Dennis E. Taylor: Außerirdisch

Jack Kernigan lebt da, wo sich gemeinhin Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ein kleines Kaff im Nirgendwo, von wo aus er ans MIT zog, um die Welt des Wissens zu erobern. Dass irgendjemand, ein veritables A… – loch, seinen Zugangscode zu den Rechnern der Uni missbraucht hat, um dort virtuelles Geld zu schöpfen, sorgte dafür, dass er erst einmal wieder zurück im Nirgendwo ist und für seinen Vater Ware ausliefert.

Bei einer seiner Lieferungen nimmt er eine Kurve zu eng und kollidiert mit etwas Großem. Die Beule im Frontspoiler ist markant, Haare haben sich auch verfangen – alles deutet auf ein Tier, Rotwild vielleicht, hin.

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Ellery Lloyd: Der Club. Dabeisein ist tödlich

Gehypt? Mich hat es leider enttäuscht.

Der Thriller „Der Club: Dabeisein ist tödlich“ von Ellery Lloyd verspricht eine Welt voller Luxus, Geheimnisse, gekrönt mit einem schockierenden Mord. Das ultraluxuriöse Resort „Island Home“ vor der englischen Küste bildet das spektakuläre Setting für die begehrteste Einladung des Jahrzehnts: zur dreitägigen Eröffnungsparty.

Doch trotz des starken Fokus auf Exklusivität und Glamour des Clubs bleibt die Geschichte enttäuschend unspektakulär.

Die Story entwickelt keine aufregende Atmosphäre und bleibt in Bezug auf ein Krimirätsel durchschnittlich, da der Spannungsbogen nicht konsequent aufgebaut wurde. Ebenso fehlte die Kreation von aufregenden Momenten, die die Leserschaft fesseln und mitfiebern lassen.

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Louise Erdrich: Jahr der Wunder

Louise Erdrich (Jahrgang 1954), US-Amerikanerin mit indigenen Wurzeln wurde 2021 für ihren Roman „Der Nachtwächter“ mit dem Pulitzer Prize for Fiction ausgezeichnet. Sie lebt und arbeitet in Minneapolis im US-Staat Minnesota, wo sie die Buchhandlung Birchbark Books betreibt. Ihr neuer Roman „Jahr der Wunder“ (Originaltitel: The Sentence) erschien am 17. Mai 2023 in einer Übersetzung von Gesine Schröder im Aufbau Verlag.

Darin findet sich die Indigene Tookie im Gefängnis wieder, nachdem sie ihrer Freundin Danae helfen wollte, die Leiche ihres toten Ex-Freundes Budgie von seiner Ehefrau Mara zu stehlen. Von Danae erhält sie für diesen Freundschaftsdienst einen „dicken Scheck“. Leider klebt auch noch Crack an Budgies Körper.

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Ulla Mothes: Morgenluft

Kleingartenkolonie als Abbild der Gesellschaft – etwas dick aufgetragene Geschichte um Stadtentwicklung, Geheimnisse und Vertrauen

In einer ungenannten Stadt taucht eines Tages die junge Architektin Lu in einer Kleingartenanlage auf. Sie sucht dort Unterschlupf, nachdem ihr Freund, der auch gleichzeitig ihr Chef ist, sie betrogen hat. Nun steht sie ohne Arbeit und ohne Wohnung da.

Zu den Kleingärten hat sie eine besondere Beziehung, wollte ihr Ex-Freund doch genau auf deren Gelände eine große moderne Wohnanlage bauen. Davon sind die Kleingärtner natürlich wenig angetan, weshalb Lu ihre Insiderinformationen erst einmal verschweigt. So wird sie, zwar nicht mit weit offenen Armen, aber doch gutmütig akzeptiert als neue Mitbewohnerin. Erst nach und nach stellt sich heraus, was Lus wirkliche Absichten sind und was diese für die Kleingärtner letzten Endes bedeuten.

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Jonas Eika: Nach der Sonne

Phantasmografisch. Befremdlich. Wuchtig. Dies sind nur ein paar der Attribute, die in Bezug auf Jonas Eikas Roman fallen. Sein Roman löst Staunen und Unbehagen aus, er fasziniert und irritiert zugleich. Der dänische Autor wurde für dieses Buch – bestehend aus vier Erzählungen – 2019 bereits mit dem Literaturpreis des Nordischen Rats ausgezeichnet. Zudem schaffte er es 2022 auf die Shortlist des Internationalen Buchpreises und erhielt eine Nominierung für den International Booker Prize.

Auf nur 155 Seiten prangert der dänische Autor politische und gesellschaftliche Missstände an. Und zwar auf eine metaphorische, phantastische Weise, die lange nachhallt. Zentrales Motiv ist die Frage, was das Menschsein ausmacht. Dies verdeutlicht er anhand verschiedenster Formen der Entmenschlichung. Was bleibt, wenn der Menschsich selbst verkaufen muss, aus dem gesellschaftlichen Raster fällt oder unter die Räder des Turbokapitalismus geraten ist?

