Yavuz Ekinci: Die, deren Träume zerbrochen sind

Anstelle des Nachwortes ist unter anderem zu lesen: „Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Buches ist der Roman in der Türkei noch immer verboten, und Yavuz Ekinci drohen weiterhin 7 Jahre Haft. (S. 157 eBook)

Sein Roman erzählt die fiktionale Geschichte seines Hauses, seines Dorfes und seines Landes. „Es ist die Geschichte von Menschen, die nach ihren Söhnen, Töchtern, Vätern Ausschau halten … Es ist die Geschichte endlosen Wartens.“ (S. 160 eBook)

Die eigentliche Geschichte des Ich-Erzählers Hewal, einem nach Deutschland ausgewanderten Lehrer, beginnt an dem Tag, als sein jüngster Bruder, ohne ein Wort zu sagen oder zu schreiben, verschwindet. An diesem Tag veränderte sich das Leben der Familie und des Erzählers. Das Warten auf ein Lebenszeichen wird zur Marter, weil schon so viele Menschen für ihren Freiheitskampf gestorben sind. Für Hewals Vater muss es natürlich ein Ventil für seine maßlose Wut und den Verlust eines geliebten Menschen geben, jemanden, der für seine Sorgen verantwortlich ist. Wer wäre da nicht besser geeignet, als der älteste Sohn, der aus Feigheit und Angst den Weg in die Berge nicht gegangen ist. Seit diesem Tag fühlt sich Hewal für Yusufs Verschwinden schuldig. Er fühlt sich mitschuldig, weil bereits so viele aus seinem Umfeld gestorben sind. Auch für ihn sind sie gestorben. Genauso wie der Freund, der ihm zur Flucht verhalf. Weiterlesen →

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Katharina Herzog: A Taste of Cornwall: Eine Prise Liebe

Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Roman vor der traumhaften Kulisse Cornwalls. Wenn Sie noch nicht dort gewesen sind, macht das Buch auf jeden Fall Lust, mal hinzufahren. Die Charaktere des Buches kann man sich herrlich in dieser Gegend vorstellen. Ein bisschen knurrig, verschroben und schroff, Fremden gegenüber erst einmal abweisend – oder abwartend? -, aber dann entdeckt man durchaus einen herzlichen Menschen unter der rauen Schale.

Diese Erfahrung macht auch Sophie, gefeierte Restaurantkritikerin aus London, die „es vermasselt“ hat. Mit einer echt bösen Kritik über ein neu eröffnetes Restaurant eines berühmten Models, einem harschen Verriss, hat sie im Netz einen Shitstorm ausgelöst, dessen Konsequenzen sie jetzt tragen muss. Harry, ihr Chef bei „Food Network“, der zunächst noch meinte: super! Die Klicks für den Sender gehen durch die Decke, rudert schnell zurück und ändert seine Meinung in „was hast du dir dabei nur gedacht?“ Wenn Sophie das nur noch so genau wüsste! Weiterlesen →

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Nina George: Die geheime Sehnsucht der Bücher

„Im Prinzip, dachte Francoise, im Prinzip sind Menschen ein Hochhaus mit ganz vielen Klingelschildern. Und dann kommt ein Buch und drückt vielleicht drei oder vier von hundert möglichen Klingeln. Beim mir bimmelt’s im Oberstübchen und bei anderen im siebten, also gehen Bücher durch ganz andere Türen bei Leuten rein und raus, wieso soll ich denen was vom 24. Stock erzählen, wenn die gar nicht wissen, was da los ist?“ Ich finde, Francoise hat recht. Unbedingt.

Nicht jedes Buch kommt bei jedem gleich gut an, löst die gleichen Gefühle aus, lässt die gleichen Bilder im Kopf entstehen. Sie kennen das sicher auch, dass Sie einfach im Moment nicht in Stimmung sind für ein bestimmtes Buch, in ein paar Tagen oder Wochen kann das ganz anders sein. Und eben das ist die Idee hinter der „Pharmacie Littéraire“, die der Buchhändler Jean Perdu auf einer einfachen „péniche“ eingerichtet hat. Eine Apotheke „für alle Gefühle, für die es sonst keine Arzneien gibt. Heimweh zum Beispiel. Er meint, es gäbe da unterschiedliche Arten. Geborgenheitsverlangen, Familiennostalgie, Abschiedsangst oder Liebessehnsucht“. Und das ist nur eins von x-tausend verschiedenen. Weiterlesen →

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Sharon M. Peterson: The Fake Out

Das Buch ist eine unaufregende, unterhaltsame RomCom, die meiner Meinung nach ein bisschen mehr Pepp hätte haben können.

