Lynette Noni: Die Schattenerbin: Prison Healer 03

Im Roman „Die Schattenerbin“ von Lynette Noni fühlt sich Kiva wie in einem ganz schlechten Alptraum. Nicht genug damit, dass ihre eigene Schwester alle Menschen, die Kiva etwas bedeutet haben, verraten und verfolgt hat, Kiva selbst wurde, natürlich erst, nachdem sie ihrer Schwester den Weg zum Thron mit ihren Informationen frei gemacht hat, gefangen gesetzt und dorthin verfrachtet, wo sie nie im Leben wieder hin wollte.

Unter Drogen gesetzt findet sie sich im Zalindov-Gefängnis wieder – einem Ort, von dem außer ihr selbst noch nie jemandem die Flucht gelungen ist, ein Gefängnis, in dem so einige Aufseher und der Leiter ungeduldig auf Kiva warten. Für diese gibt es nur eines – Rache an dem Flüchtling, die sie hat mehr als schlecht aussehen lassen, zu nehmen.

Dann wird sie aus dem Gefängnis abgeholt – nein, freigesetzt wird sie nicht, ganz im Gegenteil, soll sie doch als Belohnung den mit ihrer Schwester verbündeten Anführer eines der Reiche ehelichen – ob sie will, oder nicht, wen schert es?

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Maurice Höfgen: Teuer!

Das Drama heißt Inflation. Es befinden sich verschiedene Interessenvertreter auf der schwarzen Bühne. Vorhang auf, Spot an für den 1. Akt: Es treten auf:
Die EZB, die stabile Preise bei 2% Inflation will. Die Banken, die solvente Schuldner wollen. Die Schuldner/Investoren, die Gewinnmaximierung wollen, um ihre Konkurrenten im Preiskrieg zu besiegen. Die Politiker, die sich für die nächste Wahl gut präsentieren wollen. Und eine Handvoll Bürger, hinten links, die Frieden und genug Geld für ihr Leben verdienen wollen.

2. Akt: Eskalation. Großes Geld frisst kleines Geld.

3. Akt: Im Wirtschaftskrieg fallen die Grenzen. Für die Gegner gibt es kein Erbarmen. Aus Prinzip werden keine Gefangenen gemacht.

4. Akt: Das Massaker. Die Überlebenden zahlen die Reparationskosten.
5. Akt: Die Inflation wächst.
6. Akt: Abzug der Interessenvertreter. Es bleiben die Bürger. „Weil der Markt nicht regelt, muss der Staat den Notfall planen.“ (S. 198)

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Karin Peschka: Dschomba

Wie in einem großen Gewebe sind die Figuren in Karin Peschkas Roman „Dschomba“ miteinander verbunden. Behutsam stellt die Autorin deren Bezogenheit aufeinander dar. Am 9. November 1954 tanzt ein Fremder barfuß, nur in Hemd und Hose gekleidet, bei Regen in der Kleinstadt Eferding auf dem Friedhof herum. Dabei singt, brüllt er eigentlich ein serbisches Wiegenlied. Es handelt sich um Dragan Dzomba, einen Serben, von Beruf Schlosser, wie sich später herausstellt. Der Dechant, kirchlicher Würdenträger und Pfarrer in Eferding, wird gerufen, um ihn zur Räson zu bringen.

Das gelingt ihm zum großen Erstaunen der herbeigeeilten Stadtbevölkerung auch und er quartiert diesen seltsamen, offensichtlich mittellosen Menschen bei sich im Pfarrhof ein. Was es mit Dragan „Dschomba“ auf sich hat, das deckt die Autorin sachte Schritt für Schritt auf. Sie berichtet von der Pfarrersköchin Agnes Kern, die bei der Mutter des Dorfgendarmen wohnt, dort nach dem Rechten sieht, neben dem Pfarrhaushalt auch die alte Frau betreut. Es gibt den Querulanten, den das Leben zu einem unleidlichen Mitbürger gemacht hat, dessen Freund, den Mesner, den Priesteramtsstudenten Raidinger, natürlich den Dechant, die junge Mutter Lotte, den angeblich einfältigen Silvester Moor und allerlei weitere Figuren. Mittendrin im Geschehen die kleine Karin Peschka, die Tochter des Wirtes.

