Christine Stemmermann (Hrsg.): Gefährliche Ferien – Kanada

Die Abenteuer in dieser Geschichtensammlung spielen sich nicht nur in der kanadischen Wildnis ab, sie schwelen zwischen den Menschen. Insgesamt sechzehn Storys mit den verschiedensten Kulissen wurden hierfür ausgewählt. Einige der Titel kennt man und hat sie vielleicht auch schon gelesen, wie den Auszug aus Jakob Arjounis Roman „Magic Hoffmann“, einen Ausschnitt aus John Irvings „Letzte Nacht in Twisted River“, Alice Munros Geschichte „Das gefundene Boot“ aus ihrem Erzählband „Was ich dir schon immer sagen wollte“ oder die Geschichte „Hochwasser“ aus Joyce Carol Oates Erzählband „Grenzüberschreitungen“. Weitere Autoren sind Leonard Cohen („Das Lieblingsspiel“), Margaret Atwood („Das Labrador-Fiasko“), Brian Moore („Schwarzrock“) uvm..

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Håkan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) ist ein bekannter und viel gelesener Schriftsteller von Kriminalromanen. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht er seine Bücher. So erschien am 28. September 2020 sein neuester Krimi mit dem Titel „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ in einer Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf bei btb.

Die Kriminalinspektoren Gunnar Barbarotti und Eva Backmann haben sich wegen einer internen Ermittlung beurlauben lassen. Eva Backmann hatte während eines nächtlichen Einsatzes wegen Brandstiftung von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht. Dabei erschoss sie einen der Täter.

Nun reisen sie nach Gotland, um Abstand zu gewinnen und das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Barbarotti und Backmann sind nicht nur Kollegen, sie leben inzwischen auch zusammen. Auf dem Dorfplatz von Valleviken meint Gunnar Barbarotti einen Mann wieder zu erkennen, der vor Jahren in einem anderen Fall eine Rolle gespielt hatte.

Ein Busfahrer suchte sie damals auf, weil er Drohbriefe erhalten hatte. Dieser Mann, Albin Runge, war sechs Jahre zuvor mit seinem Bus in einen Unfall verwickelt, bei dem viele Schüler und eine Mutter ums Leben kamen. Die beiden Inspektoren versuchten den oder die Schreiber der Briefe zu ermitteln, waren jedoch nicht erfolgreich. Zum Jahrestag des Unfalls verschwand Albin Runge mit seiner Frau Karin Sylwander. Sie meldete ihn später vermisst. Seine Leiche wurde nie gefunden. Nach einiger Zeit wurde Albin Runge für tot erklärt und der Fall abgeschlossen. Weiterlesen →

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Daniel E. Palu: Tod im Alten Land

Daniel E. Palus Erstlingsroman „Tod im Alten Land“ führt LeserInnen wie Protagonist Hauptkommissar Gabriele Berlotti in die als Obstanbaugebiet bekannte Region nahe Hamburg. Berlotti gibt sich betont ambivalent: Auf der einen Seite freut es ihn, die Heimat wiederzusehen, alten Freunden zu begegnen und sich um den Vater kümmern zu können. Auf der anderen Seite stehen seine leicht demente, unwiderstehlich energiegeladene Mutter und die Erinnerung an seine tote Schwester.

Berlotti ist ein Kind italienischer Eltern, liebt Espresso, Pizza und andere italienische Köstlichkeiten. Dabei fühlt er sich weder als Italiener noch als Deutscher. Der Hauptkommissar ist Norddeutscher und ein Kriminalist von herausragendem Ruf, fährt einen Fiat, ist geschieden und hält nichts von Techtelmechtel im Kollegenkreis.

