Jane Campbell: Kleine Kratzer

Nachdenkliche Geschichten aus der Sicht alter Frauen

Diese Autorin begann mit dem Schreiben, als sie selbst bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht hatte. So verwundert es nicht, dass die in diesem Band versammelten Geschichten sich mit Frauen in ebendiesem Alter befassen. Sie sind dabei weder betulich noch altmodisch, sondern vielmehr hochinteressant, spannend und überraschend.

Eigentlich kann man den Inhalt nicht besser zusammenfassen als dies im Klappentext geschieht: „13 Heldinnen – voller Hoffnungen und Sehnsüchte, voller Leben – die ihre ganz eigenen, überraschenden Wege finden, wie sie bekommen, was sie wollen.“

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Elodie Harper: Die Wölfe von Pompeji

Ganz ehrlich, in dieses Buch bin ich nur schwer reingekommen. Als ich nach 50 oder 100 Seiten aber drin war, konnte ich es kaum noch weglegen.

Amara ist eine Sklavin, sie gehört Felix, den man wohl am besten als Zuhälter tituliert. Ihm gehört die Wolfshöhle, eines der vielen Bordelle in Pompeji, wir schreiben das Jahr 74 v.C. Amara war nicht immer eine Sklavin, einst war sie eine Arzttochter in Griechenland, deren Vater sie in seine Arbeit einbezog und sogar unterrichtete, sie kann lesen, schreiben, rechnen und denken. Nach dem Tod des Vaters begann der Abstieg der Familie, am Ende hat ihre Mutter sie einfach verkauft. Zwar nicht direkt an Felix, sondern an einen alten „Freund“ der Familie, aber der hat sie dann einfach weiterverkauft und so wurde sie zur Hure.

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Dietlind Falk: No Regrets

In ein Tattoo-Studio irgendwo im Ruhrpott entführt uns die 1985 geborene Autorin Dietlind Falk in ihrem Roman „No Regrets“. Luz, die alle der Einfachheit halber Lutz nennen, heuert in einem Laden dieser Art an.

In ihm herrscht ein gnadenloses Durcheinander, und im Schaufenster verströmt ein ausgestopfter Alligator einen widerlichen Geruch. Die drei Gestalten, die dort arbeiten, haben ihre beste Zeit hinter sich oder sind gnadenlos verschüchtert. Zumindest gilt das für den Zeitpunkt, an dem Luz sie kennenlernt.
Natürlich ändert sich das. Die Neue bringt Schwung in die verkrustete Situation, und auch ihre Kollegen erwachen zu neuem Leben.

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Amir Gudarzi: Das Ende ist nah

Angela Merkel sagte 2015: „Wir schaffen das.“ In diesem Zusammenhang wurde damals von einer ‚Flüchtlingskrise‘ gesprochen. Inzwischen hat sich einiges geändert. „Wir schaffen das“ wurde abgeschafft. Es kamen weniger Flüchtlinge. Die Schwierigkeiten nahmen in den Aufnahmeverfahren wieder zu und gleichzeitig auch die Not der Flüchtlinge.

Der Autor Amir Gudarzi flog 2009 als junger Mann und Intellektueller von der Türkei aus nach Österreich. In seinem biographischen Roman erzählt er von seinen Erlebnissen im Iran und in Österreich. Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker*Innen. „Das Ende ist nah“ ist sein Debütroman. Amir Gudarzi beschreibt anschaulich und einprägsam die unterschiedlichen Welten, die er als Kind und als junger Mann in Österreich erlebt. Ohne anzuklagen thematisiert er die Not im Iran und die im Exil: Gewalterfahrung, Ausbeutung, Angst gepaart mit Hunger und Ausgrenzung, aber auch wie ihm die Freundschaft zu Sarah das Leben gerettet hat.

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Mathias Berg: Die Kriminalistinnen: Der Tod des Blumenmädchens

Historischer Kriminalroman aus der Flower-Power-Zeit, der sein Thema verliert

Der Kölner Autor siedelt seinen Kriminalroman im Düsseldorf des Jahres 1969 an, als die ersten Kriminalbeamtinnen eingestellt bzw. ausgebildet wurden. Sie stoßen auf wenig Begeisterung bei den männlichen Kollegen und auf wenig Respekt und Anerkennung in der Bevölkerung.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Lucia Specht, die 22Jährige hat bisher als Sekretärin gearbeitet und ist nun zur Polizei gewechselt. Sehr zum Leidwesen, ja zum Ärger ihres Bruders und ihres Vaters. Doch seit dem Tod der Mutter, die vor Jahren einem Verbrechen zum Opfer fiel, das nie aufgeklärt wurde, zieht es Lucia zur Polizei.

Unter den strengen Augen des Vorgesetzten darf sie, ebenso wie die anderen jungen Frauen, die wie sie die Ausbildung in verschiedenen Abteilungen durchlaufen, erste eigene Ermittlungen durchführen, als in einer Wohnung die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde. Das Mädchen gehörte zur Hippieszene in Düsseldorf und nach und nach finden Lucia und ihre Kollegen Details über ihr Leben heraus.

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Wolf Haas: Eigentum

Der Österreicher Wolf Haas (Jahrgang 1960) schreibt Krimis und Romane. Für seine Krimis mit dem ehemaligen Polizisten und Detektiv Simon Brenner wurde er mehrfach ausgezeichnet. Einige der Krimis wurden verfilmt. Daneben veröffentlichte Haas mehrere Romane. Am 4. September 2023 erschien sein neuester Roman „Eigentum“ im Carl Hanser Verlag.

Auf dem Packpapier-Einband des Buches prangt ein roter Stempel „Eigentum von Wolf Haas“. Damit auch kein Zweifel über Urheberschaft und Besitz entsteht. Wolf Hass hat über seine Mutter Marianne geschrieben oder besser gesagt über sich und seine Mutter. Im Text wechseln sich Passagen des Ich-Erzählers (Wolf) mit Passagen der Ich-Erzählerin (im Dialekt Mutter Marianne).

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Nele Pollatschek: Kleine Probleme

Nele Pollatschek, eine 1988 geborene Autorin aus Berlin, beschreibt in ihrem Roman „Kleine Probleme“ einen 49-jährigen Mann – Lars heißt er –, der mit den kleinen Anforderungen des Lebens so seine Probleme hat.

Am letzten Tag des Jahres macht er sich eine Liste, auf der immer wieder aufgeschobene Arbeiten stehen, die er noch vor Jahresende erledigen will: putzen, Steuererklärung machen, das Bett für die Tochter aufbauen, den Vater anrufen, die Regenrinne sauber machen … Dabei sieht er sich ja eigentlich als kommenden großen Schriftsteller, der „den besten Roman der Welt“ schreiben wird. Jedes Kapitel handelt von einem anderen Punkt auf Lars‘ Liste. Demnach umfasst die Handlung lediglich diesen Silvestertag.

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Louise Kennedy: Übertretung

Bewegende Darstellung des Irland-Konflikts der 70er Jahre am Schicksal einer jungen Frau

Beim Lesen solcher Bücher, die sich mit historischen Ereignissen befassen, merkt man die Lücken im eigenen Wissen. Die Irin Louise Kennedy erzählt in ihrem Debütroman von den Geschehnissen und den immensen politischen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten in ihrem Land in den siebziger Jahren. Dabei war mir vieles, was sie schildert, zwar oberflächlich bekannt, in dieser Tiefe und Dimension war man sich dieser Dinge aber sicher nicht bewusst.

Dieser Umstand macht die Lektüre des Romans nicht einfach, aber umso wichtiger. Dankenswerterweise gibt es am Ende des Buches ein Glossar der Übersetzenden, welches einige der in der Landessprache verwendeten Begriffe erläutert.

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Alexa Hennig von Lange: Zwischen den Sommern

Wie konnte das Jahrhundertunglück des Zweiten Weltkrieges und des Holocausts passieren? Was machte die Masse an Menschen, die weder mit dem System sympathisierten, noch in den Widerstand gingen? Im zweiten Teil ihrer Trilogie nach „Die karierten Mädchen“ zeichnet Autorin Alexa Hennig von Lange anhand den Tonband-Aufzeichnungen ihrer Großmutter das Bild einer verlorenen Generation nach. Von Menschen, die weder Helden noch Verbrecher waren, die einfach nur weitermachten, Tag für Tag, um sich und ihre Familien zu schützen. Von Menschen, die aus lauter Scham ihr Leben lang nicht über jene Zeit reden wollten. „All die Ämter und Funktionen, die einzunehmen, die Ehrenauszeichnungen, die zu erreichen waren, all die Verdienste für das deutsche Volk. Sie hatten sich alle davon blenden lassen – und nun saßen sie in verdunkelten Häusern. Längst ging es nur noch um das nackte Überleben und nicht mehr um das, was irgendwann einmal nach dem Versprechen einer wunderbaren Zukunft geklungen hatte.“ (S.295)

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Gina LaManna: Drei Freundinnen

Unterhaltsamer Popcorn-Psychothriller

„Geheimnisse wogen schwer.

Sie waren lebende, atmende Wesen, die wuchsen und sich mit der Zeit veränderten. Sie erstickten und erdrückten ihre Bewahrer; blähten sich vor Wut auf und sanken vor Depression in sich zusammen.“ (S. 96)

Die Autorin zaubert in ihrem Psychothriller „Drei Freundinnen“ pure Spannung aufs Papier – voller unerwarteter Wendungen, die einen regelrecht an die Seiten fesseln. Ich war gebannt darauf, wie sich die Geschichte entwickelt, daher habe ich das Buch nicht nur in Rekordgeschwindigkeit inhaliert. Nein, ich habe wirklich jeden Satz intensivst gelesen; buchstäblich, um nichts zu verpassen – und das ist bei mir eine Seltenheit! Denn wenn mich die Faszination nicht packt, was leider zu oft der Fall ist, verfalle ich automatisch ins Speed Reading.

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