Isabel Allende: Unsere Geschichten

„Literatur ist Zauberei: Eine Geschichte entwickelt sich in einem geheimnisvollen, organischen, instinktiven Prozess.“ (E‑Book S. 13) An diesem Prozess lässt Isabel Allende ihre LeserInnen in interessant aufbereiteter Form teilhaben.

„Unsere Geschichten“ bleibt bis zum Schluss ein sehr persönlich gehaltener Schreibleitfaden. Die „Grande Dame“ der lateinamerikanischen Literatur, die mit ihren Erfolgsromanen wie „Das Geisterhaus“ (1982) oder „Paula“ (1994) große internationale Beachtung fand, gibt darin Einblicke in die Entstehung ihrer Bücher. Sie legt offen, wie sie vieles aus ihrer eigenen Lebensgeschichte verarbeitet und kreativ in Buchform packt. Sie beschreibt ihren Weg, den sie als Schriftstellerin genommen hat, und lässt auch Hürden nicht außen vor. So erfährt man vom oft langwierigen Entstehungsprozess ihrer Romane und wie sie ihre Gedanken und Gefühle darin verarbeitet. Wir lesen von faszinierenden, prägenden Erlebnissen und Begegnungen, bei denen Allendes Familiengeschichte und ihr Leben im Exil eine bedeutende Rolle einnehmen.

Wie Allende schildert, konnte sie in ihren Schreibanfängen auf ihre Mutter, mit der sie im täglichen Briefwechsel stand, als ihre beste Kritikerin zählen. Ihr Roman „Das Geisterhaus“ entstand in der Zeit, als ihr Großvater in Chile im Sterben lag. Die Briefe, die sie damals aus dem Exil in Venezuela an den Großvater schrieb, verwendete sie später für ihren erfolgreichen Debütroman.

Als Isabel Allendes Tochter Paula (gleichnamiges Buch) starb, merkte sie in der Zeit danach, dass sie ihre Trauer nur aushalten konnte, indem sie schrieb und sich in ihren Erinnerungen vergrub.

Schreiben ist für Isabel Allende ein existenzieller Prozess, der ihren Blick auf alles und die Welt nochmals besonders fokussiert, lässt sie uns wissen. Ihre Geschichten entstehen in Einsamkeit und Stille und verselbständigen sich, wenn sie ihre Figuren agieren lässt, wie sie letztendlich müssen.

Die Autorin bezeichnet sich selbst als schreibsüchtig. Die Zeilen, die sie verfasste, waren immer wie ein Zufluchtsort für sie.

Natürlich erfährt man auch viele wertvolle Schreibtipps, mit denen Isabel Allende selbst arbeitet. Nachfolgend eine kleine Zusammenfassung dieser Tipps: Unter anderem empfiehlt die Autorin, erst ein unvollkommenes Buch zu schreiben, bevor es später überarbeitet wird. Die passende Stilrichtung müsse gefunden werden. Eine eigene Stimme müsse sich entwickeln. Vor allem sei es natürlich wichtig, Disziplin zu bewahren.

Durch alle Seiten ist Allendes „Schreibratgeber“ wunderbar fließend und eindrücklich zu lesen. Das Handwerkliche lässt sie wie nebenbei und dennoch aufschlussreich und interessant in ihre Ausführungen einfließen.

„Unsere Geschichten“ nährt sich aus Isabel Allendes Biografie. So richtet sich das Buch allgemein an Literaturinteressierte und natürlich auch an jene Leser, die ihre Ratschläge umsetzen möchten.

Isabel Allende: Unsere Geschichten.
Suhrkamp, August 2026.
194 Seiten, gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

                                                                         Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

                                                                         

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