Susanne Goga: Der Ballhausmörder

Oberkommissar Leo Wechsler, Chef der Inspektion A der Berliner Polizei, muss in dem Roman der Mönchengladbacher Autorin seinen siebten Fall lösen. Im heißen Sommer 1928 im Berlin des Charleston und der kriminellen Ringvereine wird die Garderobiere eines Ballhauses ermordet, während im Tanzsaal der Witwenball stattfindet. Natürlich gibt es viele Verdächtige, viele Spuren und viele davon führen in Sackgassen. Ermordet wurde die junge Frau mit Chloroform im Hinterhof von Clärchens Ballhaus. Bei ihrem Tod trug sie ein Kleid, das ihre finanziellen Möglichkeiten überstieg. Woher hatte sie es, warum trug sie ein eigentlich zu elegantes Kleid, während sie ihren Dienst an der Garderobe des Ballhauses versah? Und wo sind die Verbindungen zu mehreren Angriffen auf junge Frauen in Frankfurt und Berlin, bei denen die Opfer mit Chloroform betäubt und missbraucht wurden?

Ganz in klassischer Krimimanier legt Susanne Goga ihren Roman an. Geschickt werden die vielen Spuren den Kriminalisten zugeführt, mit großem Einfühlungsvermögen schildert die Autorin die Hintergründe der verschiedenen Figuren und die privaten oder dienstlichen Probleme der Ermittler. Leo Wechsler hat nicht nur mit der Aufklärung des Mordes zu tun, er kämpft außerdem mit dem physischen und psychischen Verfall eines seiner Mitarbeiter, der von seiner Freundin verlassen wurde. Weiterlesen →

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Christine Brand: Milla Nova 02: Die Patientin

Vier Jahre sind vergangen, seit der Blinde Nathaniel die ihm unbekannte Carole über eine App bei einer Kleiderauswahl um Hilfe bat. Daraus entstand schnell ein Abenteuer, denn Nathaniel glaubte, über das Telefon Zeuge eines Unglücks geworden zu sein. Carole Stein liegt seit den Ereignissen vor vier Jahren im Koma. Ihr Sohn Silas hat seine Mutter noch niemals gesprochen, obwohl er bereits vier Jahre alt ist. Nathaniel besucht einmal im Monat gemeinsam mit seinem Patensohn Carole im Krankenhaus. Doch diesmal ist alles anders. Carole ist nicht mehr da! Warum, das kann die Pflegerin auch erstmal nicht erklären. Später folgt telefonisch die Entschuldigung, dass die Frau verstorben sei. Wo sie allerdings beerdigt ist, kann Nathaniel niemand sagen. Er bittet deshalb seine Bekannte Milla, eine Journalistin, um Hilfe.

Nach ihrem ersten „Fall“, „Blind“, gibt es einen neuen Roman zum ungewöhnlichen Duo der Journalistin Milla Nova und des Blinden Nathaniel Brenner. Eine separate Lektüre von „Die Patientin“ sei allerdings nicht empfohlen, da es mehr als nur einen leichten Bezug zum ersten Band gibt. Erneut ist die Figurenkonstellation großartig gewählt: Der Blinde Nathaniel hat seinen eigenen Zugang zur Welt, eine Blindenhündin, die zwar nicht perfekt ist, auf die er sich aber in der Not immer verlassen kann. Weiterlesen →

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Lesley Kara: Das Gerücht

Warnung: Sollten Sie dieses Buch vor dem Schlafengehen beginnen, dann wundern Sie sich nicht, wenn Sie nicht mehr in selbigen finden werden – zumindest nicht, bevor die letzte Seite dieses wendungsreichen Romans zu Ende gelesen ist. In ihrem literarischen Debüt „Das Gerücht“ schafft Autorin Lesley Kara haarsträubende Suspense auf zwei Ebenen. Erstens: Das klassische „Wer ist es“-Spiel? Zweitens: Die Faszination des Bösen, der wir alle bisweilen erliegen, auch wenn wir uns für Gutmenschen halten. Im konkreten Fall sind es Gerüchte, die uns verleiten, daran teilzunehmen. Selbst wenn die Folgen verheerend sein können. Es heißt nicht umsonst „Rufmord“. Der zweite Teil des Wortes wird zum Programm für diejenigen, die sich meist erst dann wehren und rechtfertigen können, wenn bereits alles zu spät ist. Oder wie Mark Twain sagte: „Eine Lüge ist um die halbe Welt gelaufen, während sich die Wahrheit noch die Schuhe anzieht.“

