Yeva Skalietska: Ihr wisst nicht, was Krieg ist

Ihr wisst nicht, was Krieg istDas Tagebuch einer Zwölfjährigen, die vor den Bomben aus der Ukraine geflüchtet ist. Yeva ist ein ganz normales junges Mädchen mit ganz normalen Wünschen und Träumen. Die sich alle in Staub auflösen am 24. Februar 2022, als Russland die Ukraine überfällt.

Yeva, die bei ihrer Großmutter aufwächst, wird von einem Tag auf den anderen aus ihrem gewohnten Leben gerissen. Ihre Schule wird getroffen von den Bomben, die auf Charkiw, ihre Heimatstadt, fallen. Ihre Mitschüler und sie tauschen sich über WhatsApp aus über das, was sie erleben in diesen ersten Kriegstagen. Als auch das Wohnhaus, in dem sie mit ihre Oma wohnt, getroffen wird, fliehen sie zu einer Freundin der Großmutter.

Dort müssen sie immer wieder im Keller ausharren, wenn ein neuer Angriff der Russen über die Stadt hereinbricht. Yeva lernt, was es bedeutet, unter ständigem Beschuss leben zu müssen, lernt, was es heißt, für die nötigsten Lebensmittel lange anstehen zu müssen. Sie erfährt, was es bedeutet, im Krieg zu leben. Weiterlesen

Robert Menasse: Die Erweiterung

Bei meinem letzten Besuch in Wien habe ich eine Sehenswürdigkeit verpasst. Dort gibt es im Kunsthistorischen Museum einen besonderesAusstellungsstück zu bestaunen – den Helm des Skanderbeg. Das auffälligste Element an diesem aus Weißgold gefertigten und mit einem vergoldeten Kupferband und goldenen Rosetten verzierten Helm ist ein auf dem Scheitel aufsitzender gehörnter Ziegenkopf aus vergoldeter Bronze.Diese Figur gilt als Herrschaftssymbol und der Träger des Helmes, Gjergj Kastrioti Skanderbeg, war ein albanischer Fürst, dem es im 15 Jhdt. gelang, die albanischen Fürstentümer gegen die Osmanen zu vereinen. Unter seiner Führung konnten in den nächsten 25 Jahren bzw. bis zum Tode des Fürsten, die Heere des Osmanischen Reiches immer wieder zurückgedrängt werden. Skanderbeg ist der Nationalheld der Albaner.

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Marion Herzog: Terra Nova

Nachdem der letzte Band mit der spektakulären Flucht der Helden aus der unterirdischen Arche geendet hat, fängt es jetzt genau dort an: auf der Erde. An der Oberfläche. Dort, wo Kaja, Liam und die anderen Darksurfer unter allen Umständen hinwollten, ohne sich für den Preis zu interessieren. Die Oberfläche, von der ihre Machthaber behaupten, sie sei unbewohnbar und unwiderruflich zerstört.

Auch wenn sie es längst geahnt haben, kommt die Wahrheit wie ein Schock für sie alle, als sie herausfinden, dass sie ihr ganzes Leben belogen wurden. Nicht nur, dass es durchaus noch Menschen an der Erdoberfläche gibt – sie sind auch diejenigen, die die Archen mit Nahrung, Luft und Wasser versorgen.

Doch nicht alles ist so paradiesisch, wie erhofft. Kaum angekommen, müssen die Freunde wieder unter die Erde. Toxische Strahlung, Sandstürme und mutierte Insekten machen das Leben oberhalb tatsächlich härter als sie gedacht hätten. Unterschlupf finden sie bei den Outlaws: Rebellen gegen das System, in dem der Stärkste in einem totalitären Staat die Macht hat. Denn auch auf der Erde werden die Menschen unterdrückt und der Preis für die Freiheit ist die Freiheit selbst. Weiterlesen

Sarah Ellis, Nancy Vo: So Glenn wie möglich

Was für eine kühne Idee, ein Bilderbuch über Glenn Gould, den bekanntesten Pianisten unserer Zeit, zu machen, der in der klassischen Musik eine Ikone ist und auch noch vierzig Jahre nach seinem Tod für seine perfekten Konzerte berühmt ist.

