Dror Mishani: Die Möglichkeit eines Verbrechens

Inspektor Avi Abraham kommt im Roman „Die Möglichkeit eines Verbrechens“ von Dror Mishani aus einem langen Urlaub zurück. In Brüssel hat er sich verliebt und den unglücklich verlaufenden letzten Fall verarbeitet, bei dem die Leiche des verschwundenen Jungen nicht mehr gefunden werden konnte. Kaum ist er zu Hause, sind die Gedanken zum vergangenen Fall wieder präsent, ohne dass Avi etwas dagegen unternehmen kann.

Sein neuer Chef und der von der Kollegin verfasste Bericht über Avis Ermittlungsfehler führen dem Urlaubsheimkehrer vor Augen, dass sein Ruf mindestens einen Kratzer bekommen hat. Seine Kollegin weist ihn darauf hin, eine schnelle Klärung des aktuellen Falles sei für ihn hilfreich, damit niemand mehr über die Vergangenheit spricht.

Wie so oft ist auch der neue Fall mehr, als der erste Augenschein vermuten lässt. Er beginnt mit der Bombenattrappe in der Nähe eines Kindergartens und Drohanrufen, die von der Kindergartenleiterin geleugnet werden.

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T. J. Klune: Die unerhörte Reise der Familie Lawson

Die Menschen waren verloren und einsam – deswegen schufen sie, ihrem inneren Drang zu schöpfen und echte Freunde zu finden, Kunstwesen, denen sie vertrauen, die sie lieben konnten. Natürlich trauten sie auch diesen, die ihnen immer ähnlicher wurden, nicht lange. Die Menschen konnten so sehr hassen, wie sie lieben konnten und sie fürchteten, was sie nicht verstanden. Ein verheerender Feuersturm tötete die meisten von ihnen, die Maschinen, die Androiden, blieben zurück.

Dies ist die Geschichten einer Schicksals-Gemeinschaft – Giovanni, ein alter Androide, der sich in den großen Wald zurückzog, dort ein Baumhaus errichtete und einen Pflegejungen, einen Menschen zu sich nahm und aufzog. Victor, so der Name des Jungen, hat dann vom nah gelegenen Schrottplatz einen defekten Saugroboter sowie einen Krankenschwester-Roboter besorgt, sie repariert, und ein wenig verbessert. Seitdem sind die Beiden, einander immer ein wenig aufziehend – auch Victor wird ordentlich auf die Schippe genommen, insbesondere seine a-Sexualität hat es der Schwester angetan – an der Seite des Jungen, wenn er auf dem Schrottplatz nach neuen Platinen und sonstigem nützlichem Überbleibseln sucht.

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Kim Selvig: Mutterliebe

Eine Mutter kann nicht anders, als ihre Kinder zu lieben und zu beschützen. Das hat die Natur so vorgegeben. Das haben wir alle schon so oder ähnlich gehört und gelernt. Vielleicht ist das der Grund, warum die Reporterin Kiki Holland von Anfang an daran zweifelt, dass die Angeklagte wirklich versucht hat, ihre beiden Kinder im Wald zu töten. Sie soll beiden Kindern mit Schlafmittel versetzten Tee gegeben und dann ihren kleinen Sohn erwürgt haben, die Tochter hat überlebt.

Der Leser zweifelt erst mal nicht an dem Vorgang, hat er ihn doch bereits auf der ersten Seite miterlebt. Hat er das? Der Roman ist prinzipiell aus Kikis Sicht erzählt, enthält jedoch kursive Einschübe. Da diese mit X-Stunden/Tage/Monate vor der Tat betitelt sind, ist eigentlich nicht zu bezweifeln, dass sie die Geschichte von Sylvia und ihren beiden Kindern erzählen. Zweifel kommen zunächst mal nur Kiki und sie zieht den Leser damit mit.

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Jess Kidd: Die Insel der Unschuldigen

Ein auf zwei weit auseinanderliegenden Zeitebenen erzählter Roman, vielschichtig, geheimnisvoll und mystisch – das ist „Insel der Unschuldigen“. Dabei immer wieder erschreckend und auch brutal, nichts für zartbesaitete Gemüter. Jess Kidd ist eine ganz wunderbare Autorin mit überbordenden Fantasie.