Dennoch können wir bisweilen alle nicht die Finger von diesem perfiden Spiel lassen. Warum auch immer. Um sich in den Mittelpunkt zu stellen, um von etwas Unangenehmen abzulenken, um der Gruppendynamik zu entsprechen oder weil von Unheilschwangerem durchaus eine gewisse Faszination ausgehen kann… die Gründe, warum die Protagonisten in diesem Roman zur Gerüchteküche beitragen, sind ganz unterschiedlich. Als Leser fühlen wir uns bisweilen ertappt, was für zusätzliche Gänsehaut sorgt. Zumal dieses Gerücht einen besonders ernsten Hintergrund hat: Eine ehemalige Kindermörderin soll sich in der Nachbarschaft niedergelassen haben! Weiterlesen →

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Andrea Camilleri: Das Bild der Pyramide: Commissario Montalbano blickt hinter die Fassaden

Der italienische Autor und Regisseur Andrea Camilleri ist im letzten Jahr mit 93 Jahren verstorben. Vor allem seine Commissario – Montalbano – Krimis machten ihn in Deutschland bekannt. Der erste Band „Die Form des Wassers“ erschien 1995 in Italien. Nun legte Bastei Lübbe am 28. Februar 2020 den neuen Roman aus der Reihe vor. Er trägt den Titel „Das Bild der Pyramide – Commissario Montalbano blickt hinter die Fassaden“ und wurde von Rita Seuß und Walter Kögler aus dem Italienischen übersetzt. Die Originalausgabe „La piramide di fango“ wurde bereits im Jahre 2014 veröffentlicht.

In Italien regnet es seit zwei Wochen. Und auf einer Baustelle wird eine männliche Leiche entdeckt. Sofort machen sich Commissario Montalbano und sein Team an die Arbeit. Schnell ist klar, dass der junge Mann erschossen wurde. Mit dem Fahrrad hatte er es noch bis zur Baustelle geschafft und war dort gestorben.

Die Ermittlungen ergeben, dass es sich um Gerlando (Giugiù) Nicotra, den Buchhalter der Baufirma Rosaspina, handelt. Seine deutsche Frau Inge Schneider ist verschwunden. Außerdem gibt es Anzeichen für die Anwesenheit einer dritten Person im Haus der Nicotras. Weiterlesen →

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Antti Tuomainen: Klein-Sibirien

Seit einem Jahr und sieben Monaten ist Joel Huhta Pfarrer in Hurmevaara, einer 1000 Seelen-Gemeinde im Osten Finnlands, nahe der russischen Grenze. Normalerweise ist dieser Ort für ein überschaubares Leben wie geschaffen, wenn nicht dieser Meteorit in den Wagen eines seiner Bewohner gerauscht wäre. Wie durch ein Wunder überlebt der Fahrer, ein ehemaliger Rennfahrer, der nun auf eine Belebung seiner Karriere hofft. Denn wer dieses seltene Gestein aus dem All verkauft, darf sich um eine Million reicher fühlen.

Sechs Tage wird im Ort über nichts anderes gesprochen. Bis der Meteorit in das Weltraumlabor nach Helsinki gebracht wird, bewacht ihn das Komitee des Dorfes im Militärmuseum. Denn die nächste Polizeiwache ist etwa 90 km von Hurmevaara entfernt, und einen professionellen Sicherheitsdienst gibt es ebenfalls nicht.