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Lesenswertes fürs Handgepäck

Der große Sommerurlaub steht an, die Koffer sind gepackt und platzen aus allen Nähten – aber ein Buch muss trotzdem noch mit, oder? Am besten eines, das bequem ins Handgepäck passt, aber trotzdem genug Inhalt für einen ganzen Urlaub bietet – wer weiß, vielleicht hat man genau die eine Regenwoche in Italien erwischt. Flug, Zug und Bus haben Verspätung. Oder man braucht auch von den besten Mitreisenden mal eine halbe Stunde Abstand. Klar: Ein Buch hilft in all diesen Situation und noch in viel mehr. Aber wohin damit? Man kann ja unmöglich das dritte Ersatzhandtuch daheim lassen und wer weiß, wann man mal einen Wasserkocher braucht. Deshalb haben wir hier ein paar Bücher zusammengesucht, die klein, aber voller Inhalt sind; außerdem leicht und biegsam genug, um noch in letzter Minute ins Handgepäck gestopft zu werden. Viel Spaß damit und gute Reise!

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Salma El-Wardany: Alles, was wir uns nicht sagen

Drei junge Frauen auf dem Weg zu sich selbst – empathisch, aber auch langatmig und schwülstig

Kees, Malak und Jenna sind seit der Schulzeit befreundet. Die Musliminnen leben in England nicht immer nach den Regeln ihrer Religion. Malak und Kees haben beide weiße Freunde, die sie vor ihren Familien verheimlichen, Jenna lebt ihr Leben freizügig, ohne jedoch gewisse Grenzen zu überschreiten.

Malak liebt Jakob, bricht jedoch mit ihm, weil er kein Moslem ist und sie unbedingt mit einem solchen verheiratet sein will. Sie geht nach Kairo, der Heimat ihrer Familie.

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Banana Yoshimoto: Ein seltsamer Ort

Ein seltsamer Ort. Ein seltsames Buch. Das dürfte sich so manche Leser nach der Lektüre dieser 300 Seiten denken. Selbst die Autorin stellt im Nachwort klar, dass ihr Buch die Leserschaft spalten wird. In diejenigen, die es lieben und diejenigen, die es langweilig finden werden. Im Gegensatz zu anderen literarischen Fantasy-Spektakeln gibt es hier zwar übernatürliche Phänomene – auf Blut, Action oder Plot-Twists aller Art wird allerdings verzichtet. Die Protagonisten gleiten so sachte und unaufgeregt durch die Szenerie wie Wasser durch einen Feng-Shui Brunnen. Statt Schockmomenten warten Momente der Erkenntnis auf die überwiegend weiblichen Figuren. Weshalb Banana Yoshimoto ihr Werk lieber mit dem Label „Psychologischer Horror“ versehen möchte.

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Tilman Spreckelsen: Das Nordseekind

Wer sich dem Menschen Theodor Storm annähern möchte, findet in den historischen Kriminalromanen von Tilman Spreckelsen eine Fundgrube von Hintergrundgeschichten. In seinem aktuellen Roman hat der Anwalt Theodor Storm zu seiner Cousine Constanze eine feste Beziehung aufgebaut, aus der wenig später eine langjährige und vermutlich glückliche Ehe entstehen wird. Seine juristische Karriere ist ebenfalls in den Anfängen, denn in seiner Heimatstadt Husum hat er sich selbständig gemacht und freut sich – mehr oder weniger – über die langsam anwachsende Zahl von Aufträgen. Unter anderem erscheint Enna, eine junge Frau, in Begleitung eines älteren Herren. Enna glaubt, sie sei Elisabeth van Ovens, die im Alter von drei Jahren verschollene Enkelin der Katharina van Ovens und damit auch Erbin eines großen Vermögens.

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Jana Costas: Im Minus-Bereich

Jana Costas, Professorin an der Viadrina-Universität in Frankfurt an der Oder, schließt sich für eine Feldforschung den Mitarbeitern einer Reinigungsfirma in Berlin an. In den Gebäuden am Potsdamer Platz, um sie herum und an den gläsernen Fassaden gibt es viel zu putzen. Unter dem riesigen Komplex aus Shoppingcenter, Bürogebäuden, Gastronomiebetrieben und Luxuswohnungen befindet sich über vier Etagen ein fensterloser „Minus-Bereich“. Dort arbeiten Schneiderinnen für die exklusiven Geschäfte in der „Oberwelt“, befinden sich die Müllräume, endlose labyrinthische Gänge, Warenlager und die Aufenthaltsräume für das Reinigungspersonal.

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