Terézia Mora: Fleckenverlauf: Ein Tage- und Arbeitsbuch

Terézia Mora wurde 1971 in Ungarn geboren, aktuell lebt sie in Berlin. Für ihre Werke, die sie in Deutsch schreibt, bekam sie u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1999), den Deutschen Buchpreis (2013) und den Georg-Büchner-Preis (2018). Außerdem arbeitet sie als Übersetzerin ungarischer Werke ins Deutsche.

Für das Tage- und Arbeitsbuch „Fleckenverlauf“ wollte sie sieben Jahre ihres Lebens, vom 43. bis zum 50. Lebensjahr, dokumentieren. Das veröffentlichte Experiment umfasst nun die Zeit von 2014 bis 2020. Terézia Mora gewährt den Lesenden Einblick in ihre Alltags- aber auch in ihre Schriftstellerinnenwelt.

Dabei sammelt sie Momentaufnahmen vom Tag, Skizzen und Gedanken für ihre Bücher (u.a. die Kopp-Trilogie oder Die Liebe unter Aliens) und Begegnungen, aber immer wieder auch Gejammer über Schreibbe- und verhinderungen, Reisestress und Krankheiten.

Ihre Notizen sind nicht immer einfach zu lesen. Anders als Moras Prosa kann ich dieses Arbeitsbuch nicht in einem Rutsch durchlesen. Weiterlesen

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Kenneth Bonert: Toronto: Was uns durch die Nacht trägt

Der Schriftsteller Kenneth Bonert wurde 1972 in Südafrika geboren, als Teenager wanderte er nach Kanada aus. Er lebt in Toronto. Und „Toronto“ ist auch der Titel seines Romans, der am 29. September 2021 im Diogenes Verlag in einer Übersetzung von Stefanie Schäfer erschienen ist.

Darin erzählt Kenneth Bonert in vier Geschichten vom Leben und der Liebe in der kanadischen Metropole Toronto. Seine Protagonisten sind „waschechte“ (also in Kanada geborene) und eingewanderte Menschen.

Da ist in der ersten Geschichte des Buches eine namenlose, zweimal geschiedene Endvierzigjährige, die nach dem Tod ihres ältesten Sohnes dessen Zimmer an einen jungen Künstler vermietet. Sie beginnt eine Affäre mit ihm. Als ihr neuer Mieter eine andere Freundin hat, kündigt sie ihm. Aber der junge Mann will die Wohnung nicht verlassen.

Oder Trevor (54), der sich nach einer tröstlich gemeinten Umarmung in seine Arbeitskollegin Ping verliebt. Die junge Taiwanerin verlässt die Firma. Trevor sucht nach „Berührung“ (so auch der Titel der Geschichte) in asiatischen Massagesalons. Dort lernt er u.a. die Ärztin Marta kennen, die aus Belarus stammt. Er schreibt seiner Frau Trudy einen Brief. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Schach unter dem Vulkan

Herbstzeit ist Krimizeit. So auch für Håkan Nesser, den schwedischen Schriftsteller (Jahrgang 1950), der nach fast genau einem Jahr, nach dem „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ erschienen ist, nun den 7. Band der Kommissar Barbarotti Reihe veröffentlicht. Am 4. Oktober 2021 kam bei btb Nessers „Schach unter dem Vulkan“ in einer Übersetzung von Paul Berf heraus.

Kommissar Gunnar Barbarotti ermittelt in diesem Fall im Schriftsteller/innenmilieu. Im November des Jahres 2019 verschwindet der Autor Franz J. Lunde nach einer Lesung in Kymlinge spurlos. Zunächst ist Barbarotti auf sich allein gestellt, denn seine Kollegin und Lebenspartnerin Eva Backmann ist nach Australien geflogen, um zu klären, warum ihr Sohn Kalle dort in Untersuchungshaft gelandet ist.

