Ambrose Parry: Die Tinktur des Todes

Ins düstere Edinburgh zur Mitte des 19. Jahrhunderts entführt uns der historische Krimi eines Autorenduos, das unter dem Pseudonym Ambrose Parry schreibt.

Der junge Will Raven kommt als Gehilfe zu einem angesehenen Frauenarzt, der mit verschiedenen Möglichkeiten der Betäubung experimentiert. Zugleich kommen in der Stadt immer wieder schwangere Frauen unter rätselhaften Umständen ums Leben. Raven und das gewitzte Dienstmädchen Sarah machen sich gemeinsam an die Aufklärung der Todesfälle.

Ambrose Parry – dahinter verbirgt sich der Autor Christopher Brookmyre und seine Frau, die Anästhesistin Marisa Haetzman – ist ein spannender, atmosphärisch dichter und vielschichtiger Krimi gelungen. Weiterlesen →

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Gilly Macmillan: Die Nanny

Jocelyn kehrt nach dem Tod ihres Mannes zusammen mit ihrer 10-jährigen Tochter Ruby nach England zurück, auf den Landsitz ihrer Eltern. Nur ihre Mutter lebt noch dort auf Lake Hall, mit der sich Jocelyn, die lieber Jo genannt wird, ihr ganzes Leben nicht vertrug. Sie fühlte sich immer von ihrer Mutter abgelehnt, liebte ihren inzwischen verstorbenen Vater dafür umso mehr. Jos Bezugsperson war jedoch hauptsächlich ihre Nanny Hannah.

Doch Hannah verschand eines Tages, als Jocelyn etwa sieben Jahre alt war, spurlos und das Kind glaubte zeitlebens, sie sei schuld am Verschwinden der Nanny, da sie sich unartig verhalten hatte am Abend vorher.

Jocelyns Mutter Virginia glaubt zu wissen, dass Hannah tot ist. Als Jo und Ruby eines Tages im See, der zum Landsitz gehört, einen Schädel finden, der eindeutige Spuren eines gewaltsamen Todes trägt, wird Virginia sehr nervös und bekommt Angst vor den Fragen der Polizei.

Aber eines Tages steht Hannah plötzlich quicklebendig vor der Tür. Und es gelingt ihr, erneut Anschluss an die Familie zu finden.

Erzählt wird die Handlung aus verschiedenen Perspektiven. Als Ich-Erzählerinnen berichten abwechselnd Jocelyn und Virginia, in der dritten Person werden die Handlungen des Detective Andy Wilton erzählt. Und dann gibt es noch, in der dritten Person und kursiv gedruckt, den Handlungsstrang um Linda Taylor, dessen Bedeutung sich erst im Laufe des Romans entschlüsselt. Weiterlesen →

Gallert & Reiter: Todestreue

Nun liegt der dritte Band des  Autorenduos Gallert/Reiter und ihrem Protagonisten, dem Polizeiseelsorger Martin Bauer vor. Die Autoren habe „ihre“ Nische im Krimigenre gefunden. Ein ermittelnder Polizeiseelsorger ist ja auch ein Alleinstellungsmerkmal. Drei Fälle in drei Jahren darf man mit Fug und Recht eine intensive Schaffensphase nennen. Der Erfolg wird die Autoren beflügelt haben.

Das Autorenduo bringt viele verschiedene Kompetenzen ein: Peter Gallert kam 1962 in Bonn zur Welt. Sein Germanistikstudium brach er ab, jobbte stattdessen unter anderem als Bauarbeiter oder Nachtportier und spielte Theater. Er schrieb für die Jerry-Cotton-Reihe und verfasste viele Drehbücher für Fernsehserien. Jörg Reiter ist 1952 in Düsseldorf geboren. Er studierte Ethnologie und Malaiologie, aber auch Film- und Fernsehwissenschaften. Heimisch ist er in allen Fachgebieten: Er absolvierte Feldforschungen und promovierte als Ethnologe, arbeitet aber auch seit zwei Jahrzehnten als Drehbuchautor. Als Autorenduo schreiben die beiden zusammen Kriminalromane. Nach Kurzgeschichten verfassten sie 2016 mit „Kopfjagd“ ihren ersten Roman.

