Für Alice Scott ist es ein Traum schlechthin! Schon so ungefähr seit sie lesen kann, schwärmt sie für Margaret Ives und Cosmo Sinclair, deren Ehemann, dessen Platten ihr Vater rauf und runter dudelte. Außerdem hat ihr Vater ihr ein Buch geschenkt, das sich mit dem mondänen Leben der beiden Promis beschäftigt. Alice ist Promi-Reporterin und will unbedingt wirklich bekannt werden. Eine Biografie über Margaret Ives zu schreiben, wäre genau, was ihr dazu verhelfen könnte. Immerhin entstammt Margaret einer der superreichen und ebenso skandalträchtigen amerikanischen Familien. Das Ives-Imperium war im 20. Jahrhundert in allen Schlagzeilen. Dumm nur, dass sie offenbar völlig von der Bildfläche verschwunden ist. Margaret ist abgetaucht und will auch wohl nicht gefunden werden. Das ist Alice völlig gleich. Wozu ist sie Journalistin? Sie wird die Dame schon aufstöbern!
WeiterlesenBelletristik
Nettie Jones: Fish Tales
Lewis Ex-Mann sagt: „Ich finde dich nicht verrückt. Ich finde dich mutig. Die meisten können sich ein Leben, wie du es lebst, nicht einmal vorstellen.“ (S. 195)
Wie soll man Lewis Leben beschreiben, das sich die meisten Menschen nicht vorstellen können? Lewis hat früh gelernt, wie wichtig es ist, anderen – insbesondere Männern – zu gefallen. Nachdem sie viel zu früh von einem Pädophilen verführt worden ist, entwickelt sich die junge Lewis zu einem „heißen Feger“. Sie tobt sich in jeder Hinsicht aus, bis sie ein Alter erreicht, um nicht einmal als Bettvorlage erwünscht zu sein.
Der Debütroman Fish Tales von Netti Jones erschien 1983, ein zweiter Roman folgte sowie Essays und Kurzprosa. Sie hatte das Glück, zwei Fürsprecherinnen für sich zu gewinnen: Gayl Jones, die nach der Lektüre ihrer Tagebücher zu ihr sagte: „Schreib!“ – und Toni Morrison, ihre Lektorin bei Random House.
WeiterlesenSue Hincenbergs: Very bad widows
Wendungsreiche, aber zu langatmige Geschichte um rachsüchtige Ehefrauen
Romane um Ehefrauen, denen daran gelegen ist, ihre Gatten um die Ecke zu bringen, gibt es reichlich. Auch die Gründe, warum dieses Verlangen in den Damen wächst, sind vielfältig. Die drei Frauen im vorliegenden Roman sinnen einerseits auf Rache für ihre immer langweiliger werdenden Ehemänner, die sie zudem um ihre Ersparnisse gebracht haben. Zum anderen gedenken sie die hohen Lebensversicherungen ebendieser Männer einzustreichen, nach deren Tod natürlich.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als geplant. So planen Pam, Shalisa und Nancy zwar mit Hilfe eines engagierten Killers den Tod ihrer Ehemänner. Doch ihre Männer haben ihrerseits ebenfalls Pläne. Die sich einmal aus der Angst heraus entwickeln, Opfer von indischen Mafiamördern zu werden. Denn Hank, Andre, Larry und der gleich zu Beginn des Buches zu Tode gekommene David, vierter im Bunde der Freunde, sind auf wenig legale Weise zu Geld gekommen und fürchten nun, entdeckt zu werden. Um sich der vermuteten Killer zu erwehren, engagieren die drei Männer ihrerseits einen Auftragsmörder – eben jenen, den auch ihre Ehefrauen beauftragen, sie zu töten.
WeiterlesenBarbara Kingsolver: Die Unbehausten
Die US-Amerikanerin Barbara Kingsolver (Jahrgang 1955) gewann mit ihrem Roman „Demon Copperhead“ 2023 den Pulitzer Prize for Fiction. Ein Buch, das begeisterte. Nun erschien am 12. Juni 2025 bei dtv ihr Roman „Die Unbehausten“, der allerdings schon 2018 im amerikanischen Original veröffentlicht wurde. Dirk van Gunsteren übernahm die Übersetzung aus dem Englischen.
„Die Unbehausten“ von Barbara Kingsolver – ein neuer alter Roman
Gleich vorweg das größte Manko dieses Romans von Barbara Kingsolver: es ist kein neuer, sondern ein alter Roman. Vor mittlerweile sieben Jahren im Original erschienen, verfasste Kingsolver ihn lange vor „Demon Copperhead“. Und er reicht nicht im mindesten an dieses Meisterwerk heran.
WeiterlesenElle Kennedy: Girl Abroad
Als Abbey Bly einen Studienplatz in London erhält, ist sie überglücklich, denn es ist die perfekte Chance, dem scharfen Auge ihres überbehütenden Rockstar-Vaters zu entfliehen. In England angekommen, erlebt sie erst mal eine gehörige Überraschung. Ihre drei »Mitbewohnerinnen« entpuppen sich als Jungs. Ziemlich unwiderstehliche Jungs! Rugbyspieler Jack lässt Abbeys Herz direkt höherschlagen. Es gibt nur zwei kleine Probleme. Zum einen besagen die WG-Regeln: keine Beziehungen unter den Bewohnern. Und zum anderen tritt schon bald auch noch der Musiker Nate in Abbeys Leben, der sie ebenfalls nicht kaltlässt und gehörig ins Gefühlschaos stürzt.
