Sven Petter Naess: Schuld: Team Oslo ermittelt Band 03

Willkommen in Elvestad, einem Ort, in dem das Schweigen und Verbrechen scheinbar zu Hause ist. Für Harinder Singh, der hier seine Kindheit und Jugend erlitten hat, ist Elvestad ein Ort, aus dem eine Flucht unmöglich geworden ist. Erneut sieht er sich gezwungen, mit Menschen zu reden, die ihm in der Vergangenheit übel mitgespielt haben. Manche von ihnen haben nicht nur ihre Finger in allen möglichen Geschäften, sie profitieren auch vom plötzlichen Tod unbequemer „Nachbarn“. Der große Gewinner ist in der Regel der alte Georg Davidsen, der Harinder anblafft:

„… Glauben Sie ja nicht, ich wüsste nicht, was Sie da treiben. … Bilden Sie sich etwa ein, Sie können diese geisteskranke Person dafür benutzen, mich und meine Familie anzugreifen? … Mein Sohn sitzt Ihretwegen im Gefängnis.“

„Nein, er sitzt im Gefängnis, weil er Frauen vergewaltigt und die Übergriffe gefilmt hat.“ (S. 130)

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Angela Merkel / Beate Baumann: Freiheit: Erinnerungen 1954 – 2021 (Hörbuch)

Angela Merkel gibt in der von ihr selbst gemeinsam mit ihrer langjährigen Beraterin verfassten Biographie Einblick in ein geteiltes Leben. Die Hälfte hat sie in der DDR verbracht, unpolitisch, als Schülerin und Physikerin, die andere Hälfte in der BRD, als Politikerin. Sie beschreibt, wie sie aufwuchs, wie das so war, das Leben unter dem Regime. Sie hat sich damit arrangiert, was blieb ihr auch anderes, aber sie hat durchaus erkannt, wo die Ecken und Kanten waren. Allein die Beschreibungen, wie sie als Wissenschaftlerin damit kämpfte, sich mit Forschern aus nichtkommunistischen Ländern vernünftig auszutauschen, wäre schon ein ganzes Buch wert.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Liz Tomforde: Caught Up

Ich habe schnell in die Geschichte hineingefunden und habe sie geliebt.

Wir treffen auf Kai, Single-Helikopter-Dad, heißer Baseballspieler und er will nur das Beste für seinen Sohn Max, nachdem dessen Mutter den Kleinen einfach so bei ihm zurückgelassen hat. Er braucht allerdings einen Babysitter für seinen Sohn, während er bei den Spielen/beim Training ist, doch keine kann es ihm recht machen. Sein Trainer zwingt ihn daraufhin seine Tochter als Nanny zu nehmen und auch wenn er keine Lust drauf zu haben scheint, bleibt ihm natürlich keine andere Wahl als Miller einzustellen und ihr seinen Sohn anzuvertrauen …

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hendrik Streeck: Das Institut: Im Schatten der Wissenschaft

Eigentlich ja naheliegend, dass Wissenschaftler auch gerne mal das Genre wechseln. Immer nur Fachbücher, Publikationen in Fachmagazinen oder Sachbücher, das weckt vielleicht ja auch die Lust, mal was Neues zu probieren und einen Krimi zu schreiben. Mit „Das Institut“ hat der renommierte Virologe Hendrik Streeck jetzt einen wirklich packenden Thriller geschrieben, der – nicht unbeabsichtigt – auch gute Einblicke in die Welt des Wissenschaftsbetriebes gibt. Ein Metier, in dem er sich auskennt. Die Arbeit in Forschungslaboren ist geprägt von Konkurrenzdenken, vom Ringen um Forschungsgelder, um Anerkennung und Renommée, das man mit Publikationen erwirbt, die in den richtigen Fachmagazinen erscheinen. Aber auch hier geht es wohl nicht um „wer hat was geschrieben und entdeckt“, sondern darum, wer bereit ist, den Erfolg eines z.B. Assistenten auch dem zuzugestehen, dem er gebührt. Ein Haifischbecken, in dem oft nur der Stärkere überlebt und in dem auch mal mit unlauteren Mitteln gekämpft wird.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Lisa Eckhart: Boum

Ein bitterböse Satire – echt Lisa Eckhart eben! Viel Sex, wahnwitzige Einfälle und jede Menge Schläge unter die Gürtellinie. Vom Bodyshaming zur Islamophobie, von Obdachlosen, Freaks, Femen-Aktivistinnenbis z u Männern mittleren Alters mit Hang zu schnellen, großen Autos – sie alle bekommen im zweiten Roman der Kabarettistin gehörig ihr Fett weg. Wer Wordplays mag und tiefschwarzen Humor nicht scheut, wird sich bestens unterhalten fühlen. Allerdings serviert uns Lisa Eckhardt weniger eine stringente Story mit Spannungsaufbau, als eine Aneinanderreihung absonderlicher Szenen. Ein „Boum“ – aka Knaller – folgt hier auf den nächsten. Wobei Boum auch für die titelgebende Figur steht, einen Terrorexperten, der außer Eskalation und gebrochenen Frauenherzen nicht viel auf die Reihe bekommt. Für ihren Plot entführt uns die in Österreich geborene Autorin nach Paris, wo sie selbst einmal studiert hat.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Siân James: Ein Nachmittag im Mai

Die Waliserin Siân James (1930-2021) veröffentlichte 1975 ihr preisgekröntes Erstlingswerk, den Roman Ein Nachmittag im Mai. Darin geht es um die sechsunddreißigjährige Anna. Sie ist seit vier Jahren Witwe, Mutter von drei Töchtern und lebt in der walisischen Countryside. Seit dem Tod ihres Mannes Giles steht sie in einer Art Sackgasse. Nur mit viel Mühe kann sie aus den Einkünften eines kleinen Vermögens ihre Familie finanzieren. Und seit die Jüngste das Schulalter erreicht hat, glaubt sie an einen Ausweg: Sie will im kommenden Herbstsemester ihr Studium wieder aufnehmen. Es wird Zeit nach vorn zu schauen, denkt Anna. Als Lehrerin kann sie ihr eigenes Geld verdienen und damit leichter Rechnungen bezahlen.