Mit der Figur des Martin Bauer hat das Autorenduo einen spannungsreichen Protagonisten geschaffen, der viel Entwicklungspotential in sich birgt. Hierzu gehört, dass sich Bauer eine Auszeit nimmt und sein Recht auf Elternzeit in Anspruch nimmt. Weiterlesen →

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Martina Aden: Der falsche Friese

Ein Buch so richtig nach meinem Geschmack für einen heißen Sommernachmittag: witzig, spannend, mit sympathischen und authentischen Figuren und viel ostfriesischem Lokalkolorit. Vor allem die Protagonistin, mit ihrem ausgeprägten Hang zu kalorienreichen Speisen und besonderen Desserts, wächst beim Lesen des Küsten-Krimis von Martina Aden regelrecht ans Herz.

Elli Vogel, die auch schon im ersten Buch der Autorin mit dem Titel „Kluntjemord“ über Leichen stolperte und in Lebensgefahr geriet (leider habe ich diesen ersten Band verpasst), schreibt Bücher, die durch ihre Abenteuer ungeahnte Verkaufserfolge erleben.  Um sich aber ihren Lebensunterhalt zu verdienen, akzeptiert sie das Angebot der örtlichen Zeitung, regionale Berühmtheiten zu porträtieren. Gleich ihre erste Recherche führt sie zum Fall des seit vierzig Jahren verschollenen Andreas Kalski. Der damals Anfang Zwanzigjährige war ein Frauenheld und als Sohn einer berühmten und wohlhabenden Künstlerin auch begehrter Junggeselle.

Ellis Nachforschungen, die nicht alle, denen sie ihre Fragen stellt, willkommen sind, bringen nicht nur mehrere Verbrechen ans Tageslicht und etliche Verdächtige ins Schwitzen, sondern decken auch das eine oder andere Geheimnis im Leben von Ellis Mutter auf. Diese steht kurz vor ihrer Hochzeit mit Ellis Vater, nach jahrzehntelanger „wilder“ Ehe. Doch die Hochzeit scheint unter keinem guten Stern zu stehen, denn im Vorfeld geschehen allerlei Unfälle. Weiterlesen →

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Parker Bilal: London Burning: Crane und Drake ermitteln

Detektive Cal Drake lebt nach der Devise, man muss selbst etwas tun, damit es besser wird. Deswegen hat er sich als Jugendlicher von allen negativen Einflüssen befreit, wurde Soldat, nach einer Kriegsverletzung Militärpolizist und schließlich Detektiv. Aber es will einfach nicht besser werden. Weder bei den Kollegen, die alles Fremde diskriminieren, noch auf den Straßen von London.

Der Schmelztiegel London brennt. Sowohl miteinander konkurrierende Kleinkriminelle als auch verbrecherische Organisationen bekämpfen sich bis auf das Blut. Fressen oder gefressen werden. Die Macht des Stärkeren regiert, im Dunkeln wie in den eleganten Bürotürmen.

Als Cal Drake von der Zentrale zu einem angeblichen Einbruch auf die Baustelle für zukünftige Luxuswohnungen geschickt wird, findet er in einer Grube zwei gefesselte Menschen vor, die gesteinigt worden sind. Drake sieht in diesem grausamen Fund einen Weg, sich endlich zu rehabilitieren und seinen alten Dienstgrad zurückzubekommen. Aber dafür muss er möglichst schnell den Täter überführen. Auch andere wittern ihre Chance. Viel zu schnell steht Drake seinem Erzrivalen und ehemaligen Partner Pryce gegenüber, der als Chef der neu einberufenen Sondereinheit die Richtung bei der Mordermittlung vorgibt, und zwar Terrorismus und Kampf gegen den Islam. Weiterlesen →

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Greta Henning: Halligmord

Mit „Halligmord“ taucht ein neuer Krimi mit lokalen Bezügen in den Lesesommer 2020 ein. Die unter Pseudonym schreibende Autorin Greta Henning (mehr ist über sie nicht bekannt) kreiert mit ihrer Ermittlerin Minke van Hoorn eine Polizistin, die zu ihren Wurzeln zurück kehrt. Die junge Kommissarin tritt ihren Arbeitsplatz in zweiter Generation an. Ihr eigener Vater gehörte zu ihren Vorgängern. Es ist klar, dass sich Minke van Hoorn darum bemühen muss, als Vertreterin der Ordnungsorgane ernst genommen zu werden.