In ihrem neuen Roman verfolgen wir die beiden Kinder Mayken und Gil. Mayken ist neun Jahre alt, als sie zusammen mit ihrer Kinderfrau Imke im Jahr 1628 auf das Schiff Batavia geht, um zu ihrem ihr unbekannten Vater nach Java zu reisen. Der ebenfalls neunjährige Gil kommt 1989 nach dem Tod seiner Mutter zu seinem ihm unbekannten Großvater auf eine winzige Insel. Dort forscht eine Gruppe von Wissenschaftler an dem Wrack eines vor Jahren gesunkenen Schiffes.

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Jennette McCurdy: I´m Glad My Mom Died

Ich muss zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, als die Enkelin meiner Nachbarn in mein Freundebuch schrieb. Unter „Lieblingsserie“ notierte sie „iCarly“. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht, was das war, aber damit bin ich in meiner Generation ein Einzelfall. iCarly war eine der erfolgreichsten Kinderserien der frühen 2000er, produziert von dem Kinderunterhaltungs-Megakonzern Nickelodeon.

Die Hauptdarstellerinnen gelangten dadurch zu weltweiter Bekanntheit – und eine von ihnen ist Jennette McCurdy. Vor der Kamera spielt sie die durchgedrehte, witzig-zynische beste Freundin der Hauptdarstellerin. Hinter der Kamera ist sie ein traumatisiertes Kind, das von seiner Mutter missbraucht und emotional erpresst wird.

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Fabian Neidhardt: Nur ein paar Nächte

Ben Berger ist Holzschnitzer. Er lebt mit seiner zwölfjährigen Tochter Mia im Dorf Immenau und kommt in seinem Leben gut zurecht. Die Dinge gehen ihren Gang. Eines Tages aber steht sein Vater vor der Tür. Er hat Bens Mutter betrogen und fragt, ob er „nur für ein paar Nächte“ bei ihm Unterschlupf finden kann. Daraufhin gerät einiges in Bewegung. Die Polizei bringt zum Beispiel Mia nach Hause. Sie wollte gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Spielgefährten mit dem Bus nach Hamburg fahren, um ihre Mutter Orna zu sehen.

Orna hat sich bisher nicht um Mia gekümmert. Sie wollte nie ein Kind. Nur auf Bens eindringliche Bitte ließ sie Mia nicht abtreiben, brachte sie zur Welt und überließ sie Ben. Der kam mit dem Baby zu seinen Eltern zurück. Die lebten damals noch in dem Haus, das er jetzt mit Mia bewohnt. Nach und nach trudeln alle Familienmitglieder bei Ben ein.

Seine Schwester Salome, die ungewollt Kinderlose, kommt ebenso vorbei wie seine Mutter. Irgendwann ist während des Lesens nicht mehr zu leugnen, dass mit Mia etwas nicht stimmt. Sie kann zwar sprechen, bedient sich allerdings zusätzlich der Gebärdensprache und schaut Serien für Kleinkinder. Auch dieses Rätsel wird gelöst. Mia hat ein gravierendes Handicap. Bens Vater ist der Meinung, Orna habe ihre Tochter deswegen nicht akzeptiert. Bei einem großen Showdown am Küchentisch kommt noch so manches Geheimnis ans Tageslicht.

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T. C. Boyle: Blue Skies

Tom Coraghessan Boyle (Jahrgang 1948) schreibt und schreibt und schreibt. Nun liegt nach „Sprich mit mir“ aus dem letzten Jahr sein 31. Roman vor: „Blue Skies“. Titelgebend ist das gleichnamige Jazzstück von Irving Berlin aus dem Jahr 1926.Der Carl Hanser Verlag veröffentlichte den Roman am 15. Mai 2023 in einer Übersetzung von Dirk van Gunsteren.

