Olivia Atwater: True Crown: Die Lady und der Lord Magier

Theodore Ettings ist so ganz anders, als man sich eine englische Adelige vorstellt. Ja, natürlich ist sie aus gutem Hause, weiß sich zu benehmen, doch sie ist – anders. Seitdem ein Elf ihr im Kindesalter die halbe Seele gestohlen hat, kennt sie weder Angst noch Scham, aber auch Freude.

Zusammen mit ihrer Cousine reist sie als Debutantin nach London. Es gilt, natürlich vornehmlich für eben jene Cousine, einen Ehemann in der fast abgelaufenen Ballsaison zu finden – und sollte ein Mann für Dora abfallen, wäre das die Kerze auf dem Kuchen.

Kaum in London angekommen, macht Dora, die von den adeligen Matronen geschnitten, ja gemieden wird, die Bekanntschaft des Hofzauberers. Ein Mann, der bei all seinen Verdiensten, eines nicht ist – ein angepasster, in den besseren Kreisen etablierter Gentleman.

Zusammen kommen sie einer Seuche auf die Spur – Kinder aus den Armenhäusern schlafen ein und wachen nie wieder auf. Die Spur führt ins Reich der Fearies zu einem Elfen, den Dora nur zu gut kennt …

Regency Romance, so nennt man die Spielart, die uns Olivia Atwater hier kredenzt.

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Jean Gabriel Causse: Justine und die Rettung der Welt

Ein vielleicht leider gar nicht so absurder Plot, der mitreißt, der spannend und tiefgründig ist und unbedingt nachdenklich macht, das zeichnet diesen Roman aus Frankreich aus.

Denn wer könnte sich nicht, auch mit weniger Fantasie, ausmalen, dass das Internet plötzlich selbständig zu agieren beginnt, ein regelrechtes Eigenleben entwickelt. Genau das geschieht in diesem Buch, das dabei aber nicht auf schockierende und dramatisierende Ereignisse setzt, sondern auch optimistische Blicke in die Zukunft erlaubt.

Justine ist eine leidenschaftliche Hackerin, die durch ihr Eindringen in fremde Computersysteme deren Schwachstellen aufzeigen will und so hofft, an Jobs zu kommen. Versehentlich entdeckt sie dabei, dass etliche Atomraketen gestartet werden, dann aber unvermittelt abgelenkt und quasi entführt werden.

Man kommt Justine auf die Spur und sie gerät in Verdacht, dafür verantwortlich zu sein. Um sich von diesem Verdacht zu befreien, muss sie fliehen und selbst herausfinden, was dahintersteckt. Und genau das ist das Internet, welches eigenverantwortlich zu handeln begonnen hat.

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Harald Meller, Kai Michel: Das Rätsel der Schamanin: Eine archäologische Reise zu unseren Anfängen

Wenn die Polizei in einem kalten Fall ermittelt, dann können mitunter Jahrzehnte nach der Ermordung des Opfers vergangen sein. In der Archäologie sind kalte Fälle Alltag. In einem besonders spektakulären Fall wurde vor zwei Jahren in der Solestadt Bad Dürrenberg in Sachsen-Anhalt erneut gegraben. Es handelt sich um eine Grabstelle, die aufgrund ihrer besonderen Lage, nämlich ein erhöhtes Plateau mit einer Weitsicht über das von der Saale durchzogene Tal, auf eine Person mit großem Ansehen hinweist. Auch die wertvollen Grabbeigaben betonen die herausragende Stellung dieser Person vor etwa 9000 Jahren.

1934 fanden Arbeiter beim Verlegen von Wasserrohren ein Skelett. Der Fund wurde gemeldet, auf die Schnelle dokumentiert, die seitlich geöffnete Grabstelle skizziert und nach der Entnahme der augenscheinlichen Fundstücke mit dem Aushub wieder befüllt. Anfangs nutzten Wissenschaftler den Fund, um die These des nordischen Ariers im Sinne von Hitler und Himmler zu beweisen. Für die Propaganda ist bekanntlich nichts und niemand heilig. Dass das Skelett tatsächlich keinem Mann sondern einer Frau gehörte, die auf ihrem Arm ein Baby hielt, wurde ignoriert und vergessen.

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Glendy Vanderah: Ein Nest voller Träume

Eine wirklich ungemein spannende und sehr ungewöhnliche Geschichte mit interessantem Plot und interessanten Figuren, das ist dieser Roman. Der darüber hinaus noch sachlich fundiert ist, denn die Verfasserin ist ebenso wie ihre Protagonistin Ornithologin, weiß daher, wovon sie erzählt.

Diese Protagonistin heißt Joanna. Sie kommt nach einer überstandenen schweren Krebsoperation in die abgelegene Hütte eines Vogelforschers, um dort für ihre Doktorarbeit Feldforschung zu betreiben. Joanna ist dabei sehr froh über die Einsamkeit, hat sie doch viel zu verarbeiten. Doch eines Tages taucht vor ihrer Unterkunft ein kleines Mädchen auf, das sich weigert, zu erzählen, woher es kommt und wer seine Eltern sind. Stattdessen behauptet Ursa, so nennt sich das Kind, sie sei ein Alien von einem anderen Planeten, auf die Erde geschickt, um die Menschen zu studieren. Immer, wenn Joanna versucht, die Polizei über Ursa zu informiere, läuft das Mädchen davon.

