Bridget Collins (Hrsg.): Wintergeister

Schauergeschichten aus England, atmosphärisch und irgendwie anheimelnd

Wieder versammelt die preisgekrönte Autorin Bridget Collins Gruselgeschichten namhafter Schreibenden in einem wunderschön gestalteten Buch, das erneut zu passenden Jahreszeit erscheint.

Aus dem vorigen Band sind neben der Herausgeberin bereits die Autorinnen Jess Kidd (eine meiner Lieblingsschriftstellerinnen), Laura Purcell sowie der Autor Andrew Michael Hurley bekannt. Neu in der diesjährigen Ausgabe hinzugekommen sind Catriona Ward und Susan Stokes-Chapman.

Letztere erzählt vom „Witwenweg“, einer dunklen Gasse, welche die Fächermacherin Honoria jeden Abend entlang laufen muss, um zu ihrem Haus zu gelangen. Honoria wird von vielen Menschen bedauert, denn ihr Ehemann ist seit Wochen spurlos verschwunden. Es ist nun kurz vor dem jährlichen Weihnachtsball des ortsansässigen Lords, für welche Gelegenheit viele Damen des Ortes neue Fächer benötigen. So auch die Tochter des Lords, für die Honoria ein besonders schönes Stück anfertigt. Eine wirklich gruselige Geschichte, die auch viel Spannung entwickelt.

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Thomas Stipsits: Allerheiligen Fiasko

Mit Fortsetzungen bestimmter Geschichten ist das so eine Sache. Das betrifft Filme, Serien, aber auch Bücher. Thomas Stipsits legt mit „Allerheiligen Fiasko“ seinen vierten „Stinatz-Krimi“ vor. Für alle Nicht-Österreicher: Stinatz liegt im Südosten Österreichs, nicht weit von der ungarischen Grenze. Im dortigen beschaulichen Ambiente siedelt Stipsits seine Krimis an. Wieder ermittelt Gruppeninspektor Sifkovits, wieder unterstützen ihn seine Mama Baba und ihre zwei Freundinnen. Was dreimal als originell und witzig durchging, ist mittlerweile aber eine ziemlich dünne Suppe. Zum Inhalt: Am ersten November trifft sich die gesamte Dorfcommunity ausnahmslos zum Fest Allerheiligen am Friedhof.

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Melissa Blair: Shadow Crown: Broken Blade 02

Melissa Blair setzt ihre Saga um die Fae-Halblinge und die Klinge des Königs nach ihrem Auftakt „Broken Blade“ nahtlos fort. Weiter geht es mit der Geschichte um den tyrannischen König, der, um sein Altern aufzuhalten, die Fae jagt und tötet. Nachdem diese innerhalb seines Reiches so gut wie ausgerottet wurden, hält er sich seitdem an die Mischlinge, Halblinge wie sie heißen, die er gnadenlos versklavt. Wer aufmuckt, dem schickt er eine seiner Klingen vorbei, die Attentäter kümmern sich darum, dass der Rebell nicht länger stört.

Keera war, nein ist die erfahrenste und versierteste Klinge des Herrschers. Dass sie mit den Rebellen fühlt, dass ihre Taten sie heimsuchen, darf niemand wissen.

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Ayana Mathis: Am Flussufer ein Feuer

Die US-amerikanische Schriftstellerin Ayana Mathis (Jahrgang 1973) hat mit ihrem Debüt „Zwölf Leben“, das 2014 in Deutschland erschienen ist, einen Bestseller geschrieben. Nun ist am 17. Oktober 2024 ihr Roman „Am Flussufer ein Feuer“ bei dtv erschienen. Susanne Höbel hat ihn ins Deutsche übersetzt.

„Am Flussufer ein Feuer“ – eine Drei-Generationen-Geschichte

Ayana Mathis’ „Am Flussufer ein Feuer“ erzählt die Geschichte von Dutchess Carson, ihrer Tochter Ava und deren Sohn Toussaint Wright. Dutchess lebt Mitte der 1980er Jahre in Bonaparte in Alabama, die einst eine florierende, gut funktionierende schwarze Gemeinde war. Nun verteidigt Dutchess, die früher einmal Sängerin war, den verlassenen, verwaisten Ort und die letzten Ländereien gegen die Baufirma Progress Corp.. Ihre Tochter Ava hat Bonaparte schon lange verlassen, hatte mit ihrer großen Liebe Cass Wright von den Black Panther ihren Sohn Toussaint bekommen und lebt nach der Trennung von ihrem Ehemann Abemi im Glenn Avenue Family Shelter in Philadelphia. Toussaint ist zehn Jahre alt.

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Silke Heimes: Who’s to blame

Moritz Brandl ist Deutschlehrer und hat seinen Leistungskurs an einem warmen Sommertagnachmittag für eine Vorbereitung einbestellt. Als alle sitzen, zieht er eine Pistole aus der Tasche und behauptet, sie hätten sein Leben ruiniert und seine Frau in den Suizid getrieben. Ein aufreibender Nachmittag beginnt.

Geschildert werden die Ereignisse in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven. Der Leser sieht in die Köpfe einiger Schüler, aber auch jemand von den Einsatzkräften kommt zu Wort.

Brandl erfüllt so ziemlich jedes Klischee eines Lehrers aus den 80ern. Ledertasche, Alkoholiker, bemüht und unverstanden. Ist das gut für das Buch oder schlecht? Ich bin nicht sicher und ich glaube, es spielt auch gar keine Rolle, denn um Brandl geht es in diesem Buch gar nicht. Er kommt auch gar nicht zu Wort. Es geht um die Schüler und um ihren Umgang mit der Situation.