Die Autorin Sarah Ellis und die Illustratorin Nancy Vo haben für dieses Wagnis, die Schlichtheit gewählt, die Reduzierung auf das Wesentliche. Sie beginnt mit dem Jungen Glenn, der mit seinem Hund Nicky und seiner Mutter den Radioklängen lauscht. Schon damals wusste er genau, was er mag und was nicht.

Und was er am meisten mochte, war die Musik. Deshalb sang er als Junge ganz laut, wenn er mit seinem Boot auf den See hinaus ruderte und sich vorstellte, ein Orchester zu dirigieren. Statt das Bad in der Menge liebte er die Natur und die Tiere. Schon recht schnell wurde deutlich, dass Glenn ein Ausnahmetalent war, intelligent und konzentriert, und dies nicht nur wenn er sich der Mathematik und den Mustern der Musik widmete. Weiterlesen

Andreas Izquierdo: Labyrinth der Freiheit

Was für ein Roman! Ein Buch zum Verschlingen, zum Eintauchen und die Welt um sich herum vergessen. Der dritte Band der „Wege der Zeit“-Reihe. Den man allerdings, das muss zugegeben werden, nicht gänzlich verstehen kann, wenn man die ersten beiden Bände nicht gelesen hat. Die Zusammenhänge der Geschichte, die Verhältnisse der Figuren zueinander und deren Verhaltensweisen erschließen sich nicht immer, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt. Das galt aber bereits für Band 2 in ähnlicher Weise.

Wir treffen Isi, Artur und Carl wieder, die drei Freunde, die sich bedingungslos und bis zur Selbstaufgabe vertrauen und füreinander einstehen. Und genau dies ist auch lebens- oder vielmehr überlebenswichtig bei den rasanten und gefährlichen Ereignissen, die sich im Roman abspielen. Weiterlesen

Tricia Levenseller: Die Magie unserer Herzen

Einst wurde das Königreich von einem Monarchen regiert. Zwar war auch damals nicht alles eitel Sonnenschein, doch seit dem Ableben des Königs und der Aufteilung des Reiches unter seine Kinder herrscht Neid, Zwietracht und Misstrauen zwischen den aufgesplitteten Reichen.

Zwei Menschen, der einstige Kronprinz Ravis und die Kriegsherrin Kymora haben es sich, unabhängig voneinander, auf ihre Fahnen geschrieben, das Reich wieder zu vereinen – ob deren Bewohner dies wollen oder nicht!

Auf der Suche nach potenten Machtmitteln sind die beiden Anwärter auf die Herrscherwürde beide auf die zum Großteil verborgen unter den Menschen lebenden magisch Begabten gestoßen. Mit deren Hilfe, so die Überlegung, können sie ihr Ziel weit einfacher erreichen. Weiterlesen

Christian Handel: Schattengold

Farah lebt als arme Müllerstochter in ständiger Angst vor den Feenwesen. Denn nur die Reichen können sich die kostbaren Bernsteinkerzen leisten, die das Dunkle Volk in Neumondnächten fernhalten und da ihr Vater das wenige Geld regelmäßig vertrinkt, ist nicht einmal Essen auf dem Tisch – von den Sicherheitsvorkehrungen kann sie nur träumen.

Der Kontakt zu Feenwesen und das Betreten des Feenreiches ist im Königreich auf Todesstrafe verboten, genau wie das Ausüben von Magie. Ohne es zu wollen, bricht Farah jedes einzelne dieser Gesetze. Denn als sie aus der Not heraus mit Gold bezahlt, dass sie im Feenwald gefunden hat und dieses sich in trockenes Laub verwandelt, wird sie der Hexerei angeklagt und kann sich nur durch eine Lüge retten: Sie selbst kann Stroh zu Gold spinnen, erzählt sie der Königin.

Diese behält sie bei sich, um diese Gabe vorgeführt zu bekommen und Farah sieht keinen anderen Ausweg, als ein Feenwesen zu beschwören. Doch der Preis für einen Handel mit dem Dunklen Volk ist immer zu hoch und bald weiß Farah nicht länger, wie sie sich aus all den Lügen retten sollen, die sie umfangen wie das Spinnennetz des Monster, das sie Nacht für Nacht zu ihrer Hilfe ruft. Weiterlesen

Dror Mishani: Vermisst

„… Genug, Avi, wir Polizisten sind nicht die Eltern der Bürger. Und die Polizei ist auch nicht allein verantwortlich für die Sicherheit der Bürger und ihr Wohlergehen, das weißt du selbst. Eltern müssen auf ihre Kinder aufpassen und Erwachsene auf sich selbst.“ (S. 121)

Der sechzehnjährige Schüler Ofer wird vermisst. Seine Mutter Hanna erklärt Inspektor Avraham Avraham, er sei am Mittwochmorgen zur Schule gegangen und auf dem Weg dorthin verschwunden. Obwohl Avrahams Bauchgefühl andere Signale gibt, will er an einen üblichen Fall glauben. Jugendliche hauen ab und zu ab. Für ein paar Stunden, eine Nacht oder einen Tag. Hanna kann Avraham aus eigenen Erfahrungen zustimmen. Denn ein paar Mal sei Ofer eigene Wege gegangen, aber immer zurückgekommen. Nur dieses Mal glaubt sie, etwas anderes sei passiert. Weiterlesen

Christina Sondermann: Einfach schnüffeln

Was ich an Christina Sondermann Büchern so liebe, ist die einfache Umsetzbarkeit der Vorschläge. Man braucht selten mehr, als man ohnehin zu Hause hat und das Meiste macht sogar meiner Hündin Spaß, die sich eher nicht so leicht begeistern lässt und erstmal fragt: Was soll ich damit? Warum?

Aber Christina Sondermann zeigt nicht nur einfach Spiele, sie gibt auch Vorschläge, wie man den Hund motiviert, wie man es abwandelt, damit es für Anfänger leichter und für Profis etwas herausfordernder wird. Dazu kommen viele Bilder, denn Bilder sagen oft mehr als Worte.

Eingebettet in die Spiele ist immer wieder Hintergrundwissen über Hunde, die Hundenase und Hundeverhalten. Aber es geht nicht nur darum, aufwendig Schnüffelspiele aufzubauen und abzuarbeiten – obwohl das bei Sauwetter auch hilfreich ist. Es gibt Vorschläge, wie man den ganz normalen, alltäglichen Spaziergang durch ganz einfache Schnüffeleien aufpeppen kann und nach nicht mal einem Kilometer einen ausgelasteten Hund hat.

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Hanjo Kesting: Thomas Mann: Glanz und Qual

Hanjo Kesting: Thomas MannWer etwas mehr über den womöglich berühmtesten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erfahren möchte, dem sei ein neues Sachbuch von Hanjo Kesting empfohlen: „Thomas Mann – Glanz und Qual“.

Kesting nähert sich dem „Zauberer“, wie Mann vielfach genannt wurde, über sein literarisches Werk und über seine Tagebücher. Er beleuchtet das schwierige Verhältnis Manns zu seinem Bruder Heinrich oder seinem Sohn Klaus. Er zeigt auf, wie sehr sich der Groß-Schriftsteller nach Ende des Ersten Weltkriegs gegen die aufkommende Demokratie stemmt und wie entschieden er sich andererseits später gegen Hitler positioniert.

​Zeitlebens litt er unter seiner Homosexualität: „Die Hunde im Souterrain gehören angeleint.“ Auch war er von ständigen Zweifeln hinsichtlich seines Werkes geplagt, war geradezu süchtig nach wohlwollenden Kritiken. Manns durchaus unsympathische Ich-Bezogenheit ist ebenfalls Thema. Weiterlesen