Ihre Entdeckungen zur DNA veränderten die Welt. Den Nobelpreis haben aber drei andere – allesamt Männer – einkassiert. Die Rede ist von der Biochemikerin Rosalind Franklin. Dieser Roman zeigt allzu deutlich, wie die Ideale der Wissenschaft durch Wettkampf, der Gier nach Geld und Ruhm verraten wurden. Wie Franklin systematisch als „alte Jungfer“ oder „hysterisches Weib“ diffamiert wurde, damit sich andere in den 1950er Jahren ihre Errungenschaften unter den Nagel reißen konnten. Und dass Frauen im Bereich der Wissenschaft zu allen Zeiten doppelt so gut sein mussten, um am Ende nicht einmal die Hälfte der Lorbeeren zu erhalten. Der Preis, den Rosalind Franklin für ihre Hingabe zur Forschung zahlte, war hoch. Schön, dass Marie Benedikts neuester Geniestreich über Frauen im Schatten der Weltgeschichte dieses verleumdete Genie wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Für ihre Biografie nutzt sie nicht das Genre des Sachbuchs, sondern das der Belletristik, was Franklins Geschichte auf der menschlichen Ebene umso zugänglicher macht.
WeiterlesenAutor: Leselust Team
Lea Kampe: Beelitz Heilstätten
Erst in den 60-er Jahren wurde ein wirklicher medizinischer Fortschritt erreicht, was die Heilungschancen von Tuberkulose-Erkrankten betrifft. Ein wirksames Antibiotikum, das zuvor 1943 Hoffnungen gemacht hatte, hatte sich nur wenig später als nicht hilfreich erwiesen, da die für die Tuberkulose verantwortlichen Bakterien schnell eine Resistenz entwickelten.
Die Beelitz-Heilstätten, rund 40 Kilometer vor Berlin, waren in dieser Zeit in Deutschland eine der größten und modernsten Anlagen, in der Tuberkulose-Patienten behandelt wurden. Ohne Ansehen der Person wurden die Kranken in diesem Sanatorium nach den damals höchsten Standards und neuesten Erkenntnissen– mit reichhaltiger Ernährung, viel Ruhe und intensiver Pflege – behandelt. Im Nationalsozialismus wurde das mehr und mehr zum Problem. Die neuen Gesetze und Erlasse machten es den Verantwortlichen in Beelitz zunehmend schwer, die Kranken weiter nach ihren Vorstellungen zu behandeln. Schwer Erkrankte, die möglicherweise auch an einer Erbkrankheit litten, was lange Zeit auch für Tuberkulose angenommen wurde, sollten isoliert werden und so die Gefahr einer Ansteckung anderer Personen verringert werden.
WeiterlesenUwe Wittstock: Marseille 1940
Ein Thriller könnte nicht spannender sein.
Diese Geschichte stiller Helden, mutiger Frauen, kluger Männer und eines grausamen Krieges ist so fesselnd, so spannend und gleichzeitig so berührend, dass man sie geradezu verschlingt.
Der Autor Uwe Wittstock, dessen Buch „Februar 1933“ ich bisher noch nicht kenne (was ich aber unbedingt nachholen muss), erzählt hier von den vor dem Naziregime geflüchteten Literaten, Künstlern, Philosophen und ihrer Hoffnung auf Rettung. Ihrer Hoffnung auf Aufnahme in einem anderen Land, einem Land, dass sie nicht, wie das „freie“ Frankreich, an die Deutschen ausliefern würde.
WeiterlesenJim Butcher: Titanenkampf: Harry Dresden 17
Willkommen in der Windy City – Chicago, gemeinhin als Hauptstadt des Jazz bekannt, eine US-Metropole, die einen Wächter hat. Das bin ich – gestatten, Harry Blackstone Copperfield Dresden, Magier, Vater einer bezaubernden Tochter, Ritter des Winters, Hüter von Geheimnissen, Artefakten und Ungeheuern und Mitglied – zumindest noch – des Weißen Rats.
Dumm dabei, dass Chicago, also meine Stadt, gerade von einer Urgewalt heimgesucht wird. Eine waschechte Titanin, die Letzte ihrer Art, bläst zur Vernichtung der Menschheit – und raten sie einmal, wo sie mit ihrem Feldzug beginnen will? Richtig, genau hier, in meiner Stadt.
WeiterlesenPercival Everett: James
Eindringliche Neuinterpretation vs. Missing Link zu authentischen Sprachwelten
Mit Percival Everetts „James“ entsteht eine eindringliche Neuinterpretation von Mark Twains amerikanischem Literaturklassiker „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“. Diese Version erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Jim, einem versklavten afroamerikanischen Charakter, der im Missouri der 1840er Jahre lebt.
