Silke Heimes: Who’s to blame

Moritz Brandl ist Deutschlehrer und hat seinen Leistungskurs an einem warmen Sommertagnachmittag für eine Vorbereitung einbestellt. Als alle sitzen, zieht er eine Pistole aus der Tasche und behauptet, sie hätten sein Leben ruiniert und seine Frau in den Suizid getrieben. Ein aufreibender Nachmittag beginnt.

Geschildert werden die Ereignisse in kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven. Der Leser sieht in die Köpfe einiger Schüler, aber auch jemand von den Einsatzkräften kommt zu Wort.

Brandl erfüllt so ziemlich jedes Klischee eines Lehrers aus den 80ern. Ledertasche, Alkoholiker, bemüht und unverstanden. Ist das gut für das Buch oder schlecht? Ich bin nicht sicher und ich glaube, es spielt auch gar keine Rolle, denn um Brandl geht es in diesem Buch gar nicht. Er kommt auch gar nicht zu Wort. Es geht um die Schüler und um ihren Umgang mit der Situation.

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Charlotte Link: Dunkles Wasser

Eine stürmische Nacht an der Westküste Schottlands. Zwei Familien, die in einer Bucht zelten, werden im Schlaf von mehreren vermummten Männern überfallen. Die Gewalt eskaliert, am Ende überlebt nur Iris, die älteste Tochter einer der Familien, weil es ihr gelingt sich zu verstecken. Die Kilbride-Morde, wie sie von da an genannt werden, können nicht aufgeklärt werden. Viele Jahre später wird Iris plötzlich von einem unheimlichen Stalker verfolgt. Kurz darauf verschwindet ihre Freundin auf einer gemeinsamen Ferienreise spurlos. Opfer eines Verbrechens, das eigentlich Iris galt? Zufällig trifft Iris auf Ex-Inspector Caleb Hale. Zusammen mit Kate Linville beginnt er zu ermitteln und gerät, auch persönlich, immer tiefer in einen Albtraum …

Drei Fälle gleichzeitig werden hier behandelt und dadurch kamen keine gefürchteten Längen zustande. Das Buch hat mich in Atem gehalten und machte es mir schwer, es aus der Hand zu legen.

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Lukas Linder: Charly Broms Dilemma

Von vergangener Schuld Getriebener kehrt zurück in seinen Heimatort – unterhaltsam-skurriler Roman

Charly Brom, Vater eines kleinen Sohnes, wird durch einen Anruf in seine Vergangenheit zurückgeworfen. Die liegt in seiner Heimat, wo er als Jugendlicher schwere Schuld auf sich geladen zu haben glaubt. Dieser Anruf wirft ihn völlig aus der Bahn, treibt ihn nach Hause, zu Mutter und Großmutter.

Diese beiden hausen seit Jahrzehnten unter einem Dach, seit Charlys Vater bei einem Fenstersturz ums Leben kam. Die beiden Frauen umkreisen sich, ärgern sich gegenseitig. Die Großmutter, rüstig für ihr Alter, tut, als wäre sie schwer krank. Die Mutter, neuerdings mit Männerbekanntschaft, hat ihr Faible für Antiquitäten entdeckt.

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Jana Baumann, Anne Roth: Unsagbar

Alle kennen Gewaltbetroffene, niemand kennt Täterinnen und Täter

Wie wird man dieser Thematik gerecht? Indem man spricht – und liest.

»Unsagbar« ist nicht nur eine dringend benötigte biografische Geschichte, sondern eine kraftvolle Stimme für all jene, die im Verborgenen leiden und selbst nicht sprechen können.

»Ich war mir so sicher, dass ich die Situation wieder unter Kontrolle bekomme. Das habe ich aber nicht. Er hat kontrolliert.« (S. 19)

Dieses Buch greift ein zutiefst sensibles, oft verdrängtes Thema auf: sexualisierte Gewalt. In einer Welt des Schweigens und Verdrängens erhebt sich »Unsagbar« mit unerschütterlicher Kraft und erzählt Jana Baumanns Geschichte schmerzhaft ehrlich, aber auch inspirierend.

In seiner schonungslosen Ehrlichkeit ist das Buch sowohl eine offene Wunde als auch ein Heilmittel. Dabei ist es viel mehr als eine Anklage: Es ist eine ausgestreckte Hand, die dazu einlädt, an ihrer Seite zu kämpfen.

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Peter S. Beagle: Ich fürchte, Ihr habt Drachen

Willkommen in einer Welt, die unter einer Plage zu leiden hat. Nein, ich meine jetzt weder Ratten noch Kakerlaken; – die Häuser von Arm und Reich, Ställe wie Schlösser und Burgen werden von putzigen, neugierigen und aufdringlichen Drachen im Miniformat – zumindest so lange, wie sie in ihrer Wachstumsphase sind – heimgesucht.

Vorhang auf für das etwas reinigungsbedürftige Schloss des Königreichs Bellemontagne, Heimat der Kronprinzessin Cerise. Bislang hat sie blaublütige Bewerber um ihre Hand im Dutzend billiger abgelehnt, dann trifft sie, als sie sich an einem See selbst Lesen und Schreiben beibringen will, auf Reginald, gut aussehender, geistig nicht allzu hoch fliegender Kronprinz eines der Nachbarreiche auf der Väterlichen Queste eine Heldentat zu vollbringen.

