Pensionate, in denen den sogenannten „höheren Töchtern“ eine fundierte Ausbildung und Vorbereitung auf ihre Zukunft als Ehefrau, Mutter und Vorstand eines Haushalts vermittelt wurde, gab es sicher reichlich in der Kaiserzeit. Eines wie das, das wir in diesem ersten Band einer Trilogie um das Pensionat an der Mosel, genauer in Diedenhofen – heute wieder Thionville – kennenlernen, bestimmt nicht so zahlreich. Schulleiterin Pauline Martin möchte ihren Schülerinnen nämlich einiges mehr vermitteln als gepflegte Konversation, ein bisschen Lektüre, Handarbeiten oder Klavier spielen. Sie, als Französin, mit klaren Vorstellungen und einem gesunden Selbstbewusstsein hat es eh nicht leicht in der preußischen Region Elsass-Lothringen um 1910.
WeiterlesenAutor: Leselust Team
Patrick van Odijk: Der falsche Vermeer
Die persönlichen Voraussetzungen, die Patrick van Odijk mitbringt, um seinen Debütroman „Der falsche Vermeer“ auf dem deutschen Krimimarkt zu platzieren, sind denkbar günstig: Er liebt Vermeer! „Johannes Vermeer von Delft ist für mich der größte Maler!“, bekannte er in einem Interview. Der Autor ist als Niederländer in Deutschland zweisprachig aufgewachsen. In Konstanz studierte er Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik. Eine Tätigkeit als Radioreporter, Redakteur und Moderator für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schloss sich an. Es war wohl eine Mischung aus beruflichem Instinkt und persönlichem Interesse, die van Odijk zu seinem ersten Roman inspirierte. Äußerlicher Anlass war die große Vermeer-Ausstellung, die von Februar bis Juni 2023 im Rijksmuseum in Amsterdam gezeigt wurde. Pünktlich zur Ausstellung legte er sein niederländisches Original „Het meisje van de valse Vermeer“ vor (auf Deutsch: „Das Mädchen des falschen Vermeer“). Worum geht es?
WeiterlesenDarcy Coates: From Below: Die Toten warten
Geisterschiff-Tiefseehorror meets paranormalen Mysterythriller
„Und sie waren auf eine Tiefe abgetaucht, die dem geplanten Selbstmord eher gleichkam als einfachem Schwimmen.“ (S. 117)
„From Below“ verspricht eine atemberaubende Spukgeschichte, die zwischen Geisterschiff-Tiefseehorror und paranormalem Mysterythriller rangiert und dabei Gänsehaut-Feeling vom Feinsten garantiert. Allein das Cover ist ein Kunstwerk!
Ein kleines Tiefsee-Tauchteam wird rekrutiert, um einen Dokumentarfilm über das mysteriöse Verschwinden des vermeintlich unsinkbaren Ozeandampfers SS Arcadia zu produzieren.
WeiterlesenFranzi Kopka: Honesty: Was die Wahrheit verbrigt
Lügen und negative Emotionen gibt es in Sestiby, dem letzten belebbaren Raum auf der Erde, nicht mehr. Dank Ernest Sestiby, dem Gründer des Staates, herrscht vollkommener Frieden, denn jeder Bürger nimmt das von ihm erfundene Medikament Veritas, das dazu animiert, in jeder Situation die Wahrheit zu sagen. Es geht sogar so weit, dass im Hals ein Brennen entsteht, antwortet man nicht schnell genug auf eine Frage.
In dieser perfekten, friedlichen Welt lebt Mae und Mae hat ein Problem: Sie fühlt all diese negativen Emotionen, die es in ihrer Gesellschaft nicht mehr gibt. Sie ist eifersüchtig auf das Mädchen, das ihrem Freund schöne Augen macht und sie ist wütend, als er sie für die andere verlässt. Sie schreit den mysteriösen Typen mit den eisblauen Augen an, als er sie anrempelt und ihren Kopfhörer zertritt. Misstrauen, Neid, Wut – das sind Emotionen, die in Maes Welt nur die Liar haben, die Menschen, die den Staat und den Frieden bedrohen und dafür gejagt werden.
WeiterlesenDiane Oliver: Nachbarn: Storys
Die amerikanische Autorin Diane Oliver (1943–1966) gewann während ihres Studiums an der University of North Carolina ein Stipendium und wechselte daraufhin zu der University of Iowa. Dort schrieb sie sich in den Schreibkurs ein. Während ihres Studiums veröffentlichte sie die Kurzgeschichte Nachbarn und drei weitere. Ihre schriftstellerische Karriere hätte nun weitergehen können, wenn nicht ein tödlicher Verkehrsunfall kurz vor ihrem dreiundzwanzigsten Geburtstag gewesen wäre. Was danach geschah, spricht für das Talent der jungen Autorin. Posthum erhielt sie den MFA-Abschluss und eine Auszeichnung für ihre literarischen Leistungen.
Der wechselfreudige Literaturmarkt ließ Diane Oliver zurück: Die Gesellschaft veränderte sich. Im Laufe der Jahre entdeckten Verlage und Literaturagenturen für sich immer mehr Autorinnen und später auch schwarze Autorinnen. Nachdem die Britin Elise Dillsworth bei Diane Olivers Schwester und deren Nichte einen Stapel Manuskripte fand, darf sich die Leserschaft auf neue Erstveröffentlichungen freuen. Die Professorin und Autorin Tayari Jones erklärt in ihrem Nachwort, wie Diane Oliver ihr Denken beeinflusst habe und die Autorin aus diesem Grund eine literarische Vorgängerin sei.
WeiterlesenSusanne Goga: Der Teufel vom Tempelhof
Anspruchsvoller und spannender Krimi aus dem Berlin der 20er Jahre
Der neunte Fall für Oberkommissar Leo Wechsler und in meinen Augen einer der besten. Die Mönchengladbacher Autorin erzählt eine hochdramatische, fundiert recherchierte und thematisch herausfordernde Kriminalgeschichte.
Leo Wechsler wird zu einem Toten gerufen, der an einem einsamen Platz am Rand von Berlin gefunden wurde. Es handelt sich um einen Arzt, der in seiner Praxis vor allem Frauen behandelte, wie sich nach und nach herausstellt. Zuerst scheint es kein Motiv zu geben für einen Mord an diesem Mann, die Kriminalpolizei tappt lange im Dunkeln. Einerseits gäbe es viele mögliche Verdächtige, andererseits weisen diese entweder Alibis vor oder haben angeblich keine Beziehung zum Mordopfer.
WeiterlesenAlina Herbing: Tiere, vor denen man Angst haben muss
Ein marodes, abgeschiedenes Haus samt einem verwahrlosten Grundstück im Norden von Mecklenburg. Dazu Kinder, die weitestgehend auf sich allein gestellt sind und eine Mutter, die sich lieber um verlassene Tiere kümmert, anstatt um ihre Familie. Alles andere als eine heimelige Landidylle also und schon gar kein Ort und keine gute Basis für zwei Schwestern im Teenageralter.
Der Umzug in das verwahrloste Bauernhaus entwickelt sich für die Ich-Erzählerin Madeleine und ihre Schwester Ronja zu einer äußerst entbehrungsreichen Lebensstation. Den Mädchen bleibt keine Wahl. Sie müssen sich mit dieser Situation arrangieren, so gut es irgendwie geht. Einzig die Mutter scheint hier richtig angekommen zu sein. Für sie ist das Haus der Ort, an dem sie herrenlosen Tieren Zuflucht gewährt, ein Zuhause gibt. Dass sie dabei ihre eigenen Kinder vernachlässigt, tangiert sie wenig. Ihr Credo scheint zu sein, dass Verzicht üben in jeglicher Hinsicht zum Leben gehört.
WeiterlesenDonal Ryan: Seltsame Blüten
Der irische Schriftsteller Donal Ryan (Jahrgang 1976) hat mit „Seltsame Blüten“ sein fünftes Buch geschrieben. Es ist am 21. Februar 2024 im Diogenes Verlag erschienen. Übersetzt wurde es von Anna-Nina Kroll. Mit seinem letzten Buch „Die Stille des Meeres“ aus dem Jahre 2021 stand Ryan auf der Longlist des Man Booker Prize.
„Seltsame Blüten“ im grünen Irland
In „Seltsame Blüten“ versetzt Donal Ryan die Lesenden ins Irland der 1970er Jahre. Die Familie Gladney, Paddy, Kit und ihre Tochter Mary, leben in einem Cottage einer kleinen Gemeinde im County Tipperary. Paddy arbeitet als Briefträger und kümmert sich als Knecht außerdem um die Ländereien und das Vieh der Familie Jackman, auf deren Land sie wohnen. Kit macht die Buchhaltung für ein paar Kaufleute aus der Gegend. Mary, genannt Moll, ist ein ruhiges und angepasstes Mädchen. Doch mit zwanzig Jahren verschwindet sie plötzlich. Für ihre Eltern bricht die Welt zusammen.
WeiterlesenIngrid Noll: Gruß aus der Küche
Irma Krugel, von den Körpermaßen rund wie eine Kugel, übernimmt in ihrem badischen Heimatdorf das Wirtshaus ihrer Eltern und macht daraus das vegetarische Restaurant „Aubergine“. Sie ist zwar herzensgut, führt aber ein strenges Regiment. Ihr Team besteht zum einen aus dem Kellner Josch, ungefähr acht Jahre jünger als sie, Träger eines „Man-Bun“ und Irmas hin-und-wieder-Lover. Am Herd steht Irma Nicole zur Seite, ihre Freundin aus Schulzeiten. Als Küchenhilfe arbeitet die hippe, freche Lucy in der „Aubergine“. Abgerundet wird die Besatzung von einem „Gemüsemann“.
Dr. Soloth ist Akademiker und schon sehr alt, macht sich aber nützlich, indem er Berge an Gemüse schnippelt. Dafür bekommt er täglich ein Mittagessen. Nicht alle im Team verstehen und vertragen sich. Es gibt Liebschaften, mit denen nicht alle einverstanden sind. Hin und wieder spielt jemand einem anderen aus Rache für einen üblen Scherz einen Streich oder kann kein Geheimnis für sich behalten. So ist immer etwas los rund um die nudeldicke Irma und ihren spannenlangen Kellner. Letztendlich steht sogar eine Hochzeit ins Haus, es gibt einen Toten und es geht um ein beträchtliches Erbe.
WeiterlesenGarth Nix: Die magischen Buchhändler von London 02: Die geheime Karte
Kennen Sie das kleine Örtchen Bath in der Grafschaft Sommerset in Großbritannien? Ein pittoreskes Städtchen, in dem sich – eigentlich – Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Wir haben eine heiße Quelle, alte Statuen und eine Buchhandlung. Spätestens jetzt sollten sie als erfahrener Garth Nix Leser stutzig werden. Buchhandlung und Statuen, abgelegen, nichts los – in der Kombination und dem Wörtchen „eigentlich“ schlägt unser Spürsinn sofort an.
In Buchhandlungen gibt es üblicherweise Buchhändler – und aus dem ersten Band der „magischen Buchhändler von London“ wissen wir, dass diese, gleich ob Rechts- oder Linkshänder, über die magische Sicherheit und die übernatürlichen Wesen wachen.
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