Die Figur Jim und die Story fungieren als Symbol für individuelle Freiheit, moralische Integrität und Freundschaft, und stellen die gesellschaftlichen Vorurteile dieser Zeit infrage. Es gibt sogar Momente der Rache und Vergeltung, die an Szenen aus „Django Unchained“ erinnern.
WeiterlesenKosoko Jackson: I´m So (Not) Over You
Kian hat sein Journalismus-Studium abgeschlossen und ist nun auf Jobsuche. Leider gibt es Journalisten wie Sand am Meer und er ist langsam am Verzweifeln. Dann trifft er auf Hudson, gutaussehender Sohn einer wohlhabenden Familie – und sein Exfreund. Und obwohl Hudson Kian das Herz gebrochen hat, lässt er sich auf einen Deal ein: Er soll vortäuschen, dass sie sich noch immer in einer Beziehung befinden, solange Hudsons Eltern in der Stadt sind. Im Gegenzug wird ihm ein Treffen mit dem einflussreichen Chef einer Nachrichtenfirma versprochen. Für seine beruflichen Chancen (und auf keinen Fall, weil er noch Gefühle für den Ex hat) sagt Kian zu. Was kann da schon schiefgehen?
Doch die beiden verstricken sich immer weiter in den Lügen, bis sie sie selbst nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden können.
WeiterlesenSven Petter Naess: Glut
Harinder Singh und seine Kollegin Rachel Hauge von der Kripo Oslo werden nach Elvestad geschickt, um die Ermordung eines jungen, prominenten Mannes aufzuklären. Er muss sich anhören, der Beste für diesen Job zu sein, weil er früher dort gewohnt habe und die Besonderheiten des Ortes kenne. Dies sieht Harinder natürlich anders. Wie kann man Bewohner befragen, die ihn heute vermutlich genauso ablehnen werden, wie sie es früher getan haben?
Die Ermittlungen erweisen sich gerade in diesem Fall als besonders schwierig. Hass und Ignoranz helfen einfach nicht dabei, die Mauer des Schweigens und der Lügen zu durchbrechen. Zeugen flüchten, werden entführt oder ermordet. Doch dann beginnen zwei Frauen, von ihren Erlebnissen zu erzählen und geben der Ermittlung eine neue Richtung.
WeiterlesenBarbara Rieger: Eskalationsstufen
Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Laut der Theorie von Jane Monckton Smith durchläuft eine Beziehung acht Eskalationsstufen, bis ein Mann seine (Ex-) Partnerin tötet. Der Text von Barbara Rieger orientiert sich an diesem Modell. Er beschreibt, wie der Maler Joe Julia anbaggert. Julia kann gut zeichnen, wurde aber an keiner Kunstuni aufgenommen. Sie begegnen einander bei einer Ausstellung. Joe umgarnt Julia so lange, bis sie sich wieder und wieder mit ihm trifft, bis sie mit ihm schläft, bis ihr Freund mitbekommt, was läuft und sie auf die Straße setzt.
Die naheliegendste Lösung für sie ist, bei Joe einzuziehen. Joe, der seine Frau auf dramatische Weise verloren hat, weil sie einfach verschwunden ist. Seither malt er nur tote Frauen. Julia ahnt, dass sie da an einen extrem toxischen Typen geraten ist, kann aber nicht von ihm lassen.
WeiterlesenBrandon Sanderson: Handbuch für den genügsamen Zauberer
Johnny hat sein Leben zu ziemlich, ach, was sage ich, aber auch so richtig in den Sand gesetzt.
Eigentlich wollte er nur, wie üblich, seinem Freund aus Kindheitstagen nacheifern – also hat er sich in der Kunsthochschule eingeschrieben, kurz danach das Studium geschmissen. Dann flugs auf die Polizeiakademie – nach ein paar Monaten war Schluss. Und dann hat er seinem besten, seinem einzigen Freund auch nach das Mädchen ausgespannt – auch diese Beziehung hat er torpediert, seine Freundin verstarb dann auf einem Europa-Trip.
Seitdem arbeitete er zunächst als Kämpfer im Ring – wo er auf Anweisung seines Chefs, eines Unterwelt-Bosses verlor, später als Türsteher für eben jenen Verbrecher.
Daniel Mason: Oben in den Wäldern
Wuchtiger Roman über die Jahrhunderte währende Geschichte eines Hauses
Fragen, die sich sicher jeder schon mal irgendwann gestellt hat, der in ein älteres Haus einzieht: Wer hat vor mir hier gewohnt? Welche Geschichten hätte dieses Haus zu erzählen?
Genau diese Geschichten erzählt der mehrfach ausgezeichnete Daniel Mason in seinem neuen Roman. Wie auch in seinen verdientermaßen hochgelobten vorigen Romanen verwendet er diese wuchtige Sprache, die Bilder erschafft, schärfer als jede Kamera. Und besonders geschickt passt er seine Sprache der jeweiligen Zeit an, in der seine Geschichte gerade spielt.
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