Greta Henning startet also eine Reihe, die für Nordfrieslandfans eine durchaus eine interessante Lektüre werden könnte, zumal sie Urlaubsassoziationen weckt. Ihre Geschichte spielt an der Küste und auf den Halligen. Hier wird sie schnell durch einen rätselhaften Knochenfund herausgefordert. Welche menschlichen Knochen wurden da auf Nekpen vom Sturm frei gespült?

Minke kann auf familiäre Hilfe zurückgreifen. Ihr Bruder ist Gerichtsmediziner und kann feststellen, dass das Skelett schon jahrzehntelang dort im Halligboden gelegen haben muss. Auch die Identität der Leiche lässt sich noch relativ schnell ermitteln. Ein Halligarzt, der durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Doch die alte Frage steht im Raum: Wirklich ein Unfall oder doch Mord? Die ungeklärte Todesursache damals schließt Mord zumindest nicht aus. Weiterlesen →

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Guillermo Martinez: Der Fall Alice im Wunderland

Das zweite Buch des Autors um die Oxforder Mathematiker hat mir sogar noch besser gefallen als der erste Band, der den Titel „Die Oxford-Morde“ trug und den ich vor wenigen Wochen rezensiert habe.

Diesen ersten Band, der im Eichborn-Verlag 2006 unter einem anderen Titel schon einmal veröffentlicht worden war, brachte der Verlag jetzt zeitgleich mit dem zweiten Band noch einmal heraus. Zwischen den spanischen Originalfassungen liegen dagegen 16 Jahre.

Wieder begegnen wir, jetzt im Jahr 1994, dem argentinischen Austausch-Doktoranden, dessen Name, wie schon im ersten Buch, nie genannt wird. Immer wird darauf verwiesen, er sei für englische Zungen zu schwer auszusprechen, allenfalls wird er mit G. abgekürzt. Soll uns das darauf hinweisen, dass der Autor selbst der Erzähler ist…?

G. arbeitet daran, ein Programm zu entwickeln, mit dem es möglich sein soll, die Linienführung einer Schrift nachzuvollziehen, die Bewegung im Moment des Schreibens. Damit soll es gelingen, die Schrift von Kopisten von der des Urhebers des Originals eines Schriftstücks zu unterscheiden. Genau dieses Programm soll nun zum Einsatz kommen, wenn G. wieder durch den von ihm verehrten und bewunderten Arthur Seldom in Berührung mit Verbrechen gebracht wird. Weiterlesen →

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Tilman Spreckelsen: Die Nordseefalle

Es ist der vierte Band der Theodor-Storm-Krimi-Reihe, die Tilman Spreckelsen im Juni 2020 vorlegt. Und um es gleich vorwegzunehmen: Erneut gelingt es dem Autor  einen Krimi zu schreiben, der durch angemessene und geschickt aufgenommene Details einen Bezug zu den historischen Begebenheiten in Nordfriesland herstellt.

Die Verknüpfung von Fiktion und wahrer Geschichte gelingt, weil sich der Autor einer präzisen Sprache bedienen kann, dank deren Ausdruckskraft der Leser mit dem Protagonisten mitfiebern kann.

Spreckelsen wurde 1967 in Kronberg im Taunus geboren. Er arbeitet als Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Tilman Spreckelsen hat bereits mehrere Anthologien mit Gedichten und Geschichten veröffentlicht. Sein erster Storm Krimi, „Das Nordseegrab“ erschien 2015 im Fischer Verlag. Offensichtlich hat er sein persönliches Krimigenre gefunden. Auch darum weil der Leser spürt, dass Tilman Spreckelsen weiß, worüber er schreibt. Seine Beschreibungen Husums und Nordfrieslands im Jahr 1844 wirken authentisch. Gekonnt nimmt er den Lesenden mit in diese Zeit. Dabei gibt der Autor Einblick in die Legenden, Lebensgewohnheiten und Denkstrukturen dieser Küstenlandschaft. Der studierte Germanist und Historiker legt  wert darauf, seiner Leserschaft die  „graue Stadt am Meer“ einladend zu beschreiben. Dabei helfen ihm seine Protagonisten der Anwalt Theodor Storm und sein Schreiber Peter Söt, aus dessen Sicht der Plot geschrieben ist. Weiterlesen →