Barbarotti erfährt, dass Lunde während seiner Lesungen von einer weiblichen Person aus dem Publikum bedroht wurde. Lunde arbeitete an einem Text mit dem Titel „Letzte Tage und Tod eines Schriftstellers“. In seinem früheren Roman „Das feinmaschige Netz“ beschreibt Lunde einen perfekten Mord. Weiterlesen

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Graham Norton: Heimweh

Der irische Komiker, Schauspieler, Moderator und Buchautor Graham Norton wurde 1963 als Graham William Walker in Dublin geboren. Besonders bekannt wurde Norton durch die Comedy-Talkshow „The Graham Norton Show“. 2017 erschien sein Debütroman „Ein irischer Dorfpolizist“ bei Kindler in Deutschland. Nun veröffentlichte der Verlag am 19. Oktober 2021 Graham Nortons Buch „Heimweh“ in einer Übersetzung von Silke Jellinghaus und Katharina Naumann.

Ende der 1980er Jahre verunglücken in dem irischen Städtchen Mullinmore sechs junge Leute auf ihrer Rückfahrt von einem Ausflug zum Meer. Bernie Bradley und David Hegarty wollen am nächsten Tag heiraten. Carmel O’Connell, ihre Brautjungfer, und Linda, Carmels Schwester, Martin Coulter, der Sohn des Dorfarztes und Connor Hayes, dessen Eltern ein Pub in Mullinmore besitzen, sitzen in dem Auto, das an einem Kreisverkehr von der Straße abkommt und sich überschlägt. Bernie, David und Carmel sind tot, Linda schwerverletzt, Martin und Connor nur leicht. Connor Hayes hatte den Wagen gefahren. Nach dem Gerichtsprozess wird Connor nach Liverpool geschickt. Seine Schwester Ellen heiratet später Martin Coulter und Linda O’Connell sitzt im Rollstuhl. Für Connor beginnt in England ein anderes Leben. Er lernt Männer kennen und geht schließlich nach New York, wo er viele Jahre mit Tim zusammenlebt. Dort lernt er 2012 einen jungen Iren in einer Bar kennen. Und mit dieser Begegnung muss er sich der Vergangenheit in Mullinmore stellen. Weiterlesen

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Daniel Schreiber: Allein

Der deutsche Autor Daniel Schreiber (Jahrgang 1977) lebt und arbeitet in Berlin. Er hat 2007 eine Susan Sontag Biografie veröffentlicht. Seine beeindruckenden Essays „Nüchtern“ und „Zuhause“ erschienen 2014 und 2017. Am 27. September 2021 kam bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag sein neuestes Essay mit dem Titel „Allein“ heraus.

Wie in „Nüchtern“ und „Zuhause“ nähert sich Daniel Schreiber dem Thema „Allein“ von seiner persönlichen, subjektiven Seite. Beim Gärtnern, Wandern, Yoga und Stricken denkt er über die Bedeutung und den Wert von Freundschaften und über das Alleinsein nach. Und all dies in Zeiten der Corona-Pandemie.

Schreiber bleibt jedoch nicht im Persönlichen haften, er schlägt den Bogen zur Literatur, Philosophie, Psychoanalyse und Soziologie. Dabei lerne ich als Lesende das Phänomen Alleinsein von verschiedenen Seiten kennen. Dazu gehören Stichworte wie uneindeutige Verluste („Verluste, bei denen es unklar bleibt, was genau man verloren hat.“ S. 79), Freundschaft, Einsamkeit oder Liminalität („Schwellenzustand, eine Zeit außerhalb der regulären Zeit, in der viele alte Regeln und Normen nicht mehr zu gelten schienen.“ S. 75). Weiterlesen

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Tanja Schwarz: In neuem Licht

Die deutsche Autorin Tanja Schwarz (Jahrgang 1970) lebt und arbeitet in Hamburg. Am 27. September 2021 veröffentlichte hanserblau im Carl Hanser Verlag ihr Buch „In neuem Licht“.

Darin finden sich zwölf Erzählungen oder wie es im Untertitel heißt Romanminiaturen.