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Charlotte Link: Dunkles Wasser

Eine stürmische Nacht an der Westküste Schottlands. Zwei Familien, die in einer Bucht zelten, werden im Schlaf von mehreren vermummten Männern überfallen. Die Gewalt eskaliert, am Ende überlebt nur Iris, die älteste Tochter einer der Familien, weil es ihr gelingt sich zu verstecken. Die Kilbride-Morde, wie sie von da an genannt werden, können nicht aufgeklärt werden. Viele Jahre später wird Iris plötzlich von einem unheimlichen Stalker verfolgt. Kurz darauf verschwindet ihre Freundin auf einer gemeinsamen Ferienreise spurlos. Opfer eines Verbrechens, das eigentlich Iris galt? Zufällig trifft Iris auf Ex-Inspector Caleb Hale. Zusammen mit Kate Linville beginnt er zu ermitteln und gerät, auch persönlich, immer tiefer in einen Albtraum …

Drei Fälle gleichzeitig werden hier behandelt und dadurch kamen keine gefürchteten Längen zustande. Das Buch hat mich in Atem gehalten und machte es mir schwer, es aus der Hand zu legen.

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Lukas Linder: Charly Broms Dilemma

Von vergangener Schuld Getriebener kehrt zurück in seinen Heimatort – unterhaltsam-skurriler Roman

Charly Brom, Vater eines kleinen Sohnes, wird durch einen Anruf in seine Vergangenheit zurückgeworfen. Die liegt in seiner Heimat, wo er als Jugendlicher schwere Schuld auf sich geladen zu haben glaubt. Dieser Anruf wirft ihn völlig aus der Bahn, treibt ihn nach Hause, zu Mutter und Großmutter.

Diese beiden hausen seit Jahrzehnten unter einem Dach, seit Charlys Vater bei einem Fenstersturz ums Leben kam. Die beiden Frauen umkreisen sich, ärgern sich gegenseitig. Die Großmutter, rüstig für ihr Alter, tut, als wäre sie schwer krank. Die Mutter, neuerdings mit Männerbekanntschaft, hat ihr Faible für Antiquitäten entdeckt.

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Jana Baumann, Anne Roth: Unsagbar

Alle kennen Gewaltbetroffene, niemand kennt Täterinnen und Täter

Wie wird man dieser Thematik gerecht? Indem man spricht – und liest.

»Unsagbar« ist nicht nur eine dringend benötigte biografische Geschichte, sondern eine kraftvolle Stimme für all jene, die im Verborgenen leiden und selbst nicht sprechen können.

»Ich war mir so sicher, dass ich die Situation wieder unter Kontrolle bekomme. Das habe ich aber nicht. Er hat kontrolliert.« (S. 19)

Dieses Buch greift ein zutiefst sensibles, oft verdrängtes Thema auf: sexualisierte Gewalt. In einer Welt des Schweigens und Verdrängens erhebt sich »Unsagbar« mit unerschütterlicher Kraft und erzählt Jana Baumanns Geschichte schmerzhaft ehrlich, aber auch inspirierend.

In seiner schonungslosen Ehrlichkeit ist das Buch sowohl eine offene Wunde als auch ein Heilmittel. Dabei ist es viel mehr als eine Anklage: Es ist eine ausgestreckte Hand, die dazu einlädt, an ihrer Seite zu kämpfen.

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Peter S. Beagle: Ich fürchte, Ihr habt Drachen

Willkommen in einer Welt, die unter einer Plage zu leiden hat. Nein, ich meine jetzt weder Ratten noch Kakerlaken; – die Häuser von Arm und Reich, Ställe wie Schlösser und Burgen werden von putzigen, neugierigen und aufdringlichen Drachen im Miniformat – zumindest so lange, wie sie in ihrer Wachstumsphase sind – heimgesucht.

Vorhang auf für das etwas reinigungsbedürftige Schloss des Königreichs Bellemontagne, Heimat der Kronprinzessin Cerise. Bislang hat sie blaublütige Bewerber um ihre Hand im Dutzend billiger abgelehnt, dann trifft sie, als sie sich an einem See selbst Lesen und Schreiben beibringen will, auf Reginald, gut aussehender, geistig nicht allzu hoch fliegender Kronprinz eines der Nachbarreiche auf der Väterlichen Queste eine Heldentat zu vollbringen.

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Arno Strobel, Ingo Bott: Gegenspieler

Ich stelle es mir nach wie vor nicht so ganz einfach vor, wenn zwei jeweils erfolgreiche Autoren, gleich welchen Genres, sich entschließen, gemeinsam einen Krimi oder Roman oder so zu schreiben. Da muss doch einer zurückstecken? Oder sollte das wirklich gleichberechtigt und ohne Konkurrenzdenken klappen? Egal wie – hier hat’s prima funktioniert. Sowohl Arno Strobel als auch Ingo Bott sind ja keine Unbekannten, wenn es um gute Krimis geht.

Dass sie ihre Ermittler Max Bischoff, Fallanalytiker und Dozent an der Uni, bekannt als „Mörderfinder“, nachdem er den offiziellen Polizeidienst als Kriminalhauptkommissar beim KK 11 in Düsseldorf quittiert hat und Anton Pirlo, Strafverteidiger mit Ecken und Kanten, ein bisschen Sonderling, ein bisschen Genie, aber auf jeden Fall unkonventionell, ebenfalls Düsseldorf, jetzt zu einem Team werden lassen, bzw. es zumindest versuchen, ist eine, wie ich finde, klasse Idee.

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