Gordon Tyrie: Schottensterben: Ein Hebriden-Krimi

Eine skurrile Geschichte mit skurrilem Personal in skurrilem Setting. Doch leider verpufft das Potenzial, das darin steckt.

Gordon Tyrie ist das Pseudonym eines deutschen Krimiautors, der seine Liebe zu Schottland in seinen Romanen zum Ausdruck bringt. Das gelingt ihm in den Landschaftsbeschreibungen auch sehr gut, die Leserin bekommt durchaus ein Gefühl für die herbe, manchmal wenig einladende Landschaft auf den Hebriden.

In einer stürmischen Nacht wird auf der kleinen Insel Gigha eine Leiche angespült. Von den wenigen Bewohnern der Insel werden einige in die Angelegenheit verwickelt, teils freiwillig, meistens aber eher unfreiwillig. Da sind die beiden Frauen Val und Phyllis, Zwillinge Ende Vierzig, die jede auf ihre Weise mit ihren Erinnerungen zu kämpfen hat. Da ist Nicol, der einzige auf der Insel lebende Nicht-Schotte, der immer barfuß läuft und davon träumt, sich ein Boot zu bauen. Da sind der Briefträger Craig, der heimlich Briefe schreibt und der geheimnisvolle Hynch, der von seinem verborgenen Unterstand aus den Leichenfund beobachtet. Und da ist die Kuh Thin Lizzy, die ihren ganz eigenen Blick auf die Welt hat.

Mit der am Strand aufgetauchten Leiche haben sie alle so ihre Probleme, was unter anderem zu dem immer wieder vereitelten Versuch führt, die Leiche irgendwo verschwinden zu lassen. Erst nach und nach klärt sich auf, wer der Tote ist, wie er ums Leben kam und schließlich findet sich auch die Lösung für ihrer aller Probleme. Weiterlesen →

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Katrine Engberg: Glasflügel

„… Kopenhagen hat eine Liebesbeziehung mit dem Meer. Steht man am Hafen, ist deutlich zu spüren, dass die Stadt am Wasser gebaut wurde … Das Wasser weicht die harten Kanten auf und bringt Leben mit sich, das Wasser spült den Dreck weg.“ (S. 316)

Es gibt selten einen perfekten Zeitpunkt, um eine Mordermittlung zu leiten: Jeppe hat aufgrund seiner Scheidung sein Haus verkauft und wohnt für die Übergangszeit in seinem ehemaligen Kinderzimmer. Seine Mutter freut sich sehr über den Einzug ihres Sohnes und belebt ihre Mutterrolle, die Jeppe wiederum nicht gebrauchen kann. Zur gleichen Zeit stillt seine Kollegin Annette ihre Tochter, die viel schreit und wenig schläft. In der geringen Freizeit leidet die stillgelegte Kommissarin unter Langeweile. Die Ermordung einer Bekannten verleitet sie zu privaten Nachforschungen.

In den nächsten zwei Tagen werden weitere Mordopfer im Wasser abgelegt und kurz darauf gefunden. Recht schnell finden Jeppe und seine Kollegen heraus, dass alle Getöteten in einer ehemaligen psychiatrischen Einrichtung für Jugendliche gearbeitet haben.

Doch die Suche nach Zeugen geht ungewöhnlich beschwerlich voran. Manche können sich nicht mehr genau erinnern, andere Zeugen wollen sich nicht erinnern, oder sind aufgrund ihrer psychischen Erkrankung wenig glaubwürdig. Darüber hinaus sind ehemalige Mitarbeiter und Patienten nicht erreichbar. Jeppe sieht eine Fülle von Informationen und Hindernissen, die auf viele Verdächtige zeigen. Weiterlesen →

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Chris McGeorge: Der Tunnel – Nur einer kommt zurück

Seit drei Jahren ist der Autor Robin Ferringham allein, da seine Frau Samantha über Nacht verschwand. Nun erhält er einen Anruf von einem völligen Fremden namens Matthew. Er habe mit Samantha telefoniert und die habe ihn angewiesen, nach Robin zu suchen und ihn um Hilfe zu bitten. Kann es sein, dass Matthew der letzte war, der mit Sam gesprochen hat? Robin ist irritiert, als er hört, dass Matthew des fünffachen Mordes angeklagt ist. In seinem Städtchen gibt es einen Bootstunnel namens Standedge-Tunnel, Englands längsten Kanaltunnel, den er mit seinen fünf Freunden befahren hat. Doch hinten kam nur noch der bewusstlose Matthew wieder raus, von den anderen fünf fehlte jede Spur. Auch Leichen gibt es keine. Was ist damals im Standedge-Tunnel passiert? Robins Neugier ist geweckt und ein wenig hofft er auch, das Rätsel um seine verschwundene Ehefrau lösen zu können.

