Ulla Scheler: Acht Wölfe

Spannend, dramatisch, emotional – ein Highlight des Jahres

Was für ein Roman, was für ein Thriller. Er bescherte mir zwei durchwachte Nächte, weil ich ihn nicht aus der Hand legen konnte.

Dabei, so abwegig die Geschichte im Grunde sein mag, wirkt alles derart realistisch, als wäre man mittendrin in der Handlung. Dass ein solcher Roman von einer jungen deutschen Autorin stammt, ist da schon fast eine Überraschung.

Was geschieht: Acht junge Menschen, darunter vier Deutsche, wollen eine geführte Wanderung durch die unberührte Natur Kanadas machen. Drei Wochen soll die Tour dauern. Der Führer Nick wirkt vertrauenswürdig und erfahren.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Shelley Burr: Hell

Wenn ein Kind spurlos verschwindet, bleiben den Angehörigen nur noch die Hoffnung und eine unendliche Trauer. In Australien verschwinden viele Kinder, so dass Lane Holland schon in jungen Jahren beschließt, diese Fälle in den Medien zu verfolgen. Sein persönliches Interesse beginnt mit einem Fall in Nannine. Dieser Ort „war als Umschlagplatz für Farmer entstanden, die ihre Tiere zu den Viehmärkten und ihr Getreide zu den Lagerspeichern brachten, doch die landwirtschaftlichen Familienbetriebe verschwanden …“ (S. 11)

Eine Autostunde von Nannine entfernt liegt die weitläufige Farm der Familie McCreery. Für die Familie mit den Zwillingen Evelyn und Mina ist es ein einsames und arbeitsreiches Leben, in dem sich der Winter vom Sommer nur darin unterscheidet, dass er etwas weniger heiß ist. Eigentlich könnte hier das Glück zuhause sein. Doch 1999, in einer Mainacht, verschwindet Evelyn im Alter von neun Jahren aus dem Kinderzimmer, während Mina direkt daneben schläft. Niemand scheint etwas zu wissen oder gesehen zu haben. Und das Fehlen von Spuren macht die Polizei ratlos und setzt damit die geschockte Familie einem nicht enden wollenden Medieninteresse aus.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michela Marzano: Falls ich da war, habe ich nichts gesehen

„… und falls ich etwas gesehen habe, erinnere ich mich nicht.“ (S. 28)

Dieser Spruch aus dem ideellen Familienerbe ist der rote Faden im Buch der Autorin und Philosophin Michela Marzano.

Durch Zufall findet sie die Taufurkunde ihres Vaters mit dessen vollständigem Vornamen: Ferruccio Michele Arturo Vittorio Benito. Neben seinem Rufnamen, den Namen von Vater und Großvater und dem des damaligen Königs trägt er auch den Namen von Benito Mussolini. Warum sollten die Großeltern ihren Sohn nach dem faschistischen Diktator benennen? Als sich dann auf Nachfrage im elterlichen Haus das Parteibuch des Großvaters findet, bricht für die Autorin eine Welt zusammen. Sie hatte in dem Glauben gelebt, dass alle Mitglieder der Familie dem Faschismus ablehnend gegenüberstanden und stehen. Gut, ihr Großvater hatte der monarchistischen Partei angehört, aber das war allenfalls ein bisschen peinlich. Nun stellt sie fest, dass er einer der Faschisten der ersten Stunde war und zugleich zu den Squadrista, dem berüchtigten Schlägertrupp Mussolinis, gehörte.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eva Maria Bast: Sisis Schwester

Helene, Elisabeth, Ludwig, Sophie Charlotte, Marie, Mathilde, Carl Theodor, Maximilian, Wilhelm Karl, Max Emanuel …

Das sind die Geschwister von Sisi, der späteren Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn und eben Sophie Charlotte, ihrer jüngeren Schwester, zu der sie – wie u.a. zu Helene, genannt Nené – zeitlebens einen engen Kontakt hatte. Sophie Charlotte und ihre Geschwister hatten als Kinder von Herzog Max in Bayern und seiner Frau Ludovika auf Schloss Possenhofen am Starnberger See eine fröhliche und durchaus auch glückliche Kindheit, auch wenn die Eltern sich nicht wirklich geliebt haben oder glücklich miteinander waren.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ia Genberg: Die Details

Für „Die Details“ erhielt Ia Genberg den Augustpreis, einen in ihrem Heimatland Schweden bedeutenden Literaturpreis.

Die Autorin zeigt in diesem Roman durch ihre Protagonistin auf, wie wir durch andere Menschen beeinflusst werden, wie wir uns auf andere Personen einstellen, wie wir uns in der Zeit, die wir mit anderen verbringen, durch neue Einflüsse verändern können. Im Handlungsablauf wird deutlich, dass es eben nicht nur die großen, einschneidenden Erlebnisse sind, die unser Leben ausmachen und  prägen, sondern vielfach die Details.