Schon mit der ersten Geschichte „Sonnenwende“ packt Tanja Schwarz mich als Lesende. Da begegne ich Nele, die sich mit ihrer psychisch kranken Mutter beschäftigen und für sie eine besondere Therapieentscheidung treffen muss. Neles eigene Tochter Sina ist darüber fassungslos und empört.

In „Axalp“ wehrt Sina sich dann gegen die Ski-Reise mit ihrer Mutter und will bei ihrem Vater Hauk leben.

In  „Unabomber“ verliebt sich die über fünfzigjährige Ulla in Ibo, einen jungen Kurden. Sie lässt ihn und seine Freunde bei sich wohnen, bezahlt Ibo den Deutschkurs oder seine Internetbestellungen und sie liebt den Sex mit ihm, ganz zum Unverständnis ihres Sohnes Ian. Am Ende brennt die Unabomberhütte.

Da ist Lene mit ihrer Tochter Lynn, die von ihrem Mann getrennt lebt und Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Eines Tages läuft eine Unterrichtsstunde aus dem Ruder. Die Figur Lene taucht auch in den Geschichten „Cover me“ und „Eine Harzreise“ wieder auf. Weiterlesen

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F. Scott Fitzgerald: Partytime (1920-1930)

Der US-Amerikaner F. Scott Fitzgerald (1896-1940) ist berühmt für seine Romane „Diesseits vom Paradies“ und  „Der große Gatsby“, die im Original 1920 bzw. 1925 veröffentlicht wurden. Fitzgerald schrieb außerdem Drehbücher und Kurzgeschichten. Im Diogenes Verlag erschien 2015 der Shortstory-Band „Liebe in der Nacht und andere Lovestorys“ (1920). Am 28. Juli 2021 ist nun ebendort „Partytime“ mit Geschichten aus den Roaring Twenties herausgekommen. Die sieben Geschichten wurden im Original zwischen 1920 und 1930 (meist in Zeitschriften) veröffentlicht. Für den Diogenes Verlag hat sie Silvia Zanovello ausgewählt.

Und natürlich dreht sich alles um Partys in den Geschichten. Da meint die reiche und eigenwillig-arrogante Rags Martin-Jones auf den Prince of Wales in einem Nachtclub in New York zu treffen.

Da bekommt die langweilige Bernice von ihrer Cousine Nachhilfe zur Steigerung ihrer Attraktivität auf Partys und lässt sich sogar darauf ein, sich einen Bubikopf schneiden zu lassen.

Oder der arme Gordon, der sich in der Geschichte „Erster Mai“ wegen eines Mädchens unbedingt Geld leihen und dafür seinem ehemaligen Studienkollegen Philip auf einen Ball der Yale-Absolventen folgen muss. Weiterlesen

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Douglas Stuart: Shuggie Bain

Der Schotte Douglas Stuart (Jahrgang 1976) studierte Modedesign in London und arbeitete für bekannte Marken wie Calvin Klein oder Gap. Er lebt in New York. Für sein Erstlingswerk „Shuggie Bain“ erhielt Stuart 2020 den Booker Prize. Nun ist der halbautobiografische Roman am 23. August 2021 bei Hanser Berlin im Carl Hanser Verlag erschienen. Übersetzt hat ihn Sophie Zeitz.

Douglas Stuart wuchs in Glasgow auf. Seine Mutter war alleinerziehend und alkoholabhängig. Sie starb als Stuart sechzehn Jahre alt war. Ihr hat er das Buch gewidmet.

