Martina Parker: Aufblattelt: Gartenkrimi

Mit „Aufblattelt“, was so viel heißt wie enttarnt oder aufgedeckt, erweckt Martina Parker einmal mehr ihren „Club der grünen Daumen“zum Leben.Dabei handelt es sich um eine Runde garten- und pflanzenbegeisterter Damen, beheimatet im Süd-Osten Österreichs. Eines dieser Clubmitglieder ist Isabella Kirnbauer. Sie ist Kräuterpädagogin, Verfechterin einer alternativen Landwirtschaft, Baumflüsterin und Enkelin einer der Wahrsagerei kundigen Großmutter. Der junge Klimaaktivist Graf Ferdinand von Hohenfelsen begegnet Isabella im Wald, erkennt in ihr die Frau seines Lebens und heiratet sie ruckzuck. Seine adelige Patchworkfamilie rollt ein bisschen mit den Augen, gestattet aber die nicht standesgemäße Hochzeit und die anschließende Feier im Dorfwirtshaus. Einzig der Tod von Ferdinands Schwester trübt die Hochzeitsfreude. Sie bricht blutspeiend beim Fangen des Brautstraußes zusammen. Aber Mord war das nicht, sie hat irrtümlich Medikamente überdosiert.

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Franziska Elea: Was du nicht siehst

Offen über psychische Krankheiten sprechen und dabei Mut machen? Ja, weil psychische Erkrankungen endlich aus der Tabuzone geholt werden müssen. Es ist wichtig, mentale Gesundheit in den Fokus zu rücken, ohne dabei zu verurteilen.

Ich lege euch dieses Buch ans Herz, um in ein anderes Leben zu blicken, eine andere Perspektive zu lesen. Auch wenn ich die Lektüre nicht als Holy Grail für Borderline-Betroffene sehe, da es vielmehr eine höchstpersönliche Aufarbeitung Franziskas junger Lebensgeschichte ist. Einen Blick in ihr Innerstes, „einer Wüste mit vielen unerbittlich wütenden Sandstürmen“. (S. 36)

„Was du nicht siehst“ ist eine Melange aus Autobiografie, retrospektiver Selbstanalyse und ganz viel Emotion. Wobei sich ein bittersüßer melancholischer Unterton durch dieses Werk zieht. Darin berichtet Franzi episodenhaft von ihrer Familie, Kindheit und Jugend, ihrem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis, ihren Liebeleien, selbstverletzenden Verhaltensweisen, Drogenproblemen, erfolglosen Psychiatrie-Aufenthalten, ihrer Borderline-Persönlichkeitsstörung und der damit einhergehenden unaufhörlichen Gefühlsachterbahn.

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Kate Knapp: Ruby mit den roten Schuhen

Ruby, die Hauptperson in diesem Bilderbuch, ist ein zauberhaftes kleines Hasenmädchen, dem sofort alle Herzen zufliegen. Ihre Großmutter hat für Ruby rote Schuhe gestrickt, die das Hasenkind über alles liebt und nicht mehr ausziehen will.

Die kleine Ruby lebt mit der Großmutter in einem bunt bemalten Bauwagen inmitten eines herrlichen Gartens. Hier, in und um den Bauwagen spielt sich Rubys Leben ab, das sich mit fröhlichen, zarten Bildern und kleinen erläuternden Texten aufblättern lässt. Es ist ein heimeliges, unbeschwertes, romantisches Dasein unter der großmütterlichen Obhut mit Wärme und Geborgenheit, das Ruby erfährt. 

Einen großen Stellenwert nimmt der Garten ein, in dem Ruby ihre Zeit jeden Tag verbringt. Hier gibt es allerliebst bepflanzte Beete zu bestaunen oder eine kluge Hühnerschar, die Ruby in Französisch zu unterrichten versucht.  Ruby hat offene Augen und Ohren für alles was um sie herum und im Garten lebt und gedeiht. So wird hier ganz nebenbei die Achtsamkeit der kleinen Betrachter und Zuhörer geschult.

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Natalie Haynes: Stone Blind: Der Blick der Medusa

Wer kennt sie nicht, die Legende von Medusa, der Frau mit dem Schlangenhaar, deren Blick jeden Menschen sofort versteinert? Die von Perseus enthauptet wird, um mit Hilfe ihres Kopfes die schöne Andromeda vor einem Meeresungeheuer zu retten? Die studierte Altphilologin Natalie Haynes hat in England durch ihre populäre Aufbereitung antiker Sagen bereits Kultstatus erreicht. Ihr Anliegen laut Klappentext: „Ich denke ich schulde ihr einen Roman. Medusas Geschichte ist die eines Monsters, das kein Monster ist. Ich möchte Medusa ihre Stimme zurückgeben.“ Und beim Göttervater Zeus – das hat sie!