Chris McGeorges Roman macht bis etwa dreiviertel der Seiten richtig Spaß. Man wird auch viele verschiedene Irrwege geleitet und bekommt immer wieder verdächtige Personen serviert, die möglicherweise am Verschwinden der fünf jungen Menschen beteiligt oder interessiert gewesen sein könnten. Gleichzeitig erhält man ein Gefühl davon, wie Pru, Tim, Rachel, Edmund und Robert getickt haben. Weiterlesen →

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Eric Berg: Mörderinsel

„Noch 34 Tage bis zum zweiten Mord“ (S. 9).

Was für ein erster Satz! Wer würde da nicht sofort weiterlesen wollen.

Und das Weiterlesen lohnt sich. Ich habe schon lange nicht mehr so einen gut konstruierten und gut aufgebauten Kriminalroman gelesen. Dabei sind die bisherigen Romane von Eric Berg alle gut, der eine mehr, der andere weniger. Aber wie er hier die Spannung hochhält, wie er die Spuren auslegt und die Leserin immer wieder in die Irre führt, so dass man auf jeder neuen Seite einen neuen Täter in Verdacht hat, das ist schon genial.

Auf der Ostseeinsel Usedom wurde eine junge Frau brutal ermordet. Eine Frau, die jeder kannte und schätzte. Als Mörder vor Gericht steht Holger Simonsmeyer, Hotelier in dem kleinen Dorf, aus dem auch die Tote stammte. Doch er wird freigesprochen. Das Entsetzen im Dorf ist groß, alle dort halten ihn dennoch für den Täter. Außer seiner Frau und seinen Söhnen, die unerschütterlich zu ihm halten.

Dann geschieht ein zweiter Mord und wenig später steht das Haus der Simonsmeyers in Flammen und vier Menschen kommen darin ums Leben. Weiterlesen →

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Luca Ventura: Mitten im August

Capri – Sehnsuchtsinsel, Postkartenidylle, Hot Spot der Stars und Sternchen – bildet die Kulisse für diesen Kriminalroman. Normalerweise hat Polizist Enrico Rizzi auf der idyllischen Insel mit ihren 15.000 Einwohnern nicht viel zu tun. Neben der Bearbeitung von kleineren Bagatelldelikten bleibt genügend Zeit, seinem Vater beim Obst- und Weinanbau zur Hand zu gehen und sich nebenbei um seine neue Freundin Gina und deren Tochter zu kümmern. Doch damit ist plötzlich Schluss. Die Leiche eines jungen Studenten der Meeresbiologie wird in einem Boot vor den Felsen von Punta Carena aufgefunden. Von seiner Freundin Sofia Polito fehlt jegliche Spur. Ist sie ebenfalls tot – oder ist sie gar für Jacks Tod verantwortlich? Für die Einwohner ist dieser Mordfall ein Schock, für das touristische Image der Insel nicht gerade förderlich. Der Fall muss schnell aufgeklärt werden! Doch der gemächliche Polizeiapparat auf Capri und kleine Machtspielchen mit der Hauptdirektion in Neapel erschweren die Ermittlungsarbeit. Schließlich zieht Rizzi nicht immer ganz vorschriftskonform auf eigene Faust los…

Geschrieben ist der Roman aus zwei Perspektiven. Zum einen aus Sicht des Polizisten Rizzi, zum anderen aus Sicht der jungen Sofia Polito, der Freundin des Mordopfers Jack Milani. Jack ist der Spross einer wohlhabenden norditalienischen Familie, die ihren Reichtum mit Düngemittel verdient. Doch der aufsässige Umweltschützer Jack hat mit seiner Familie gebrochen. Beim Studium der Meeresbiologie in Genua lernte er Sofia kennen, gemeinsam sind sie für ein Praktikum bei dem charismatischen Professor Taccone auf die Insel Capri gezogen. Denn vor der Küste der Nachbarinsel Ischia versauert der Ozean aufgrund natürlicher Vulkanaktivität. Weiterlesen →

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Fabricio Gatti: Der amerikanische Agent: Tatsachenroman

Er nennt sich Simone Pace. Nach dreißig Jahren im Geheimdienst bietet er dem Journalisten Fabrizio Gatti Informationen an. Die Interviews finden natürlich in der Heimlichkeit statt, denn der Italiener leidet unter Verfolgungswahn. Unter anderem. Sein Gewissen leidet unter den erworbenen Einblicken. Sie haben sein Weltbild vollständig verändert.