Bei seiner ersten Nachtwache wird Joel im Militärmuseum überfallen. Seit dieser Nacht sieht der Pfarrer die Dorfbewohner mit anderen Augen. Jeder von ihnen könnte zu den Einbrechern gehören. Ob aus Dummheit oder Unwissenheit, sie haben eine Handgranate gestohlen. Weiterlesen →

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Eric Berg: Totendamm

Dieses Buch ist bereits 2018 unter dem Titel „So bitter die Rache“ im Limes Verlag erschienen.

Die Diplomatengattin Ellen hat sich von ihrem in Asien tätigen Ehemann getrennt und kehrt mit ihrem vierzehnjährigen Sohn Tristan nach Deutschland zurück. Sie erwirbt ein Haus in Heiligendamm an der Ostsee, ein Haus in einer abgeschlossenen Siedlung namens Vineta. Erst nach dem Einzug erfährt sie, dass in diesem Haus vor sechs Jahren ein Dreifachmord geschah. Ellen versucht, sich von der Vergangenheit ihres Hauses nicht einschüchtern zu lassen; als jedoch Gegenstände verschwinden und sie mehr über die früheren und derzeitigen Nachbarn erfährt, wandelt sich ihre Distanz nach und nach erst in Neugier und schließlich in Besorgnis.

Der Roman erzählt die Vorkommnisse auf zwei Zeitebenen: einmal erleben wir die Gegenwart, als Ellen nach Vineta kommt und zum anderen die Ereignisse sechs Jahre vorher. Die Geschehnisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven berichtet und so lernt die Leserin Zug um Zug alle Protagonisten kennen. Von den Nachbarn, die zur Zeit des Verbrechens schon in der Siedlung lebten, lernt Ellen zuerst Ruben kennen, den geistig behinderten Nachbarn, mit dem sich ihr Sohn Tristan anfreundet. Ellen kämpft mit ihren Vorbehalten gegen Ruben und hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Das führt wiederum dazu, dass sie Ruben weiter in ihr Leben hineinlässt, als sie eigentlich will. So lernt sie auch Sven, seinen amtlichen Betreuer vom Jugendamt, kennen. Weiterlesen →

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Steven Price: Die Frau in der Themse

1885 stirbt Charlotte Reckitt in London – doch wo ihr Leben endet, erreicht ihre Geschichte die Pointe. Wie ist sie gestorben? Ermordet. Vermutlich. Aber wer kann das schon so genau wissen? Sie war eine schöne Frau, stolz, unabhängig und vor allem eine Gesetzlose.

Im Leben war sie das Ziel zweier Männer: William Pinkerton, ein berüchtigter Dedektiv aus Amerika, und Adam Foole, ein Dieb und Gesetzloser, genau wie Charlotte. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, doch nun werden sie gegen ihren Willen durch eines einander gebunden: Den Drang, den Mörder von Charlotte Reckitt zu finden.

Für Adam Foole ist sie die Vergangenheit: Eine teuflische Geliebte, die ihn bei seinen größten Verbrechen begleitete, die er aber seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Für William Pinkerton ist sie das Ende einer langen Suche, einer Besessenheit, denn sie hätte ihn zu einem Mann führen können, den schon sein Vater jagte: Edward Shade. Weiterlesen →

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Oliver Buslau: Feuer im Elysium

Zum Beethovenjahr der Beethovenkrimi. Und ein hervorragender noch dazu.

Oliver Buslau ist mir bislang bekannt als Autor von Heimatkrimis; so habe ich von ihm gelesen „Der Bulle von Berg“, ein eher durchschnittlicher Kriminalroman. Außerdem habe ich ihn erlebt als Mitglied einer Band, die aus mehreren Krimiautoren besteht und die gemeinsam ihre Musik und ihre Texte vortragen – sehr unterhaltsam und sehr professionell. Oliver Buslau ist aber nicht nur Krimiautor und Bandmitglied, er hat auch Musikwissenschaft studiert und ein Sachbuch mit dem Titel „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“ herausgebracht. Die besten Voraussetzungen also für das Verfassen einen historischen Musikkrimis.

