G.D. Adson: Blutrot ist das Schweigen

Es ist einfach, ein korruptes System zu tolerieren, wenn man unbehelligt durch den Alltag kommt. Kleine Fische schwimmen zu ihrem Schutz in Schwärmen, auch wenn Raubfische regelmäßig einen der ihren fressen.

In einem Schwarm, in dem russische Polizisten ihren Dienst verrichten, arbeitet Hauptmann Natalja Iwanowa. In Sankt Petersburg verfolgt sie in einer untergeordneten Abteilung Kapitalverbrechen. Hier ist sie aufgrund ihrer hohen Aufklärungsrate, Ehrlichkeit und Unbestechlichkeit der Vorzeigefisch. Jeder Außenstehende soll an mit Blick auf Natalja an Verhältnisse im Polizeiapparat glauben, die besser sind als ihr Ruf.

Als eine politische Aktivistin im eiskalten Januar neben einem Straßengraben, halb vom Schnee verborgen, zufällig von einem urinierenden Polizisten gefunden wird, hat Natalja die Order, politische Mitstreiter als Hauptverdächtige zu überführen. Wie gewohnt beginnt sie die Ermittlungsarbeit in den Augen ihres Vorgesetzten völlig falsch, also viel zu gründlich. Und wieder deckt sie Ungereimtheiten auf, die in eine andere Richtung zeigen.

Viel zu schnell wird der Fall der nächsten Instanz übergeben, die ihn politisch lösen sollen. Das übliche Procedere vor der Ablage beginnt: In den Zeitungen wird die Ermordete als drogensüchtige Prostituierte beschrieben, die Opfer ihrer Lebensumstände sei. Weiterlesen

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Alexa Hennig von Lange: Die karierten Mädchen

Die karierten Mädchen: Jene fesch im karierten Dirndl auflaufenden jungen Frauen erhalten im Waisenhaus Oranienbaum eine Hauswirtschaftsausbildung, bekochen und beaufsichtigen die kleinen Bewohner. Zwar versucht die junge Lehrerin Klara, ihren Schützlingen Individualität beizubringen, doch steht dies im größtmöglichen Gegensatz zu den Lehren des Nationalsozialismus. Hier soll die Frau dem Führer vor allem reinrassige deutsche Kinder schenken. Und die Dirndl? Nun ja, der Führer liebt Bayern und sein Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden.

Die 93-jährige blinde Klara beginnt, die verdrängten Ereignisse ab 1929 auf Kassetten aufzusprechen. Nicht einmal ihre vier Kinder wissen vom dunklen Fleck ihrer Vergangenheit. Als junge Frau in Oranienbaum ist sie noch voller Träume. Beseelt von dem Gedanken den verwaisten und kranken Kindern eine bessere Zukunft zu bieten. Und den jungen Hauswirtschafterinnen aufzuzeigen, dass es für sie eine selbstbestimmte Zukunft abseits von Hochzeit und Unterwerfung geben kann. Doch ein Ereignis bringt die pflichtbewusste Klara dazu, die Regeln zu brechen. Weiterlesen

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Jamie Oliver: ONE: Geniale One Pot Gerichte

Ob warm oder kalt, süß oder herzhaft – für jeden Geschmack das passende Rezept & zum Schwärmen gut. Seit meiner frühesten Jugend bin ich ein begeistertes Jamie Oliver Fangirl und so durfte sein neuestes Kochbuch nicht fehlen. Denn ich liebe es, neue Dinge auszuprobieren.

„ONE“ ist vollgepackt mit 120 zauberhaft köstlichen Rezepten aus nur acht oder weniger Zutaten. Jedes einzelne Gericht ist mit einem hübschen Foto versehen, puristisch und edel inszeniert und dabei auf das Wesentliche konzentriert. Und eben diese machen wirklich Lust auf das Gericht. Ich will sie alle direkt nachkochen!

In den Kapiteln wie Pfannen-Pasta, Gemüsefreuden, Hähnchenvergnügen, Burger & Toasties sind nicht nur Homeoffice-Mittagessen oder schnelle Abendessen dabei, auch für einen köstlichen Nachtisch hat Jamie gesorgt. Weiterlesen

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James Corey: Leviathan fällt

Die Crew der Rosinante hat schon einiges überstanden. Es begann damit, dass Kapitän Holder und seine Mannschaft den sich anbahnenden Krieg zwischen Gürtlern, dem Mars und der Erde zu verhindern suchten, dann stieß die Menschheit auf das Protomolekül. Seitdem ist nichts mehr, wie es vorher war.