„… Krieg ist eine ansteckende Geisteskrankheit. Sie verhindert, dass Konflikte durch Worte gelöst werden. Sie befällt die Regierenden und ihre Anhänger. … Die Regierenden, die davon befallen sind, werden … nicht in Quarantäne genommen. … Wenn der Krieg eine … Bevölkerung befällt, nennt man deren Reaktion Verteidigung.“ (S. 273)

Der Journalist und Autor Fabricio Gatti erhielt 2007 den Europäischen Journalistenpreis für seine Recherche als Illegaler, der den Weg nach Europa geschafft hatte. 2008 erschien hierzu sein Buch.

Seinen aktuellen „Tatsachenroman: Der amerikanische Agent“, übersetzt von Friederike Hausmann und Rita Seuß, widmet er allen Opfern politischer Gewalt.

Fabrizio Gatti fokussiert über die Schilderungen des Simone Pace, wie sein Weg als Agent begann und er im Laufe von drei Jahrzehnten Einblicke in die Methoden der CIA gewonnen hat. Seine Handlangerdienste bestanden anfangs aus der Beschaffung von Informationen, die er als Polizist leicht gewinnen konnte. Das schnell verdiente Geld gefiel ihm genauso gut wie die angenehmen Aufgaben. Doch die damit einhergehende, schleichende Abhängigkeit katapultierte ihn bei Mord und Folter in Gewissenskonflikte. Weiterlesen →

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Oyinkan Braithwaite: Meine Schwester, die Serienmörderin

„Ayoola ruft mich mit diesen Worten herbei: Korede, ich habe ihn umgebracht.
Ich hatte gehofft, diese Worte nie wieder zu hören.“

Mit diesen Sätzen beginnt die nigerianische Autorin Oyinkan Braithwaite ihren viel gelobten und prämierten Roman „Meine Schwester, die Serienmörderin.“

Und sie geht gleich weiter in die Vollen: Die Leserinnen und Leser begleiten Korede dabei, wie sie – sorgfältig und durchdacht – den Tatort reinigt und die Leiche entsorgt. Denn so ist Korede: zuverlässig und immer für ihre kleine Schwester da. Das war schon damals so, als der Vater noch gelebt hat. Er war unberechenbar. Nach außen hin geschätzt und beliebt, doch bei seinen Töchtern und seiner Frau hat er vor allem Angst und Schrecken verbreitet.

Es ist nicht der erste Mann, den Ayoola ermordet. Aber sie kann nichts dafür, behauptet sie jedenfalls. Manche ihrer Freunde und Verehrer werden einfach zu aufdringlich oder halten es nicht aus, zurückgewiesen zu werden. Kein Wunder, sie ist so schön, dass die meisten bei ihrem Anblick den Kopf verlieren. Das Messer ihres Vaters hat sie immer dabei – zu ihrem Schutz – und sie hat es tatsächlich schon einige Male gebraucht. Man weiß ja nie bei den Männern. Weiterlesen →

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Keigo Higashino: Unschuldige Täter

Es sollten gemütliche, vielleicht sogar langweilige Schulferien am Meer werden. Weil seine Eltern mit der Eröffnung der neuen Filiale ganz in Anspruch genommen sind, fährt Kyohei zur Tante, der älteren Halbschwester seines Vaters. Sie wohnt in Harigaura, einem verblichenen Ferienort am Meer. Zusammen mit ihrem kranken Mann und ihrer Tochter betreibt sie die in die Jahre gekommene Pension Grüner Felsen.

