Trude Teige: Das Haus der Lügen

Solider Krimi aus Norwegen um verzwickt miteinander verbundene Fälle

Die norwegische Autorin, die ich bisher nur aus ihren eher psychologischen Romanen über Ereignisse im Zweiten Weltkrieg kenne, legt mit diesem Buch einen weiteren Krimi mit der Journalistin Kajsa Coren im Mittelpunkt vor. Die Vorgängerbände kenne ich daher nicht, das braucht es auch nicht zum Verständnis dieses in sich abgeschlossenen Kriminalromans.

Es ist ein konventionell gestrickter Krimi, der sich insbesondere mit mehreren Fällen von Vergewaltigung beschäftigt. Kajsa frühere Freundin Anki wurde nachts in ihrem eigenen Haus überfallen und ist seither traumatisiert. Dabei war sie bereits vorher durch verschiedene Ereignisse in ihrer Vergangenheit, die nach und nach zutage treten, psychisch und physisch sehr stark beeinträchtigt.

Kajsa beginnt auf Ankis Wunsch, einen Dokumentarfilm über diese zu drehen und fängt dadurch immer mehr an, an deren bisherigen Erzählungen über ihre Familie und ihr Leben zu zweifeln.

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Pierre Martin: Madame le Commissaire und das geheime Dossier

Madame le Commissaire Isabelle Bonnet sucht in ihrem elften Fall nach einem geheimen Dossier, das einem Staatssekretär des französischen Außenministeriums abhandengekommen ist. Der gute Mann hat das strengstens geheime Ding in sein Ferienhaus in die Provence mitgenommen. Bei dem dortigen Treffen mit seiner Geliebten wurden beide aber durch ein Gas betäubt, der Safe aufgebrochen und allerlei geraubt. Darunter das Geheimdossier in einer roten Mappe. Isabelle Bonnet lebt nicht weit vom Tatort an der Côte d´Azur und ist in dem Städtchen Fragolin die Chefin der Polizeistation. Sie hat allerdings einmal eine Anti-Terroreinheit geleitet, Kontakte bis in höchste Kreise und eine Verbrechens-Aufklärungsquote von 100 Prozent. „Paris“ beauftragt sie mit den Ermittlungen. Die Sache bekommt eine brisante Wendung, denn der Staatssekretär wird ermordet.

Isabelle Bonnet fährt in diesem Buch sehr viel Motorrad – eine beschlagnahmte und ihr zur Verfügung gestellte Harley-Davidson – trinkt einiges an Wein und kommt in ihrem Fall 150 Seiten lang nicht recht voran. Privat gerät ihre Beziehung zu dem Maler CLAC wegen gegenseitigen Desinteresses zunehmend in Auflösung, ihr Gelegenheitslover Rouven ist mit einer Staranwältin verlobt, mit der sie sich ausgezeichnet versteht, aber ein neuer Lover zeichnet sich ohnehin schon ab am Horizont. Ein top aussehender Schauspieler mit Weingut nicht weit von ihrem Wohnort entfernt.

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Claire Douglas: Girls Night – Nur eine kennt die ganze Wahrheit

Vor zwanzig Jahren war Olivia die Fahrerin. Sie hat nichts getrunken, sie soll ihre drei besten Freundinnen nach Hause fahren. Nur verursacht sie im Wald auf einer einsamen Landstraße einen Unfall. Sie wird schwer verletzt und ihre drei Freundinnen sind danach spurlos verschwunden.

Auch nach zwanzig Jahren hat die Kleinstadt, an deren Rande sie mit ihrer Mutter ein Gestüt betreibt, ihr das nicht verziehen. Noch immer ist sie die, die damals die Mädchen totgefahren hat. Noch immer wird getuschelt, wenn sie durch den Ort geht, noch immer reden die Eltern der Freundinnen nur ungern oder gar nicht mit ihr.

Die Journalistin Jenna will einen True-Crime-Podcast über die Ereignisse damals machen und mietet sich zu diesem Zweck in einer Ferienhütte ein. Jenna fungiert in dieser Geschichte als Ich-Erzählerin und man merkt, dass sie nicht aus der Gegend kommt. Nur so kann sie unbefangen auf die Kleinstadtbewohner zugehen und ihre Fragen stellen, auch wenn zu Anfang nicht jeder mit ihr reden mag. Nach und nach taut sie den einen oder anderen Einwohner auf und besonders der Polizist, der damals im gleichen Alter wie die Mädchen war, scheint eine gute Quelle zu sein.