Gleich zu Beginn wird Berlotti zu einem Mordfall gerufen. Der Fall spielt im Journalistenmilieu im Vorfeld der Hamburger Bürgerschaftswahlen und thematisiert zeitgemäß Rechtspopulismus und Fake-Fakten. Weiterlesen →

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Hans Rosenfeldt: Wolfssommer

Er wollte bei einer Drogenübergabe alles für sich allein. Um an das Geld und die Drogen heranzukommen, ging er über Leichen. Er tötete die Kunden seines Chefs und seine Kollegen. Es hätte das große Ding seines Lebens werden können, wenn der Wagen nicht auf einem einsamen Waldweg eine Panne gehabt hätte. Die finnische Grenze hatte er bereits hinter sich gelassen. Zu diesem Zeitpunkt, mitten in der Nacht, wusste in Schweden niemand, wer er war. Eigentlich die idealen Bedingungen, unerkannt zu fliehen, wenn nicht zu der Wagenpanne in der Nähe der Stadt Haparanda noch ein Unfall hinzugekommen wäre. Der Unfallverursacher hätte die Polizei rufen und einen toten Fremden melden können. Aber er tat es nicht. Der unerwartete Reichtum in dem anderen Fahrzeug und die juristischen Folgen seiner Ehrlichkeit verleiteten ihn zu schweigen. Wie so oft in seinem Leben entschied der Finder sich für den scheinbar leichtesten Weg.

Doch die Tradition der falschen Entscheidungen hat nun tödliche Folgen, weil unglückliche Zufälle eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang setzen. Erschreckend schnell sucht sowohl die Polizei als auch eine russische Profi-Killerin nach ihm. Weiterlesen →

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Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette: Poirots erster Fall (1920)

Eigentlich sollte Hastings sich auf dem Anwesen seines alten Freundes John Cavendish von seinem Einsatz im Krieg ausruhen. Doch kaum angekommen überschlagen sich die Ereignisse: Die wohlhabende Witwe Emily Ingleothrop, Stiefmutter von Hastings Freund John und dessen Bruder, stirbt in ihrem Bett an unerklärlichen Krämpfen. Als herauskommt, dass sie vergiftet wurde, scheint die Sache sofort klar: Der Täter muss der neue und sehr viel jüngere Ehemann sein. Der Ansicht sind zumindest alle Bewohner des Hauses. Doch wie bald herauskommt haben sie selbst ebenfalls alle ein Motiv für den Mord und Scotland Yard glaubt kurz darauf, den wahren Mörder erkannt zu haben.

Hercule Poirot, der zur rechten Zeit am rechten Ort war, hat seine ganz eigenen Theorien zu dem Fall. Ihm fehlt jedoch ein wichtiger Hinweis, das fehlende Glied in der Kette, ohne das auch er Schwierigkeiten hat, hinter die mysteriösen Zusammenhänge des Mordes zu kommen. Für ihn deutet alles darauf hin, dass Mrs. Inglethorp nicht an diesem Tag hatte sterben sollen.

Ein unerklärliches Rätsel stellt vor allem das Gift dar. Zwar starb Mrs. Inglethorp nachweislich daran und ihr Kaffee hätte mit Leichtigkeit vergiftet werden können, doch unerklärlicherweise stirbt sie sehr viel später, als Gift im Kaffe es bewirkt haben könnte. Die Frage ist also nicht allein, wer Mrs. Inglethorp tötete, sondern auch, wie sie starb. Weiterlesen →

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Maximilian Rosar: Die Stille der Toten

Maximilian Rosar ist Professor für Betriebswirtschaft und lebt mit seiner Familie in Trier. Unter dem Pseudonym Paul Walz veröffentlichte Rosar bereits vier Kriminalromane und verschiedene Kurzgeschichten. „Die Stille der Toten“ ist der erste Roman in der Reihe um Hauptkommissar Preusser.

Wie es sich für einen Kriminalroman gehört, beginnt die Geschichte mit einem Toten (unnötigerweise in einen Prolog verpackt). Es handelt sich dabei um einen amerikanischen Reporter jüdischer Herkunft. Für Brisanz sorgt dabei, dass sich der Mord in Frankfurt am Main im Jahr 1967 ereignet, just während der Auschwitz-Prozesse.