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Nick Martell: Der Hof der Rache

Willkommen in Kessel, einem Stadtstaat, einem Königreich, dem Heim vieler Menschen – meiner Heimat. Ja, ich bin ein Königmann, Berater, Beschützer und Gewissen der Könige – zumindest bis vor einer Generation. Damals hat mein Vater den Prinzen ermordet und wurde, geständig, hingerichtet. Inzwischen wird mir Vergleichbares vorgeworfen – ich soll den aktuellen König umgebracht haben – Beides stimmt nicht, nur dass uns niemand glaubt. Mein Kopf unter der Guillotine – das hat nur mein Betritt zur Orbis Söldner-Kompanie verhindert.

Die Prinzessin, meine Freundin aus Sandkastentagen, hat ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt und Attentäter angeheuert, dabei hat Kessel sonst auch noch genügend Probleme. Flüchtlinge aus den streitenden Reichen sind vor Verfolgung in die Stadt, die sich selbst kaum verpflegen kann, geflüchtet. Dazu ist noch ein Serienkiller zurück – der sich für seine perversen Spielchen ausgerechnet auch noch meine Wenigkeit ausgesucht hat. Sie sehen also – langweilig wird mir nicht, scheint doch ein Jeder nur ein Ziel zu haben – mich vom Leben in den Tod zu befördern …

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Roland Grohs: Luka und die Guten

Dies ist die surreale Geschichte des Jungen Luka: Das Kind ist böse.

Oder es wird einmal böse werden.

Wer weiß das? Die konkrete Voraussage ist das Ergebnis eines Persönlichkeitstests, den alle Menschen absolvieren müssen. Offenbar wird das Urteil akzeptiert, auch von Lukas Familie, die ihm nur den Rat mitgibt: Sei tapfer!

Zu welcher Zeit und an welchem Ort dies geschieht, bleibt unklar und die Geschichte so zu einer universellen Schreckensvision.

Die Idee der „Prädelinquenz“ erinnert an die Kurzgeschichte „Der Minderheitenreport“ von P.K. Dick, die Handlung geht jedoch in eine andere Richtung.

Wohin führt die Voraussage das Kind?

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Martin Suter: Melody

Mit Melody hat Autor Martin Suter eine elegante, geheimnisvolle Liebesgeschichte geschaffen: Tom Elmer, Langzeitstudent und Jurist, nimmt aufgrund von Geldproblemen einen ungewöhnlichen Job bei Alt-Nationalrat Dr. Stotz an: Er soll seinen Nachlass ordnen und den erfolgreichen Geschäftsmann und Politiker im besten Licht darstellen. Dafür zieht Tom sogar in die Villa des Arbeitgebers in Zürich. Hier steht in jedem Zimmer ein Bild von einer wunderschönen jungen Frau, arrangiert zu einer Art Schrein. Wer ist die geheimnisvolle Fremde?

Verbotene Liebe

Der gebrechliche Dr. Stotz erzählt Tom episodenartig von Melody, der tragischen Liebe seines Lebens. Die bildhübsche Buchhändlerin war zwanzig Jahre jünger als er und stammte aus einer marokkanischen Familie. Die war von der Verbindung zu einem Nicht-Muslim wenig angetan und drohte damit, sie zu verstoßen.

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John Irving: Der letzte Sessellift

Wenn man den neuen Roman von John Irving, Der letzte Sessellift heißt er, positiv sehen will, so kann man sagen: Er ist ein starkes Plädoyer für Toleranz gegenüber alternativen Lebensformen abseits der traditionellen Familie, für den Zusammenhalt von Menschen und für die Liebe. Homosexualität und Transgender-Themen spielen eine große Rolle. Der 1942 geborene amerikanische Autoren-Superstar bleibt seiner Linie treu, für die ihn seine Fans lieben: Sein Text, in dem der Sex eine hohen Stellenwert einnimmt, ist voll von skurrilen Figuren und Situationen, die oft zum Schreien komisch sind. Und sein Personal scheint ihm immer ans Herz gewachsen zu sein. Er stellt es durchweg positiv und mit viel Herzenswärme dar. Das alles macht seinen Roman sympathisch.

