Bert Wagendorp: Ferrara

Der niederländische Journalist Bert Wagendorp (Jahrgang 1956) hat eine Fortsetzung zu seinem Roman „Ventoux“ aus dem Jahre 2016 (Deutsche Erstausgabe) geschrieben. Am 14. Juni 2022 veröffentlichte btb aus der Penguin Random House Verlagsgruppe das Buch mit dem Titel „Ferrara“. Aus dem Niederländischen übersetzt hat es Andreas Ecke.

Darin finden sich die vier alten Freunde Bart, Joost, David und André (alle Mitte fünfzig) in der oberitalienischen Renaissancestadt Ferrara wieder. Joost hat dort einen verfallenen Palazzo gekauft und möchte nun ein Designhotel daraus machen. Seine Freunde reisen an, um ihn bei den Baumaßnahmen zu unterstützen. Leider sind ihre handwerklichen Fähigkeiten derart beschränkt, dass sie schließlich auf professionelle Handwerker zurück greifen müssen. Ein Glück, dass André Bianca de Jong kennt, die sich als Architektin mit der Sanierung von Immobilien auskennt und in Mailand lebt. Von nun an genießen die Freunde ihre Zeit in Ferrara, fahren Fahrrad oder Tesla (!), erkunden die Stadt und ihre Umgebung, kochen, essen, trinken und führen Gespräche. Barts Tochter Anna bekommt einen Auftrag als Korrespondentin einer Zeitung im Nahen Osten zu arbeiten. Weiterlesen

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Ian Rankin: Ein Versprechen aus dunkler Zeit

Der Schotte Ian Rankin (Jahrgang 1960) setzt seine erfolgreiche John-Rebus-Reihe weiter fort. Im Wilhelm Goldmann Verlag erschien am 14. Juni 2022 der nächste Band in einer Übersetzung von Conny Lösch.

Der Edinburgher Detective Inspector im Ruhestand lässt das Ermitteln auch in dem neuen Kriminalroman „Ein Versprechen aus dunkler Zeit“ nicht. Außerdem plagt er sich mit dem Umzug in eine neue Wohnung herum. Aufgrund seiner Lungenerkrankung siedelt er mit seinem Hund Brillo ins Erdgeschoss um. Siobhan Clarke nimmt sich eine Woche Urlaub, um ihm zu helfen. Dann geschehen zwei Dinge: Der Freund von  John Rebus’ Tochter Samantha verschwindet, und der ausländische Student Salman bin Mahmoud, ein wohlhabender, junger Mann wird tot auf einem Parkplatz gefunden.

John Rebus fährt sofort in seinem alten Saab Richtung Norden los. Samantha, Keith und Tochter Carrie leben im schottischen Küstenort Naver. Keith Grant arbeitet an der Stilllegung eines nahegelegenen Atomkraftwerks und betätigt sich als Hobby-Historiker. Dabei hat es ihm die Geschichte eines ehemaligen Internierungslagers aus dem 2. Weltkrieg besonders angetan. Im Camp 1033 waren während des Krieges zunächst Ausländer, die im Vereinigten Königreich lebten, und dann deutsche Kriegsgefangene inhaftiert. Weiterlesen

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Helen Cullen: Der Riss, durch den das Licht eindringt

Die Irin Helen Cullen lebt in London. 2019 erschien ihr erster Roman „Die verlorenen Briefe des William Woolf“. Nun veröffentlichte der Wilhelm Goldmann Verlag (Wunderraum) am 14. Juni 2022 Cullens zweiten Roman mit dem Titel „Der Riss, durch den das Licht eindringt“. Jörn Ingwersen übersetzte das Buch aus dem Englischen.

Helen Cullens „Der Riss, durch den das Licht eindringt“ trägt einen sperrigen deutschen Titel. In der Originalausgabe von 2020 heisst das Buch „The Truth Must Dazzle Gradually“ und stammt aus einem Gedicht von Emily Dickinson.

Der Roman startet am Heiligabend im Jahre 2005 mit dem Selbstmord von Maeve Moone. Maeve hinterlässt ihren Mann Murtagh und die Kinder Nollaig, Tomás, Dillon und Sive. Murtagh ist Töpfer. Die Familie lebt auf der kleinen irischen Insel Inis Óg.