Ausgerechnet in der Bibliothek, in der Mae arbeitet, versteckt sich NFL-Star Chris vor seinen Fans. Er ist ärgerlich hot, schrankbreit und gilt als Sexiest Man Alive. Verdammt unsympathisch, findet Mae.

Dann überredet Chris sie zu einem Buchclub – er liest ebenso gern RomComs wie Mae –, und die beiden kommen sich näher. Bis ein dubioses Foto von ihm in der Presse auftaucht und er ihr plötzlich die eine Frage stellt, die Mae nur aus ihren Liebesromanen kennt: Hat Chris sie gerade ernsthaft gefragt, ob sie ihn heiraten will? Weiterlesen →

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Alena Schröder: Alles muss man selber falsch machen

Witzig, lebensnah, kurz und knackig

Alena Schröder, gefeiert für Ihren Generationen-Roman „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ schreibt seit Jahren als Journalistin und Kolumnisten für die Brigitte und das SZ-Magazin. In dieser Textsammlung ist das „Best-of“ ihrer literarischen Alltagsbetrachtungen versammelt. Die in Berlin lebende Autorin – nach außen hin groß, selbstbewusst, mit großer Klappe und souverän vor Publikum – offenbart in 52 kurzen Geschichten eine ganz andere Seite ihrer Persönlichkeit. Sie zeigt, wie sie an den einfachen und schwierigen Fragen des Alltags knabbert, mitunter scheitert und sich wieder aufrappelt. Das Leben in all seiner Ernsthaftigkeit liest sich wunderbar heiter. Sie werden schmunzeln und Tränen lachen. Je nach Grad der persönlichen Betroffenheit. Ob Rudermaschine, pubertierende Kinder, Krafttiere mit Imageproblem, gemeine KI und fehlender Penisknochen beim Cis-Mann: Die Autorin macht sich Gedanken über die wirklich wichtigen Fragen und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Eine Gute-Laune-Kolumnensammlung, perfekt für den Reisekoffer sowie für regnerische Tage auf dem Sofa. Und natürlich als Geschenk für die beste Freundin. Weiterlesen →

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Doris Knecht: Ja, Nein, Vielleicht

Will ich einen neuen Mann in meinem Leben? Ja, Nein, Vielleicht

Die Österreicherin Doris Knecht (Jahrgang 1966) ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihre letzten beiden Romane „Die Nachricht“ (2021) und „Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe“ (2023) haben wir an dieser Stelle bereits besprochen. Am 22. Juli 2025 erschien bei Hanser Berlin ihr neuer Roman mit dem Titel „Ja, Nein, Vielleicht“.

Ein Zahn geht verloren, das Ende naht

In „Ja, Nein, Vielleicht“ sucht die Ich-Erzählerin wegen starker Zahnschmerzen ihren Zahnarzt auf, der ihr eröffnet, dass der Zahn leider nicht mehr zu retten ist. Diese Nachricht erinnert die Hauptfigur, eine Frau Mitte Fünfzig, an ihre Vergänglichkeit.: „Ich verliere einen Zahn: Es ist eine Katastrophe.“ (S. 22) Während sie mehrere Termine bei einer Parodontologin wahrnehmen muss, erfahren wir als Lesende mehr über ihr Leben. Eine ihrer Schwestern, Paula, quartiert sich in ihrer Stadtwohnung in Wien ein. Sie selbst zieht sich mit ihrem Hund Mulder zum Schreiben in ihr Sommerhaus auf dem Land zurück. Weiterlesen →

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David Foenkinos: Das glückliche Leben

Dieses Buch handelt vom Mut, Veränderungen im Leben anzugehen und dabei etwas ganz Neues zu wagen. Éric Khersons Leben ist aus den Fugen geraten. Er ist erfolgreich, aber sein anspruchsvoller Job hat ihn ausgelaugt. Immer wollte er alle Erwartungshaltungen erfüllen, was aus einem Schuldbewusstsein resultiert, das mit dem frühen Tod seines Vaters zusammenhängt.  Als ihm seine ehemalige Mitschülerin Amélie unerwartet anbietet, zusammen mit ihr im Team im Élysséepalast zu arbeiten, lässt er alles hinter sich und sagt unumwunden zu. Gleichzeitig ordnet er sein Privatleben neu. Er löst die belastende Verbindung zu seiner Mutter und fordert von seiner geschiedenen Frau mehr Zugang zum gemeinsamen Sohn Hugo. Doch obwohl er sein Leben von Grund auf umkrempelt, wird es nicht leichter für ihn. Érics melancholische Grundstimmung bleibt sein ständiger Begleiter. Weiterlesen →