Ia Genbergs namenlose Protagonistin ist bisexuell, was aber eher eine untergeordnete Rolle spielt. Von Malaria geplagt, liegt sie mit Fieberschüben ins Bett gefesselt und hat alle Zeit, ihren Gedanken freien Lauf zu lassen. Sie beschäftigt sich mit den Menschen, mit denen sie in großer Liebe verbunden war. Sich zu verlieben kommt einer Tätowierung gleich, konstatiert sie in diesem Zusammenhang über ihre Empathie.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Bridget Collins u.a.: Schaurige Nächte

Wer auf beliebte Gruselzutaten wie eingemauerte Skelette, Geister in alten Gemäuern oder Rollstühle von Verstorbenen steht, die sich selbst in Bewegung setzen, der sollte den Kauf der Horror-Anthologie „Schaurige Nächte“ in Erwägung ziehen.

Sie stammt aus England, dem Mutterland des viktorianischen Schauerromans, und in ihr sind die Geschichten von acht Autorinnen und Autoren versammelt, die allesamt schon ihre Lorbeeren auf dem Gruselsektor gesammelt haben – wie Laura Purcell, die zuletzt mit „Die stillen Gefährten“ oder „Das Porzellanhaus“ für Furore gesorgt hat – oder Bridget Collins, die preisgekrönte Autorin der Jugendbücher „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ und „Das große Spiel“.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jennifer Estep: Sense of Winter

Es ist Weihnachten und das verschneite Bergdörfchen könnte so schön sein – gerade wenn man zu Gast auf Burg Tannenbaum ist, dem Wintersitz der mächtigen und reichen Eisen-Familie. Nur haben Spione leider keine Ferien und eingeladen sind Charlotte und Desmond auch nicht wirklich. Stattdessen haben sie sich bei den Feierlichkeiten eingeschleust, um zwischen dem glitzernden Weihnachtsschmuck und den gigantischen Nussknacker-Dekorationen eine Mission zu erfüllen: Informationen über Henrika Hyde sammeln, die brutale wie magische Unterwelt-Verbrecherin.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ivar Leon Menger: Angst

Schon in seinem ersten Roman (wie übrigens in den meisten seiner Hörspiele, die ich auch empfehlen kann) hat Ivar Leon Menger bewiesen, dass bei ihm selten etwas so ist, wie es dem Leser oder dem Protagonisten scheint.

Mia lebt in Berlin in einer WG und möchte Schauspielerin werden. Gerade war sie zum Vorsprechen für einen Film und macht sich große Hoffnungen, dieses Mal die Hauptrolle zu ergattern. Nebenbei trifft sie immer wieder Männer aus dem Internet zum Ausgehen und gerade ist es einer, der ein Haupttreffer zu sein scheint. Das erste Date mit Viktor findet in sehr gediegener Umgebung statt, ihre Mitbewohnerin ist begeistert. Mia weniger, obwohl sie nicht wirklich belegen kann, warum. Seltsame Dinge geschehen, ihr Hausschlüssel verschwindet und taucht plötzlich wieder auf, in ihrem Zimmer stehen plötzlich Dahlien und sie weiß nicht, wie sie dort hinbekommen sind. Letztlich ist alles irgendwie erklärbar, aber ein schlechtes Gefühl bleibt. Mia kommt sich verfolgt vor und vermutet Viktor hinter den Geschehnissen.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Terézia Mora: Muna oder Die Hälfte des Lebens

Terézia Mora erhielt 2013 für ihren Roman „Das Ungeheuer“ den Deutschen Buchpreis. In diesem Jahr ist sie mit „Muna oder Die Hälfte des Lebens“ wieder nominiert. Der Deutsche Buchpreis wird am 16. Oktober 2023 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse verliehen. Der Roman ist am 30. August 2023 im Luchterhand Literaturverlag erschienen.

Muna Appelius ist gerade achtzehn geworden, da versucht ihre alkoholabhängige Mutter, Schauspielerin am Theater der Stadt Jüris in der DDR, sich mit Tabletten und Alkohol das Leben zu nehmen. Munas Vater starb an Lungenkrebs als sie ein Kind war. Die Mutter überlebt und macht eine Therapie. Es ist 1989 und Muna steht kurz vor dem Abitur.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eva Lohmann: Das leise Platzen unserer Träume

Jule und David ziehen aus der Stadt aufs Land. Gemeinsam renovieren sie ein Bauernhaus. David arbeitet weiterhin im Krankenhaus als Anästhesist, Jule als Köchin bei Events auf einem nahen Gutshof. Der Traum von einer Familie, von Kindern, die im Garten herumtollen, erfüllt sich nicht. Mit Anfang vierzig sind sie immer noch kinderlos. Eine Tatsache, die vor allem für Jule bitter ist. David scheint das leichter zu verkraften. Er unterhält allerdings in der Stadt eine Affäre mit Hellen, geschieden und Mutter von achtjährigen Zwillingen.

Hellen will nur Sex und David ist das recht, gibt es mit Jule doch schon lange keine intimen Begegnungen mehr. Obwohl ihre Ehe nur noch auf dem Papier besteht, schaffen Jule und David es nicht, einander reinen Wein einzuschenken und die Tatsachen auf den Tisch zu legen. Hellen weiß, dass David verheiratet ist und wie seine Frau heißt. Jule hat von der Existenz von Hellen keine Ahnung.

Weiterlesen
Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: