Charlie English: Die Bücherschmuggler von Timbuktu

Timbuktu war ein geheimnisvoller Ort, der vor etwa 250 Jahren die Fantasie der Westeuropäer beflügelte. Die Gerüchte vom unermesslichen Reichtum in einem unerreichbaren und unerforschten Land in Afrika forderte so manchen Abenteurer heraus. In dieser Zeit waren Amerika und Asien bereits bereist und deren Entdecker berühmt. Es blieb nur noch Afrika, das für die Kartographen aus vielen weißen Flächen bestand. Vor allen Dingen in der Mitte des Kontinents, wenn man aus dem Norden kommend noch die Durchquerung der Sahara vor sich hatte, um den Niger zu erreichen. Ein Fluss, von dem kein Europäer wusste, wo sein Ursprung oder sein Verlauf war und wo er schließlich das Meer erreichte. Irgendwo an diesem Fluss sollte Timbuktu liegen, eine Stadt voller Schätze.

Nach der Gründung der African Association endeten die Annäherungsversuche der ersten Forschungsreisenden tödlich. In einem Brief berichtete Major Laing seinem Schwiegervater von einem überstandenen Überfall und den erlittenen Verletzungen:

„… Um oben zu beginnen: Ich habe drei Säbelwunden am Scheitel und drei an der linken Schläfe, allesamt Frakturen, bei denen ich viel Knochenmasse verloren habe. Ein Säbelhieb auf der linken Wange hat meinen Kiefer zerschmettert und mein Ohr zerschnitten … einen weiteren erhielt ich auf der rechten Schläfe. … eine klaffende Wunde im Nacken, … eine Musketenkugel in der Hüfte, fünf Säbelwunden am rechten Arm und der rechten Hand,  … drei Wunden am linken Arm, der gebrochen ist, eine leichte Verletzung am rechten Bein,   … zwei am linken …“ (S. 16, 17) Weiterlesen

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Miriam Toews: Ein komplizierter Akt der Liebe

… Die Stadt ist so ernst. Und so still. Und die Stille macht mich verrückt. Ob man daran sterben kann?“ (S. 11)

Nomi erkennt kurz vor ihrem Schulabschluss, dass ihre große Schwester Tash aus einem guten Grund aufgehört hat zu lachen, obwohl oder weil sie das normalste Mitglied der Familie Nickel ist. Sie verließ vor drei Jahren als erste die Familie, den einsamen Ort ihrer Kindheit und die strenggläubige Gemeinde der Mennoniten. Ein paar Monate später verschwindet ihre Mutter Trudi ohne Abschied aus ihrem Leben. Sogar ihr Pass bleibt in der Schublade liegen. Die für sie vorgesehene Zukunft macht Nomi ebenfalls angst. Soll sie wie alle anderen in der Hühnerfabrik von East Village arbeiten und sich an dem täglichen Töten der Tiere beteiligen? Das Einzige, was sie kurz vor ihrem Schritt in die Welt der Erwachsenen weiss, ist, dass ihr der Kompass fehlt.

Miriam Toews zählt zu den wichtigsten kanadischen Gegenwartsautorinnen. Nach einem Studium der Filmwissenschaften und Journalismus arbeitet sie für Presse und Rundfunk. Für ihre Romane Ein komplizierter Akt der Liebe, übersetzt von Christiane Buchner, Die fliegenden Trautmans und Das gläserne Klavier erhielt sie Preise. Weiterlesen

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Eduardo Haflon: Duell

… Ich nahm einen zweiten Schluck, den ich noch unangenehmer fand als den ersten, und gleichzeitig befiel mich ein Gefühl von … Traum … Die alte Frau beobachtete mich mit festem Blick … Es wird Ihnen helfen, Ihre Wahrheit zu sehen … , die Wahrheit, die Sie in sich tragen, sagte sie.“ (S. 59 E-Book)

Der Erzähler hat in seiner Jugend viele Geschichten über seine Familie gehört, manche immer wieder, als gelte es, etwas in der Erinnerung zu verankern, andere überraschen oder irritieren aufgrund des innewohnenden Widerspruchs. Doch ein bestimmter roter Faden zieht sich durch seine Familienbiographie, das Schweigen über Salomon, dem verstorbenen Bruder seines Vaters. Nach seinem Tod wurde niemand mehr in der Familie auf diesen Namen getauft, als wolle man die Tradition dieser Namensvergabe ebenfalls beerdigen.

Im Laufe der Jahre kommen neue Geschichten hinzu, manche halbwahr, manche erfunden. Salomon könnte vollständig in Vergessenheit geraten, wenn nicht dieses im Jahr 1940 entstandene Foto aus New York wäre. Weiterlesen

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M.R.C. Kasasian: Gower Street Detective 04: Die Geheimnisse der Gaslight Lane

1872 lebte und starb die Familie Garstang in ihrem Anwesen in der Gaslight Lane.

