Jutta Mehler: Mord mit Puderzucker

Ein herziger, unterhaltsamer Krimi für ein verregnetes Wochenende – ausreichend spannend und abwechslungsreich, wenn auch ohne größeren Tiefgang.

Die drei betagten Hobbydetektivinnen Thekla, Hilde und Wally entdecken im Nationalpark Bayrischer Wald einen Toten im Tannenbaum. Dummerweise stellt sich heraus, dass der Tote der neue Lebensgefährte von Wallys Tochter Christina ist. Nicht nur aus diesem Grund, sondern auch, weil die Damen grundsätzlich gerne Kriminalfälle lösen – siehe diverse Vorgängerbände der Autorin – starten die Drei ihre Nachforschungen. Schnell ergeben sich mehrere Verdächtigte, zu Wallys Entsetzen darunter einige ihrer Familienmitglieder. Vor allem nachdem die Damen das Testament des Verstorbenen finden, ergeben sich für etliche Beteiligte durchaus schlüssige Mordmotive.

Zwischen Nationalparkrangern, ehemaligen und aktuellen Geliebten oder solchen, die es werden wollten, sowie höchst wütenden Schwiegervätern und -söhnen ermitteln die Hobbydetektivinnen mit feinem Spürsinn. Dabei treten sie auch gerne mal in das eine oder andere Fettnäpfchen und bringen sich schließlich selbst in höchste Gefahr. Weiterlesen

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Nienke Jos: Die Angst der Schweigenden

Ein wirklich ungewöhnliches, ein gewöhnungsbedürftiges Buch. Sowohl was den Haken schlagenden Handlungsverlauf wie auch was den anfangs befremdlichen Schreibstil angeht.

Ich gestehe, während der ersten gut 100 Seiten war ich mehrere Mal versucht, das Buch wegzulegen. Es werden immer wieder neue Charaktere eingeführt, aus neuen Perspektiven erzählt, ohne dass sich die Zusammenhänge erschließen. Die Protagonistin Inna ist verstörend gestört, sie spricht fast nichts, gibt, wenn reden sich nicht vermeiden lässt, einsilbige Antworten. Die Bilder, die die Autorin mit ihrer harten, unprätentiösen Sprache malt, sind kalt, abweisend, verwirrend, beängstigend. Als Leserin verliere ich mich zwischen diesen einzelnen Handlungssträngen, von denen ich lange nicht erkennen kann, ob sie parallel, chronologisch oder auf ganz verschiedenen Zeitebenen ablaufen.

Aber ab etwa der Hälfte hat mich die Autorin gepackt, von da an konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen. Von dem Moment, als sich die verschiedenen Handlungsfäden langsam aufdröseln, wird die Geschichte hochspannend, regelrecht dramatisch. Weiterlesen

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Lorraine Fouchet: Pinguine bringen Glück

Ein wunderschönes Buch mit einem etwas unpassenden Titel.

Der fünfzehnjährige Dom spielt nachts heimlich ein Computerspiel, als das Gerät plötzlich abstürzt. Kurz darauf stehen Notärzte und Sanitäter in der Wohnung, in der er mit seinem Vater wohnt. Doch sie können seinem Vater nicht mehr helfen. Sein Herz hat versagt. Doch wer hat die Ärzte gerufen? Dom erfährt, eine blonde Frau sei bei seinem Vater gewesen, als er starb. Wer ist sie? Sie muss im selben Haus wohnen, also muss er sie kennen.

In diesem Haus wohnt die gesamte Familie, Doms Onkel, seine Tanten, eine Concierge und eine Mieterin im Dachgeschoß. Und alle Frauen sind blond.

Auch wenn sein Onkel zum Vormund ernannt wird und seine Tanten sich um ihn kümmern möchten, so ist Dom doch plötzlich sehr allein. Denn auch seine Mutter ist verschwunden, schon vor mehreren Jahren. Sie ist Chirurgin und wollte armen Kindern helfen, am anderen Ende der Welt.

Auf der Suche nach der mysteriösen Blonden findet Dom noch viel mehr über seinen Vater heraus. So wird in einem Beileidsschreiben eine Tochter seiner Eltern erwähnt. Davon weiß er gar nichts, wieso hat er eine Schwester, die er nicht kennt? Und wo findet er seine Mutter? Und nicht zu vergessen, wer ist die heimliche Geliebte seines Vaters? Weiterlesen

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Rachel Joyce: Miss Bensons Reise

Bei Rachel Joyce darf man sich immer über originelle Figuren und unkonventionelle Handlungen freuen. So auch in ihrem neuen Buch, in dem sie uns von Margery Benson erzählt, einer leicht verschrobenen Hauswirtschaftslehrerin, die einen Traum hat: sie möchte den goldenen Käfer finden, den bislang noch niemand entdeckt hat. Als sie ein Kind war, hatte ihr Vater ihr ein Bild dieses Käfers gezeigt und damit ihr Interesse an diesen Tieren in ihr geweckt. Doch aus vielerlei Gründen hat sie diesen Traum jahrelang in ihrem Herzen verborgen, erst ein für sie erschütterndes Ereignis bringt sie dazu, ihr Leben zu ändern. Sie plant eine Reise nach Neukaledonien, um den Käfer zu suchen.