Also bleibt der jungen Frau, die Angst hat, das Mädchen könnte in lebensgefährliche Situationen geraten, wenig übrig, als dem Kind Obdach zu geben. So kommt sie in Kontakt mit ihrem zurückgezogen lebenden Nachbarn Gabe, der sich um seine schwerkranke Mutter kümmert und sich mit Eierverkauf etwas dazuverdient.

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Stefanie Lasthaus: Frau Holles Labyrinth

Mary, unsere Erzählerin, hat eine magische Begabung. Sie kann Schlösser öffnen – ganz ohne Schlüssel oder Dietrich, rein mit der Kraft ihres Talents. Nun ist es in der Welt, in der die junge Frau lebt, nichts wirklich Besonders, über ein magisches Talent zu verfügen. Ihre Tante hat einen grünen Daumen, ihre jüngere Schwester die Gabe, ihr Gegenüber zu bezirzen.

Nachdem sie ihre Gabe aber just, sie ist mal wieder, aber auch so etwas von pleite, in Diensten einer zwielichtigen Kneipenbekanntschaft und damit höchst illegal eingesetzt hat, flieht sie vor der Polizei und ihrem Chef nach Hause. Nur, dass es seit dem Tod ihrer Mutter kein wirkliches Zuhause mehr für sie ist.

Ihre Tante lehnt sie von ganzem Herzen ab, ihre Schwester will eigentlich auch nichts von ihr wissen. Dass das einzige Erinnerungsstück, dass die beiden Kinder an ihre Mutter haben, eine Halskette mit Anhänger, dann in den Brunnen im Garten fallen lässt, ist Karma.

Mary klettert in den Brunnen – und findet sich in einem unterirdischen Labyrinth wieder, in dem die Sonne nicht scheint, in dem die Menschen von den kargen Erträgen des Landes und ohne Strom und Handy mehr vor sich hinvegetieren. Schließlich gibt es da auch noch die Fresser – der Name ist Programm, fallen die Wesen doch gerne Menschen an und knabbern an deren Gliedmaßen.

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Dr. Willi Kremer-Schillings: Satt und unzufrieden: Bauer Willi und das Dilemma der  Essensmacher

Das Sterben der kleinen Höfe hat sich schon lange zu einer Routine eingestellt. Und dieses Sterben geht weiter, jedes Jahr, jeden Tag, bis nur noch Agrarfabriken übrigbleiben werden. Mit den grünen Kreuzen machten die Landwirte auf ihre existenzgefährdende Situation aufmerksam.

Wer das Dilemma begreifen will, muss die Anfänge sehen. Zum Beispiel bei dem Autoren und Landwirt Dr. Willi Kremer-Schillings. Auf seinem Blog findet man einen Filmbeitrag über Schädlinge an seinen Zuckerrübenpflanzen. Noch vor ein paar Jahren brachte er seine Saat mit einer Ummantelung in den Boden. Diese Schicht vermied die Ausbreitung der Läuse auf den Jungpflanzen. Seit diese Vorbehandlung des Saatgutes verboten ist, sind die Pflanzen ungeschützt. In Frankreich, so berichtet der Autor, seien 80% der Ernte durch die Läuse vernichtet worden. Er zeigt auf die befallenen Flächen seines etwa 2 ha großen Feldes, die wie gelbe Nester im satten Grün aussehen. Würde er seine Pflanzen spritzen, bräuchte er für die gesamte Fläche etwa 180 g eines Schädlingsbekämpfungsmittels. Was soll ein Bauer in so einer Situation machen, gegen Schädlinge spritzen oder auf einen großen Teil seiner Ernte verzichten? Zum Vergleich: 4 bis 5 g von dem gleichen Mittel seien auch in einem Hundehalsband zu finden, erklärt der Autor.

Regelmäßig muss ein Landwirt die Bearbeitung seiner Felder dokumentieren und die Kontrolleure aus der eigenen Tasche bezahlen. Darüber hinaus ändern sich ständig die Regeln der EU für die Bewirtschaftung von Acker- und Landflächen in einer undurchschaubaren Weise. Dies führt zu einem wachsenden Verwaltungsaufwand.

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Jens-Philipp Gründler: Das Schweigen der Gedanken

Der Autor Jens-Philipp Gründler ist ein Könner auf dem Gebiet der Kurzprosa, wobei er die stillen Töne liebt, heftige Wendungen aber ebenso einsetzt.