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James Ellroy: Die Bezauberer

James Ellroys Roman „Die Bezauberer“ beginnt faszinierend. Wir werden in Marilyn Monroes Schlafzimmer in Hollywood im Sommer 1962 gebeamt, kurz nachdem sie tot aufgefunden worden ist. Größen jener Zeit wie die Kennedy-Brüder, die Schauspieler Peter Lawford oder Liz Taylor, die gerade „Cleopatra“ dreht, kommen genauso vor wie eine Vielzahl von weiteren realen und fiktiven Figuren.

Hauptfigur ist der alkohol- und drogenabhängige Ich-Erzähler Freddy Otash, ein Ex-Cop und Schnüffler, der Informationen beschaffen soll und dabei für wechselnde Auftraggeber arbeitet.

Der Roman lebt von seiner atmosphärischen Dichte. Es gelingt Ellroy, die Stimmung jener Zeit und jenes Ortes – zumindest wie sie gewesen sein könnte – glaubhaft zu vermitteln. Wie alle James-Ellroy-Romane („L.A. Confidential“ z.B.) ist auch dieser rau und brutal. Im Grunde alle Figuren lügen und sind korrupt. Polizisten nehmen auch mal den Tod eines Gefangenen in Kauf, um den Aufenthaltsort einer Geisel zu erfahren – wie in der eindrücklichen Anfangsszene beschrieben. Lichtblicke oder Hoffnungsschimmer gibt es so gut wie gar nicht. Bei aller stilistischen Brillanz: Das muss man mögen, um diesen Roman in vollen Zügen genießen zu können.

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Vera Buck: Das Baumhaus

Vera Bucks neuer Thriller „Das Baumhaus“ hat bereits vor seiner Veröffentlichung hohe Erwartungen geweckt. Doch hält er, was er verspricht?

In unserer neuen Doppel-Rezension nehmen wir das Buch aus zwei verschiedenen Lese-Blickwinkeln unter die Lupe.

Während unsere Rezensentin Olivia Grove die Spannung vermisste und sich durch Nebenerzählstränge verloren fühlte, sieht Renate Müller Potenzial, das jedoch durch überkonstruierte Elemente und schablonenhafte Charaktere getrübt wird.

Rezension von Olivia Grove:

Suspense aller erster Klasse? Für mich definitiv nicht.

„Bullerbysyndromet“. So nennt man die überzogene Liebe der Deutschen zum idyllischen Heile-Welt-Schweden. Einem Schweden, das sich direkt aus Kindergeschichten speist.“ (S. 32)

Vera Bucks neuer Thriller „Das Baumhaus“ verspricht einen idyllischen Urlaub in Schweden, der sich schnell in einen Albtraum verwandeln soll.

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Thomas Ziebula: Evas Rache

Evas Rache ist der vierte und leider auch der letzte Fall des Kriminalhauptkommissars Paul Stainer. Vor ein paar Jahren bekam der Kriegsheimkehrer bei der Leipziger Polizei, der Wächterburg, seine Chance, im Alltag Fuß zu fassen. Er ist einer von den vielen Soldaten, die von den Geschehnissen des Ersten Weltkriegs traumatisiert sind. Und jeder von ihnen muss seinen Platz in einer Gesellschaft finden, die unter der Wirtschaftskrise leidet. Die Inflation zerstört die Reichsmark und ist verantwortlich für die explodierenden Preise.

Recht schnell wird der Außenseiter Paul Stainer befördert, und neue Freundschaften geben ihm besonders nach der Ermordung seiner Frau Halt.

Ohne Widerstand verändern die Nationalsozialisten die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, die auch vor der Wächterburg keinen Halt machen. Kriminelle haben auch 1922 ein leichtes Spiel. In diesem Jahr werden im Raum Leipzig junge Blondinen ermordet, ohne dass Paul Stainer und seine Kollegen eine konkrete Spur zum brutalen Serienmörder finden.

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Karina Urbach: Das Haus am Gordon Place

Ein Krimi für alle Fans der Spionagethriller. Ein gekonnter Mix aus Fakt und Fiktion, denn die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, die die Autorin, selbst promovierte Historikerin, geschickt einbindet in die Geschichte um den Historiker Professor Hunt und die ehemalige britische MI6 Agentin Daphne Parson, die in den letzten Jahren des 2. Weltkrieges und den ersten Jahren der Nachkriegszeit in Wien stationiert war und als Abhörspezialistin vor allem in einem extra dafür gegrabenen Tunnel unter der Wiener Innenstadt tätig war. Erzählt wird in zwei Zeitebenen. Einmal eben in der Zeit um 1944 / 1948 und dann wieder in der Jetzt-Zeit.

