„… Ich konnte mich nicht erinnern, Entscheidungen getroffen zu haben.“ (S. 37) Dass Unentschlossenheit auch eine Form der Entscheidung ist, bereitet Katharina anfangs keine Sorgen, bis die Einmischung anderer ihr immer
weniger gefallen. Auf einmal fühlt sich im Leben der jungen Frau ziemlich viel falsch an.
„… Ich hatte geglaubt, nach dem Studium würde sich beruflich irgendetwas ergeben, aber es hatte sich nichts ergeben, nichts bis auf diverse unterbezahlte Nebenjobs, unbezahlte Praktika und die regelmäßigen obligatorischen Erniedrigungen durch das Arbeitsamt.“ (S. 101)
Sie ist deshalb so unsichtbar geworden, wie es ihr möglich ist. Bei Falk wohnt sie seit drei Jahren zur Untermiete. Alle denken, er wäre ihr Freund. Falks Wohnung ist Falks Wohnung geblieben, spartanisch eingerichtet mit leeren Wänden. Auch ihr Zimmer gestaltet Katharina minimalistisch. Eine Matratze auf dem Boden, kaum Möbel.
Als ihre Mutter stirbt, beginnt sie ihr vergangenes Leben zu reflektieren. Am emotionalen Tiefpunkt angekommen, kann es zu ihrem Glück nur noch aufwärtsgehen. Katharina nimmt einen Aushilfsjob in der Kantine des Theaters an. Überraschenderweise gefällt ihr die Arbeit und auch die Hoffnung, in ein paar Monaten ihrem Vater zu begegnen. Wolf Eschenbach, der bekannte Intendant, kehrt an den Ort zurück, wo er Katharinas Mutter kennengelernt und viel zu früh verlassen hat. Weiterlesen






Der Erzähler hat in seiner Jugend viele Geschichten über seine Familie gehört, manche immer wieder, als gelte es, etwas in der Erinnerung zu verankern, andere überraschen oder irritieren aufgrund des innewohnenden Widerspruchs. Doch ein bestimmter roter Faden zieht sich durch seine Familienbiographie, das Schweigen über Salomon, dem verstorbenen Bruder seines Vaters. Nach seinem Tod wurde niemand mehr in der Familie auf diesen Namen getauft, als wolle man die Tradition dieser Namensvergabe ebenfalls beerdigen.