Ist man gegenüber diesem 1000-Seiten-Wälzer jedoch etwas negativer eingestellt, so lässt sich genauso gut sagen: Er steckt voller Wiederholungen, die es gelegentlich schwer machen, die lange Lesestrecke durchzuhalten. Eine Figur namens Elliot wandert gerne im Schnee – unzählige Male wird sie deshalb als „Schneeläufer“ bezeichnet. Irgendwann nervt’s. Auch kommt einem vieles bekannt vor – so, als hätte man es so oder so ähnlich schon in anderen Irving-Romanen gelesen.

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Anne Freytag: Mind Gap

Im Roman „Mind Gap“ von Anne Freytag sind wir im Deutschland des Jahres 2033, alles ist nicht so weit von unserer Welt entfernt, aber inzwischen gibt es den NINK. Einen Chip, den sich jeder implementieren lassen kann (und will), jeder implementieren lassen soll und der das Leben ganz wunderbar vereinfachen soll. Denn er kann fast alles: Informationen recherchieren, bezahlen, Sprachen ins Gehirn implementieren.

Silvie Mankovitz ist erfolgreiche Journalistin. Vor zwei Jahren erhielt sie die Nachricht, dass ihr geliebter Bruder im Krieg gefallen ist, jetzt erhält sie seinen Anruf, er will sie treffen. Aber bevor das Treffen stattfinden kann, erhält sie Besuch: Man teilt ihr mit, dass ihr Bruder zwar bis vor kurzem nicht tot war, es jetzt aber trotzdem ist und bei seinem Suizid noch weitere Personen in den Tod gerissen hat, unter anderem den Kanzlerkandidaten. Silvie beginnt nachzuforschen.

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Joseph Delany: The Spook´s: Der Schüler des Geisterjägers

Thomas J. Ward – Tom Ward genannt – hat im Roman „The Spook´s: Der Schüler des Geisterjägers“ von Joseph Delany nicht eben eine strahlende Zukunft vor sich. Den elterlichen Hof übernimmt sein ältester Bruder, seine anderen fünf Brüder hat der Vater bei Handwerkern in der Umgebung untergebracht, doch nun sind alle Gefallen eingefordert, was soll nur aus Thomas werden?

Da kommt es geschickt, dass der Spook des Landstriches an dem siebten Sohn eines siebten Sohnes Interesse bekundet. Doch hat Tom das Zeug dazu, Dämonen, Geister und Hexen zu bekämpfen? Und wie wird er mit der Distanz, der Furcht und Ablehnung durch die Menschen fertig werden? Nun, eine große Wahl hat er nicht, und so tritt er seine Lehrstelle bei dem Spook an.

Es kommt, wie es kommen muss, unser naseweiser Lehrling gerät – natürlich – in Schwierigkeiten. Dabei hatte sein Meister ihn ausdrücklich und inständig vor Frauen in spitzten Schuhen gewarnt. Doch der kann reden, was er will, eine junge, nette Hexe schafft es allemal einem noch gänzlich unerfahrenen Spooklehrling den Kopf zu verdrehen. Und so hat Tom nur allzu bald den unruhigen, mächtigen Geist einer Bluthexe am Hals, die auf Rache aus ist …

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Daniel Glattauer: Die spürst du nicht

Was für ein Roman! Dieser Roman vom wunderbaren Daniel Glattauer zieht einem die Schuhe aus. Und man wird ihn so schnell nicht vergessen.

In einzigartiger, bissiger und sehr österreichischer Weise erzählt der Autor, dessen „Gut gegen Nordwind“ wohl heute jeder kennt und liebt, von Ereignissen innerhalb dreier Familien. Die durch einen dramatischen Schicksalsschlag verbunden werden, der sie aber gleichzeitig auch brutal trennt.

Dabei ist die Art, wie Glattauer diese Geschichte erzählt, ungemein wirkungsvoll. Gleich am Anfang bekommt an den Eindruck, ein Theaterstück zu sehen, ein Beobachter zu sein, der nicht nur zuschaut, sondern quasi parallel einen Kommentar des Erzählers mitgeliefert bekommt. Der sich jedoch nicht in lesbaren Worten, sondern in Formulierungen, in Adverbien und Adjektiven, in zwischen den Zeilen liegendem Sarkasmus zeigt. Und der die Gesellschaft, die Menschen, derart seziert, als lägen sie auf einer Petrischale unter dem Mikroskop.

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