Danach springt Cullen nach Dublin in das Frühjahr des Jahres 1978 zurück, in dem sich die Amerikanerin Maeve und der Ire Murtagh kennenlernen, und erzählt die Familiengeschichte der Moones bis zum Heiligabend des Jahres 2015. Weiterlesen

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Gary Shteyngart: Landpartie

Der US-amerikanische Journalist und Schriftsteller Gary Shteyngart (Jahrgang 1972) wurde mit dem Namen Igor Semyonowitsch Shteyngart in Leningrad (heute St. Petersburg) geboren und emigrierte Ende der 1970er Jahr mit seinen jüdisch russischen Eltern in die USA . Dort gilt er heute als Kultautor. Der Penguin Verlag veröffentlichte am 23. Mai 2022 seinen Roman „Landpartie“ in einer Übersetzung von Nikolaus Stingl.

In „Landpartie“ von Gary Shteyngart findet sich im Frühjahr 2020 eine kleine Gesellschaft von Intellektuellen und Künstlern auf der Flucht vor der Corona-Pandemie in der Nähe von New York City auf einem Landgut am Hudson ein. Der Besitz, der aus einem Haupthaus und fünf Holz-Bungalows (nach dem Vorbild einer kleinen russischen Kolonie) besteht, gehört dem aus Russland immigrierten Schriftsteller Alexander (Sasha) Borisovich Senderovsky. Hier lebt er gemeinsam mit seiner Frau Masha, einer Psychiaterin, und seiner (verhaltensgestörten) Adoptivtochter Natasha (Nat). Allerdings ist das Anwesen in die Jahre gekommen und überall zeigen sich Anzeichen des Verfalls. Senderovskys einstiger Ruhm ist verblasst, und er benötigt dringend eine Einnahmequelle, um seine Ausgaben zu decken. Diese erhofft sich Senderovsky von dem berühmten Schauspieler, den er neben seinen Freunden aus Highschoolzeiten in die Bungalow-Kolonie eingeladen hat. Nach und nach treffen die Gäste ein: Karen Cho, reiche Erfinderin einer erfolgreichen Dating-App, Vinod Metha, krebskranker außerordentlicher Ex-Professor und Koch, Ed Kim, wohlhabender Weltreisender und Dee Cameron, ehemalige Studentin von Senderovsky. Letztere trägt ihren Namen in Anspielung auf Boccaccios „Il Decamerone“ aus dem 14. Jahrhundert zu Zeiten der Pest. Shteyngart gibt diesen Figuren, Dee ausgenommen, ausländische (überwiegend asiatische) Wurzeln. Weiterlesen

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Katharina Adler: Iglhaut

Die deutsche Autorin Katharina Adler (Jahrgang 1980) lebt und arbeitet in München. 2018 veröffentlichte sie in ihrem ersten Roman mit dem Titel „Ida“ die Geschichte ihrer Urgroßmutter. Nun erschien am 12. April 2022 ihr zweiter Roman „Iglhaut“ im Rowohlt Verlag.

„Iglhaut“, deren Vornamen die Lesenden nicht erfahren, ist Schreinerin und wohnt in einem Mietshaus in München. Ihr Handwerk betreibt sie in einer Garage im Hinterhof des Hauses. Die Nachbarn aus Vorder- und Gartenhaus kommen täglich an ihrer Werkstatt vorbei und fast immer ergibt sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch. Da erzählt ihr Uli Reizberg von dem Hauptgewinn in einem Kreuzworträtsel, einer Reise nach Ägypten. Oder Frau Ivanović beklagt die Wohnungsnot ihres Neffen. Das Ehepaar Zenker von oben streitet die ganze Zeit lautstark, und die Schriftstellerin im Dachgeschoss sieht man nie. Da gibt es noch Jasmina aus der betreuten Wohngemeinschaft und Tildi Rolff, die alte Sozialdemokratin, die inzwischen von Ronnie L. gepflegt  und mit Cannabis versorgt wird. Außerdem wohnt Valeria, Iglhauts Freundin, mit ihrer Tochter Thea im Haus. Es ist Valeria, die auf die Idee kommt, dass die Iglhaut mit Uli nach Hurghada reisen soll. Iglhauts Eltern haben sich getrennt. Der Vater bekocht die Tochter und der Mutter spendete die Iglhaut einst eine ihrer Nieren. Iglhauts Ex, der Anwalt Dori, übernachtet trotz Frau und Kindern hin und wieder bei ihr. Die Kanzlerin ist Vegetarierin und weicht nicht von Iglhauts Seite. Ums Eck kehrt die Nachbarschaft im Imbiss von Herakles und seiner Mama ein. Und für einen Blick in die Zukunft gab es Handlesen in Nurjas Hexenladen. Weiterlesen

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Kristine Bilkau: Nebenan

Die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Kristine Bilkau (Jahrgang 1974) hat nach ihrem Debütroman „Die Glücklichen“ aus dem Jahre 2015 und „Eine Liebe, in Gedanken“ (2018) nun ihren dritten Roman veröffentlicht. „Nebenan“ erschien am 8. März 2022 im Luchterhand Literaturverlag.

Darin leben Julia, Keramikerin, Ende dreißig mit unerfülltem Kinderwunsch, und ihr Mann Chris, Biologe, und Astrid, Ärztin, Anfang sechzig, kurz vor dem Ruhestand, und ihr Mann Andreas, ehemaliger Geschichtslehrer, in einem Dorf am Nord-Ostsee-Kanal. Julia und Chris sind aus Hamburg neu zugezogen. Astrid und Andreas leben schon ewig hier.

Julia hat in der nahen Kreisstadt, in der auch Astrid ihre Arztpraxis hat, einen Keramikladen aufgemacht. Aber sie fürchtet sich vor Kunden. Lieber verkauft sie ihre Produkte über das Internet. Dort surft sie stundenlang auf den Seiten von lauter „Happy Moms“ in ihren geschönten Familien und Haushalten und von einem Forum für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Astrid, Mutter von drei erwachsenen Kindern, sucht vergeblich seit einiger Zeit nach einem/r Nachfolger/in für ihre Hausarztpraxis. Sie kümmert sich um ihre alte Tante Elsa, bei der sie als Kind mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gewohnt hat. Elsa ist eine Nachbarin von Julia und Chris. Weiterlesen

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Miranda Cowley Heller: Der Papierpalast

Die US-Amerikanerin Miranda Cowley Heller arbeitete bei dem New Yorker Kabelfernsehanbieter Home Box Office (HBO) und verantwortete dort mehrere erfolgreiche Serien. Mit Mitte fünfzig schrieb sie ihren ersten Roman „The Paper Palace“, der bei seiner Veröffentlichung 2021 zum New York Times Bestseller avancierte. Am 31. März 2022 erschien im Ullstein Verlag die deutsche Fassung unter dem Titel „Der Papierpalast“ in einer Übersetzung von Susanne Höbel.

Die Familie Bishop verbringt, wie jedes Jahr, den Sommer in Back Woods, Cape Code. Elle und Peter Bishop, ihre drei Kinder Jack, Maddy und Finn und Elles Mutter Wallace wohnen in den Hütten, die einst Elles Großvater Amory aus gepresster Pappe und Hohlziegeln gebaut hat, und die sie liebevoll „Papierpalast“ nennen. Es ist der 1. August, und am Abend zuvor hat Elle mit ihrem besten Freund aus Kindheitstagen Jonas „gefickt“, während ihre Kinder schlafen und ihr Ehemann Peter mit Jonas’ Frau Gina drinnen zusammen sitzt, redet und trinkt. Für Elle bedeutet es die Erfüllung einer lang gehegten Sehnsucht. Nun muss sie sich entscheiden, der brave Peter oder der wilde Jonas? Beide sehr gutaussehend und attraktiv. Weiterlesen

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Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt

Die Autorin und Literaturvermittlerin Mareike Fallwickl (Jahrgang 1983) ist Österreicherin. Sie schreibt im Schwerpunkt über feministische, queere und diverse Themen. Mit „Dunkelgrün fast schwarz“ erschien 2018 ihr Debütroman. Es folgte 2019 der Roman mit dem Titel „Das Licht ist hier viel heller“. Nun ist am 22. März 2022 ihr dritter Roman „Die Wut, die bleibt“ bei Rowohlt Hundert Augen erschienen.

Was für ein krasses Buch! Schon nach den wenigen Seiten der Leseprobe von „Die Wut, die bleibt“, die der Rowohlt Verlag auf seiner Homepage zur Verfügung stellt, bin ich als Lesende wie vom Donner gerührt.