„… Die Garstangs hatten allen Grund anzunehmen, dass ihnen noch ein langes und gesundes Leben bevorstand. Sie hatten keinen Grund zu glauben, dass man sie wie Schweine abschlachten würde.“ (S. 9 E-Book) Mit ihnen starben drei ihrer Bediensteten sowie ihr Patensohn.

1883 geschieht im Haus der Garstangs erneut ein Mord. Dieses Mal trifft es wieder den Hausherrn, allerdings bleiben die Diener verschont. Dies erfahren March Middleton und ihr Patenonkel Sidney Grice, als sie von der Tochter und Erbin des Getöteten aufgesucht werden. Cherry Goodsmile glaubt nicht an die Ermittlungskünste der Polizei. Grice, der als persönlicher Ermittler berühmt ist, erhält von ihr den Auftrag, den Mörder ihres Vaters zu finden. Sidney Grice betrachtet das Besondere an diesem Mord als Herausforderung an seine Intelligenz. Zusammen mit seiner Assistentin March gehen sie den Fragen nach, wie konnte der Mörder in ein abgeschlossenes Gebäude und in ein verriegeltes Schlafzimmer eindringen, um den Hausherrn zu töten? Und wie war es ihm möglich, den Tatort bei abgeschlossenen Fenstern und mit von innen verriegelten Türen zu verlassen? Weiterlesen

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Franz Hessel: Pariser Romanze (1920)

Wenn der Soldat Arnold Wächter mitten im Ersten Weltkrieg im Dreck liegt, die Kameraden um ihn herum im Minutentakt sterben und das eigene Überleben vielleicht nur noch die Dauer weniger Momente erlaubt, dann erinnert er sich an das Schöne in Paris und an die Eine, die seinen Weg kreuzte.

Schönheit und Vergänglichkeit säumen den Weg des Intellektuellen Arnold Wächter in der Pariser Romanze von Franz Hessel, die erstmalig 1920 veröffentlicht wurde. Wächter hat eine Idee, wie Schönheit von Dauer sein könnte.

„… Ich sehe wohl, wie das Alte um mich her verfällt. … Und die Bausteine, die andere anschleppen, kommen mir vor wie aus Pappe. – Aber du bist schön, und das ist ein Verdienst und eine Aufgabe. Vielleicht wirst du so werden, dass die Menschen, die um dich leben, schönere Häuser bauen müssen … und … Wege und Gärten für dich bereiten … Dein Lächeln macht mir Hoffnung auf eine lebendige Zeit.“ (S. 100/101)

An seine Zeit in Paris erinnert sich Arnold Wächter, während er seinem besten Freund Claude einen langen Brief schreibt. Dieser Brief des Deutschen an einen Franzosen führt die vollständige Zerstörung vor Augen, in der mehr als nur Gebäude und Menschen zerschossen werden. Die Bindung der Menschen untereinander und ihre Kultur finden im Krieg kaum noch eine Berechtigung, wenn alles einem politischen Ziel geopfert wird. Weiterlesen

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David Ignatius: Quantum Spy: Der Feind im System

… Lassen Sie uns damit anfangen, worum es eigentlich geht, wenn wir über Quanteninformatik sprechen … ein Quantencomputer, falls wir es schaffen, ihn zu konstruieren,“ kann „…Zahlen wesentlich schneller faktorisieren … als ein klassischer Computer. …“ Der „… würde für das Faktorisieren einer fünfzigstelligen Zahl mehr als zehn Millionen Jahre brauchen. Der Quantencomputer dagegen würde das Problem in weniger als einer Sekunde lösen.“ (S. 252)

John Vandel und Li Zian arbeiten in führender Position beim amerikanischen beziehungsweise chinesischen Geheimdienst. Beide haben schon einige Konkurrenzkämpfe innerhalb ihrer Behörden überstanden und glauben an ihre eigene Klugheit und Überlegenheit. Als ein amerikanisches Start-up-Unternehmen glaubt, die nächste Computergeneration, den Quantencomputer, in absehbarer Zeit bauen zu können, befindet sich der chinesische Geheimdienst im Alarmzustand. Zum Glück berichtet ihr Maulwurf beim CIA regelmäßig über den aktuellen Stand der Forschung.

Aber auch John Vandels Abteilung ist besorgt, nachdem sie über einen chinesischen Wissenschaftler von dem Leck in den eigenen Reihen erfährt. Weiterlesen

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Alex Rogers: Das große tiefe Blau

Das große tiefe Blau des Meeres hat Alex Rogers schon als Kind fasziniert. An der irischen Küste fischte sein Großvater, während der Junge Alex die von der Ebbe freigelegten Meeresbewohner untersuchte. Heute zählt er zu den international bedeutendsten Ozeanologen.

