapher fürs Leben

Morgens beim Zähneputzen geht es los. Protagonistin Brigitte vergleicht ihr Leben mit der wurmartigen Geschmeidigkeit, mit welcher die Zahnpasta aus der Tube gedrückt wird. „So ist mein Leben, dachte sie. Da dreht einer, und ich gehe auf, ich gleite in den Tag. Wer aber dreht an ihr? Ihr Mann, die Kinder, Gott?“. Mit solchen Gedanken wird selbst ein bloßes Bad zum Blick in den Abgrund des Alltags. Mit nur sieben Sätzen schafft Jägersberg Szenen, die sich beim Lesen festsetzen. Sie muten harmlos an, bis sich der bittersüße Beigeschmack an die Oberfläche bahnt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Amy Neff: Warte auf mich am Meer

Evelyn Myers ist Mitte 70 als bei ihr Parkinson diagnostiziert wird. Eine fiese Krankheit. Die Ärzte erklären ihr außerdem, dass die Krankheit bei ihr besonders schnell verlaufe. Sie hat nicht mehr lange zu leben. Für Joseph, ihren Mann, mit dem sie seit gut sechzig Jahren zusammen ist – sie sind schon als Nachbarskinder groß geworden, haben sich später ineinander verliebt – ist die Vorstellung, ohne Evelyn weiterleben zu müssen, unerträglich. Die beiden beschließen, ihrem gemeinsamen Leben ein gemeinsames Ende zu setzen. Nächstes Jahr im Juni. Noch recht lange halten sie die Krankheit wie auch ihren Plan vor ihren drei Kindern und ihren Enkeln geheim.

Sie wollen sie nicht in Verzweiflung stürzen. Sie wissen genau, dass Jane, Thomas und Violet versuchen würden, sie von ihrem Beschluss abzubringen. Sie würden es nicht verstehen. Sie würden nicht damit klarkommen, auf ein bestimmtes Datum hinzuleben und zu wissen, dass sie an diesem Tag X beide Eltern verlieren würden. Aber auf Dauer lässt sich Evelyns sich merklich verschlechternder Zustand nicht verheimlichen. „Wir müssen einen Weg finden, uns zu verabschieden“, sagt Evelyn. Es kommt, wie erwartet. Tränen, Verzweiflung, Versuche, die Eltern umzustimmen, Vorwürfe, rationale Argumente. Evelyn und Joseph lassen sich nicht umstimmen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ulrike Haidacher: Malibu Orange

Überraschend unterhaltsam: Satire meets Tragikomödie

„Malibu Orange“ verwebt BFFs, Burnout und toxische Dynamiken zu einer spritzigen und tiefgründigen Lektüre.

Ulrike Haidacher versteht es, gezielt zu übertreiben und ihre Protagonisten gnadenlos ins Chaos zu stürzen. Mit bissig scharfem Blick entlarvt sie Phrasen und Glaubenssätze, bis nichts mehr heilig ist.

 „[…], also heutzutage ist es so, wenn du dir in der Früh denkst, ah, heute habe ich keine Lust zu arbeiten, dann hat das sicher irgendeinen Namen, es hat sicher irgendeinen englischen Namen mit „Syndrom“ am Ende […]“ (S. 82)

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jennie Godfrey: Unser Buch der seltsamen Dinge

Im Yorkshire der 70er und 80er Jahre hat Miv eine einsame Kindheit. Seit ihr Vater zu einer beruflichen Neuorientierung gezwungen wird und ihre Mutter unter Depressionen leidet, hat sie bei den anderen Kindern an Ansehen verloren. In der Kirche fällt sie einer Mutter auf, die sie zu sich nach Hause einlädt und damit das Leben ihrer Tochter Sharon und Mivs verändert. Die beiden gleichaltrigen Mädchen werden allerbeste Freundinnen. Nun ist Miv nicht mehr allein. Sie kann sich mit ihrer Freundin über alles austauschen. Unter anderem ist der Serienmörder Ripper in Mivs Fokus. Sie kann die Angst vor ihm und die erfolglose Suche der Polizei nach ihm nicht mehr ertragen. Am schlimmsten jedoch ist für sie der Plan ihres Vaters, wegzuziehen, dorthin, wo es sicher ist.

„Was, wenn ihn jemand erwischte?, fragte ich mich, während ich allmählich eindöste. Was, wenn die Morde aufhörten? Und wir hierbleiben könnten? Dann müsste ich Sharon nicht zurücklassen, und wir könnten für immer beste Freundinnen bleiben.“ (S. 23)

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Judith W. Taschler: Nur nachts ist es hell

Nicht so überzeugende Fortsetzung einer sehr gelungenen Familiengeschichte

Mit großen Erwartungen sehnte ich die Fortsetzung von „Über Carl reden wir morgen“ herbei, einem Familienroman, der mir absolut gefiel, der mich fesselte, bei dem ich voll und ganz in die Geschichte eintauchen konnte.

So ist es aber oft, je größer die Erwartungen, desto größer die Enttäuschung. Die jetzt vorliegende Fortsetzung konnte mich nicht überzeugen, mich nicht erreichen.

Geschrieben ist der Roman aus der Sicht von Elisabeth, der Tochter der Familie Brugger, die im Mittelpunkt des Vorgängerbandes stand. Elisabeth ist geboren kurz vor der Jahrhundertwende. Sie erzählt in Ich-Form ihre eigene Geschichte einer anderen Person, ihrer Großnichte, der Enkelin eines ihrer Brüder. (Hier hilft der am Ende des Buchs gezeigte Stammbaum der Familie Brugger beim Verständnis).

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Joseph Conrad: Herz der Finsternis (1899)

Des Menschen Gier ist unersättlich. Davon zeugt diese 1899 erstmals erschienene und nun bei Diogenes deluxe Verlag neu aufgelegte Geschichte von Joseph Conrad. Forscher, Goldsucher, Händler, Abenteurer – im Text beschönigend als „Pilger“ bezeichnet – ziehen in die Schwärze des afrikanischen Kontinents, immer weiter am Fluss Kongo entlang. Dort bringen sie nicht etwa den vermeintlichen Fortschritt, sondern schröpfen den Kontinent bis aufs Blut. Von Bodenschätzen über Elfenbein bis hin zu den Menschen, den Sklaven. Entrechtet, ausgebeutet, gefoltert, getötet: Diese von Conrad beschriebenen Szenen wirken bisweilen wie ein Fiebertraum, wie ein Delirium, erschreckend nah und distanziert-abgeklärt zugleich.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Samuel Burr: Das größte Rätsel aller Zeiten

Auf ungewöhnliche Weise erzählte Geschichte über die Suche nach Zugehörigkeit

Rätsel – wer liebt sie nicht. Kreuzworträtsel, Bilderrätsel, Geheimcodes, Puzzles, Labyrinthe: All das erdenken und erschaffen die Mitglieder der „Gemeinschaft der Rätselmacher“. Diese außergewöhnlichen Menschen haben sich zusammengefunden dank der Initiative von Pippa Allsbrock.

So erzählt dieser Roman vor allem ihre Geschichte, die Geschichte einer Frau, die stets ihren Weg ging, für ihre Rechte als Frau kämpfte und dabei viele Opfer brachte. Vor allem hat sie es nie geschafft, eine Familie zu gründen, nie den Mann fürs Leben gefunden. Also wird die Gemeinschaft, die sie 1979 gründet, ihre Ersatzfamilie. Mit der sie schließlich sogar in eine Hausgemeinschaft zieht.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: