Inka Lindberg: All the things (s)he said

Skye ist eine »Serial Monogamist«: Ihr Leben lang hüpft sie von Beziehung zu Beziehung und bleibt nie lange allein. Doch als sie sich von Lukas trennt, ist alles anders. Dieses Mal schwört sich die junge Kölnerin, ein Jahr lang single zu bleiben, um herauszufinden, was sie im Leben wirklich will. Wer ist sie ohne Partner? Was gefällt ihr wirklich und was hat sie nur ihrem Freund zuliebe gemacht? Und wie knüpft man bitte mit Mitte zwanzig noch neue Freundschaften? Die Antworten auf diese Fragen zu finden, stellt sich als gar nicht so einfach heraus.

Ausgerechnet Skyes neue Nachbarn Amir und Naima stellen ihren guten Vorsatz auf eine harte Probe. Fühlt sie für Amir eine tiefe Freundschaft oder hat sie doch Schmetterlinge im Bauch? Oder ist es Naima, die ihren Plan, single zu bleiben, wirklich gefährdet?

Die Geschichte hatte ich innerhalb weniger Tage beendet. Nachvollziehbar und nahbar geschrieben, fliegt man nur so durch die Seiten. Erwartet hatte ich hier einen Wohlfühl-Roman, doch es war anders als ich dachte – zwar habe ich mich darin wohlgefühlt, aber er hat mir auch so viele Emotionen abverlangt. Weiterlesen →

Daniela Dröscher: Junge Frau mit Katze

Die Studentin Ela steckt im Prüfungsstress fest. Ihre psychischen und physischen Probleme scheinen kein Ende zu nehmen.

„Junge Frau mit Katze“  ist der Kategorie der autofiktionalen Bücher zuzuordnen. Wer Daniela Dröschers Vorgängerroman „Lügen über meine Mutter“ kennt, wird auch „Junge Frau mit Katze“ gerne lesen und hier altbekannte Personen und Probleme im Handlungsverlauf wiederfinden. Um es gleich vorwegzunehmen: Das neue Buch kann „Lügen über meine Mutter“, wie so oft bei Folgeromanen, nicht toppen. Dennoch ist es auf jeden Fall lesenswert.

Ela ist eine junge Frau mit Katze (die eine nicht zu unterschätzende Rolle im Handlungsverlauf einnimmt). Elas Tagesabläufe werden von ihrer Prüfungsangst dominiert. Die Verteidigung ihrer Doktorarbeit, auf die sie all die letzten Jahre hingearbeitet hat, steht kurz bevor. Doch Ela kann sich nicht konzentrieren. Ständig wird sie von ihrem Körper mit neuen Wehwehchen gepeinigt. Hängt alles mit ihrem inneren „Schmetterling“, ihrer Schilddrüse und der Diagnose „Hashimoto“ zusammen? Das wäre im doppeldeutigen Sinn nicht verwunderlich, schließlich befasst sie sich tagein, tagaus, mit der japanischen Literatur. Weiterlesen →

Katrin Böhning-Gaese et al.: Rettet die Vielfalt: Manifest für eine biodiverse Gesellschaft

Das Thema Biodiversitätsverlust wird gegenüber dem Klimawandel häufig übersehen. Zu Unrecht. Intakte Ökosysteme stellen uns Nahrung, Energie, Lebensraum, Luft zum Atmen, sauberes Wasser, Schutz vor Umweltkatastrophen, Erholung, Ästhetik und Gesundheit bereit (Beispiel: rund 70 Prozent aller Krebsmedikamente gehen auf Naturwirkstoffe zurück!). Die Botschaft des Buches ist knackig: „Während der Klimawandel darüber bestimmt, WIE wir in Zukunft leben werden, entscheiden das globale Artensterben und die globale Vernichtung von Ökosystemen darüber, OB wir Menschen auf diesem Planeten überleben werden.“ (S. 161). Doch das Buch schürt keine Panik, sondern beschreibt viele Lösungsvorschläge. Was bereits möglich ist und in anderen Ländern erfolgreich umgesetzt wird. Das Autoren-Trio aus den Bereichen Wissenschaft, Juristik und Geschichte veranschaulicht das Thema äußerst umfassend, praxisnah, hinterlegt mit erstaunlichen Zahlen und Fakten.

Wirtschaftsfaktor Natur: Ökonomischer Wert der Artenvielfalt!
Schon gewusst: Die Hälfte aller Wirtschaftsleistungen weltweit geht auf Leistungen der Natur zurück!  Und sogar kostenlos. Genau darin liegt laut den Autoren das Problem. Was nichts kostet, ist nichts wert. Was nichts wert ist, wird nicht geschützt, hat im Diskurs zwischen wirtschaftlichen und sozialen Fragen stets das Nachsehen. Dabei hat eine 2024 veröffentlichte Studie erstmals den Wert der von der Natur bereitgestellten Leistungen berechnet. Weiterlesen →

Gabriela Kasperski: Zürcher Verrat

Auch der sechste der Zürich-Krimis besticht wieder durch akribische Recherche, historisch fundierte Fakten, Charaktere, die sympathisch (oder eben auch nicht) und lebensecht gezeichnet werden, in die man sich leicht hineinversetzen kann, durch eine Story, die in ihrer Authentizität besticht und auch wieder durch die Liebe der Autorin zu der Stadt, in der sie lebt und den Menschen dort.

Wer die vorherigen Bände der Reihe um Schnyder und Meier nicht gelesen hat, braucht keine Scheu zu haben. Die Story um den Toten im Orchestergraben, der eine Open-Air-Aufführung des Zürcher Opernhauses zu einem jähen Ende bringt, ist durchaus unabhängig zu lesen. Die Beziehung zwischen den Ermittlern, Zita Schnyder und Werner Meier spielt zwar auch hier wieder eine Rolle, aber man kommt durchaus zurecht mit dem Familiengeflecht und den Beziehungen Meiers zu den Kollegen von der Polizei. Da Meier zufällig vor Ort ist, wird er mit den Ermittlungen zum Fall beauftragt. Recht schnell steht Lou Müller, die Chorleiterin im Verdacht, das Opfer gestoßen und damit seinen Sturz über eine Brüstung verursacht zu haben. Zeugen haben einen Streit zwischen beiden beobachtet. Lou ist flüchtig. Es beginnt eine Verfolgungsjagd, die nicht nur durch die Schweiz, sondern auch über Deutschland nach Frankreich und England führt und – wie sich später herausstellt – viel tiefergehende Ursachen hat als den Sturz des Mannes in den Orchestergraben. Weiterlesen →

Mariette Navarro: Am Grund des Himmels

Claire hat von ihrem Kollegen Marc erfahren, wie er aus der Führungsetage geflogen ist. Während seine Kollegen wie gewohnt in der obersten Etage ihre Besprechungen abhalten, wurde er eine Etage tiefer versetzt. Er würde auch dort bei Bedarf informiert werden. Doch dies geschah nicht. Marc wurde vergessen. Nur Claire erinnert sich an ihn und seine Frage, ob sie mit ihrem Fuß gegen eine bestimmte Treppenstufe stoße. Inzwischen ist ihr Zeh wundgestoßen, und sie wechselt täglich das Pflaster. Auch sonst stößt sie gegen Hindernisse, die nur sie nicht sehen kann.

Anfangs sah ihr Karrieresprung so vielversprechend aus. Sie fühlte sich dazugehörig und arbeitete mit großem Einsatz. Doch heute gibt es bei den üblichen Treffen mit den Kollegen Gespräche, die sie ausschließen. Sie kennt nicht die Vornamen bestimmter Leute, und ihr fehlt das notwendige Netzwerk. Mitten in einer Besprechung erkennt Claire auf einmal die tatsächliche Distanz, vor der sie so lange die Augen verschlossen hat. Völlig unerwartet bekommt sie keine Luft mehr. Sie muss raus. Über eine Letter klettert sie auf das Dach, um frische Luft zu atmen. Dort oben ist die Perspektive eine andere, und sie erlaubt sich eine ehrliche Analyse über ihr aktuelles Leben. Weiterlesen →

Marie Pierre, Maria W. Peter: Der Weg der Frauen: Das Pensionat an der Mosel 03

Auch im dritten Teil der Reihe um „Das Pensionat an der Mosel“ ist wieder in jeder Zeile die Liebe der Autorin zu der Region zu spüren, in der sie ihre Geschichte um Pauline Martin, Leiterin der eher kleinen, aber elitären Einrichtung in Diedenhofen, angesiedelt hat. Wie gewohnt hervorragend und akribisch recherchiert nimmt Maria W. Peter – alias Marie Pierre – uns mit ins Jahr 1912, ins Reichsland Elsass-Lothringen.

Nach den Problemen, die sie mit ihrer Schülerin Suzette, die aus der Provence an die Mosel gekommen war, und mit dem gefährlichen Geheimnis der irischen Lehrerin Rhona O’Malley hatte, die sie – leider nur kurze Zeit – an ihrem Institut beschäftigen konnte, sehr zum Bedauern ihrer Schülerinnen, die die Irin rasch ins Herz geschlossen hatten, hatte Pauline gehofft, jetzt einmal ein bisschen Ruhe und Frieden an der Schule genießen zu können. Dieser Wunsch wird ihr jedoch nicht erfüllt. Eine ihrer Schülerinnen wird in Metz verhaftet, nachdem sie sich unter einem Vorwand im Pensionat für einige Tage hatte beurlauben lassen. Sophie hat an einer Demonstration für die Rechte der Frauen teilgenommen, gemeinsam mit ihrer Cousine, die der Verhaftung allerdings entgehen konnte. Sophie wird zurückgebracht nach Luxemburg, zu ihrer Familie, die Pauline die Schuld gibt an der Verfehlung ihrer Tochter und ihr vorwirft, ihrer Aufgabe als Leiterin des Mädchenpensionats nicht gerecht zu werden. Pauline gelingt es, Sophie an die Schule zurückzuholen, muss aber feststellen, dass das Mädchen weit größere Probleme halt als den Einsatz für die Rechte der Frauen.

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Sarah Stankewitz: No matter why

Isaiah Jones hat es sich nach dem Tod seines Vaters, wo er nicht helfen konnte, zur Aufgabe gemacht, als Feuerwehrmann zu helfen. Damit will er andere von seinem Schicksal bewahren. Bei einem dramatischen Einsatz lernt er Jewel kennen, die ihm mit ihrer Art direkt unter die Haut geht. Aber sie hat ein Geheimnis, das Isaiahs Werten widerspricht und er es somit nie erfahren darf. Muss er seine Gefühle nun also wieder eindämmen oder ist es dafür schon zu spät?

Ein würdiger Abschluss der Love Burns Reihe, wenn es im Mittelteil auch ein bisschen eintönig war.

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Patricia Koelle-Wolken: Der Garten der kleinen Wunder

Vielversprechend klangen Titel und Klappentext dieses Romans, verhießen sie doch genau die Art Buch, die ich mag: Protagonistinnen, die sich gemeinsam ändern, sich dabei gegenseitig helfen. Dabei erwartete ich aufgrund der Beschreibung, eine Jugendliche und eine ältere Dame.

Bekommen habe ich einen Roman voller seichtem Geschwafel, psychologischer Selbst- und Fremdanalysen und ohne fesselnde Handlung oder Figuren. Insbesondere die Figuren, vor allem Ich-Erzählerin Victoria, genannt Toja (merkwürdige Verballhornung des schönen Namens Viktoria), deren Alter man nicht erfährt, die aber offensichtlich wesentlich jünger ist, als der Klappentext denken lässt, vor allem diese Figur ist unangenehm.

Penetrant betont sie ihr eigenes Stillsein und Stillebedürfnis, mischt sich dann aber in das Leben des Nachbarkindes Viktoria, genannt Vica, ein. Deren Gefühle, Gedanken und Stimmungen kann sie stets ahnen, sie weiß, warum das Mädchen sich wie verhält. Das wirkt unrealistisch, anmaßend und abwegig. Weiterlesen →

Jonas Hassen Khemiri: Die Schwestern

Auf über 700 Seiten entfaltet Jonas Hassen Khemiri in seinem Roman „Die Schwestern“ ein Panorama, das sich über 35 Jahre und mehrere Kontinente erstreckt. Im Mittelpunkt steht eine Familie, insbesondere die drei Schwestern Ina, Evelyn und Anastasia Mikkola. Die Geschichte beginnt mit dem jungen Jonas, der die Drei in seinem Stockholmer Viertel kennenlernt. Zwischen Nachbarschaft, Freundschaft, Geheimnissen und familiären Verstrickungen verweben sich ihre Biografien im Laufe der Jahrzehnte zunehmend miteinander.

Die familiäre Herkunft – der Vater ist Tunesier, die Mutter Schwedin – bringt eine Vielfalt an Perspektiven in die Erzählung, besonders spürbar in der facettenreichen Darstellung der drei Schwestern, die in ihrer Eigenart und inneren Zerrissenheit faszinieren. Im Verlauf des Romans werden Themen wie Identität, Migration, das Suchen und Verlieren sowie der Spagat zwischen Träumen und Realität einfühlsam aufgegriffen.

Immer wieder kehrt das Motiv zurück, dass alles Geliebte letztlich verloren geht, was der Erzählung sowohl Tiefe als auch eine gewisse melancholische Grundstimmung verleiht. Khemiri gliedert seinen Roman in 137 Kapitel, aufgeteilt in sieben Bücher. Seine Erzählweise ist verspielt, assoziativ und geprägt von langen, fließenden Sätzen. Besonders bemerkenswert ist die experimentelle Vermischung aus Metafiktion – die Hauptfigur trägt den Namen des Autors – und realistischen, berührenden Schilderungen zwischen Alltag und existenziellen Krisen. Weiterlesen →

Nina George: Die Passantin

Ist es Verzweiflung oder Verdruss, ohne Vorplanung plötzlich aus dem Leben zu verschwinden? Verwegen und vor allem ganz schön wagemutig ist es auf jeden Fall.

Jeanne Patou, die Protagonistin in diesem Roman, hat nicht lange Zeit zum Überlegen. Sie hat bereits am Flughafen in Barcelona eingecheckt. Als sie im Boardingbereich eine schmale Öffnung an einer Baustelle bemerkt, schlüpft sie, einer plötzlichen Eingebung folgend, unvermittelt hindurch und entfernt sich. 

Die Autorin verknüpft reale Ereignisse mit fiktionaler Erzählweise: Sie greift den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen im Jahr 2015 auf, bei dem alle Passagiere ums Leben kamen, als der depressive Copilot die Maschine im Bergmassiv zerschellen ließ.

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