Viele Forschungen haben ihm die Fülle an Leben in der Tiefsee vor Augen geführt und begeistert. Wie wichtig die Artenvielfalt in den unterschiedlichsten Korallenriffen ist, erfährt der Laie, wenn Rogers über seine Erlebnisse berichtet. Ob es sich um einen beißenden Wurm aus der Tiefsee handelt oder was passiert, wenn Korallen laichen. Der Autor weiß ganz genau, wie er seine Leser auf seine Tauchgänge mitnehmen kann. Dass jede Reise auch ernüchternde Erkenntnisse beinhaltet, beschreibt Alex Rogers ebenfalls anhand des Fischfangs mit Schleppnetzen. Bei dieser Methode werden tonnenschwere Tore auf Rädern über die Hänge von Tiefseegebirgen und Korallenriffen gezogen. Zurück bleibt eine fast 100 %-ige Zerstörung der Lebensgrundlage aller Meeresbewohner, direkt oder indirekt. Man könnte diese Art von Fischfang im übertragenden Sinne mit dem Roden eines Waldes vergleichen, um ein einzelnes Eichhörnchen zu erlegen. Weiterlesen

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Elizabeth Harrower: Die Träume der anderen (1966)

Der plötzliche Tod des Vaters verändert das Leben der Schwestern Laura und Clare. Auf Wunsch der Mutter verlassen sie das Internat und müssen damit auf eine fundierte Schulbildung verzichten. Um weitere Kosten zu sparen, verkauft die Mutter auch das Haus in Sydney und mietet ein möbliertes Apartment in dem unbedeutenden Stadtteil Manly an.

„… Ab morgen früh, mein Fräulein, übernehmt ihr das alles, du und Clare.“ Stella Vaizey ließ sich in ihr Bett zurücksinken und streckte mit einer entspannten Geste eine kleine beringte und manikürte Hand von sich weg. … „Du bist in diesem Berufskolleg eingeschrieben, Clare ist in der Schule angemeldet, und … Ihr wisst, wo man einkaufen kann, …“ (S. 12/13)

Die sieben Jahre ältere Laura übernimmt die Rolle der Versorgenden. Dies macht sie so gut, dass die Mutter schon bald beschließt, allein in ihre alte Heimat zurückzuziehen. Die Mädchen werden schon klar kommen. Schließlich arbeitet Laura in dieser Kartonfabrik und ihr unverheirateter Chef, Felix Shaw, möchte vielleicht nicht mehr unverheiratet bleiben. Der Wunsch der Mutter wird erhört, und Felix gefällt die Aussicht, zwei junge Haushälterinnen in seinem Haus zu haben. Dabei spart er auch noch Lauras Sekretärinnengehalt ein.

Der Abschied der Mutter, die Hochzeit und der Einzug in Felix Villa finden zeitnah statt. Nach dieser perfekt abgestimmten Inszenierung lernen die Mädchen Felix wahres Gesicht kennen. Weiterlesen

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Hayley Barker: Die Arena 02: Letzte Entscheidung

Nachdem die alte Arena vor einem Jahr abgebrannt ist, werden Ben und Hoshiko wie Schwerverbrecher gejagt. Jeder, der die beiden verrät, egal ob hochgestellter Pure oder versklavter Dreg, kann sich ein hohes Kopfgeld auszahlen lassen.

Inzwischen gibt es eine neue Arena. Noch größer, schöner und extrem gefährlich für die dort arbeitenden Dregs. Kurz vor seiner Eröffnung wird Ben verhaftet, während Hoshiko und ihren Weggefährten die Flucht in die Slums gelingt.

Bens Flucht ist nun endgültig vorbei. Seine Mutter, die um jeden Preis die kommende Präsidentenwahl gewinnen will, verlangt seine Degradierung. Ben muss im Zirkus das Leben der Dregs teilen, die ihm misstrauen oder ihn hassen. Vom brutalen Zirkusdirektor erfährt er, dass in zwei Tagen die Eröffnungsfeier stattfindet. Vor großem Publikum will seine Mutter ihn leiden und sterben sehen. Weiterlesen

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André Wiersig & Erik Eggers: Nachts allein im Ozean

„… Wenn man allein schwimmt, gibt es niemanden, dem man das alles erzählen könnte.“ (S. 32) André Wiersig war als Soloschwimmer unterwegs, um die berühmt-berüchtigten Oceans’s Seven zu durchqueren. Er schaffte alle beim ersten Versuch unter zum Teil lebensgefährlichen Bedingungen. Der ehemalige Leistungsschwimmer und Ironman begann – sportlich gesehen – im ruhigen Fahrwasser. Im Februar 2011 wollte er in einer Bucht auf Ibiza zu einer 400 Meter entfernten Boje schwimmen und scheiterte an dem 14 Grad warmen Wasser. Dies wurmte ihn so sehr, dass er seinen Körper auf Kälte zu trainierte. Ein Jahr später schaffte er die Strecke.

Wie so oft kommt eines zum anderen. Bei André Wiersig war es der unbescheidene Wunsch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen. Die Distanz von mehr als 33 Kilometern verlangt von jedem Schwimmer aufgrund der niedrigen Wassertemperatur, der Strömung und dem regen Schiffsverkehr maximalen Krafteinsatz. Die Quote unter den Männern, das Ziel nicht zu schaffen, soll bei 5:1 liegen. Weiterlesen

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