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Arno Strobel, Ingo Bott: Gegenspieler

Ich stelle es mir nach wie vor nicht so ganz einfach vor, wenn zwei jeweils erfolgreiche Autoren, gleich welchen Genres, sich entschließen, gemeinsam einen Krimi oder Roman oder so zu schreiben. Da muss doch einer zurückstecken? Oder sollte das wirklich gleichberechtigt und ohne Konkurrenzdenken klappen? Egal wie – hier hat’s prima funktioniert. Sowohl Arno Strobel als auch Ingo Bott sind ja keine Unbekannten, wenn es um gute Krimis geht.

Dass sie ihre Ermittler Max Bischoff, Fallanalytiker und Dozent an der Uni, bekannt als „Mörderfinder“, nachdem er den offiziellen Polizeidienst als Kriminalhauptkommissar beim KK 11 in Düsseldorf quittiert hat und Anton Pirlo, Strafverteidiger mit Ecken und Kanten, ein bisschen Sonderling, ein bisschen Genie, aber auf jeden Fall unkonventionell, ebenfalls Düsseldorf, jetzt zu einem Team werden lassen, bzw. es zumindest versuchen, ist eine, wie ich finde, klasse Idee.

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Anne Griffin: Wellengang

Rosie hat schon immer das Meer geliebt, und auch die Insel, auf der sie lebte und die Fähre ihres Vaters, die die Verbindung zwischen der Insel und dem Festland garantiert. Schon als Mädchen lernte sie, sich in einer Männerwelt durchzusetzen. Mit Anfang zwanzig erhielt sie das Kapitänspatent.

Trotzdem verlief ihr Leben genauso wie bei anderen Frauen: Für ihren Mann gab sie alles auf. Rosie zog nach Dublin. Zwei Kinder und die Karriere ihres Mannes bildeten den Rahmen ihres Daseins.

„… Im Laufe der Jahre hatte ich es aufgegeben, meine Kinder daran hindern zu wollen, diese dunklen, glitschigen Felsen hochzuklettern. … Doch keine dieser Schürfwunden konnte mein furchtloses Duo stoppen, also gab ich den Versuch auf, sie zu zügeln und machte stattdessen mit, in der Hoffnung, so etwaige Katastrophen verhindern zu können.“ (S. 182)

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Bernhard Aichner: Yoko

Yoko ist Ende zwanzig, als sie die Metzgerei, die sie von ihrem Vater geerbt hat, in eine kleine Manufaktur umwandelt. Mit Hingabe verpackt sie fortan das Glück in Kekse, anstatt Schweinehälften zu zerlegen. Sie ist verliebt, ihr Leben ist erfüllt von Leichtigkeit, doch von einem Moment zum anderen zerbricht alles.

Yoko liefert eine Kiste Glückskekse an ein chinesisches Restaurant aus, und als sie versucht, einem kleinen Hund im Hinterhof zu helfen, wird sie für ihre Courage von dessen Peinigern bestraft. Der Hund stirbt. Und Yokos Albtraum beginnt.

Noch ahnt sie nicht, mit wem sie es zu tun hat. Wie viel Leid über sie hereinbrechen und mit welch ungeahnter Härte sie sich dafür rächen wird. Ihr wird alles genommen, was ihr lieb ist. Und deshalb schlägt Yoko zurück. Erbarmungslos.

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Danielle Trussoni: Invictum: Das zweite Rätsel

Mike Brink kann seit einem Unfall beim Football jedes Rätsel lösen. Wie das bei Genies aber schon mal so ist: Sozial ist er eher unbeholfen. Er hat seine Hündin Connie und einen eingeschränkten Freundeskreis. Dazu zählt auch sein Psychiater. Eines Morgens erhält er eine rätselhaft aufgemachte Einladung des japanischen Kaisers. Er soll das größte Rätsel Japans lösen: die sogenannte Drachenrätselbox. Seit fast 200 Jahren ist es niemandem gelungen, diese Box zu öffnen, die einst ein genialer Rätselboxerfinder erschuf. Viele sind gescheitert, alle dabei gestorben. Zu Mikes Besonderheit gehört es auch, dass er keinem guten Rätsel widerstehen kann.

Die Box an sich ist schon eine Herausforderung. Zu der Zeit, in der sie hergestellt wurde, hatte man keine Hemmungen, mit Giften und wirklich gefährlichen Dingen zu arbeiten. Aber die Box selbst ist nicht das einzige Problem. Als Mike endlich vorankommt, muss er feststellen, dass es nicht jedem Menschen in Japan recht ist, wenn der Kaiser den politisch wertvollen Inhalt der Box erhält. Und auch seine Gegner sind bereit zu töten.

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Christine Brand: Späte Rache

Dreizehn Kurzkrimis versammelt Christine Brand in ihrem Buch „Späte Rache“ und ein jeder davon ist eine kleine literarische Perle. Ob nun drei Damen wie jeden Monat gemeinsam zum Wandern aufbrechen und nur zwei lebend zurückkommen, ob es um ein mörderisches Klassentreffen mit Gruseleffekt geht oder ob jemand an einer Überdosis Ameisensäure verstirbt, die Fälle sind allesamt kurios und spannend zu lesen. Ein toter Chefredakteur einer großen Zeitung ist gar nicht der Chefredakteur, denn der Mörder löst mit dem Mord gleich mehrere seiner Probleme. Jemand übt „späte Rache“ für die Misshandlungen, die ihm in seiner Kindheit widerfahren sind und ein anderer heiratet die falsche Frau, was ihm auf dem Weg in die Kirche bewusst wird und nach Jahren einen Mord nach sich zieht.

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