Der Autorin gelingt ein Bravourstück. Obwohl sie an den wesentlichen Handlungsabläufen nichts ändert, kommt allein durch den Perspektivwechsel mit der damit verbundene Täter-Opfer-Umkehr eine völlig andere, viel faszinierendere Geschichte heraus. Natalie Haynes rockt das Ding. Sie macht die jahrtausendealte Story so brandaktuell, vielschichtig, feministisch und bisweilen sogar höchst amüsant (Haynes ist auch als Komikerin tätig) wie nie zuvor!

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Tupoka Ogette: Ein rassismuskritisches Alphabet

Wir müssen über Rassismus sprechen! Tupoka Ogette beschäftigt sich als Vermittlerin, Beraterin und Autorin mit dem Thema Rassismus. Ihre Bücher „exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen“ sowie „Und jetzt du. Rassismuskritisch leben lernen“ sollen nicht nur über Rassismus aufklären, sondern im Idealfall zum Gegenteil von Rassismus beitragen: Antirassismus. Dieses Ziel verfolgt sie auch mit dem „rassismuskritischen Alphabet“, in dem kurz und knackig verschiedene Facetten des Themas abgehandelt werden. Dieses Buch sollte jeder gelesen haben!

Rassismus ist ein Thema, das jeden Menschen angeht – er steckt in unserem System, in unserer Struktur, die manchen Menschen Privilegien verwehrt, für die Andere nichts tun mussten. Wir alle sind in eine Gesellschaft hineingeboren, die auf Rassismus beruht. Deshalb ist es auch an uns allen, etwas gegen diese Strukturen zu unternehmen. Weiße Menschen haben mit dem Ausmaß von Rassismus oft wenig Berührungspunkte und sagen dann gerne etwas wie „Ich bin nicht rassistisch“ oder „Ich sehe keine Hautfarben“. Warum das nicht produktiv ist und sogar zur Aufrechterhaltung des rassistischen Systems beiträgt, wird im Buch erklärt.

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Arno Geiger: Das glückliche Geheimnis

Der Österreicher Arno Geiger (Jahrgang 1968) ist mit seinem Roman „Es geht uns gut“ 2005 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In seinem neuesten Buch „Das glückliche Geheimnis“ erzählt er vom Davor und Danach seines Erfolges und seines Lebens als Schriftsteller. „Das glückliche Geheimnis“ ist am 10. Januar 2023 im Carl Hanser Verlag erschienen.

Das Davor beginnt 1992: als Vierundzwanzigjähriger lebt Arno Geiger in Wien und will Schriftsteller werden. Eines Tages entdeckt er neben Papiercontainern in der Nähe seiner Wohnung Kartons mit Büchern, die offenbar entsorgt worden sind. Dies ist der Beginn seines „glücklichen Geheimnisses“, denn Geiger beginnt zunächst zu Fuss später mit dem Fahrrad, die Altpapierbehälter in seiner Umgebung zu durchforsten. Er bringt stapelweise alte Dokumente, Zeitungen, Zeitschriften, Briefe, Postkarten, Fotos und Bücher mit nach Hause, um sie sorgfältig zu sichten. Einige davon verkauft er auf dem Flohmarkt weiter, und bestreitet so einen Teil seines Lebensunterhaltes. Andere behält er, um sie für seine Schreibarbeit zu nutzen. Die darin enthaltenen Alltagstexte, wie Geiger sie nennt, werden zur „Schule“ seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Oder mehr noch, wie er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Ende Januar 2023 sagt:

„Aber in erster Linie war es für mich eine Schule des Lebens, weil ich mich im eigenen Leben besser orientieren konnte.“

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Lize Spit: Ich bin nicht da

Leo und Simon sind ein Paar am Ende ihrer 20er Jahre. Bereits seit 10 Jahren leben sie zusammen, haben eine Wohnung in Brüssel und Leo glaubt, Simon in- und auswendig zu kennen. Er ist ihr Seelenverwandter, sie haben beide ihre Mütter recht jung und brutal verloren und das scheint ihrer Beziehung noch einmal eine besondere Innigkeit zu verleihen. Bis Simon anfängt, sich zu verändern.