An einem Tag im Mai geraten Annas Pläne und Gedanken durcheinander, als sie dem gutaussehenden Schauspieler Charlie wieder begegnet. Der jüngere Mann küsst sie spontan und ausgiebig bei der Begrüßung, als wären sie bereits ein Liebespaar. Auch sonst sind seine Umgangsformen einnehmend.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Katherine Mansfield: In der Bucht

Die neuseeländisch-britische Schriftstellerin Katherine Mansfield wurde 1888 in Wellington/Neuseeland geboren und starb im Alter von nur 34 Jahren an Tuberkulose in Fontainebleau/Frankreich. Während ihrer schriftstellerischen Schaffensphase hat sie keinen Roman veröffentlicht, sondern ihren Bekanntheitsgrad durch 73 kurze Erzählungen erlangt. „In der Bucht“ ist eine ihrer bekanntesten und längsten Geschichten, die in Neuseeland angesiedelt sind. Der kleine, schmale Erzählband gehört zum Quartett aus Klassikerbänden mit ausschließlich weiblichen Autoren aus dem Verlag Mare.

Katherine Mansfields Vorbild war Anton Čechow, der ihr eigenes Schreiben geprägt hat.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Annegret Liepold: Unter Grund

Franka ist das Schweigen in Fleisch und Blut übergegangen. Das merkt man schon am Anfang des Buches, als Franka als Referendarin mit Schülern die Prozesse gegen Beate Zschäpe in München besucht. Da ist sie weit über zwanzig. Sie fühlt sich von Anfang an unwohl, den Grund dafür erfährt der Leser erst nach und nach. Als einer der Schüler „Nazischlampe“ ruft, brechen alte Erinnerungen hervor. Erinnerungen an das Jahr 2006, als Deutschland im Fußballfieber war, auch in dem Dorf, in dem Franka aufgewachsen ist. Um wieder zu sich zu finden, reist sie dorthin zurück und bricht alte Wunden auf.

Franka war so furchtbar wütend damals. Ihr Leben war nach dem frühen Tod des Vaters ohnehin nicht einfach, gefangen zwischen all den Frauen: ihrer Großmutter – der alles mit ihrer Meinung überragenden „Fuchsin“ – , deren Schwester, ihrer Mutter, ihrer Tante. Nichts schien wirklich Sinn zu machen und lernt sie Patrick und Janna kennen, die sie ernst nehmen, die sie nach ihrer Meinung fragen. Und die etwas tun wollen gegen eine Umwelt, die sie kaputt macht. Das gefällt Franka und so gerät sie immer tiefer in die rechtsradikale Gruppe hinein. Bis sie bei einer Aktion erwischt werden, bis ihre Mutter sie auf ein entferntes Internat schickt und sich Schweigen über die ganze Angelegenheit legt. Schweigen, wie es auch die Fuchsin schon erfolgreich praktiziert hat, nach dem Ende des Dritten Reiches.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Colum McCann: Twist

Colum McCanns neuer Roman „Twist“ beschäftigt sich mit der Reparatur von Unterwasserkabeln, die weltweit Internetdienste bereitstellen. Die Geschichte spielt auf einem Reparaturschiff, der „Georges Lecointe“, das durch die Tiefsee kreuzt, um beschädigte Kabel zu reparieren. Der Journalist Fennell ist an Bord, um eine Reportage über Kommunikation und ihre Störungen zu schreiben, was ihn in einen Konflikt mit dem wortkargen Missionschef John Conway verwickelt.

Die Passagen über Unterwasserkabel und ihre Reparatur sind faszinierend. McCann beschreibt das Leben auf einem Schiff und die Herausforderungen der Tiefseekabelreparatur mit großer Detailtreue.
Allerdings bieten die psychisch labilen Charaktere wenig Identifikationspotenzial. Conways Motivationen für sein widersprüchliches Handeln sind ebenso wenig nachvollziehbar wie die Besessenheit des Ich-Erzählers von ihm. Auch die Beziehung Conways zu seiner Partnerin Zanele, einer aufstrebenden Schauspielerin, bleibt mysteriös und unvollständig entwickelt.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alice Kellen: The Map of Longing

Grace existiert aus einem Grund: Sie sollte das Leben ihrer krebskranken Schwester retten. Nach deren Tod weiß sie nicht mehr, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, hat mit Selbstzweifeln zu kämpfen und sieht keinen Sinn mehr in ihrem Leben. Bis sie eines Tages ein Spiel mit Aufgaben erhält, dass sich ihre Schwester vor dem Tod ausdachte. Den Anweisungen folgend sucht Grace nun nach einem Fremden namens Will, dieser ist geheimnisvoll und dennoch spürt sie eine tiefe Verbundenheit mit ihm. Gemeinsam folgen sie nun der Karte und begeben sich auf eine Reise voller Schmerz, neuen Möglichkeiten und vergessenen Träumen …

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: