Adam Soboczynski: Fabelhafte Eigenschaften

eigenGanz ehrlich? Ich konnte wenig mit diesem Buch anfangen. Für mich einfach zu sehr auf eine oder mehrere mir fernen Lebenszusammenhänge gesponnen. Hans, ein mehr oder weniger bekannter Maler, monomotiviert was seine Kunst angeht, er malt immer die gleichen Motive, Tiere am Strand die da nicht hingehören; Julia die zwischen eben diesem Hans und ihrem Architektenfreund Sebastian hin – und her verliebt ist, wobei hier die romantische Vorstellung eher zu kurz kommt, überehrgeizig und berechnend und Sebastian, ein nicht ganz selbstsicherer Häuserentwerfer, der, nachdem Julia ihn verlassen hat, etwas eigentümlich wird. Dazu gesellt sich allerlei Volk aus dem Kunst- und Museumsleben, feuilletonistische Wesen, Möchtegernautoren, ohne Geldsorgen eher dem Dilemma ausgeliefert, die Scheidungen so mit sich bringen. Und schwer zu lesende Schachtelsätze. Ach ja,

Adam Soboczynski: Fabelhafte Eigenschaften.
Klett-Cotta, August 2015.
206 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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Martin Walser: Ein sterbender Mann

mannVor acht Jahren hat Martin Walser seinen Roman „Ein liebender Mann“ veröffentlicht und damit mit fiktiven Briefen von Goethe an Ulrike die Geschichte einer Liebe erzählt. Das Gegenstück ist Walsers neuer Roman „Ein sterbender Mann“. – Eine Abhandlung mit dem Tod, wieder mit Briefen.
Es wirkt so, als würde der schreibende Mann Walser mit 88 Jahren sein Schriftsteller-Leben aufräumen. Seine Tagebücher bis 1981 hat er in vier Bänden veröffentlicht und auch die Bücher, die sich mit deutscher Schuld auseinandersetzen. Wie „Unser Auschwitz“. Weiterlesen

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Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer

regenFür die siebzehnjährige Alessandra bricht eine Welt zusammen, als ihre Mutter an Krebs stirbt.
Zurück bleibt neben ihrer Trauer um den Verlust eine unendliche Leere. Ihre Großmutter kann dem jungen Mädchen wenig helfen.
In ihrer Hilflosigkeit schottet Alessandra sich von allen und allem ab, zieht sich in sich zurück. In ihrer Schulklasse setzt sie sich ganz nach hinten zu dem Außenseiter Gabriel, genannt Zero. Zero ist ein wundervoller Zeichner. Doch auch er hat Probleme mit seinem Schicksal. Das verbindet.
Ganz langsam beginnen Alessandra und Zero sich anzunähern, doch beide sind zu sehr in ihrem eigenen Schmerz gefangen, dass ihre Verbindung immer wieder zu scheitern droht.

Ein schönes Buch, das Hoffnungslosigkeit, Verlust, Trauer, Schmerz, Liebe und alle damit verbundenen Emotionen ausdrucksstark widerspiegelt.

Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer.
Aufbau, März 2015.
238 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe

babaSeit der Reaktorkatastrophe ist das Dorf Tschernowo ein Geisterdorf. Verlassen, verkommen, verstrahlt. Für Baba Dunja ist es Heimat.
Mit wenigen Anderen lebt die Tschernobyl-Heimkehrerin in der Einöde, die Alina Bronsky im Roman „Baba Dunjas letzte Liebe“ trostlos, aber liebevoll beschreibt. Auch die russische Bestseller-Autorin hat ihre Heimat verlassen und lebt in Deutschland.
Die Alten sind unter sich in Tschernowo, die Kinder sind ausgewandert – auch Irina, Baba Dunjas Tochter, eine Ärztin. Sie schickt Briefe und Pakete, aber ihre Enkelin Laura hat Baba Dunja noch nie gesehen.
Da kommt ein Fremder nach Tschernowo und wird ermordet. Das ganze Dorf wird verhaftet, aber für Baba Dunja bleibt es Heimat. Ein warmherziges, schönes Buch. Leider zu dünn.

Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe.
Kiepenheuer & Witsch, September 2015.
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Isabel Allende: Der japanische Liebhaber

japanIn ihrem neuen Roman erzählt Isabel Allende von einer gefühlvollen Liebesbeziehung.
Gleichzeitig beleuchtet sie das Altern mit den gängigen Bedürfnissen und Beeinträchtigungen.
Allende holt weit aus, bindet geschichtliche Ereignisse – so die Zeit des Pazifikkrieges und Schicksale im Konzentrationslager mit ein.

