Caroline Wahl (Jahrgang 1995) ist eine deutsche Schriftstellerin, die mit ihren ersten beiden Büchern („22 Bahnen“ und „Windstärke 17“) große Erfolge erzielt hat. Nun hat sie nach „Die Assistentin“ aus dem Jahr 2025 ihren vierten Roman vorgelegt. „1999 Meter über dem Meer“ ist am 28. August 2026 bei Rowohlt erschienen.
Samara on Tour
Der Inhalt des Romans ist schnell erzählt: Samara aus „Windstärke 17“ wird zur Hauptfigur in „1999 Meter über dem Meer“. Nach einem misslungenen Urlaub auf Bali tritt Samara ihren ersten Job bei einer PR-Agentur in Berlin an. Nicht ohne zuvor von ihrem Vater ein altes Mercedes-Cabrio geschenkt bekommen zu haben. Samara begeistert ihre neue Chefin mit frischen Ideen zu den Werbekampagnen der Influencer und -innen, die die Agentur vertritt. Aber schnell wird ihr klar, dass der Job sie anödet.
Nachdem sie eine Kurzbegegnung mit einem „großen Fisch im Filmbusiness“ hat, der ihr seine Wohnung in St. Moritz für einen Aufenthalt anbietet, setzt Samara sich mit jeder Menge Müllermilch in ihren Mercedes und fährt los. Nach einem Zwischenstopp in Oberstdorf kommt sie in St. Moritz an.
Sie ist begeistert von den Bergen und der Luft. Sie lernt reiche junge Leute kennen, die in St. Moritz abhängen. Samara behauptet, Künstlerin (Fotografin) zu sein. Und mir nichts dir nichts wird ihr angeboten, ihre Fotos auszustellen. Samara packt die Gelegenheit beim Schopf.
Dann taucht auch Fritzi auf, der „wunderschöne Mann“ und Filmproduzent, dem die Wohnung gehört. Und Samara verliebt sich oder nicht?
Hört sich banal an? Ist es auch.
„1999 Meter über dem Meer“ von Caroline Wahl glänzt nur bei den Werbebotschaften
Caroline Wahl schreibt, was das Zeug hält, und erzählt nichts. Der Roman pendelt zwischen Wohlstandsverwahrlosungskritik, Selbstfindungstrip und Hochstaplerinnen-Latein ohne Tiefe und literarische Finesse. Stattdessen Productplacement ohne Ende (Mercedes sagt jetzt schon Danke bei seiner zukünftigen Werbebotschafterin) und eine mehr als selbstgefällige Attitüde des Erzählens:
„Und ich verspreche mir, dass ich, wenn das nächste Auto ein hupender Porsche ist, wende, zurück nach St. Moritz fahre und die Bilder bei Optik Foto Rutz ausdrucke. Ein Porsche fährt vorbei, er hupt zwar nicht, aber ich drücke trotzdem die Bremse, drehe trotzdem mit der rechten Hand den Schlüssel nach rechts, der Motor springt an, ich fahre los, wende mitten auf der Straße und folge den Schildern zurück nach St. Moritz, um meine Bilder bei Optik Foto Rutz auszudrucken.
Vielleicht ist die einzige Chance, den dunklen Wolken zu entkommen, nicht mehr ich zu sein, denke ich, während sich ein Lächeln auf mein Gesicht stiehlt.
Wir gehen all in.“ (S. 233/234)
Müllermilch und Mercedes machen noch keine gute Schriftstellerin
Habe ich mich zu Caroline Wahls letztem Roman „Die Assistentin“ nur eingeschränkt kritisch geäußert, kann ich mich nach dem Lesen von „1999 Meter über dem Meer“ zu keiner positiven Besprechung durchringen: Müllermilch und Mercedes machen noch keine gute Schriftstellerin. Und mehr ist zu dem Buch wirklich nicht zu sagen. Schade!
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer
Rowohlt Verlag, August 2026
368 Seiten, Hardcover, 24,- Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.