„Ich bin nicht da“ ist ein Roman über das, was eine psychische Erkrankung auch bei dem Partner anrichten kann. Das Buch ist unglaublich intensiv, das ich mich nach einer Lektüre mal so richtig schlecht gefühlt habe, kommt selten vor und spricht für den Roman. Lize Spit erzählt aus der Sicht von Leo, die erst nicht versteht, dann verleugnet und schließlich verzweifelt.

Es ist Simon, der psychisch krank ist, aber je stärker die Belastung für Leo wird, desto mehr hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass auch sie ein Problem hat. Es muss unglaublich schwer sein, wenn der Partner, den man doch liebt und dem man vertraut, plötzlich paranoid behauptet, die Freunde würden sie hintergehen und dann nicht doch ein kleines bisschen von dem zu glauben, was er sagt. Ganz abgesehen davon, dass man es am Anfang sowieso glaubt. Wie ist es, nach Hause zu kommen und nie zu wissen, welche Katastrophe einen erwartet? Was macht das mit der eigenen Wahrnehmung?

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Joe R. Lansdale: Moon Lake

Daniel Russel kommt aus zerrütteten Familienverhältnissen. Die Mutter hat seinen Vater und ihn Hals über Kopf verlassen, sein Dad, ein ehemaliger Bibliothekar, ist bis über beide Ohren verschuldet.

Eines Abends, der Strom ist bereits abgestellt, nimmt er seinen Sohn, packt einen Koffer voll und verlässt das gepfändete Haus. Es geht zurück dahin, wo er einst die Liebe seines Lebens kennengelernt hat, wo er eine Zukunft hatte, wo er glücklich war – nach Long Lincoln.

Dass der Ort schon einige Zeit nicht mehr existiert, dass er tief unter dem Wasserspiegel des gestauten Sees liegt – was solls. Er rast über die Brücke direkt hinein in das kalte Wasser – Daniel wird von einer gleichaltrigen Schwarzen, die mit ihrem Vater am See angeln war, aus dem sinkenden Auto gezogen.

Zahn Jahre später kehrt Daniel, inzwischen Buchautor und Journalist, nach New Long Lincoln zurück. Der Sommer ist dermaßen heiß, dass der Moon Lake ausgetrocknet ist, Chief Dudley den so lange vergeblich gesuchten Wagen von Davids Vater endlich herausziehen konnte.

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Jonathan Escoffery: Falls ich dich überlebe

Der US-amerikanische Autor Jonathan Escoffery widmet sich in seinem Debüt „Falls ich dich überlebe“ einer getrennt lebenden jamaikanischen Migrantenfamilie in den USA. Er tut das, indem er eine Reihe von kürzeren Erzählungen aneinanderreiht, die mehr oder weniger lose miteinander verbunden sind und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt sind. Insofern lässt sich der vorliegende Band auch als Geschichtensammlung sehen.

Escoffery, der selbst von jamaikanischen Einwanderern abstammt, legt dabei ein thematisches Schwergewicht auf den Rassismus. Trelawney, sensibler Sohn in dieser Familie, leidet darunter, dass er mal als Weißer, mal als Schwarzer gesehen wird. Diesen Aspekt walzt der Autor in der ersten Geschichte etwas breit aus, und man muss als Leser Durchhaltevermögen beweisen.

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Ruth Ware: Das College

Vor 10 Jahren fand Hannah ihre beste Freundin April tot im gemeinsamen Wohnzimmers des Colleges in Oxford. Damals war sie sicher, den Mörder noch gesehen zu haben und er wurde auch verurteilt. Jetzt ist er im Gefängnis gestorben, hat bis zuletzt seine Unschuld beteuert und alles kocht wieder hoch.

Vielleicht ist es ihre eigene Schwangerschaft, vielleicht ist es auch etwas anderes, aber zum ersten Mal seit Jahren rumort der Fall wieder in Hannah. Sie denkt nach über das, was damals geschah, was sie gesehen und gewusst hat. Und sie fragt sich zum ersten Mal, ob es möglich wäre, dass sie sich damals geirrt hat.

„College“ ist ein von Anfang bis Ende spannender Roman. Ruth Ware hat ihn geschickt aufgeteilt in „Davor“ und „Danach“ Kapitel, also in Kapitel, in denen die Collegezeit erzählt wird und Kapitel über Hannahs jetziges Leben. Es ist ein Roman zum mitraten und miträtseln, nahezu jeder der Beteiligten ist irgendwann mal verdächtig und manchmal war ich nicht sicher, ob es nicht Hannah selbst war.

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