Das Protomolekül eröffnete mit einem Schlag, nun nennen wir es beim Namen, mit dem Torsystem der vor Äonen verschollenen Schöpfer, den Weg in die Galaxis. Plötzlich war sie da, die Chance auf ein neues Glück. Fremde Sonnensysteme, paradiesische Planeten, Bodenschätze zuhauf – allen Versuchen, das Torsystem unter Kontrolle, die Expansion geregelt ablaufen zu lassen, war kein Glück beschieden. Hochkonsul Duarte gründete auf Laconia sein Laconisches Reich. Mit Hilfe der technischen Errungenschaften der Torbauer hat er sich zum körperlich unsterblichen Diktator über die Menschheit aufgeschwungen, selbst die Erde musste vor seiner militärisch-technischen Überlegenheit im wahrsten Sinne des Wortes die Waffen strecken.

James Holden floh später, begleitet von Duartes Tochter von Larconia. Dass der Diktator zeitweilig als geistig umnachtetes Wesen vor sich hinvegetierte, wusste kaum jemand. Dann plötzlich und unerwartet wacht Duarte wieder auf. Weiterlesen

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Alex Capus: Susanna

Es sind mit der Zeit schon einige Romane von Alex Capus, die ich gelesen und sehr gemocht habe. Sie sind meist vielschichtig, ruhig und doch spannend. Oft haben sie auch einen historischen Hintergrund.

Dies gilt auch für seinen neuen Roman „Susanna“, der die Geschichte der Susanna Faesch (1844-1921, Künstlername Caroline Weldon) erzählt, einer in der Schweiz geborenen Malerin, die als Jugendliche mit ihrer Mutter nach Amerika auswandert. Zu einer Zeit voller Umbrüche und Wandlungen. Elektrizität und Dampfkraft nehmen an Bedeutung zu, die Städte verändern sich gravierend und im Westen der USA gibt es immer wieder heftige Kämpfe zwischen den neuen Siedlern und den verschiedenen Indianerstämmen.

Susanna ist schon als kleines Mädchen eigenwillig, beginnt doch der Roman damit, dass sie als Fünfjährige einem Kutscher ein Auge aussticht. Ihre Mutter ist eine sehr stille Frau, die sich streng an Konventionen hält, dann aber doch die Trennung von ihrem viel älteren Mann sucht. Unter Zurücklassung der drei Söhne, nur mit Susanna, reist sie nach Amerika und lebt dann dort zusammen mit einem anderen Mann, den sie erst durch ihren Ehemann kennenlernte. Weiterlesen

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Amélie Nothomb: Ambivalenz

Dominique lernt Claude auf der Terrasse ihres Lieblingscafés kennen. Er spricht sie an und lädt sie auf eine Flasche Champagner ein. Sie ist verunsichert und misstrauisch, als er ihr versichert, sie sei die Frau, nach der er schon immer gesucht habe. Ihr Misstrauen bleibt, ihre Eltern hingegen sind verzückt über den charmanten jungen Mann mit besten Manieren, der sich zudem als erfolgreicher Firmengründer vorstellt. Schließlich willigt sie gegen ihr Bauchgefühl in die Verbindung ein.

Das junge Paar zieht nach Paris. Dort entwickeln sich Claude Geschäfte prächtig und doch will sich das Eheglück nicht so recht einstellen. Claude erweist sich als launisch und unberechenbar. Nach der Geburt des ersehnten Kindes bleibt sein Verhalten rätselhaft.

Am Ende schließt sich der Bogen in mehrfach überraschender Weise, aber das wird hier nicht verraten. Weiterlesen

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Tove Alsterdal: Sturmrot

Eira Sjödins Karriere bei der Polizei hätte in Stockholm weiter gehen können. Doch sie wird zuhause in Kramfors gebraucht. Ihre Mutter ist an Demenz erkrankt und wird auf Dauer Hilfe brauchen, die ihr älterer Bruder Magnus nicht leisten kann. Sie beginnt den erhofften ruhigen Job auf dem Land, wo quasi jeder jeden kennt.

Zur gleichen Zeit kehrt Olof heim. Dreiundzwanzig Jahre war er weggeschlossen und als er nach seiner Freilassung seinen Vater Sven besuchen will, findet er ihn ermordet vor. Natürlich geschieht alles Weitere so, wie er es schon als Vierzehnjähriger erlebt hat. Olof steht im Zentrum einer arbeitsintensiven Ermittlung, bei der Eira und ihre Kollegen auf weitere Verbrechen stoßen.

