Tom Chatfield: Hier ist Gomorrha

Der Hacker Azi Bello dachte immer, er sei im Internet ein Geist. Unzählige Streiche und Hacks gehen auf sein Konto. Im Laufe der letzten Jahre baute er sich eine virtuelle Person. Jim war im realen Leben geboren und früh gestorben. Inzwischen ist Jim eine Kunstfigur, ein Aktivist in der rechtsradikalen Szene. Über ihn will Azi eine gefährliche Gruppierung unterwandern.

„… Jim existiert. Die Welt sucht und findet ihn. Waffen, Drogen – er hat, was das Herz begehrt.“ (S. 32) Auszug aus: Tom Chatfield. „Hier ist Gomorrha.“ iBooks.

Die Kontakte zu den neuen Freunden mit rechter Gesinnung sprechen für einen gelingenden Hack in naher Zukunft. Mitten in seinen Aktivitäten bittet ihn Munira, ebenfalls eine Hackerin, um Hilfe. Sie sei auf der Flucht und müsse ihn unbedingt treffen. Kurz darauf wird er von einem dubiosen Geheimdienst genötigt, das Vertrauen der Hackerin zu gewinnen. Nur über Munira könne man wichtige Daten über den IS und seine Hintermänner erhalten. Normalerweise würde Azi nie zusagen. Doch wenn der Geheimdienst Druck auf ihn ausübt, dann ist nichts mehr normal. Weiterlesen →

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Alexander McCall Smith: Das Dezernat für heikle Fälle

Auch um diese Fälle muss sich ja schließlich jemand kümmern, sollte man meinen. Fälle, bei denen man vielleicht nicht unbedingt erwartet, dass sie in die Zuständigkeit der Polizei fallen.

Dieses Buch spielt auf absurde Weise mit dem absurden Verhalten von Menschen in absurden Situationen.

Ulf, Anna, Carl und Erik bilden das Team innerhalb der Polizei Malmö, das sich um die „heiklen“ Fälle zu kümmern hat. Da geht es beispielsweise um eine hinterhältige Attacke mit einem Messer von hinten auf die Kniekehle eines scheinbar unbescholtenen Mannes. Oder das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mannes, vermisst gemeldet von der Freundin seiner Freundin – wobei an der Wahrheit der Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen einige Zweifel angebracht sind. Und dann der besonders heikle Fall, den Ulf persönlich für den Polizeipräsidenten aufklären soll. Nur gemordet, das wird in diesem Krimi nicht.

Die vier Mitglieder des Dezernats arbeiten schon lange zusammen und kennen sich und ihre jeweiligen Marotten gut. So zum Beispiel Erik, dessen ganzes Leben sich um das Fliegenfischen dreht oder Carl, der jede Arbeit übernimmt, um den Kollegen zu helfen oder Ulf und sein depressiver Hund Martin. Dazu noch die aufkeimenden Gefühle zwischen Anna und Ulf. Und natürlich begegnen sie bei ihrer Arbeit ständig besonders skurrilen Mitmenschen. Weiterlesen →

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Guillermo Martínez: Die Oxford-Morde

Um diesen Kriminalroman genießen und verstehen zu können, scheint es ratsam, vorher ein Mathematikstudium abzuschließen. Wer nämlich bislang glaubte, Fälle in Kriminalromanen mit einfacher Logik lösen zu können, wird hier eines Besseren belehrt.

Die Handlung des preisgekrönten Krimis spielt zu Anfang der Neunziger Jahre in Oxford. Ein argentinischer Gastdoktorand der Mathematik kommt an die dortige Universität. Er bezieht ein Zimmer bei der alten und gebrechlichen Mrs Eagleton. Nicht viel später findet er beim Heimkommen ihre Leiche in ihrem Wohnzimmer. Dabei begegnet er dem berühmten Mathematiker Arthur Seldom, den er schon immer bewunderte und der mit der Familie von Mrs Eagleton seit langem befreundet ist. Gemeinsam beginnen sie die Suche nach Motiv und Täter, mit mathematischer Logik und vielen tiefschürfenden Gesprächen. Dann geschehen weitere Morde und jedes Mal erhält Seldom kryptische Nachrichten in Form von Zeichen. Mit der Hilfe von Pythagoras, Fibonacci und anderen großen Mathematikern versucht Seldom, die Zeichenfolge zu entschlüsseln. Am Ende wartet der Krimi dann mit einer Überraschung auf. Weiterlesen →

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William Peter Blatty: Die neunte Konfiguration

Es ist eine Tatsache, vor der auch die größten Kommiss-Köpfe ihre Augen nicht verschließen können – auch hartgesottene Kämpfer, ausgezeichnete Soldaten, Helden der Nation gar sind vor psychischen Erkrankungen leider nicht gefeit. Ob sie nun salopp ausgedrückt durchdrehen und in Unterhose oder gar ohne öffentlich auftreten, ob sie kleine grüne Männchen, wilde Tiere oder Aliens sehen oder gar einen bemannten Mondflug platzen lassen – peinlich ist es für die Waffengattung, der sie angehören, allemal.

Die Erkrankten werden schnellstmöglich aus der Öffentlichkeit entfernt und in einer geheimen Einrichtung therapiert. Tief in den Wäldern im vergessenen Niemandsland der USA hat die Regierung ein altes Herrenhaus angemietet, um ihre prominentesten Fälle zu behandeln. Weitab von neugierigen Journalisten haben sie 27 Erkrankte untergebracht und einen neuen Psychiater, einen Marine, genauer Colonel Hudson Kane, Bruder des gefeierten Helden Kane, in Marsch gesetzt, die Patienten zu behandeln. Er soll herausfinden, wer von diesen simuliert, wer wirklich krank ist und wem man helfen kann. Doch wie so oft ist der Arzt eigentlich sein eigener und kompliziertester Patient – soll heißen, Colonel Hudson schleppt so einiges an mentalem Gepäck mit sich herum, das nur zu bald in Träumen anklopft und um Gehör bittet – fordert trifft es wohl besser … Weiterlesen →

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Leonie Swann: Mord in Sunset Hall

Lillith hat gemeinsam mit Agnes (der das Haus gehört), dem Marschall, Winston, Bernadette, Edwina und der Schildkröte Hettie in der Senioren-WG in Sunset Hall gelebt. Jetzt liegt sie tot im Gartenschuppen. Und als ob das nicht schon aufregend genug wäre, klingelt erst ein Jungspund, der Agnes das neue Seniorenzentrum Lindenhof schmackhaft machen möchte, dann schneit die Polizei herein und zuletzt kommt noch die neue Mitbewohnerin Charlie mit ihrem riesigen Hund Brexit und einer ganzen Menge Gepäck.

Die Polizisten möchten die alten Leute eigentlich nur vor einem Verbrecher warnen, dem im (ein Stück entfernten) Nachbarhaus Mildred Puck zum Opfer gefallen ist. Aber da sie nun schon da sind, erzählt Agnes ihnen auch gleich von der toten Lillith. Außerdem ist sie geschockt. Mildred war eine Jugendfreundin, mit der sie allerdings schon lange nichts mehr zu tun hatte. Zum einen war Mildred nach einem Schlaganfall bereits seit einigen Jahren ein schwerer Pflegefall, zum anderen war sie schon vorher nicht mehr auf Agnes‘ Wellenlänge gewesen.

Auch Lilliths Tochter macht Stress. Sie möchte unbedingt wissen, was genau passiert ist. Aber die Vereinbarungen innerhalb der WG sind so speziell, dass man sie Fremden auf keinen Fall auf die Nase binden möchte. Außerdem sind sich die Bewohnerinnen und Bewohner selbst nicht ganz sicher, was geschehen ist. Es gibt nämlich immer mal wieder Ausfälle im Gedächtnis oder beim Hören (wenn bei Agnes der hohe Ton im Ohr alles andere übertönt). Zum Beispiel weiß der Marschall am Anfang nicht mehr, wo er seine Pistole hingelegt hat. Weiterlesen →

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Lilja Sigurðardóttir: Das Netz

Island in Zeiten der Finanzkrise. Dieses Land war sich zu lange sicher in allem, was man so als Bild in der Welt abgab. Thermische Verhältnisse machten die Insel zwischen Amerika und Europa energietechnisch unabhängig und die wilde unberührte Natur lockte jede Menge Touristen an. Hätte alles  gut so weiter gehen können, doch auch in Reykjavik war auf einmal die Gier angesagt. Die Banken verspekulierten sich in dieser unsäglichen Derivaten-  und Spekulationsblase, so dass das Land pleite war.  Nach und nach geht es an die Aufarbeitung und die Suche nach der Schuld.

Arga, eine der Protagonistinnen in diesem  Roman, war eine große Nummer im Bankengewese und hat kräftig mitgemischt und sitzt nun während des ganzen Buches immer in irgendwelchen Verhören. Damit kommt sie klar, sie war und ist in diesen Dingen eiskalt. Womit sie nicht klar kommt, ist die Beziehung zu Sonja, mit der sie im Bett von Sonjas Ehemann Adam und Sohn Tomas erwischt wird. Sonjas Ehe scheitert daraufhin und Sonja hält sich nun mit Drogenkuriergeschäften über Wasser, bzw. sie will das solange machen, bis sie wieder Boden den Füssen hat und ihren Sohn Tomas „zurückholen“ kann. Weiterlesen →

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Xavier-Marie Bonnot: Der erste Mensch

Michel de Palma soll in drei Wochen in den Ruhestand gehen. „… Hunderte von Verhaftungen hatte er miterlebt, … Es waren jedes Mal harte Brüche gewesen. Menschenleben, die an Paragrafen zerschmettert waren.“ (S. 343)

Als der Taucher und Archäologe Fortin bei der Erforschung der Unterwasserhöhle an der Küste der Calanques verunglückt, vermutet die Forschungsleiterin darin einen Angriff mit Todesfolge. Und weil viele Indizien für ihre These sprechen, nimmt de Palma seine Ermittlungen auf. Dabei taucht er tief in die Fachgebiete der Archäologie, Mythologie und Psychiatrie ein.

Wenige Wochen darauf flieht Thomas Autran aus der geschlossenen psychiatrischen Anstalt. Der zu einer lebenslangen Verwahrung Verurteilte sieht an den Umständen des Tauchunfalls ein Zeichen, das auf seine eigene Vergangenheit verweist.

Auch de Palma glaubt an einen Zusammenhang, denn in der Höhle gibt es Handabdrücke, die denen von Thomas Autran ähneln, als dieser seine eigenen als Visitenkarte neben seinen Mordopfern hinterließ.

Ein wertvoller archäologischer Fund und unklare Todesfälle haben de Palmas Augen geöffnet, und er kann nicht mehr wegsehen. Weiterlesen →

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Chandler Baker: Whisper Network

Ein Buch zur #MeeToo-Dabatte. Vier Juristinnen in einer Sportbekleidungsfirma in Dallas versuchen Kind und Karriere unter einen Hut zu bekommen. Doch sind es Männer in Schlüsselpositionen, die ihnen den Aufstieg verwehren, beziehungsweise selbigen von gewissen körperlichen Gefälligkeiten und Äußerlichkeiten abhängig machen. Folge: Bald kursiert in den Büros der Stadt die so genannte „BAD-Liste“ mit den Namen von Männern, die durch übergriffiges Verhalten negativ aufgefallen sind. Jede Frau kann entsprechende Namen eintragen, um andere Kolleginnen davor zu warnen.

Auch die drei Freundinnen Sloane, Ardie und Grace erhalten diese Liste. Dabei haben sie bereits alle Hände voll zu tun, sich als moderne Frau zu behaupten. Ardie ist frisch geschieden und alleinerziehend. Als übergewichtige Mittvierzigerin mit lateinamerikanischen Wurzeln muss sie sich gleich mehrfach mit Vorurteilen auseinandersetzen. Grace hat erst kürzlich ein Baby bekommen und fühlt sich nach der Rückkehr in den Beruf überfordert. In den Stunden, die sie im büroeigenen Stillzimmer mit dem Abpumpen ihrer Muttermilch beschäftigt ist, plagen sie Selbstzweifel. Sloane ist auf perfekte Außendarstellung bedacht. Ein dank Botox und Personal Trainer makelloses Aussehen, ein adretter Ehemann, die Tochter auf der Privatschule, ein ansehnliches Eigenheim, Luxusurlaub und Luxustäschchen… das volle Programm. Doch auch sie hat das Gefühl, ihrem Pensum nicht gerecht werden zu können. Noch dazu wo jüngere, hübschere und top ausgebildete Harvard-Absolventinnen wie Katherine in die Firma drängen. Soll sie diese fördern oder sich von ihnen bedroht fühlen? Weder noch. Schnell wird klar, dass die junge Frau vor allem beschützt werden muss. Denn ihr Chef Ames bekundet großes Interesse an Katherine. Mehrfach scheint er sie in persönlichen Meetings oder bei einem Feierabenddrink in unangenehme Situationen zu bringen. Sloane kennt dieses Spiel um Sex und Macht. Sie hat es selbst hinter sich, als sie vor über 10 Jahren mit Ames eine kurze Affäre hatte. Zu allem Übel kommt heraus, dass Ames nach dem Tod des bisherigen Geschäftsführers zum neuen CEO ernannt werden soll. Damit wäre er unantastbar. Weiterlesen →

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Peter Grandl: Turmschatten

Der Neonazi Karl Rieger wurde wegen Erpressung und schwerer Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt. Doch schon nach fünfzehn Monaten kommt er wieder auf Bewährung frei. Inzwischen hat sich an seiner Einstellung mehr geändert, als er für möglich hält: Er liebt eine Jüdin. Und da ist noch sein 13-jähriger Schützling Thomas, der wie Karl ungewollt in die rechtsradikale Szene reingerutscht ist und nun dringend Hilfe braucht, um sein Leben noch rechtzeitig in den Griff zu bekommen.

Karls erste Schritte in Freiheit verlaufen jedoch völlig anders als geplant. Dies liegt nicht nur an dem eskalierten Erstgespräch mit seiner Bewährungshelferin, die ihn beim kleinsten Regelverstoß ins Gefängnis zurückschicken will. Kurz darauf erfährt er von seinen Kameraden, zu denen er offiziell keinen Kontakt mehr haben darf, dass für einen Überfall Thomas die Rolle des Lockvogels übertragen wurde. Karl glaubt, nur wenn er sich an der Operation beteiligt, könne er den Jungen beschützen und das Schlimmste verhindern. Doch auch diese Aktion eskaliert und entwickelt sich zu einem medialen Großereignis mit Folgen.

Wer als Regisseur gearbeitet hat und heute als Texter und Drehbuchautor tätig ist, dem darf man blind Können und Handwerk unterstellen. In seinem Debüt zeigt Peter Grandl all dies und noch viel mehr. Was an seinem in jeder Hinsicht gelungenen Thriller auffällt, ist die Kombination von Desastern. Weiterlesen →

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Ragnar Jónasson: Dunkel

Eine ungewohnte Heldin in einem nicht ungewöhnlichen Krimi mit einem absolut außergewöhnlichen Ende.

Hulda Hermannsdóttir steht kurz vor ihrer Pensionierung bei der Kriminalpolizei Reykjavik. Sie hadert sehr damit, denn sie weiß mit sich außerhalb ihrer Arbeit wenig anzufangen. Andererseits fühlt sie sich unter ihren Kollegen auch nicht wirklich wohl, sie wird gemobbt, bei Beförderungen übergangen und die Lorbeeren ernten andere. Hulda ist verwitwet und lebt in einer Wohnung in der Stadt, obwohl sie die Natur liebt.

Sie hat gerade einen Fall von Fahrerflucht aufgeklärt, als ihr Vorgesetzter ihr mitteilt, dass sie früher als geplant in den Ruhestand gehen soll, ja , dass ihr Nachfolger bereits bestimmt ist und binnen einiger Tage ihren Schreibtisch übernehmen soll. Nach dem ersten Schock fordert Hulda, wenigstens noch einen alten, ungelösten Fall bearbeiten zu dürfen und bekommt dafür Zeit bewilligt.

Hulda wählt den Fall einer ermordeten russischen Asylbewerberin, den ein Kollege von ihr vor einem Jahr nur oberflächlich und wenig sorgfältig bearbeitet und als Selbstmord abgetan hatte. Sie beginnt ihre Nachforschungen, für die sie keinerlei Unterstützung von Kollegen oder ihrem Vorgesetzten bekommt, in der Asylbewerberunterkunft, in der Elena, die Tote, gewohnt hatte. Weiterlesen →

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