Es ist eine Zeit, in der die Verbrechen des Nazi-Regimes noch nicht vollständig aufgeklärt und gesühnt sind. In der die erste Nachkriegs-Generation aus dem Ewig-Gestrigen und Obrigkeits-Hörigem ausbricht und sich ein gesellschaftlicher Umbruch abzeichnet.

Exemplarisch vollziehen sich diese Veränderungen ausgerechnet in Preussers Familie. Seine Frau Helga zeigt plötzlich den Wunsch, die Fahrerlaubnis zu erwerben. Dazu benötigt sie tatsächlich das schriftliche Einverständnis ihres Ehegatten. Elke, die Tochter, beteiligt sich lautstark an den Protesten gegen die anerzogenen Prinzipien ihrer Eltern. Und Preusser selbst sieht sich gezwungen, seine ganz persönliche Vergangenheit aus dem Zweiten Weltkrieg aufarbeiten zu müssen. Weiterlesen →

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Frank Goldammer: Zwei fremde Leben

Der Autor erzählt uns eine Geschichte, die, so ist zu befürchten, öfter als man sich vorstellen möchte in der DDR geschah. Frank Goldammer, 1975 in Dresden geboren, ist erfolgreich mit seinen im Nachkriegs-Dresden angesiedelten, historischen Kriminalromanen.

Eine junge Frau, Ricarda, wird kurz vor der Entbindung ins Krankenhaus eingeliefert. Es ist das Jahr 1973, wir befinden uns in Dresden. Während der Geburt, bei der ihr eigener Vater, an der Klinik Leiter der gynäkologischen Abteilung, anwesend ist, gibt es Komplikationen und das Kind kommt tot zur Welt. So erzählt man der verzweifelten Mutter und dem jungen Vater. Doch Ricarda wird sich nie mit dieser Aussage abfinden, immer über all die folgenden Jahre und Jahrzehnte, wird sie daran zweifeln, dass ihre Tochter tot ist. Sie wird nach ihr suchen, sie wird Nachforschungen anstellen, bei Polizei und Anwälten um Hilfe bitten. Doch mit ihren Eltern und besonders mit ihrem Vater wird sie nie über die Geburt und ihr Kind sprechen.

In einer Parallelhandlung lernen wir den Polizisten Rust kennen, dessen Frau zeitgleich mit Ricarda in der Klinik auf die Geburt ihres ersten Kindes wartet. Dadurch erfährt er von der Totgeburt und weil ihm die Sache suspekt erscheint, beginnt er ebenfalls nachzuforschen.

Dem Autor gelingt es sehr gut, die Verhältnisse, die Stimmung und die gegenseitigen Verdächtigungen, das Misstrauen und die Nöte der Menschen in der DDR zu dieser Zeit zu schildern. Was im Hinblick auf seine Herkunft nicht überrascht. Dabei umschifft er zwar nicht jedes Klischee, aber manchmal ist die Realität eben ein großes Klischee. Weiterlesen →

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Alice Feeney: Ich weiß, wer du bist

Schon seit einer Weile wird die Schauspielerin Aimee Sinclair gestalkt. Als ihr Mann Ben den Vorschlag macht, nach London zu ziehen, hofft sie, endlich Ruhe zu finden. Doch ihre Hoffnungen gehen ins Leere, genauso wie die Hilfe der Polizei verpufft. Zwei Tage vor Drehende verschwindet Ben spurlos, ohne Schuhe, Handy, Schlüssel und Jacke. Und wieder gehen die üblichen Ermittlungen der Polizei in die falsche Richtung. Nach einer erneuten Hausdurchsuchung wird Aimee verhaftet. Ihre Karriere, ihr bisheriges Leben drohen zu zerbrechen. Doch was ist mit einem Leben, das schon lange keines mehr ist? Aimee, die seit ihrer Kindheit das Leben einer anderen spielt, sieht sich gezwungen, das zu tun, was sie am besten kann.