Anfangs glaubt Eira, Olofs Rückkehr und der Mord an seinen Vater könnten miteinander zusammenhängen. Ständig denkt sie an die verschwundene Lina, die Olof als Jugendlicher im Wald umgebracht haben soll. Damals war sie noch ein Kind, das nur beiläufig die eine oder andere Information aufgeschnappt hat. Auch im aktuellen Fall will nichts zusammenpassen, dafür haben die Dorfbewohner und Hater im Internet bereits eine unumstößliche, folgenschwere Meinung. Weiterlesen

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Romy Fölck: Die Rückkehr der Kraniche

Grete Hansen lebt mit ihrer betagten Mutter Wilhelmine auf einem aufgelassenen Bauernhof in der Elbmarsch. Sie ist in ihrem ganzen bisherigen Leben nicht von dort weggekommen. Erst musste sie als Alleinerziehende für ihr Tochter Anne da sein, dann die schwächer werdende Mutter unterstützen. Ihr Vater ist ertrunken, als sie vier Jahre alt war. Ihren Unterhalt verdient Grete als Angestellte des Naturschutzbundes. Unter allen Vögeln, die sie beobachtet und betreut, haben es ihr besonders Kraniche angetan.

Als Wilhelmine eine Herzmuskelentzündung bekommt und es gesundheitlich nicht gut um sie steht, kehren auch Gretes Tochter Anne und ihre Schwester Freya auf den Hof zurück. Die Mutter will nicht im Krankenhaus bleiben. Die vier Hansen-Frauen sehen sich nun unter einem Dach mit der sterbenden Wilhelmine und der Bewältigung ihrer eigenen Probleme konfrontiert, denn jede von ihnen hat ein Geheimnis. Es gibt einiges aufzuarbeiten. Alle vier holt die Vergangenheit ein. Sie müssen versuchen, einander gegenüberzutreten, Geständnisse abzulegen, Verkrustungen aufzubrechen, Wege zueinander zu finden. Weiterlesen

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Rory Power: Wilder Girls

Seit fast zwei Jahren steht das Mädcheninternat von Raxter unter Quarantäne. Die Schülerinnen dürfen das Gelände nicht verlassen und haben keinen Kontakt zu ihren Eltern oder der Außenwelt in irgendeiner Form. Dass das Internat auf einer kleinen Insel liegt, unterstützt die Hoffnungslosigkeit und wie vom Rest der Welt vergessen, müssen sie um ihr Leben kämpfen: Eine unbekannte Seuche hat sie alle befallen und tötet in regelmäßigen Krankheitsschüben Lehrerinnen wie Schülerinnen. Versorgt werden sie von der Marine, die Essen in Paketen liefert – ans andere Ende der Insel und ohne Kontakt aufzunehmen – dieses ist aber stets verdorben und nie genug für alle. Nur das Versprechen, an einem Heilmittel zu forschen, erhält die Mädchen auf Raxter am Leben.

Unter ihnen sind Hetty und Byatt, zwei beste Freundinnen und Reese, die dritte in der Gruppe, in die Hetty heimlich verliebt ist, die aber immer kalt und distanziert bleibt. Doch als Byatt nach einem Anfall aus der Krankenstation verschwindet, müssen Hetty und Reese zusammenarbeiten, um herauszufinden, was mit ihrer Freundin geschehen ist. Wie konnte sie aus dem Schulgebäude fortgeschafft werden? Warum? Und mit wem hat Hetty die letzte verbleibende Lehrerin über Funk sprechen hören, obwohl alle Verbindungen gekappt wurden? Die Suche nach Byatt hilft Hetty und Reese eine grausame Wahrheit zu begreifen. Weiterlesen

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Simeon Wade: Foucault in Kalifornien

Der Himmel ist explodiert, und die Sterne regnen auf mich herab. Ich weiß, dass das nicht wahr ist, aber es ist die Wahrheit.“ (S. 86)

Fanboys überreden einen weltberühmten Philosophen, in der Wüste zu trippen? „Foucault in Kalifornien“ beschreibt den Besuch des französischen Star-Philosophen Michel Foucault bei dem jungen Dozenten Simeon Wade in Kalifornien im Frühsommer 1975, der in einem LSD-Trip auf den vielfarbigen Hängen der Artist’s Palette im Death Valley gipfelt – unterlegt mit den Klängen von Bach und Stockhausen.

Vor uns am Horizont schrammte die Sonne am Gipfel des Telescope Peak entlang und blutete in das 3.500 Meter darunterliegende Tal.“ (S. 78)

Ich habe es genossen, dieses 174-seitige Buch zu lesen, doch irgendwie hatte ich mehr erwartet. Vermisst habe ich tiefgreifende philosophisch-geisteswissenschaftliche Gedankengänge gemixt mit Fear and Loathing in Las Vegas-Vibes. Vor allem aber hat mir die Trip-Beschreibung gefehlt, die Empfindungen und Eindrücke Foucaults auf seiner Visionssuche.

Beim Lesen hatte ich das Gefühl, als wäre die Geschichte eine Konstruktion, nicht etwas, das tatsächlich so passiert ist. Weiterlesen

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