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Kaylie Smith: Phantasma – Spiel um dein Leben, fürchte die Liebe

Nach dem Tod ihrer Mutter erbt Ophelia die magische Kraft und wird zur vollständigen Nekromantin. Als sei dies nicht genug, stehen die beiden Schwestern nun auch noch vor einem großen Schuldenberg. Als Genevieve verschwindet und Ophelia herausfindet, dass sie zu dem teuflischen Phantasma-Spiel geht, beschließt sie, ihr zu folgen. Dort entscheidet sie sich schnell, mit einem unverschämt gut aussehenden Phantom einen Deal einzugehen. Damit sie Phantasma lebend verlassen kann, ist sie nämlich auf Hilfe angewiesen. Sie ahnt nicht, dass sie an ihm ihr Herz verlieren wird – und das ist strengstens verboten …

Ich traute mich mit diesem Buch in ein Genre, in dem ich noch nie war, von dem ich nie gedacht hätte, dass es mir gefallen könnte – und ich lag damit vollkommen falsch. Denn dieses Buch hat mich tatsächlich aus der Leseflaute befreien können. Die düstere Atmosphäre passt hier sehr gut und die Autorin schaffte es, sie bildlich zu beschreiben. So lief in meinem Kopf ein Film ab, während ich las. Ich war so gefesselt beim Lesen, dass ich Raum und Zeit vergaß. Es ist eine spannende und ereignisreiche Geschichte, die es schwer macht, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Meine Gedanken kreisten immerzu um die Handlung und ich nutzte jede freie Minute zum Weiterlesen. Weiterlesen →

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Sarah Stankewitz: Rise and Fall // Shatter and Shine // Dream and Dare

Eine unglaublich tolle Reihe – und das nun in einem Bundle. Lange habe ich überlegt, diese Reihe zu lesen, und was soll ich sagen? Ich habe keine einzelne Zeile davon bereut.

In Rise and Fall geht es um Skylar, die einen One-Night-Stand mit ihrem besten Freund hat und anschließend aus der Wohnung flieht. Auf dem Rückweg hat sie einen Unfall, der sie in den Rollstuhl zwingt. Da Carter nach ihrer gemeinsamen Nacht das Land verlässt, verheimlicht sie ihm den Unfall. Doch nun ist die Zeit gekommen, in der er wieder nach Hause kommt, und sie muss ihm alles erzählen …

Hier erfährt man viel über das Leben im Rollstuhl und seine Hürden – das fand ich gut, denn davon hatte ich bisher keine Ahnung. Nicht immer ist alles schön: Diese Geschichte zeigt auch eine düstere Seite des Lebens und nicht nur die guten Momente. Es ist eine schöne, traurige, aber auch herzerwärmende Liebesgeschichte mit tollen Haupt- sowie Nebencharakteren. Skylar hat einen unglaublich starken Willen, den sie nach ihrem Unfall auch braucht. Sie ist eine bewundernswerte, liebevolle Frau, die sich nicht so schnell unterkriegen lässt. Weiterlesen →

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​Nelio Biedermann: Lázár

Im Mittelpunkt von Nelio Biedermanns Debütroman steht die ungarische Adelsfamilie Lázár, deren Schicksal sich vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Volksaufstand von 1956 spannt. Beginnend mit der Kindheit von Lajos von Lázár auf einem verfallenden Gutshof, verfolgt der Roman drei Generationen durch Kriege, politische Umwälzungen, Enteignung und Exil. Die Figuren erleben Liebe, Verrat, Verlust und die Suche nach Identität – stets im Schatten der großen Geschichte.

Bereits mit 21 Jahren gelingt Biedermann damit ein beeindruckendes Werk, das durch seine große Emotionalität und psychologische Genauigkeit besticht. Über dem gesamten Werk schwebt ein Hauch von Melancholie, die zum langsamen Untergang der k.u.k.-Monarchie genauso passt wie zum späteren Übertritt Ungarns in den Kommunismus und die Verfolgung Andersdenkender.

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