Mirna Funk: Zwischen Du und Ich

Das ist wieder einmal so ein Roman, bei dem es schwerfällt, sich ein eindeutiges Urteil zu bilden. Das Thema, dessen sich die in Ost-Berlin geborene Autorin annimmt, ist interessant und kann nicht oft genug angesprochen werden. Der Stil ist modern, rasant, brachial, aber auch verstörend, nicht einfach zu lesen. Die Figuren sind es aber vor allem, die diesen Roman zu einer schwer verdaulichen Lektüre machen.

Die junge Nike, in Berlin beim DAAD arbeitende Jüdin, hadert mit ihrem Leben, mit ihrer Familie, mit sich selbst. Sie hat Erfahrungen hinter sich, die sie physisch und psychisch beschädigt haben, über die sie aber weder mit anderen noch mit sich selbst reflektieren kann. Ganz spontan beschließt sie, für ein Jahr nach Israel zu gehen und sich dort für den DAAD einzusetzen. Sie tauscht mit einer Israelin die Wohnung und findet in Tel Aviv auch recht gut Anschluss an die dortigen Kolleginnen.

Noam, der in Tel Aviv beim Haaretz als Journalist tätig ist und dort eine regelmäßige Kolumne veröffentlicht, ist ein ähnlich zerrissener Charakter. Auch er hat in Kindheit und Jugend schlimmste Erlebnisse verarbeiten müssen bzw. hat sie bis heute nicht verarbeitet. Weiterlesen

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Michael Macht: Hunger, Frust und Schokolade: Die Psychologie des Essens

Ein besseres Timing für das Erscheinen dieses Sachbuchs hätte man sich kaum ausdenken können. Jetzt, während der Pandemie, wo wir alle unserem Frust mit Essen begegnen und dadurch mehr zunehmen, als gut für uns ist, hilft diese Analyse unseres Essverhaltens.

Michael Macht, Psychotherapeut und Professor für Psychologie an der Universität Würzburg, legt hier sein erstes populärwissenschaftliches Buch vor. Und das ist ihm, meiner Meinung nach, durchaus gelungen.

In gut lesbarem, flott geschriebenem und leicht verständlichem Stil beschreibt er die Gründe für Hungergefühl, berichtet von verschiedenen Forschungsansätzen zu diesem Thema in der Vergangenheit und Gegenwart und reichert all das mit vielen anschaulichen und spannenden Beispielen an. Dass nicht immer ganz offensichtlich ist, ob es sich um authentische Beispiele aus der Praxis handelt oder um von ihm sehr kreativ erfundene, schadet dabei nicht. Er schildert nachvollziehbar die Probleme mit und vor allem die Ursachen für Essstörungen, wie beispielsweise Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating. Weiterlesen

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Susanne Goga: Das Geheimnis der Themse

Zu diesem historischen Roman der Mönchengladbacher Autorin gibt es einen Vorgängerband mit dem Titel „Der verbotene Fluss“, den ich leider nicht gelesen habe. Doch auch ohne diese Vorgeschichte zu kennen, kann man das neue Buch verstehen und genießen. So man denn diese Romangattung mag.

Charlotte, eine junge Deutsche, ist seit zwei Jahren mit Tom verheiratet. Sie hat vor der Ehe als Gouvernante gearbeitet, er ist Autor und Rezensent von Theateraufführungen. Die beiden leben im London des Jahres 1894. Charlotte ist eine Frau mit einem für diese Zeit sehr ausgeprägten Unabhängigkeitsdrang. Sie hat durchaus ihren eigenen Kopf und sieht ihre künftige Rolle nicht ausschließlich als Ehefrau und Mutter. Wobei letzteres aktuell nicht zur Debatte steht, denn sie und Tom warten immer noch auf Nachwuchs, den sich vor allem Tom sehnlichst wünscht. Diese ungewollte Kinderlosigkeit ist eines der beiden Hauptthemen des Romans. Was natürlich vor dem Hintergrund der Zeit, in der der Roman spielt, besonders interessant ist.

Vorrangig geht es allerdings um Magie, Mystik und allerlei Geheimbünde, die in London existieren. Als eine junge Frau tot am Ufer der Themse gefunden wird und in der Nähe der Leiche offensichtlich ein Pentagramm aus Kerzen aufgebaut war, beginnen Charlotte und Tom nachzuforschen. Weiterlesen

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Lutz Kreutzer: Die Akte Hürtgenwald

Eigentlich soll Kommissar Straubinger, strafversetzt von Köln nach Stolberg bei Aachen, das Archiv im Keller der Polizeistation aufräumen. Doch dabei findet er eine alte Akte, die von einem Todesfall im Jahr 1956 berichtet, ein gut situierter Bürger der Stadt ist im Wald unter ungewöhnlichen Umständen ums Leben gekommen.

Straubinger „riecht“ Ungereimtheiten bei diesem alten Fall und, mit Erlaubnis seines neuen Vorgesetzten, beginnt er unter den Einheimischen zu ermitteln. Dabei begegnet er mitteilsamen und zugeknöpften Mitmenschen, von denen der eine oder die andere durchaus etwas zu verbergen hat. Besonderes Interesse entwickelt Straubinger für den sogenannten Wolkenmaler, ein Eigenbrötler, der allein im Wald in einer selbstgebauten Hütte haust. Als ein Mord geschieht, der offensichtlich einen Bezug zu den Ereignissen der Vergangenheit hat, übernimmt Straubinger ganz offiziell die Ermittlungen auch in dem aktuellen Fall.

Der Plot könnte wirklich spannend sein, bietet doch auch die Region, in der die Handlung angesiedelt ist, eine wahrlich geschichtsträchtige Kulisse. In der Gegend um Hürtgenwald fand gegen Ende des Zweiten Weltkriegs eine grausame Schlacht zwischen Deutschen und Amerikanern statt, die unzählige Todesopfer forderte. Zurück blieben von diesen Kämpfen unentdeckte Minen und Munition, die bis heute für Spaziergänger und Waldarbeiter lebensgefährlich werden können. Weiterlesen

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Durian Sukegawa: Die Katzen von Shinjuku

Ein anrührender, einfühlsamer Roman um zwei Menschen auf der Schattenseite des Lebens. Yama, ein junger, schüchterner Fernsehautor, der von seinem Vorgesetzten auf das Heftigste drangsaliert wird, betritt eines Abends eine winzige Bar im Viertel Shinjuku. Hinter der Theke der Bar bedient die ebenfalls sehr junge Yume. Eine wortkarge Frau, die schielt und die eine ganz besondere Beziehung zu Katzen hat. Um diese Katzen dreht sich auch die Katzenwette, bei der einige der Kneipengäste darauf wetten, welche Katze als nächste durch ein Oberlicht in den Raum hineinsehen wird. Zur besseren Unterscheidung der Tiere hat Yume einen sogenannten Katzenplan gezeichnet, der stets an der Kühlschranktür hinter der Theke hängt.

Im Laufe der vielen Abende, die Yama nach seinem ersten Besuch in der Bar „Karinka“ verbringt, kommen Yama und Yume sich etwas näher, auch wenn das sehr vorsichtig und behutsam geschieht. Schließlich zeigt Yume ihm sogar, wo sie die vielen Katzen, um die sie sich kümmert, versorgt.

Währenddessen quält sich Yama in mehreren Jobs, in denen er gegängelt, ausgenutzt und missachtet wird. Er selbst traut sich wenig bis gar nichts zu, bis Yume ihn dazu anregt, Gedichte zu schreiben. Doch dann schlägt das Schicksal grausam zu und Yume wird brutal mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Weiterlesen

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Kristina Hauff: Unter Wasser Nacht

Ein Buch um Trauer, Schuld und Zweifel, um Freundschaft und Nähe und um Fremdheit, ein Roman über Menschen, die verzweifelt um ihre Träume kämpfen.

Es ist fast so etwas wie eine großräumige WG, in der sie leben. Sophie und Thies in dem einen Haus und direkt daneben Inga und Bodo mit ihren Kindern Jella und Lasse. Schon lange sind die Vier eng befreundet und wohnen nun nah beieinander, teilen Grundstück und Windrad, Scheune und Garten, Vergangenheit und Erinnerungen.

Doch werden sie auch eine gemeinsame Zukunft haben? Aaron, der Sohn von Sophie und Thies ist vor etwas mehr als einem Jahr ums Leben gekommen, ertrunken in der Elbe. Sophie, die schon immer Inga um ihre heile Familie beneidete, kann die Anwesenheit der Freundin und den Anblick der nachbarlichen Idylle kaum ertragen, zieht sich immer mehr von den Freunden zurück. Und auch mit ihrem Mann kann sie über das Vergangene kaum sprechen. Thies hingegen, ein seit Aarons Tod berufsunfähiger Lehrer, findet keine Ruhe, streift durch die Umgebung. Weiterlesen

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Marc Hofmann: Der Mathelehrer und der Tod

Ein eigenbrötlerischer Deutschlehrer als Hobbydetektiv auf der Spur des Mörders eines Mathelehrers – das ist kurzgefasst die Handlung dieses Kriminalromans.

Marc Hofmann legt seinen Protagonisten eindeutig als Serienheld an, was sogar auf dem Cover so angegeben ist. Der Nachteil dieses deutlichen Hinweises ist, dass es der Spannung abträglich ist, dazu später mehr. Gregor Horvath, Alter unbekannt, feinsinniger und nach eigenem Bekunden im falschen Jahrhundert geborener Gourmet, findet eines Morgens die Leiche eines Kollegen. Als ermittelnder Kriminalbeamter taucht, welche ein Zufall, Horvaths Zwillingsbruder auf. Doch ein weiterer Doppelmord in der Innenstadt Freiburgs unterbricht die Arbeit der Polizei in der Schule, der Tod des Lehrers wird als Suizid zu den Akten gelegt.

Horvath will sich damit nicht abfinden und mobilisiert eine Gruppe von ihm besonders geschätzter Schüler. Antrieb für seine Nachforschungen gibt ihm ein bislang unbekannter Geheimbund aus Lehrern, Eltern und ehemaligen Schülern, dem der Tote angehörte und in welchen nun er als Mitglied aufgenommen werden soll. Mit Hilfe seiner Schüler und unterstützt durch eine Mitarbeiterin seines Bruders kommt Horvath dem Täter auf die Spur, gerät dabei aber selbst in Lebensgefahr. Das ist die Stelle, wo die Spannung leidet, da man als Leserin ja weiß, dass er überleben wird, sonst könnte es schließlich keine Folgebände geben.

Wie bei den meisten Krimis liest man flott bis zum Ende, ist man doch an der Lösung interessiert. Vor allem die vielen Verdächtigen, vom Autor geschickt mit Motiv und Gelegenheit ausgestattet, machen die Handlung ausreichend spannend. Weiterlesen

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Kerstin Sgonina: Als das Leben wieder schön wurde

1954, Nachkriegszeit in Hamburg. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, manche und mancher trägt schwer an der eigenen Vergangenheit, andere vertragen sich nicht mit der neuen Zeit.  Viele Lücken sind in den Straßenzügen, wo die Bombenschäden noch nicht beseitigt sind. Nicht jeder findet eine richtige Wohnung, viele hausen in den sogenannten Nissenhütten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, doch vor allem die jungen Menschen sind auch voller Optimismus und hochfliegenden Plänen.

In dieses Hamburg kommt die junge Greta, Anfang Zwanzig, die nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter aus Stockholm zurückkehrt in die Stadt ihrer Geburt. Sie will zu ihrem Vater, der mit seiner Frau, Sohn und Tochter hier lebt und sie will ihre Mutter finden, die seit Anfang der Vierziger Jahre spurlos verschwunden ist.

Ihr Vater und seine neue Familie heißen sie nicht willkommen, umso froher ist Greta, zwei junge Frauen zu treffen, die ihr gute Freundinnen werden. Marieke, die aus Ostpreußen fliehen musste, ist eine Künstlerin mit Kamm und Schere, Trixie, die mit ihrer Mutter in einer eleganten Villa wohnt, eine Expertin in Modefragen. Greta, die in Schweden eine Ausbildung zur Kosmetikerin abgeschlossen hat und gerne neue Cremes und Lotionen kreiert, gründet mit den anderen beiden zusammen einen rollenden Schönheitssalon. Weiterlesen

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Tea Ranno: Agata und ihr fabelhaftes Dorf

Beim Lesen dieses turbulenten Romans hatte ich ständig das Gefühl, ich sehe einen dieser alten italienischen Spielfilme, wie z.B. „Don Camillo und Peppone“ – die Älteren werden sich an diese noch erinnern. Überhaupt weckte die Lektüre in mir den Wunsch, den Roman einmal verfilmt zu sehen, denn ich glaube, dann erst entfaltet er seine ganze Wirkung, erlaubt doch die visuelle Wahrnehmung eine leichtere Unterscheidung zwischen den Handelnden als nur das Lesen der Namen.

Denn bei aller Freude über diesen unterhaltsamen, liebenswerten Roman verliert man sich doch einigermaßen in dem reichhaltigen Personaltableau, das nahezu alle Bewohner des kleinen sizilianischen Dorfs, dem Schauplatz der Handlung, umfasst.

Die im Titel erwähnte Agata – entgegen meiner fälschlichen, vom Klappentext geweckten Erwartung eine junge und sehr attraktive Frau – wird völlig unerwartet zur Witwe, als ihr Mann Constanzo einem Herzinfarkt erliegt. Neben dem Tabakladen, den er mit Leidenschaft und Liebe führte, hing sein Herz vor allem an der „Saracina“, einem üppig bepflanzten Grundstück außerhalb des Dorfs. Genau auf dieses Grundstück aber hat es auch der Bürgermeister des Dorfs, genannt „Seine Exzellenz“, abgesehen. Dieser führt das Regiment über das Dorf und seine Bewohner mit strenger und korrupter Hand, dabei unterstützt von einer Riege übler Speichellecker. Weiterlesen

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Mary Adkins: Das Privileg

Das Schicksal von drei jungen Frauen steht im Mittelpunkt des Romans von Mary Adkins, deren Debüt „Wenn du das hier liest“ ich mit großem Vergnügen im vergangenen Jahr lesen durfte. Im Gegensatz zu jenem Buch ist das vorliegende sehr viel ernster.

„Das Privileg“ schildert die Ereignisse am Carter College, wo Bea und Annie ihr Studium beginnen und Stayja in der Cafeteria arbeitet. Alle drei sind gewissermaßen am Scheideweg, müssen Entscheidungen hinsichtlich ihres Lebensweges treffen, müssen sich selbst kennenlernen und müssen vor allem lernen, sich zu behaupten.

Annie, durch einen Brand nicht nur an den Beinen vernarbt, erwirbt dank ihres Fagottspiels ein Stipendium. Sie ist schüchtern und ihr fehlt es an Selbstbewusstsein. Als sich Tyler, der Sohn reicher Eltern, für sie zu interessieren scheint, fühlt sie sich geschmeichelt. Doch ein Zusammensein in seinem Zimmer eskaliert und am Ende bezichtigt sie ihn der Vergewaltigung.

Bea, Tochter einer schwarzen Ärztin und eines ihr unbekannten weißen Vaters, studiert Jura und schwärmt für einen der Dozenten. Dieser verhilft ihr zu einer Aufgabe als studentische Beraterin für in Schwierigkeiten geratene Kommilitonen. So kommt Bea mit Tyler in Berührung, den sie bei der college-internen Untersuchung des Vergewaltigungsvorwurfs beraten soll. Sie steht ihm zwar loyal zu Seite, doch innerlich nagen Zweifel an ihr, ob sie auf der richtigen Seite steht. Weiterlesen

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