Ramón José Sender: Requiem für einen spanischen Landmann (1953)

Paco el del Molino, der politische Widerstandskämpfer, ist tot. Seine Gegner haben ihn ordnungsgemäß erschossen. Nun gibt es keinen Aufruhr mehr. Die Bewohner eines aragonesischen Dorfes könnten ihre Alltagsgeschäfte aufnehmen, wenn sie noch vollzählig wären. Aber sie sind es nicht. Pater Mosén Millán will für Paco, seinen Sohn im geistigen Sinne, eine Totenmesse lesen und wartet auf die Trauernden. Und während er wartet, denkt er über Pacos kurzes Leben nach. Allmählich beginnt er die Ereignisse in einem neuen Licht zu sehen.

Der Autor und Journalist Ramón José Sender (1901 – 1982) beschreibt in seiner Erzählung Requiem für einen Landmann ein politisches Lehrstück, das von Unterdrückung und Befreiungskämpfen handelt. Ursprünglich sollte 1952 die in Mexiko verfasste Geschichte in einer Anthologie veröffentlicht werden. Weil dies scheiterte, erschien sie im Folgejahr in seinem Exil als eigenständiges Buch. Insgesamt verbrachte Ramón José Sender mehr als die Hälfte seines Lebens im Exil, zuletzt in Kalifornien. 1974, ein Jahr nach Francos Tod, wurde seine Erzählung in Spanien veröffentlicht und zu seinem erfolgreichsten Buch Weiterlesen

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Friedrich Glauser: Gourrama (1937)

Für seinen 1937 erschienenen Roman Gourrama verließ Friedrich Glauser sein bevorzugtes Genre, den Kriminalroman. Statt Wachtmeister Studer steht der am Herzen erkrankte Korporal Lös im Fokus. Er muss weder in Marokkos Hitze marschieren noch kämpfen. Sein Job ist viel schwieriger und gefährlicher, denn er verwaltet Lebensmittel, Schnaps, Zigaretten, Seife und Kaffee. Natürlich werden dadurch bei den anderen Begehrlichkeiten geweckt. Ein Vorgesetzter fordert für den eigenen Vorteil regelmäßig krumme Geschäfte ein. Andere verlangen von Lös für den Erhalt ihrer Freundschaft Spenden. Auch die ortsansässigen Händler wollen gute Geschäfte machen. Alles zusammen zerstört seine ordentliche Verwaltung. Im Wirrwarr des Nehmens und Gebens scheint Korporal Lös mehr Macht auszuüben als der Capitaine des Postens. Nach einem Kampf seiner Kameraden gegen bewaffnete Räuber bekommen Neid und Langeweile eine Eigendynamik, die für kurze Zeit alle Regeln außer Kraft setzen.

Am Beispiel des Postens in Gourrama wird anschaulich gezeigt, wie wenig das Leben eines Söldners wert ist. Irrsinn und Widersprüchliches gehen Hand in Hand, besonders dann, wenn einer vorzeitig die Freiheit herbeisehnt. Weiterlesen

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William Finnegan: Barbarentage

„… – wenn man … von einer riesigen Welle erwischt wird …, dann nützen einem alle Fähigkeiten … gar nichts mehr … Das Einzige, was man … idealerweise noch in den Griff bekommt, ist die Panik.“ (S. 438, 439)

William Finnegan, geboren 1952 in New York, Autor, Journalist und Kriegsreporter lernte im Alter von elf Jahren surfen. Was ihn ins Wasser zu den Wellen trieb, war viel mehr als der Spaß an einem Wassersport. Es war die dem Surfen innewohnende Lebensphilosophie, die den Surfer mit der Welle in sehr intensiven Momenten verbindet: zum Beispiel wenn das Licht sich in den aufgetürmten Wellen bricht, das Wechselspiel der Farben im Wasser oder wenn Strömung und Entladung der Brandung eigenen Gesetzen folgen. In diesen besonderen ekstatischen Momenten wird der Ritt auf der Welle zu einer Art Zwiesprache mit ihr, die den Surfer traumähnlich in die Höhe hebt und weiter katapultiert.

Die Liebe zum Wasser und dem Surfen begann bei William Finnegan an der Küste Kaliforniens. Als sein Vater drei Jahre später beruflich nach Hawaii zog, nahm er die gesamte Familie mit. Und wieder lebten sie am Wasser in der Nähe von Wellen, auch wenn es die für Surfer weniger interessante Inselseite war. Als seine Familie ein paar Jahr später wieder zurück in die Heimat zog, hatte der sechzehnjährige William nur eines im Kopf: Die perfekte Welle reiten. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Das Leben und Sterben

In Harry Binghams zweiten Kriminalroman werden Fiona und ihr Kollege zu einer angeblich illegalen Müllbeseitigung gerufen. Möbelpacker schicken sie in die Garage zu einer alten Gefriertruhe, in der unter anderem das beschuhte Bein einer Frau liegt. Für die Waliser Polizei beginnt mit diesem Fundstück eine extrem aufwändige Ermittlungsarbeit, die täglich nur Fragen aber keine Antworten bringt. Auch die Suchaktion nach dem restlichen Körper in der Umgebung sorgt für mehr Verwirrung, denn schon bald werden weitere Leichenteile, auch die eines vor kurzem ermordeten Mannes, entdeckt. Stetig und mit jedem neuen Fundort vergrößert sich die Zahl der Verdächtigen auf fast dreihundert Personen, ohne dass eine konkrete Spur für Klärung sorgt.

