Die deutsche Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange (Jahrgang 1973) hat einen neuen Roman veröffentlicht. Das Buch mit dem Titel „Alte Pfade“ erschien am 15. September 2026 im DuMont Buchverlag.
Alexa Hennig von Langes „Alte Pfade“ ist eine Vater-Tochter-Geschichte
Liliane ist gerade von ihrer ersten Reise als geschiedene Frau aus Spanien zurück, da erreicht sie ein Anruf aus einem Krankenhaus in Inverness (Schottland).
Ihr Vater Klaus Lahusen sei in den Highlands mit einem Herzinfarkt aufgefunden worden. Ohne zu zögern macht sich Liliane mit dem Auto auf den Weg nach Schottland. Ihre Geschwister, Charlotte und Georg, erreicht Liliane zunächst nicht. Nur ihren geschiedenen Mann Frederik, der ihr sogleich fürsorglich eine Unterkunft bucht. Liliane kann sich die Reise ihres 89-jährigen Vaters nicht erklären. Der aber war als Student einmal durch die schottischen Highlands gewandert und wünscht sich vor seinem Tod nichts anderes mehr, als dieses Erlebnis zu wiederholen. Lilianes Mutter starb durch Selbsttötung und insgeheim geben die Kinder ihrem Vater die Schuld daran. Klaus will sich nicht von seiner Wanderung abbringen lassen und verlässt das Krankenhaus entgegen der ärztlichen Ratschläge. Liliane fühlt sich verpflichtet, ihn zu begleiten. Sie stiefelt in Leinenschuhen und Sommerklamotten mit ihm los.
Während der Wanderung über die alten, schottischen Pfade Richtung Norden erfahren wir als Lesende nun mehr über die Beziehung zwischen Vater und Tochter und über die Geschichte der Familie Lahusen.
Der einst starke Vater Klaus braucht nun die Hilfe seiner Tochter, um die Wanderung zu bestehen. Noch immer setzt er sich willensstark und egoistisch für seine Wünsche ein. Liliane bewundert ihren Vater, macht ihn aber auch unausgesprochen für ihre gescheiterte Ehe und ihr verkorkstes Verhältnis zu ihrem Sohn verantwortlich. Die Wanderung durch die schottische Natur wird zu einer echten Herausforderung für Vater und Tochter.
„Alte Pfade“ strotzt vor Drama
Alexa Hennig von Lange packt viel in diese Geschichte: Kindheitserfahrungen des Vaters im Krieg, der frühe Tod von Lilianes Mutter, Lilianes eigene gescheiterte Ehe, ihr mieses Verhältnis zu ihrem Sohn, die Helikopter-Schwester und der homosexuelle Bruder.
Ein Klischee nach dem anderen, du meine Güte! Als ob immer mehr Drama besser erklärt, warum die Familie so geworden ist, wie Hennig von Lange sie beschreibt. Da sind keine leisen (Zwischen-)Töne, da ist nur plakatives Geschrei: der (gefühls-)harte Vater, die unterdrückte, kleinlaute Mutter und die angepassten, fügsamen Kinder. Und zur Untermalung die karge, raue Landschaft Schottlands. Dabei macht der Vater nur das, was er immer gemacht hat. Seinen Willen durchsetzen und die Familie nach seiner Pfeife tanzen lassen. Und obwohl er alt und krank ist, gelingt es ihm. Trotzdem scheint Liliane ihren Vater zu lieben. Oder ist es mehr Pflichtgefühl?
Anstatt die dysfunktionalen Anteile der Familie aufzudröseln und daraus eine wirklich eindrückliche, herzergreifende Geschichte zu machen, entscheidet sich Alexa Hennig von Lange für eine als Abenteuertrip getarnte, romantisierte Reise von Vater und Tochter:
„Das Heidekraut leuchtete rot in der Sonne, die sich nun wundersam über die Hügel legte.“ (S. 104)
Alexa Hennig von Lange hat mit „Alte Pfade“ eine ziemlich konstruierte und thematisch überladene Familiengeschichte geschrieben, die mich leider nicht überzeugen konnte.
Alexa Hennig von Lange: Alte Pfade
DuMont Buchverlag, September 2026
240 Seiten, Hardcover, 24,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.
