Scott Alexander Howard: Das andere Tal

Der kanadische Autor und promovierte Philosoph Scott Alexander Howard erklärt in seinem Interview, sein Debütroman sei in erster Linie eine Meditation über die Vergangenheit und ihre Präsenz in unserem Leben. Es geht ihm dabei um kausale Zusammenhänge: Weil früher etwas Bestimmtes geschah, entwickeln sich durch eine Kettenreaktion folgenreiche Veränderungen, die den Lebenslauf eines Menschen festlegen.

In seinem Roman erfährt die kluge Schülerin Odile Ozanne, dass sie durch das strikte Befolgen von Regeln nicht nur in Gewissenskonflikte gerät, sondern auch rückblickend durch ihren Gehorsam einen gravierenden Fehler gemacht hat. Ihre Verzweiflung ist so groß, dass sie tiefgreifende Entscheidungen trifft, die ihre Biografie in eine Abwärtsspirale katapultiert.

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Shelly Kupferberg: Isidor

Er war ein Lebemann und Schöngeist, erfolgreich, charismatisch, den angenehmen Dingen des Lebens zugetan. Aus einem konservativen jüdischen Dorf im Hinterland Galiziens hat sich Isidor Geller als Kommerzialrat an die Spitze der Wiener Gesellschaft hochgearbeitet. Seinen wirklichen Vornamen Israel hat er abgelegt. Vermeintlich geschützt durch Renommee und Reichtum, glaubt er, dass diese aufkommenden Nationalsozialisten ihm nichts anhaben können. Eine fatale Fehleinschätzung. Die in Berlin lebende Journalistin und Moderation Shelly Kupferberg zeichnet anhand von Briefen, Archivrecherchen und Besuchen in Wien den Werdegang ihres Urgroßonkels nach. Herausgekommen ist eine ergreifende Familiengeschichte. Sie stellt Schritt für Schritt die Ausgrenzung, den Abstieg und die Entrechtung der Juden dar bis hin zu Deportation und Tod.

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Verena Dolovai: Dorf ohne Franz

Maria wächst mit ihren Brüdern Josef und Franz auf einem Bauernhof auf. Wir befinden uns in den 1960-er Jahren. Franz, das Nesthäkchen, ist der absolute Liebling der Mutter. Maria bekommt in dieser patriarchalisch geprägten Gesellschaft wenig Liebe und Fürsorge ab. Sie darf auch keine weiterführende Schule besuchen und keinen Beruf erlernen, weil sie ja ohnehin einmal heiraten wird. Für sie, die Stämmige, Kräftige, bleibt nur Toni, der erstgeborene Sohn des Wirtes, als Heiratskandidat über.

Alle anderen Mädchen gehen in die Stadt, wie die elegante Theresa, oder berechnen genau, wer ihnen von den Burschen ein gutes Leben bieten kann. Die gutmütige Maria heiratet Toni, der sich schnell als Quartalssäufer herausstellt und aus diesem Grund auch von seinem Vater das Wirtshaus nicht überschrieben bekommt. Lediglich die Einliegerwohnung wird Maria und ihm zugestanden. Den Betrieb übernimmt sein jüngerer Bruder Ferdinand, den eine (homoerotische) Freundschaft mit Marias Bruder Franz verbindet. Trotzdem nimmt Ferdinand Anna zur Frau.

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Sofi Oksanen: Putins Krieg gegen die Frauen

Drastische Schilderungen, die erschüttern  

Beim Lesen dieses Buches friert man, so gruselig, so beängstigend ist das, was die finnische Autorin hier schildert. Wenn auch der Titel des Buchs ein wenig in die Irre führt, geht es doch nicht nur um das, was Frauen geschieht, so ist es trotzdem ein wichtiges Buch.

Sofi Oksanen, in Finnland aufgewachsene Tochter einer Estin und eines Finnen, hat tiefen Einblick in die tragischen und erschreckenden Vorgänge in Russland und der früheren Sowjetunion. Was sie beschreibt, jagt einem beim Lesen Schauer über den Rücken und lässt umso mehr darauf hoffen, dass es der Ukraine gelingt, den Aggressor zu besiegen.

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Agatha Christie: Und dann gab’s keines mehr

Agatha Christies „Und dann gab’s keines mehr“ ist der bestverkaufte Kriminalroman aller Zeiten – zu Recht?

Zehn Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, reisen nach Einladung auf eine einsame Insel. Die meisten freuen sich auf die Auszeit – doch bereits auf dem Boot wird es merkwürdig: Keiner von ihnen scheint den Gastgeber U. N. Owen persönlich zu kennen und als sie dann im einzigen Haus auf der Insel ankommen, ist niemand da, um sie zu empfangen. Nicht weiter schlimm, wahrscheinlich handelt es sich um eine harmlose Verspätung.

Doch dann stirbt der erste von ihnen …

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Ursula Poznanski: Die Burg

Kann eine KI böse sein?

