Pia Sander ist eigentlich gar nicht da. Sie hat vor ein paar Wochen eine Auszeit von einem Jahr beantragt, um ihren Mann zu einem Forschungsprojekt nach Namibia zu begleiten. Leider war dort nicht alles so, wie sie sich das vorgestellt hatte. Riesig enttäuscht von ihrem Aufenthalt dort, hat Pia kurzerhand beschlossen, nach Hause zurückzufliegen und das Sabbatical abzubrechen. Henning, ihr Ex, mit dem sie inzwischen eine gute Freundschaft verbindet, holt sie am Flughafen ab. Auf dem Weg in den Taunus erreicht Henning ein Anruf, er wird als Rechtsmediziner zu einem Tatort beordert. Pia kommt mit, als Hennings Assistentin, denn im Dienst ist sie ja offiziell noch nicht wieder. Am Tatort, über 30 Stockwerke hoch in einem Rohbau, finden sie die Leiche eines bekannten Bauunternehmers. Kopfüber, den Fuß in einem Seil verstrickt, ein wohl professioneller Knoten, der Mann muss qualvoll erstickt sein.
Da der Tatort in Frankfurt ist, ist Pias Dienststelle nicht zuständig. Das ändert sich, als sie einen weiteren Toten finden. Auf dieselbe Art an einem Baum im Wald aufgehängt. Die beiden Dienststellen arbeiten zusammen. Pia ist inzwischen wieder offiziell im Dienst und kann vom Tatort in Frankfurt berichten. Beim zweiten Opfer handelt es sich um Ralf Kirchhoff, Hennings Bruder. Die beiden hatten ein gutes Verhältnis, haben sich allerdings nicht allzu häufig gesehen. Wo ist die Verbindung zwischen dem Bauunternehmer und Ralf Kirchhoff?
Die Ermittlungen führen Oliver von Bodenstein und Pia bald zu Patrick Brinkhoff, einem Tech-Milliardär, der vor einigen Jahren am Himalaya tödlich verunglückt ist. Wie sich herausstellt, haben beide Opfer zu den Freunden des Unternehmers gehört, die ihm, als er als Student ein Start-up gründen wollte, finanziell geholfen haben. Wie auch andere. Als Dank hatte Brinkhoff sie später mit Vorstandsposten in seinem KI-Unternehmen belohnt. Doch ganz so rosig wie das alles zunächst aussieht, sind die Verhältnisse im Unternehmen nach Patricks Tod nicht. Innerhalb des Vorstands und der weitverzweigten Familie des Firmengründers knirscht es gewaltig. Wie sich herausstellt, wollten die ehemaligen Freunde Patrick entmachten und seine milliardenschwere Software-Entwicklung verkaufen, was er unbedingt verhindern wollte. Kurz darauf ist er tödlich verunglückt. Jetzt diese Todesfälle, die neue Rätsel aufgeben und ein neues Licht auf die Familie und den Freundeskreis werfen. Plötzlich bekommt auch der Tod von Patricks Ehefrau, die in ihrem Haus verbrannt ist, die man aber damals wegen eines anderen Namens nicht mit dem Unternehmen in Verbindung gebracht hatte, eine ganz neue Bedeutung. Oliver und Pia wird einiges abverlangt, die verzwickten Verhältnisse in der Firma wie auch der Familie, die alle irgendwie an dem Unternehmen beteiligt sind, zu entwirren.
Ein spannend geschriebener Krimi über die Macht und die Möglichkeiten der KI, über Macht und Gier, Loyalität und vermeintliche Freundschaft. Mit unerwarteten Wendungen und ihrem gewohnt leichten und dennoch fesselnden Schreibstil gelingt es Nele Neuhaus auch diesmal wieder, den Leser bis zum Schluss rätseln zu lassen. Einzig die vielen Namen und Personen machen es manchmal ein bisschen kompliziert, den Überblick zu behalten.
Nele Neuhaus: Alles wird Asche
Ullstein, August 2026
560 Seiten, Hardcover, 26,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