„Blue Skies“ handelt von der Familie Cullen. Ottilie und Frank, die Eltern mit Hund Dunphy, und der Sohn Cooper leben in Kalifornien. Tochter Catherine (Cat) ist vor Kurzem mit ihrem Verlobten Todd nach Florida gezogen, wo dieser ein Strandhaus von seiner verstorbenen Mutter geerbt hat. Cat ist die Protagonistin in Boyles Geschichte. Und mit ihrem Auftritt startet der Roman.

Cat ist eine Möchtegern-Influencerin, die sich seit ihrem Umzug in den „Sunshine State“ langweilt und Mojitos trinkt, während Todd als Bacardi-Botschafter im In- und Ausland Parties schmeißt. Während eines Bummels durch ein Einkaufsviertel entdeckt sie das Reptiliengeschäft „Herps“ und kauft dort spontan einen Dunklen Tigerpython, den sie Willie nennt. Cat malt sich aus, die Würgeschlange wie Schmuck auf ihren Social Media Kanälen zu präsentieren und damit Follower zu generieren.

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Knut Hamsun: Hunger

„Hunger“ von Knut Hamsun gehört zu den Büchern, von denen man meint, sie ganz sicher schon gelesen zu haben, weil sie oft genug als Bezugspunkt genannt werden. Die Prüfung des Sachverhaltes hat allerdings ergeben, dass dem in meinem Fall nicht so ist und so bot mir die Neuauflage des Buches im Manesse Verlag die Gelegenheit, diese Lücke zu schließen. Bei der Recherche bin ich auf einen mir bis dato unbekannten Umstand gestoßen: Hamsun vertrat die Positionen der deutschen Nationalsozialisten und er verehrte Hitler. Von dieser Haltung hat er auch nach 1945, als Europa in Schutt und Asche lag, nicht abgelassen, was mein Interesse an seinem Buch stärkte, denn ich wollte herausfinden, warum wir Hamsuns Werke trotzdem nach wie vor lesen.

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Kate Heartfield: Assassin´s Creed: Die Magus Verschwörung 

Längst hat sich der Grundgedanke von „Assassin’s Creed“ verselbstständigt, denn es geht nicht mehr länger nur um den mittelalterlichen Konflikt, sondern zieht sich durch alle Epochen der menschlichen Zivilisation. Deshalb können die Geschichten auch immer vielfältiger und abwechslungsreicher werden, wie man an „Die Magus-Verschwörung“ von Kate Heartfield merkt.

Ein geheimnisvoller Mann rettet dem britischen Soldaten Simeon Price bei einem Schiffbruch vor der südafrikanischen Küste das Leben und rät ihm, zu einem Freund nach Wien zu gehen und die Armee hinter sich zu lassen. Als er das tut, wird er in eine gänzlich neue Welt hinter den Kulissen der normalen Politik eingeweiht.

In Europa rettet die Akrobatin und Varieté-Künstlerin Pierette der britischen Adligen Ada Lovelace das Leben. Als diese im Sterben liegt, vertraut sie der jungen Frau ihre Aufzeichnungen an und bittet diese, ihren ehemaligen Freund Simeon zu finden – ein Unterfangen, das die junge Frau durch halb Europa führt.

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Sebastian Fitzek: Elternabend

Wo ist die Raffinesse?

„Elternabend“ von Sebastian Fitzek entpuppte sich für mich persönlich als ein langatmig, enttäuschendes Leseerlebnis. Trotz meiner anfänglichen Hoffnung, auf Spannung und Faszination sowie auf den packenden Schreibstil seiner Psychothriller zu stoßen, konnte der Roman auf keiner Ebene mit Fitzeks üblicher Klasse mithalten.

Große Erwartungen & enormes Potenzial

Ich hatte große Erwartungen an dieses Buch und wollte es wirklich mögen, doch leider hat mich „Elternabend“ nicht überzeugt. Obwohl die Story an sich enormes Potenzial hatte, fehlt es dem Werk an Lockerheit und Raffinesse. Die Protagonisten schlüpfen in die Rolle von Hector’s Eltern, um einer Verhaftung zu entgehen, aber die Umsetzung wirkt unlustig und zäh wie Kaugummi.

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