Der Milliardär Nevio hat in der alten Burg Greifenau den ultimativen Escape-Room geschaffen. Mittelalterliche Türme, Gänge und Verliese wurden wieder ausgegraben und ausgebaut und zusätzlich mit interaktiver Technik versehen. Man geht also in einen alten Saal und die Technik erschafft ein Szenario mit Bänken, Tischen, Leuchtern und sogar Figuren. Ganz auf die Wünsche des jeweiligen Benutzers zugeschnitten. Gesteuert wird das Ganze durch eine hochmoderne, selbstlernende KI. Die Burg steht kurz vor der Eröffnung und als letzter Test ist eine Gruppe eingeladen, deren Mitglieder jeder auf eine andere Art und Weise Experte für diese Art von Escape-Room sind. Gemeinsam erstellen sie ein Szenario nach ihren Wünschen, gehen durch die erste Tür und landen … direkt in der Hölle.

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Madeleine Becker: Hin und weg

In ihrem ersten Buch „Erstmal für immer – vom Hörsaal in den Kuhstall“ berichtet Madeleine Becker von ihrer Übersiedelung von Jena auf einen Bergbauernhof in Kärnten. Mit „Hin und weg“ legt sie nun die Fortsetzung ihres „Reality“-Buches vor. Die Anfangseuphorie ist verflogen und große Ernüchterung macht sich breit. Madeleine und ihr Freund Lukas arbeiten Tag und Nacht auf dem Hof seiner Eltern.

Quasi nebenher muss noch Zeit sein für Madeleines Online-Tätigkeiten und Lukas´ Brotberuf beim Roten Kreuz. Einerseits liebt Madeleine die Kühe, den großen Gemüsegarten, das Gewächshaus und die vielen Bauernhoftiere sehr, andererseits wird ihr so viel abverlangt, dass sie mehr als einmal an ihre psychische und physische Belastungsgrenze gerät. Hinzu kommt, dass die Arbeit der kleinbäuerlichen Betriebe nur sehr schlecht entlohnt wird. Der Milchpreis bewegt sich in einer lächerlichen Höhe. Obwohl Madeleine und Lukas beinahe Tag und Nacht arbeiten und es den Tieren nirgendwo besser gehen könnte als bei ihnen, haben sie nach drei Monaten unablässiger Schufterei 6,91 € auf dem Betriebskonto. Mehr bleibt in der Landwirtschaft nicht übrig.

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Johannes Mario Simmel: Es muss nicht immer Kaviar sein

Geheimagent und Gentleman – aus heutiger Sicht vielleicht ein bisschen antiquiert, aber nicht minder gut zu lesen wie vor Jahrzehnten. Immerhin ist das Buch, das jetzt zum 100. Geburtstag des Autors neu aufgelegt wurde, bereits 1960 erschienen. Viele werden den Bestseller damals gelesen und inzwischen vielleicht vergessen haben. Es lohnt sich, ihn mit dem Wissen von heute, vor dem Hintergrund der Entwicklungen, die Simmel damals ja nicht vorhersehen konnte, noch einmal zu lesen. Die Sprache mag ein bisschen seltsam anmuten, der damaligen Zeit entspricht sie ebenso wie die Rechtschreibung, die ja mittlerweile reformiert worden ist. Das mag zu Anfang ein bisschen seltsam wirken, aber nach ein paar Seiten, nimmt man das gar nicht mehr richtig wahr.

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Jeff Kinney: Titel: Gregs Tagebuch 18: Kein Plan von nix

Ich musste tatsächlich noch mal ins Impressum gehen, ob das Original wirklich amerikanisch ist. Zu bekannt kam mir die Problemstellung vor. Gregs Schule hat bei einem landesweiten Test dermaßen schlecht abgeschnitten, dass sie geschlossen werden soll. Die Schüler werden auf zwei andere Schulen verteilt. Die eine hat Privatschulatmosphäre, die andere ist eher eine – wie man in Deutschland sagen würde – Brennpunktschule.

In diesem 18 Band über Greg und seinen Alltag scheint es mir, als wäre der Humor erwachsener geworden. Es ist immer noch lustig und klamaukig, aber unterschwellig schwingt viel Kritik mit. Kritik an unfähigen oder unwilligen Lehrern – klar überzogen, aber immer noch deutlich erkennbar der Realität angelehnt. Auch die Versuche der Schule, die Schließung durch Finanzierungsmaßnahmen abzuwenden, meistens auf Kosten der Schüler, sind nicht gänzlich der Fantasie des Autors entsprungen. Wirklich witzig sind dann die Bemühungen der Schüler, mit den Maßnahmen umzugehen, sie zu umgehen oder auch auszunutzen – und die sind Gott sei Dank meistens erfunden.

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Paul Murray: Der Stich der Biene

Der irische Schriftsteller Paul Murray (u.a. „Skippy stirbt“) porträtiert in seinem neuen Roman „Der Stich der Biene“ die Familie Barnes, indem er die Kapitel abwechselnd aus Sicht der einzelnen Mitglieder erzählt: Tochter, Sohn, Mutter, Vater – in dieser Reihenfolge.

Es handelt sich um eine Familie in Schwierigkeiten. Das Autohaus, in dem Vater Dickie arbeitet, droht pleite zu gehen, Mutter Imelda, die eigentlich lieber den Bruder ihres Mannes geheiratet hätte, kommt mit dem finanziellen Niedergang schlecht zurecht, Teenager-Tochter Cass droht im Alkoholexzess unterzugehen, und der zwölfjährige Sohn PJ plant die Flucht. Keiner der Charaktere ist ein Sympathieträger. Das alles ist recht deprimierend und von wenig Freude durchzogen.

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