Aber sie möchte die Reise verständlicherweise nicht allein antreten und sucht eine Assistentin. Unter anderem meldet sich Enid Pretty, eine offensichtlich nicht sehr gebildete, dafür aber umso hübschere und vor allem ausgesprochen redselige junge Frau, mit anderen Worten das komplette Gegenteil der verklemmten, scheuen, wortkargen Miss Benson. Doch trotz all der Widrigkeiten, all der Gegensätze entsteht zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft. Beide haben ihre Geheimnisse und ihre Träume. Beide haben viel mehr innere Stärke, als sie selbst ahnen und beide wachsen über sich selbst hinaus, als ihnen Gefahr droht. Weiterlesen

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Robert Galbraith: Böses Blut

1195 Seiten – und keine davon langweilig. Und das, obwohl doch manch eine Szene, manch ein Handlungsstrang redundant zu sein scheint; ja auch bei J.K. Rowling, die die Reihe um den Detektiv Cormoran Strike unter dem Pseudonym Robert Galbraith schreibt. „Böses Blut“ ist der fünfte Band dieser Reihe, die auch eine Serie ist, denn auch wenn man jeden Band für sich lesen kann, nimmt doch vieles in der Handlung Bezug auf frühere Geschehnisse, entwickeln sich die Protagonisten von Band zu Band weiter.

Der aktuelle Fall von Cormoran Strike und seiner Partnerin Robin Ellacott ist eigentlich ein gerade eben nicht aktueller. Anna Phipps engagiert sie, um nach dem Verbleib ihrer vor 40 Jahren verschwundenen Mutter zu suchen. Die Ärztin Margot Bamborough verschwand 1974 auf dem Weg aus ihrer Praxis zu einem Treffen mit ihrer besten Freundin. Nie wurde geklärt, was mit ihr geschah. Verdächtigt wurde ein zu dieser Zeit gesuchter und später überführter Serienkiller, der unter bestialischen Umständen Frauen entführte, folterte und tötete. Doch er hatte nie zugegeben, auch Margot Bamborough getötet zu haben. Weiterlesen

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Peter Høeg: Durch deine Augen

Wie in den beiden anderen Romanen des Autors, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“ oder „Der Susan-Effekt“, so steht auch in dem neuen Buch eine Wissenschaftlerin im Mittelpunkt des Geschehens. Lisa, so ihr Name, hat eine Methode entwickelt, das Bewusstsein sichtbar zu machen durch Licht. Dabei werden die Dinge, die sich im Unterbewussten festgesetzt haben und psychische oder physische Probleme verursachen, besonders hell und dadurch erkennbar. Und behandelbar. Lisa arbeitet in einem wissenschaftlichen Zentrum, in einem außerhalb der Stadt gelegenen Schloss, welches rund um die Uhr vom Geheimdienst bewacht wird.

Einer ihrer Patienten wird Simon. Simon hat versucht, sich umzubringen und sein Adoptivbruder Peter möchte den Grund dafür herausfinden und natürlich alles tun, damit Simon es nicht noch einmal versucht.

Peter, Lisa und Simon kennen sich seit ihrer frühen Kindheit, als sie zusammen den Kindergarten besuchten, hatten aber seither keinen Kontakt. Lisa hat nach einem Unfall alle Erinnerungen an ihre Kinderzeit und frühe Jugend verloren, erst nach und nach, indem Peter seine Erinnerungen mit ihr teilt, fällt ihr vieles wieder ein. Weiterlesen

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Eric Barnert & Michael Kibler (Hrsg.): Banken, Bembel und Banditen

Als ich diesen Titel las, war es für mich als gebürtige Frankfurterin natürlich ein Muss, diese Sammlung von Krimi-Kurzgeschichten, die alle im Rhein-Main-Gebiet spielen, zu lesen.

In meinen Augen sind Krimis in Form von Kurzgeschichten eine echte Herausforderung. Muss der Autor doch auf wenigen Seiten die Ausgangssituation, die Handlung und die Lösung erfassen, dabei ausreichend Spannung aufbauen und das Ganze noch in einem guten, passenden Schreibstil präsentieren. Schon allein deswegen haben Autor:innen von Kurzkrimis meine Hochachtung. Auch wenn es sicher nicht allen gleich gut gelingt. So treten doch immer wieder auch Stereotypen auf oder zu klassische Handlungsstrukturen.

Andere jedoch, ich meine hier die Autoren aus dem vorliegenden Band, darunter vor allem Uli Aechtner, Dieter Aurass, Ella Theiß und Fenna Williams, um nur eine Auswahl zu nennen, schaffen skurrile, spannende Geschichten mit witzigen Plotideen und überraschenden Auflösungen.

Besonders imponiert hat mir die Geschichte „Träumerei“ von Ella Theiß, auch weil sie in der sehr selten verwendeten zweiten Person Singular geschrieben ist, der „Erzähler“ also die Protagonistin durchweg direkt anspricht. Eine fesselnde und gelungene Methode, um die Geschichte der Putzfrau Aneta zu erzählen, die bereit ist, eine ihrer Nieren zu verkaufen, um Geld für die Renovierung ihres Elternhauses zu bekommen. Ohne zu spoilern kann ich verraten, dass sie an Betrüger und am Ende sogar in Lebensgefahr gerät. Weiterlesen

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Esther Safran Foer: Ihr sollt wissen, dass wir noch da sind

Der Titel des Buchs ist die Botschaft, die Esther Safran Foer ihren im Holocaust getöteten Familienmitgliedern an deren Grab zuruft. Sie, ihre Kinder und deren Kinder, sie sind noch da und halten die Geschichte der Familie am Leben.

In diesem sehr intensiven und sehr persönlichen Buch erzählt die Autorin – sie ist die Mutter des Bestsellerautors Jonathan Safran Foer („Wir sind das Klima“) – vor allem die Geschichte ihrer Eltern.

Esther Safran Foer wird 1946 geboren, doch erst viele Jahre später, als Erwachsene, erfährt sie, warum in ihrer Geburtsurkunde ein falsches Datum und ein falscher Geburtsort genannt sind. Ebenso wie sie erst als Erwachsene durch Zufall lernt, dass ihr Vater, der 1954 starb und nie über sich oder seine Vergangenheit sprach, eine weitere Familie hatte. Dass seine erste Frau und seine Tochter – ihre Halbschwester – im Holocaust ermordet worden waren.

Diese Tatsache, doch nicht nur diese, sind für sie Motiv und Anlass für eine Reise in die Vergangenheit. Sie will herausfinden, wie ihr Vater den Holocaust überlebte, wer ihn rettete und wieso er nie von seiner ersten Familie sprach, sprechen konnte. Wie so viele machte auch Esther Safran Foer die Erfahrung, dass die Generation ihrer Eltern mit ihren Kindern nicht über den Holocaust, die Verluste und das Leid, das sie erlitten hatten, sprechen kann. Ihren Enkeln jedoch können sie davon erzählen, da ist das Thema kein Tabu, keine im Herzen und im Gedächtnis eingeschlossene Erinnerung. Weiterlesen

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Mhairi McFarlane: Aller guten Dinge sind zwei

Was kann man Besseres über einen Roman sagen, als dass man sich die halbe Nacht um die Ohren schlug, weil man ihn nicht aus der Hand legen konnte? Genau so erging es mir mit dem neuen Buch der schottischen Autorin, ihrem sechsten Roman. Mit ihren ersten fünf Romanen war es ebenso gewesen. Sie kann einfach unglaublich gute Bücher schreiben.

Gemeinhin wird diese Art von Romanen dem Genre „Chick-Lit“ zugeordnet, soll heißen, es geht um eine Liebesgeschichte, in deren Mittelpunkt eine junge Frau Mitte Dreißig steht. Meist beginnt die Geschichte damit, dass besagte Frau von ihrem bisherigen Partner verlassen wird, dass sie geringes Selbstvertrauen hat, weil sie sich bislang mehr oder weniger über ihren Partner definierte. Nur wenige der in dieses Genre eingereihten Romane sind aber so spannend und so gut geschrieben wie die von Mhairi McFarlane.

Im vorliegenden Buch ist es Laurie, deren langjähriger Freund Dan, nachdem er stets verkündet hatte, er wolle weder heiraten noch Kinder haben, ihr eröffnet, er habe eine Affäre mit einer anderen Frau, die nun ein Kind von ihm erwarte. Natürlich ist Laurie schwer geschockt, nach 18 Jahren plötzlich wieder als Single dazustehen. Weiterlesen

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Uli Aechtner: Leise rieselt der Tod

Ein Krimi mit allen erforderlichen Zutaten: eine gewisse Zahl an Leichen, sehr viele Verdächtige, ein bisschen Liebe, ein ganz klein wenig Humor und eine Hobbydetektivin, die sich schließlich selbst in Gefahr bringt. Das Ganze rund ums Weihnachtsfest in einem alten Herrenhaus, welches in einem winzigen Dorf steht, das dann auch noch zeitweilig von der Außenwelt abgeschnitten ist.

Zur Handlung: die frisch getrennte Jenny findet über Weihnachten Unterschlupf bei ihrem Kindheitsfreund Tom, der gerade in besagtes, noch weitgehend unmöbliertes Herrenhaus gezogen ist. Dort eröffnet er eine Arztpraxis, die aber bislang wenig Zulauf hat. Am Abend ihrer Ankunft stolpert Jenny vor der Haustür über ihre erste Tote, eine Zeitungsausträgerin im Weihnachtsmannkostüm. Weil Jenny nun fürchtet, dass ihr Freund Tom in Verdacht gerät, der Mörder zu sein, beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre Recherchen führen sie zuerst auf den „Seelenhof“, wo ein Weihnachtsflirtkurs abgehalten wird. Natürlich sind erstmal alle Teilnehmer des Kurses schwer verdächtig, in den Mord verstrickt zu sein. Weiterlesen

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