„Shuggie Bain“, der eigentlich Hugh heißt, ist der jüngste Sohn von Agnes und Shug Bain. Seine Geschwister Leek und Catherine stammen aus Agnes’ erster Ehe mit Brendan McGowan. Sie leben Anfang der 1980er Jahre – zunächst zusammen mit Agnes’ Eltern, Lizzie und Wullie – in einer Hochhaus-Siedlung im Glasgower Stadtteil Sighthill. Big Shug Bain ist Taxifahrer und Macho. Er betrügt Agnes nach Strich und Faden mit anderen Frauen. Dann ziehen sie nach Pithead, einem heruntergekommenen Bergarbeiterdorf, um. Shug verlässt die Familie. Und Agnes, auf sich allein gestellt, säuft und lässt sich mit Männern ein, die ihr den nächsten Drink, das nächste Bier spendieren. Catherine geht mit ihrem Freund und Verlobten nach Südafrika. Und auch Leek haut irgendwann ab. Nur Shuggie harrt bei seiner über alles geliebten Mutter aus. Er verzeiht ihr alle Alkoholexzesse, ihr Selbstmitleid und ihr Gezeter. Für kurze Zeit wird Agnes  mit Hilfe der Anonymen Alkoholiker trocken. Sie hat einen neuen Freund, Eugene, der ebenfalls Taxi fährt. Doch die neue Liebe hält nicht lange. Agnes versinkt im Alkohol. Und Shuggie spürt immer mehr, dass er anders ist als die anderen Jungs. Weiterlesen

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Daniela Krien: Der Brand

Die deutsche Autorin Daniela Krien (Jahrgang 1975) lebt und arbeitet in Leipzig. Ihr Roman „Die Liebe im Ernstfall“ aus dem Jahre 2019 wurde ein Erfolg und vielfach verkauft. Nun ist am 28. Juli 2021 ihr neues Buch „Der Brand“ im Diogenes Verlag erschienen.

Das Ehepaar Rahel und Peter Wunderlich aus Dresden ist fast drei Jahrzehnte verheiratet, ihre Kinder Selma und Simon sind erwachsen. Rahel ist Psychologin und arbeitet als Gesprächstherapeutin, er ist Literaturprofessor, sie leben in Dresden. Für den Corona-Sommer 2020 haben sie eine Hütte in den Ammergauer Bergen gemietet. Diese Hütte brennt drei Tage vor ihrer Ankunft ab. Zufällig ruft kurz nach der Absage des Vermieters Ruth an. Die siebzigjährige Ruth ist die Freundin von Rahels verstorbener Mutter Edith. Ruths Mann Viktor hat einen Schlaganfall erlitten, und Ruth bittet Rahel sich um den Hof in Dorotheenfelde in der Uckermark zu kümmern. Rahel sagt zu. Ihre Ehe ist in eine Sackgasse geraten. Peter schläft nicht mehr mit ihr. Für drei Wochen werden Rahel und Peter nun den Hof und die Tiere versorgen, Gespräche führen und Streits austragen, Rotwein trinken, ihre Kinder zu Besuch empfangen und am Ende zu einem Gundermann-Song zurück nach Dresden fahren. Weiterlesen

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Ali Smith: Sommer

Der Sommer ist da und mit ihm Ali Smiths letzter Band ihres Jahreszeitenquartetts. Nach „Herbst“ (2019), „Winter“ (2020) und „Frühling“ (2021) ist „Sommer“ am 26. Juli 2021, wiederum übersetzt von Silvia Morawetz, im Luchterhand Literaturverlag erschienen.

Darin findet sich die Familie Greenlaw in Brighton 2020 am Anfang der Corona-Pandemie, die die Welt erschüttern wird. Die 16jährige Sacha hadert mit ihrer Mutter Grace, ihrem 13jährigen Bruder Robert und mit der

menschengemachten Apokalypse. Der Vater von Sacha und Robert, Jeff, hat sich von Grace getrennt und lebt nun nebenan mit seiner neuen Freundin Ashley. Die Greenlaws erhalten Besuch von Arthur („Art in Nature“) und Charlotte, die die Leserinnen und Leser des Zyklus aus „Winter“ kennen. Die beiden wollen zu dem inzwischen hundertvierjährigen Daniel Gluck (aus „Herbst“), der ein alter Freund von Arts Mutter Sophia gewesen sein soll. Daniel, der inzwischen im Haus von Elisabeths Mutter, seiner ehemaligen Nachbarin, lebt und gepflegt wird, schwebt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Weiterlesen

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