Die erste Kurzgeschichte, „Der heilige Name“, erzählt von der Begegnung des Ich-Erzählers mit dem römischen Klerus: „Meine Vorliebe für diese vorzugsweise reptilienartig gealterten, nach Flieder duftenden Greise…“. Sorgfältig beobachtet und mit hintergründiger Komik („Wo hat der Edelmann den Prospekt an sich genommen?“) lässt Gründler es zu der Begegnung mit einer Bettlerin kommen.

In „Hart Island“ begegnet uns ein Thema, das sich durch die meisten Texte begleitet, dem Traum („Luzide Träume waren für Anna Rosensteins Arbeit immer schon eine unbedingte Notwendigkeit gewesen“). Horrorelemente und aktuelle Bezüge (Corona) machen diesen Text für mich zu einem der Highlights des Buches. Die Kurzgeschichte könnte seht gut die Inspiration zu einem Roman sein, Figuren, Setting und Handlung würden auch einen längeren Text tragen.

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Anuschka Roshani: Gleißen: Wie mich LSD fürs Leben kurierte

Die Substanz hatte mein Ich in eine gefühlte Ewigkeit gebombt – ich glaubte zu sterben –, und meinem Alltagsbefinden währenddessen, so unmerklich wie unverkennbar, eine funkelnagelneue Dimension hinzugefügt.“ (Zitat S. 9)

Der Markt boomt: Aktuell schießen nicht nur Biotech-Start-ups* wie Pilze aus dem Boden, auch an Universitäten werden Abteilungen wie „Center fortheNeuroscienceofPsychedelics“ oder „Center forPsychedelicandConsciousness Research“ gegründet. (*die die neurowissenschaftliche Forschung mit Psychedelika vorantreiben)

Neugierig geworden durch diese Forschungsrenaissance von LSD, fängt Anuschka Roshani an, zu recherchieren. Ihre Recherche mündet dort, wo alles anfing: in der Schweiz. Spezieller: in einer LSD-Selbsterfahrung eines höchstpersönlichen „erquicklichen Perspektivwechsels“ am Unispital Basel, wo sie am Grund ihrer Seele schürfte.

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Mariette Navarro: Über die See

Eine Kapitänin, ihr Schiff, die Mannschaft, das Meer und die Unberechenbarkeiten des Lebens. – Genügend Stoff, um daraus eine unterhaltsame Geschichte zu konzipieren, sollte man meinen. – Weit gefehlt! – Nicht nur die Handlung, sondern vor allem die facettenreiche Sprache ist es, durch die dieser wunderbare kleine Roman punktet.

Entgegen jeglicher Disziplin, an die sie sich seit jeher gehalten hat, entgegen aller Vorschriften und Vernunft, schaltet die Kapitänin auf der Überfahrt vom französischen St. Nazaire in Richtung der Antillen mitten auf dem Ozean Motor und Radar ihres Frachters aus, um ihrer Crew ein Bad im kalten Ozean zu ermöglichen. Ein Unterfangen, das so verrückt wie verwegen gleichzeitig ist.

Mit ihrem Eintauchen in das Wasser eint die Seeleute nun eine Anderswelt, in der sich jeder von ihnen erst einmal zurechtfinden muss. Von nun an sind sie samt der an Deck gebliebenen Kapitänin  nur noch mit sich selbst beschäftigt. Zurückgeworfen in ihre bloßen Existenzen werden sie sich körperlich und seelisch ihres Daseins und dem Ausgeliefertsein an die Natur einerseits verzückt, andererseits schmerzlich bewusst. Allein auf sich gestellt kommt sich jeder der Männer auf eine der Wirklichkeit entrückte Art so nahe wie nie zuvor.

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Alexandra Bracken: Lore

Es gibt sie noch, die alten Götter, auch im modernen New York. Naja, wenigstens einige davon. Denn alle sieben Jahre findet der Agon statt, die Götterjagd. Dann werden die Götter des Olymp für sieben Tage sterblich und wer eine von ihnen tötet, bekommt seine Macht. Die Jäger stammen ausnahmslos aus Familien, deren Stammbäume bis ins alte, sehr alte Griechenland, zurückreichen. Sie werden von frühester Kindheit an für die Jagd ausgebildet und die meisten sind stolz darauf.

Lore hat ihre gesamte Familie am Ende der letzten Jagd verloren und wollte eigentlich nie wieder etwas damit zu tun haben. Aber ausgerechnet die Göttin Athene sucht bei ihr Schutz und versucht sich mit ihr zu verbünden. Und dann ist da auch noch ein Freund aus Kindertagen, der ganz offensichtlich nicht alleine zurechtkommt.

„Lore“ ist blutig und brutal, aber nicht mehr als viele andere Dystopien auch. Ich mochte die Person Lore und den Gedanken, die griechischen Götter ins moderne zu übertragen. Insgesamt konnte mich das Buch jedoch nicht überzeugen. Für meinen Geschmack gab es entschieden zu wenig Informationen über die griechischen Götter und ihren eigentlich wirklich interessanten Familienstammbaum. Hier kommt es eher daher wie ein Namedropping der antiken Art, ohne, dass man viel über die Hintergründe erfährt.

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