Die Journalistin und Autorin Alice Feeney hat mit ihrem zweiten Thriller »Ich weiß, wer du bist« wieder eine kurzweilige Unterhaltung geschrieben, die schnell fesselt. Sprachlich schafft sie es immer wieder, prägnante Sätze wie Pfeile zu schleudern. Wenn es um das Verschwinden ihres Mannes geht, erklärt Aimee: „… Ben kann nicht tot sein. Weil ich ihn nicht getötet habe. Daran würde ich mich erinnern. Ich erinnere mich an alle, die ich getötet habe.“ (S. 198/199)

In der Vergangenheit wurde dem Mädchen Aimee nach traumatischen Erlebnissen ein Gedächtnisverlust diagnostiziert. Weiterlesen →

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Anja Goerz: Jakobs Schweigen

Ein bekannter Bremer Anwalt wird in seiner Kanzlei erschossen. Mit vier Schüssen niedergestreckt. Eine Zeugin hat einen Jugendlichen vom Tatort weglaufen sehen. So gerät Jakob, der Sohn des Toten, unter Mordverdacht. Es gibt wenige, die nicht daran glauben, dass er der Täter ist. Sogar sein Dad, David, scheint zu zweifeln. Einzig seine Großmutter Dora ist überzeugt, dass Jakob kein Mörder sein kann. Sie beginnt, da die Kriminalpolizei offensichtlich keinem weiteren Verdacht nachgeht, selbst zu ermitteln, nachzuforschen, ob es andere mögliche Täter mit einem Motiv geben könnte. Hilfe bekommt sie von einem alten Freund, Wolfgang, der aus seiner früheren Tätigkeit als Anwalt noch viele nützliche Beziehungen hat.

Damit ist im Grunde schon die ganze Handlung des Romans beschrieben. Es gibt natürlich, zumindest in den Augen Doras, noch andere Verdächtige. Darunter auch David, der Ehemann ihres getöteten Sohnes. David wiederum scheint seit dem Mord regelrecht Angst vor Jakob zu haben. Kirsten, Doras Tochter, die mit einem Alkoholproblem zu kämpfen hat, versucht, ihrer Mutter bei ihren Nachforschunngen zu helfen und beschäftigt sich mit den Dokumenten ihres Bruders.

Grundsätzlich erstmal ein interessanter Augangspunkt für einen Krimi. Selten genug, dass diese Konstellation – zwei Väter ziehen gemeinsam ihr Kind auf – in einem Kriminalroman vorkommt. Und auch der Ansatz, dass dieses Kind der Hauptverdächtige ist, ist geschickt und sollte für Spannung sorgen. Weiterlesen →

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Anne Freytag: Aus schwarzem Wasser

Als Maja als Beifahrerin ihrer Mutter Dr. Patricia Kohlbeck, der Innenministerin, in die Spree rast, sind beide tot. Doch Maja wacht wenige Stunden später in einem Leichensack in der Pathologie auf. Scheinbar unverletzt und sehr lebendig. Sie kann sich unbemerkt aus dem Gebäude schleichen und zu ihrem Freund retten. Die beiden stehen vor einem großen Rätsel und wollen die Geschehnisse um Maja so lange wie möglich für sich behalten. Denn eins ist klar: Wenn andere von Majas Überleben erfahren, wird das die Presse heraufbeschwören. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem Maja einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommt.

Mit „Aus schwarzem Wasser“ legt Anne Freytag, die sonst für sehr gelungene Jugendromane bekannt ist, ihren ersten Spannungsroman für Erwachsene vor. „Du kannst niemandem trauen, sie stecken alle mit drin“ ist der letzte Satz, denn Patricia ihrer Tochter vor ihrem Ableben noch mit auf den Weg gibt. Der Satz wird mit Fortschreiten der Seiten zu einer Art Slogan des Romans. Denn man kann wirklich nicht einer der Figuren trauen. Immer wieder gelingt es der Autorin, bespielweise durch ganz knappe, blitzlichtartige Kapitel oder einen Blick auf die Gegenseite, Spannung aufzubauen und über viele Seiten hinweg zu halten. Weiterlesen →

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