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Jean-Luc Bannalec: Bretonische Spezialitäten

Nun hat er sich selbst geoutet: Jean-Luc Bannalec ist Jörg Bong. Die Gerüchteküche um die wahre Identität des Autors hat ein Ende. Zweifellos zu Gunsten der realen bretonischen Küche, die den Autor von Anfang an inspirierte, seinen Protagonisten, Kommissar Dupin, als Gourmet zu entwickeln. Diesen roten Faden der Krimireihe hat der Autor nun weiterentwickelt und einem neuen Höhepunkt zugeführt.

Dupin muss seine Südbretagne verlassen. Freiwillig hätte er dies nicht getan. Aber ein Polizeiseminar in Saint Malo zwingt ihn dazu. Natürlich ist Dupin nicht begeistert, zumal er von seiner Assistentin Nolwenn gewarnt wird. Die Menschen dort seien sehr speziell. Dupin bleibt sich selbst treu und erkundet die kulinarischen Köstlichkeiten in einer Markthalle der Stadt. Bannalec-Leser wissen, dass das Seminar, bei dem es um die bessere Zusammenarbeit zwischen den bretonischen Départements geht, von dem Kommissar so weit wie möglich ignoriert wird.

Doch der nächste Mord lässt nicht lange auf sich warten. In besagter Markthalle platzt er Mitten in eine Käseverkostung Dupins hinein. Quasi vor den Augen des Kommissars wird eine bekannte Küchenchefin umgebracht. Die Täterin wird erkannt und schnell gefasst. Sie ist die Schwester des Opfers und ebenfalls eine bekannte Größe der Kulinarischen Szene Saint Malos. Dupin wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Der Ermittler, der bisher sein Einzelgängerdasein lediglich mit seinem kleinen Team teilen musste, wird nun Teil eine dreiköpfigen Ermittlergruppe, die engmaschig mehreren Präfekten berichten muss. Weiterlesen →

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Ragnar Jónasson: Insel

Mit das Faszinierendste an Ragnar Jónassons Krimis – neben den wirklich außergewöhnlichen Covergestaltungen –  sind die beeindruckenden Schilderungen von Islands Landschaften und der Stimmungen. Der Autor schafft es, in der Leserin Bilder zu wecken und sowohl die Schönheit wie auch die gleichzeitige Bedrohlichkeit der Natur so nahezubringen, dass es sich anfühlt, als wäre man dort, während man seine Bücher liest. Die Schwermut, die sich durch Dunkelheit und Kälte auf die Menschen legt, wird regelrecht greifbar.

Die Handlung des Romans liegt viele Jahre vor der des ersten Bandes der Trilogie „Dunkel“. Hulda Hermannsdóttir ist zu Beginn des Romans mehr oder weniger glücklich mit Jón verheiratet und Mutter der 13-jährigen Dimma. Sie steht noch am Anfang ihrer Karriere als Kommissarin bei der Polizei Reykjavik, hofft auf den Chefposten. Der jedoch an ihren Kollegen Lýdur geht, nachdem dieser einen der seltenen Mordfälle in Island erfolgreich aufklären konnte. Mit diesem Fall beginnt der Roman, um dann zehn Jahre später wieder einzusetzen.

Ein vermeintlicher Unglücksfall, zu dessen Aufklärung Hulda gerufen wird, führt dazu, den alten Fall wieder komplett aufzurollen. Involviert sind vier junge Menschen, die sich zu einer Wiedersehensfeier auf einer abgelegenen, einsamen und nur schwer zugänglichen Insel getroffen haben. Alle vier sind auf unterschiedliche Weisen mit dem alten Fall von vor zehn Jahren verbunden und jeder und jede hat davon Narben zurückbehalten. Weiterlesen →

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