Die junge Osteuropäerin Irina Bazili findet eine Anstellung in einem Altenheim. Eine der Heimbewohnerinnen, die achtzigjährige Künstlerin Alma Belasco, bestimmt Irina als ihre persönliche Assistentin. Weiterlesen

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Sarah Kuttner: 180 Grad Meer

meerJule hat das Trennungstrauma ihrer Eltern, das sie seit ihrer Kindheit begleitet, nie überwunden. – Das hört sich nach Problemen und Tragik an. Doch der jungen Protagonistin folgt man sehr gern durch ihr reichlich verkorkstes Leben, weil die Geschichte sehr einfühlsam und gleichzeitig urkomisch daherkommt.

Nie konnte Jule richtig Kind sein, weil sie stets Verantwortung für ihre depressive Mutter übernommen hat. Ihrem Vater ist sie ewig böse, weil er die Familie im Stich gelassen hat.
Telefonanrufe der Mutter versucht sie zu ignorieren. Den Kontakt zum Vater hat sie abgebrochen, seine Geldzahlungen rührt sie nicht an. Weiterlesen

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Cecelia Ahern: Der Glasmurmelsammler

glasVater-Tochter-Romane gibt es viele. Die irische Bestseller-Autorin Cecelia Ahern hat für eine solche Annäherung zwischen den Generationen eine neue Form gefunden: ein Glasmurmelspiel.
Vater Fergus wird nach einem Schlagabfall betreut, und er vergisst fast alles aus seinem Leben – nur nicht, wie er früher mit den bunten Glaskugeln gespielt hat. Fergus ist „Der Glasmurmelsammler“, der früher sogar unter dem Namen seines toten Bruders Turniere gespielt hat, aber noch nie jemandem von seinem Schatz erzählt hat, bis Tochter Sabrina seine Murmelsammlung findet. Sie macht sich auf die Suche nach den fehlenden, wertvollen Stücken. Und entdeckt, wie ihr Vater wirklich war.
Fergus erinnert sich daran, wie er in der Schule die ersten „Bloodies“ bekam, wie sein kleiner Bruder eine der Kugeln verschluckt hat. An die Hochzeit und Flitterwochen, die nach Murano führen mussten, weil Fergus neue Kugeln kaufen wollte. Liebevoll erzählt die Irin all das. Und zeigt, wie Menschen manchmal sogar vor den eigenen Kinder gut verstecken können, wer sie wirklich sind.

Cecelia Ahern: Der Glasmurmelsammler.
Krüger, November 2015.
368 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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Renée Karthee: Die seltsame Reise mit meinem Bruder

bruderNellys Leben ändert sich an dem Tag, als ihre über 70-jährige Mutter im Garten stürzt und im Krankenhausoperiert werden muss. Infolge dessen kann sie sich mindestens eine Woche lang nicht um Nellys älteren Bruder Nils kümmern. Der ist immerhin schon 45 Jahre alt und sollte eigentlich in der Lage sein, auf sich selbst aufzupassen. Das allerdings kann Nils nicht, im Gegenteil muss sein Leben nach einem strickten Muster ablaufen und mit seinen autistischen Zügen wird jede Abweichung vom Alltag zum Minenfeld. Da kommt die Reise nach England zur Hochzeit eines Cousins gerade richtig! Nelly und Nils wagen die Reise und lernen auf dieser mehr über sich selbst als in den vergangenen Jahren. Weiterlesen

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Tor Fretheim: Die Stille nach Nina Simone

ninaNina Simone ist eine Jazz-Sängerin, deren Lieder Simons Eltern im Schlafzimmer abgespielt haben, während sie sich stritten und der Vater die Mutter schlug.
An diese Sängerin schreibt Simon nun Briefe, während er im Zug auf dem Weg zu seinem Vater ist. Auf nur 124 Seiten (in großer Schrift mit vielen Absätzen, die die kurzen Sätze trennen), wird so die Familiengeschichte von Simon erzählt. Gerade weil es nur zwei bis drei Stunden dauert, bis der kurze Text bewältigt ist, erscheint er unheimlich bedrückend. Weiterlesen

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Frank Goosen: Sechs silberne Saiten

saiteHolger hatte sich darauf eingestellt, Heiligabend alleine und einsam zu sein. Weil er Geld braucht, jobbt er vormittags noch als Weihnachtsmann, und dann passiert ihm ein Missgeschick nach dem anderen: Er wird von einem Zwölfjährigen erpresst, sperrt sich aus, seine Eltern sind zerstritten.
Der Bochumer Autor Frank Goosen erzählt in der Geschichte „Sechs silberne Saiten“ sehr humorvoll und auch ein bisschen besinnlich, wie Holger trotzdem noch in ganz großer Runde wunderbar Weihnachten feiert.
Die sechs silbernen Saiten gehören zur Westerngitarre von Weihnachtsmann Udo. Und der ist Drahtzieher in der Geschichte. Mit hübschen Zeichnungen Peter Schössow ist der dünne Band illustriert. Ein Buch für eine Adventsstunde, das man auch Kindern vorlesen kann.

Frank Goosen: Sechs silberne Saiten.
Kiepenheuer & Witsch, Oktober 2015.
96 Seiten, Taschenbuch, 6,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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