Der eine Protagonist des Romans, Sebastian Reiser, verliert durch einen Unfall Vater, Arbeitgeber und Stellung. Er geht nach Wien, wo er noch ein paar Verbindungen aus der Zeit seines Jurastudiums hat. Er sucht eine neue Anstellung, auch weil er die Hoffnung, seine geliebte Theresia, Tochter seines verstorbenen Arbeitgebers, wiederzusehen, nicht aufgeben will. Weiterlesen →

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Megan Miranda: Little Lies – Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Die Journalistin Leah hat ein Geheimnis in ihrer Vergangenheit und zieht deswegen aus Boston in eine Kleinstadt weitab vom Großstadtleben. Sie mietet ein Haus zusammen mit einer Freundin aus Collegezeiten, Emmy. Leah arbeitet als Lehrerin, Emmy, so hat sie ihr erzählt, verdient sich ihr Geld an der Rezeption eines Hotels und mit Putzen.

Eines Tages ist Emmy verschwunden. Leah fällt dies wegen ihrer unterschiedlichen Arbeitszeiten erst nach Tagen auf und, nachdem eine schwerverletzte Frau gefunden wird, fängt sie an, sich Sorgen zu machen. Der ermittelnde Kommissar Kyle beginnt zusammen mit ihr, nachzuforschen. Dabei finden sie vor allem heraus, dass Leah so gut wie nichts über Emmy weiß. Statt Antworten tauchen immer mehr Fragen auf: wer ist Emmy, wieso gibt es nirgendwo Spuren von ihr, keine Vergangenheit, keine Gegenwart.

Die Handlung verspricht einen Thriller mit reichlich Nervenkitzel und Hochspannung. Es gibt immer neue Wendungen, so dass man im Laufe der Lektüre nie sicher sein kann, wer die Wahrheit sagt und wer etwas verbirgt. Weiterlesen →

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Thomas Ziebula: Der rote Judas

„… – doch in Stainers Brust tobte er weiter, der Krieg. Und würde immer gegenwärtig sein – in jeder Schießerei, in jedem Mordopfer.“ (S. 310)

Major Paul Stainer sitzt im ersten Zug, der ihn und seine schwer verwundeten Kriegskameraden aus der Gefangenschaft nach Leipzig zurückbringt. Der ehemalige Kommissar leidet unter Gedächtnisverlust und Traumata. Nach der Kapitulation im Ersten Weltkrieg werden die politischen Folgen spürbar. Zwischen den Nationalisten und den Sozialisten geht der Meinungskrieg weiter. Die einen wollen die erlittene Niederlage in Aktionismus verwandeln, während die anderen den Frieden trotz des hohen Preises begrüssen. Gerade zurück steht Stainer als Verlierer da. Seine Frau weist ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Sie habe einen neuen Mann und wolle die Scheidung. Nur ein paar Briefe liegen für ihn bereit. Einer von ihnen lädt ihn zum Vorstellungsgespräch ins Kommissariat ein. Unverhofft warten auf Stainer nicht nur die Beförderung zum Kriminalinspektor sondern auch noch die dringende Aufklärung mehrer Morde. Abgesehen von diesem komplexen Fall erfährt Stainer viele böse Überraschungen. Schon in den ersten Minuten im Kommissariat begreift der Heimkehrer, wie viel von seiner geistigen Gesundheit abhängt: Seine Karriere und Ehe stehen auf dem Spiel aber auch sein Überleben, weil er immer mehr in den Fokus brutaler Mörder rückt.

Der freie Autor Thomas Ziebula schrieb bisher historische und Fantasy Romane. Mit seinem ersten Kriminalroman Der rote Judas wechselt er überzeugend das Genre. Ein Ermittler mit gesundheitlichen und privaten Problemen kämpft und wächst aus sich heraus, weil dies sein Überlebenstrieb verlangt. Aufgeben ist keine Option. Weiterlesen →

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