Der britische Historiker Professor Hunt staunt nicht schlecht, als er, kaum auf dem Flughafen in New York gelandet, von Emma Spencer, einer britischen Geheimdienstagentin festgenommen und mit dem nächsten Flugzeug zurück nach London gebracht wird. Ausgerechnet in seiner Wohnung, in einer der teuersten Gegenden Londons, eben am Gordon Place, ist ein Mord geschehen. Sein Nachbar. Aber was hatte der in seiner Wohnung zu suchen?

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Petra Hammesfahr: Die Verlierer

Rita Voss hat ihre Schwierigkeiten, sich an den neuen Vorgesetzten zu gewöhnen. Dazu kommt noch eine irre Geschichte: Fred Keller fährt mit Frau und Wohnmobil auf einen Campingplatz. Beim Joggen verschwindet seine Frau. Er braucht Tage, um das überhaupt zu melden, als Begründung gibt er an, seine Frau hätte das schon mal gemacht – einfach zu verschwinden. Der Stiefsohn kann nicht zur Aufklärung beitragen, weil er nicht auffindbar ist. Nach und nach entblättert sich eine Familiengeschichte, die mit jedem Detail trauriger wird.

Ich fand den Roman gut aufgebaut, auch durch die Einschübe von „Carli“, die das Ganze noch rätselhafter machten. Auch die verschiedenen Perspektiven tragen zur Spannung bei. Petra Hammesfahr ist bekannt dafür, tief in die dunklen Abgründe von Familien einzutauchen und dunkle Denkweisen ans Licht zu holen. Das ist ihr auch hier wieder gelungen. Am Ende gibt es einige Überraschungen, auch wenn man die ganze Zeit glaubte, den Täter doch schon zu kennen. Das Motiv fand ich wirklich gut gewählt, auch wie sich die Erzählung von „Carli“ immer wieder in die Aufklärungsarbeit einschob und dabei quasi Parallelen bildete.

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Michael Kobr: Nebel über Rønne

Auf der dänischen Sonneninsel Bornholm passiert ein grausiger Dreifachmord. Drei Insassen eines kleinen Passagierflugzeuges werden nach der Landung noch im Flieger vergast. Sie kommen gar nicht mehr dazu, auszusteigen. Dieser Fall steht eine Herausforderung dar für Kommissar Lennart Ipsen und seine zwei Mitarbeiterinnen Britta Blomdal und Tao Nguyen. Derartige Morde kennt man eigentlich nur aus Mafia-Kreisen. Bei den drei Toten handelt es sich um den Piloten Henrik Forsberg, einem Hotelier und Investor, Bjarne Moller, Teehändler und sehr aktiv in Bornholms Kunstszene und dem jungen Pastor Finn Iversen. Im Laufe der Ermittlungen kommen einige interessante Details an den Tag.

Forsberg hatte in Südfrankreich Beteiligungen an einem dubiosen Hotelprojekt, Moller dealte in respektablem Umfang mit Drogen und Pastor Iversen war ein Spieler. Wem galt der Anschlag, der alle drei in den Tod gerissen hat?

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Ashley Elston: Wer zuerst lügt

Wer ist Lucca? Die wenigen, die ihr näher kommen, stellen verwundert fest: Sie ist so jung, flüchtig wie Wasser, wechselt häufig ihren Namen, ihre Adresse und ihr Aussehen.

Die Autorin Ashley Elston schrieb bisher Jugendromane. Wer zuerst lügt ist ihr erster Thriller für Erwachsene. Ihre Heldin ist eine wandlungsreiche, intelligente junge Frau, deren Schule das Leben geworden ist. Luccas Startbedingungen sind denkbar schlecht. Sie ist arm, ohne Familie und träumt von Unabhängigkeit mit einem eigenen Haus und Garten. Anfangs verleitete sie die Armut zu Trickbetrügereien. Und dann wurde daraus Routine, die sie mit jeder weiteren Gaunerei verfeinert. Lucca ist heute ein Profi.

Sie könnte für ihr Land die ideale Agentin sein, wenn der geheimnisvolle Mr Smith sie nicht erpressen würde. ‚Arbeite für mich oder gehe ins Gefängnis‘ sind die beiden Optionen, die vor jedem neuen Auftrag mitschwingen. Eines weiß Lucca genau: Für sie gibt es weder ein Nein noch eine Kündigung.

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