Eine schöne Geschichte über ein Mädchen, das die Welt erkunden will, sich aber erst mal klar werden muss, was sie will und wer sie eigentlich wirklich ist.
WeiterlesenTamar Noort: Der Schlaf der Anderen
Ein Roman, der berührt, aber nicht erschüttert
Wenn Dramatik flüstert, statt bebt
Tamar Noorts Sprache gleitet wie Nebel über eine schlaflose Landschaft – entrückt, manchmal fast zu zart, um zu tragen. Dabei wirkt die Handlung seltsam schläfrig. Wer auf emotionale Wucht hofft, auf Konflikte mit Tiefe und Nachhall, wird enttäuscht.
Die Freundschaft zwischen Janis und Sina – das emotionale Rückgrat des Romans – bricht nicht, sie bröckelt. Und zwar so leise, dass man es fast überliest. Der „Verrat“, der zum Zerwürfnis führt, wirkt eher wie ein dramaturgischer Lückenfüller als wie ein echter Wendepunkt. Er rauscht an der Oberfläche vorbei wie ein Traum, an den man sich beim Aufwachen nicht mehr erinnern kann. Was als psychologisches Kammerspiel beginnt, verpufft in Andeutungen.
WeiterlesenCarla Kaspari: Das Ende ist beruhigend

In der Welt des Jahres 2130 gibt es nicht viele Anlässe, sich zu beruhigen. Außer in Spes 1, einem abgeschirmten Utopia-Dorf in Norditalien. Hier sind die Menschen – ausgewählte kreative, innovative Geister – glücklich, weil sie unter einer topmodernen Schutzglocke leben, die den unwirtlichen Bedingungen des Klimawandels trotzt. Doch das Leben im „Außen“ ist akut lebensbedrohlich. Kann so ein Experiment gelingen? Wie agieren Menschen in diesem Mikrokosmos? Woher kommt die Hoffnung? Kann Glück nur entstehen, wenn alles Unglück ausgeblendet wird? Die Kölner Autorin Carla Kaspari, Jahrgang 1991, verleiht der Zukunft eine unglaublich kraftvolle Stimme. Man kauft der Autorin jedes Wort ab. So oder so ähnlich könnten sich die Dinge wirklich entwickeln. Ein Roman, teils erschreckend, teils ironisch, immer faszinierend.
WeiterlesenIsabell Bennett: Love Will Find You
Emma beschließt einen Neustart in einer Kleinstadt zu wagen, den das hektische Großstadtleben wird ihr einfach zu viel. Sie will eine Alpaka-Farm eröffnen und bei ihrer Ankunft hat sie fast einen Unfall mit dem Sporttrainer Noah. Er ist gleich der Meinung, dass er nicht viel von der Großstädterin hält, aber dennoch möchte er sie besser kennenlernen und wird bald eines Besseren belehrt. Die Gefühle der beiden kochen bald über – aber es gibt einen weiteren Grund, aus dem Emma New York verlassen hat, und der droht, sie einzuholen …
Das Buch hat mich schnell in seinen Bann gezogen, allerdings kam mir das Ende dann doch etwas zu abrupt. Aber es war eine schöne Liebesgeschichte mit einem tollen Setting, in das man sich gerne hineinliest – besonders die Alpakas haben es mir angetan, denn sie wurden so gut in diese Geschichte hineingeschrieben. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive von Emma und Noah erzähl, wodurch man einen guten Einblick in ihre Gefühle und Gedanken bekommen hat und sie somit auch besser kennenlernen kann. Beide Charaktere waren gut gezeichnet und ich hatte schon bald einen guten Bezug zu ihnen.
WeiterlesenDietmar Bittrich: Waren wir schon mal hier?
Dem stressigen Alltag auf Reisen entfliehen und entspannen. Doch beim Reisen erlebt man so manche Abenteuer …
Dietmar Bittrich schreibt mit nüchternem Humor satirisch über Sinn und Unsinn des Reisens. Darunter Anreisen mit der Bahn (oder eher „Warten auf den Zug“), autofreies Reisen (in Gedanken sucht man jedoch immer nach einem Parkplatz – da kann man nicht so schnell mit aufhören), Stadterkundungen jenseits der Touristenspots (Hoppla, wo bin ich denn hier gelandet? Die sprechen hier ja gar kein Englisch? Und Google Maps versagt …), Ausflugstipps von der Verwandtschaft („Vor 30 Jahren waren wir auch mal dort. Sagt dem Wirt einfach unsere Namen und euer Essen geht aufs Haus.“ Nur leider gibt es weder Wirt noch Gasthaus …), das Phänomen der engeren Sitze auf Rückflügen und vielem mehr.
WeiterlesenEva Mirasol: Staying Alive
Doch ein Arztroman und auch ein Klischee, wenn auch sehr temperamentvoll umgesetzt
Wenn eine Ärztin einen Arztroman – pardon Ärztinnenroman – verfasst, kann man davon ausgehen, dass alle medizinischen Details stimmig und korrekt wiedergegeben werden. Im vorliegenden Buch, dem Debütroman der Autorin, geht das sogar soweit, dass durchgängig die häufig verwendeten Fachbegriffe in Fußnoten erläutert werden, dies jedoch ebenso humorvoll wie der gesamte Roman.
In diesem geht es um Nicki, die ihren Dienst an einer Rettungsstelle einer großen Berliner Klinik aufnimmt. Dieser Dienst umfasst ständige Überstunden, Nachtschichten, Hektik und Hetze, verlangt schnelle Entscheidungen, oft über Leben und Tod und führt zu vielen skurrilen Begegnungen.
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