„Haben wir kein Salz, sagt Johannes…“ und dann steht Helene  wortlos vom Abendbrottisch auf, geht die paar Schritte bis auf den Balkon und springt aus dem fünften Stock. Zurück bleiben ihre Kinder Lola, Maxi und Lucius, ihr Ehemann Johannes und ihre beste Freundin -seit Kindergartentagen- Sarah.

So beginnt Mareike Fallwickl die Geschichte um die zurückgelassenen Familienmitglieder im Schock. Sie erzählt sie Kapitel für Kapitel abwechselnd aus Lolas und aus Sarahs Perspektive. Es ist das Pandemie-Jahr 2. Die fünfzehnjährige Lola ist eine kluge, bockige Teenagerin, die Skateboard fährt und sich auf ihre Freundin Sunny verlassen kann. Sarah ist eine erfolgreiche Krimischriftstellerin, unverheiratet und kinderlos. Aktuell lebt sie mit Leon, einem wesentlich jüngeren Mann zusammen. Weiterlesen

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Agnes Krup: Leo und Dora

Die deutsche Schriftstellerin Agnes Krup lebt und arbeitet in Berlin und in Sharon, einer Stadt im Bundesstaat Connecticut, USA. Der Roman „Leo und Dora“, der am 14. März 2022 im Aufbau Verlag erschienen ist, ist ihr dritter Roman.

Die Geschichte von „Leo und Dora“ spielt im Sommer 1948. Leopold Perlstein arbeitet bei einer Versicherungsagentur in Tel Aviv, Palästina. Auf Einladung seiner Agentin Alma Liebreich soll er den Sommer in ihrem Landhaus in den Vereinigten Staaten von Amerika verbringen, um endlich seine Schreibhemmung zu überwinden. Vormals war Perlstein ein bekannter Schriftsteller in Wien. In der Nazizeit emigriert er nach Palästina. Seine Frau Helene geht mit der Tochter Gabriele nach Bombay.

Nach einer langen Schiffsreise und einem kurzen Stopp in New York City, fährt Leo mit dem Zug nach Sharon in Connecticut. Leider ist Almas Landhaus kurz zuvor abgebrannt, Alma und ihr Ehemann Hugo befinden sich auf einer Reise nach Buenos Aires, Argentinien.

Leo kommt missgelaunt im Gästehaus von Miss Dora unter. Miss Dora ist Witwe und betreibt ihr kleines, etwas heruntergekommenes Hotel, das „Roxy“, mit Leidenschaft, der Junge Anton und die Köchin Frau Kniffel helfen ihr. Leo macht Bekanntschaft mit dem ehemaligen Politiker Joel Geringer, der nun Klematis züchtet, und mit seiner Frau Asha. Weiterlesen

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Marie Aubert: Kann ich mit zu dir?

Die norwegische Schriftstellerin Marie Aubert (Jahrgang 1979) debütierte 2016 mit ihren Storys „Kan jeg bli med deg hjem“. Am 22. März 2022 legte der Rowohlt Verlag  die deutsche Ausgabe mit dem Titel „Kann ich mit zu dir?“ in einer Übersetzung von Ursel Allenstein und Stefan Pluschkat vor. Zuvor erschien Auberts vielbeachteter Roman „Erwachsene Menschen“ aus dem Jahr 2021 ebenfalls im Rowohlt Verlag.

„Kann ich mit zu dir?“ enthält neun kurze Geschichten. Darin erzählt Marie Aubert von Menschen, die sich belügen, sich schämen oder sich etwas vormachen. Es sind die alltäglichen Dinge im Leben, wie eine unbefriedigend lockere Beziehung, der man trotzdem nachtrauert, oder eine heftige Ohrfeige, die ein überforderter Vater seiner zickigen Tochter gibt und von ihr verlangt, dass sie es nicht erzählt. Da ist die vorbestrafte junge Frau, die einen verheirateten Mann und Vater mit der Frage „Kann ich nicht mit zu dir?“ anbaggert. Oder die enttäuschte, eifersüchtige Mitbewohnerin, die ihrer Freundin den neuen Freund missgönnt. Ein Paar will in Südamerika ein Kind adoptieren, vor Ort jedoch übertritt der Mann eine Grenze. In der letzten Geschichte fahren eine junge Mutter mit ihrem kleinen Kind und ihr neuer Lover in ihr Ferienhaus, um ein schönes Wochenende zu verbringen. Doch dann „passiert etwas“. Weiterlesen

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