Kyohei sollte der einzige Gast sein. Doch dann erscheinen mit ihm zusammen zwei weitere Gäste, ein Professor und ein pensionierter Kommissar. Bereits in der ersten Nacht stirbt der Pensionär unter unklaren Umständen. Der Sturz vom Deich sieht nach einem Unfall aus. Und so möchte die örtliche Polizei diesen Tod auch zu den Akten legen, wenn nicht ein ehemaliger Kollege des Verstorbenen und die Witwe auf eine Autopsie bestehen würden. Bei den intensiven Ermittlungen sorgt jedes neue Detail für mehr Verwirrung. Ob Unfall oder Mord, die Zahl der Verdächtigen irritiert nicht nur die Sonderkommission. Auch der Professor, der die Polizei in Tokio häufig als Berater unterstützt, soll in der Pension Augen und Ohren offen halten. Seine aufkeimende Freundschaft zu Kyohei entwickelt sich schnell zu einem Ermittlerteam der besonderen Art, denn der Junge ahnt nichts von seiner erhellenden Rolle. Weiterlesen →

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Horst Eckert: Im Namen der Lüge

Im Schatten der Coronakrise ist es wichtig, die Welt ringsherum im Auge zu behalten. Vielleicht gibt es ja auch mal wieder Zeiten, in denen wir uns wieder um andere Probleme kümmern müssen. Vor allem darum, all die „Notstandsgesetze“ die uns jetzt so bitter aufstoßen, sie aber zähneknirschend über uns ergehen lassen müssen, wieder in eine demokratische Wanne zu legen. Sonst hat uns das Virus nicht nur eine Menge Menschenleben gekostet, sondern auch, na ja sagen wir mal pathetisch, unsere Freiheit! Für diesen Fall wird man durch das vorliegende Buch von Horst Eckert bestens vorbereitet.

Das Virus heißt in diesem Fall „Nationalismus“ in Form von Seilschaften, die von dort ausgehen, die eigentlich unsere freiheitliche Grundordnung schützen sollte: vom Verfassungsschutz. Im Laufe der Existenz dieser dubiosen Organisation, sind immer mal wieder – und das nicht erst seit diesem unsäglichen Hans-Georg Maaßen – Sachen ans Licht der Öffentlichkeit gekommen, die so unglaublich wie wahr waren. Ausgehend von dem leicht populistisch geprägten Spruch „auf dem rechten Auge blind“ entwirft Horst Eckert hier ein beängstigend reales Szenario, in dem bis in die sogenannten „höchsten Kreise“ Politiker und Kriminalbeamte verstrickt sind. Weiterlesen →

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Dirk Kurbjuweit: Haarmann

Nach dem gewaltsamen Tod seiner Mutter bei einem Schusswechsel französischer Soldaten macht sich der Bochumer Kommissar Lahnstein unbeliebt. Er fragt so beharrlich bei den Besatzern nach dem Verantwortlichen, dass er sich letztendlich nur durch eine Versetzung in Sicherheit bringen kann.

In Hannover wird zur gleichen Zeit in einer festgefahrenen Ermittlung ein neuer leitender Kommissar gebraucht. Für den politisch motivierten Polizeichef kommt Bochums bester Ermittler wie gerufen. Für die anstehenden Wahlen braucht er in der Presse positive Nachrichten. Denn die stetig wachsende Zahl von vermissten Jugendlichen und jungen Männern hat nicht nur bei den trauernden Eltern, sondern auch in der Bevölkerung für Unmut gesorgt.

Allmählich findet Lahnstein heraus, dass sowohl die Zeugen aus der Schwulenszene als auch seine Kollegen mehr verschweigen, als sie sagen. Mit seiner Beharrlichkeit macht er sich deshalb auch in Hannover unbeliebt. Und wer im Fokus steht, den kann man systematisch zum Sündenbock stilisieren. Viel zu schnell steht Lahnsteins Ermittlungsarbeit, seine Person und weitere Vermisste in der öffentlichen Kritik.

Der Reporter und Autor Dirk Kurbjuweit bearbeitet in seinem Kriminalroman den berühmten Fall um den Massenmörder Haarmann, über den schon einige geschrieben haben. Der Film Der Totmacher mit Götz George dürfte manchem noch in Erinnerung sein. Dirk Kurbjuweit setzt diesen Fall in einen politischen und gesellschaftlichen Kontext. In einem trüben Dickicht aus Schweigen und Korruption sucht der fast fiktive Lahnstein einen Massenmörder. Weiterlesen →

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