Unter der allseits gefürchteten Leitung von DI Watkins macht Fiona das, was sie am besten kann. Sie ordnet sich scheinbar unter und ermittelt privat in andere Richtungen. Fionas Alleingänge fallen trotzdem auf. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Den Toten verpflichtet

Es gibt genug Gründe, Fiona den Polizeidienst zu verweigern. Zum einen verdient ihr Vater, ein polizeibekannter ‚Verbrecher‘ ohne Verurteilung, sein Geld mit Stripteaselokalen. Darüber hinaus hält Fiona ihre psychische Erkrankung geheim, die sie unter der Maske der verschrobenen Einzelgängerin mit Verstand verbirgt. Jeden Tag könnte dieses Geheimnis entdeckt werden.

Seit vier Jahren arbeitet DC Fiona Griffith bei der Polizei in Wales, als sie in die Ermittlung eines Doppelmordes eingebunden wird. Der Anblick der toten Mutter und Tochter in dem verwahrlosten Haus lässt sie nicht los. Vor allem die ungewöhnlich brutale Ermordung des sechsjährigen Mädchens treibt Fiona zu unzähligen Überstunden. Statt sich nur auf den einen Ermittlungsauftrag zu konzentrieren, betreibt sie noch eigene Recherchen, die mehr in Gang setzen, als sie ahnen kann. Und dann werden noch mehr Menschen ermordet. Tote schweigen bekanntlich für immer. Weiterlesen

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Susanne Gärtner: Borreliose – Die verschwiegene Volkskrankheit

Vereinfacht ausgedrückt, ist Borreliose eine durch Borrelia verursachte Infektionserkrankung, bei der es weder eine eindeutige Diagnose noch ein eindeutiges Erkrankungsbild gibt. Darin liegt die Tücke. Wer kann sich noch erinnern, wann und wo eine Zecke, eine Mücke oder eine Bremse gebissen oder gestochen hat? Möglicherweise hat dabei das Insekt auch andere Krankheitserreger weitergereicht. Wer eine Wanderröte auf der Haut bemerkt, kann sofort bei einem Arzt eine Behandlung mit Antibiotika beginnen. Wer diesen ersten Schritt versäumt, kann irgendwann chronisch erkranken. Viele Menschen haben Bakterien aus der Familie der Borrelia im Blut. Manche wissen es, manche nicht. Wer eines Tages unter einer chronischen Erkrankung leiden wird, läuft Gefahr, dass der Arzt an der wahren Ursache vorbei seine Diagnose und Behandlung beginnt.

Die Autorin und Heilpraktikerin Susanne Gärtner hat am eigenen Leib erfahren, wie lang- und schwerwiegend eine chronische Erkrankung sein kann. Erst als ein Arzt ihr mitteilte, sie müsse sich endgültig mit einem Rollstuhl abfinden, begehrte sie auf. Sie trug Informationen über Borreliose zusammen und probierte die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden aus. Der Erfolg nach fünfzehn Jahren hat ihr ein neues, gesundes, selbstbestimmtes Leben geschenkt. Weiterlesen

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Lone Theils: Das Meer löscht alle Spuren

Normalerweise arbeitet die Journalistin Nora Sand nicht für die Sparte Kultur. Trotzdem soll sie den iranischen Dichter Manash Ishmail interviewen. Dieser wurde auf sie aufmerksam, als er in einem dänischen Auffanglager zufällig erfährt, Nora Sand sei London-Korrespondentin für ein dänisches Magazin. Weil Manash seit seiner Ankunft in Dänemark mit Interviewanfragen überschüttet wird, trifft er mit Nora und ihrem Chef eine Vereinbarung. Für ein Exklusivinterview soll Nora in London die verschollene Ehefrau des Dichters suchen. Erste Spuren weisen auf ein privat geführtes Auffanglager für Asylanten hin, das wie ein Hochsicherheitstrakt kaum zugänglich ist. Und je tiefer Nora gräbt, um so häufiger tauchen Indizien auf, die aus der banalen Geschichte einer Verschwundenen eine brisante Story über eine kriminell agierende Organisation machen. Bei ihren Recherchen kommt Nora den Hintermännern so nahe, dass es nicht nur für sie persönlich gefährlich wird. Weiterlesen

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Hala Kodmani: »Sie können mir den Kopf abschlagen, aber nicht meine Würde nehmen«

„… 1. Juni 2015

Baghdadi hat für die Provinz Rakka die allgemeine Mobilmachung ausgerufen. Also, meine Herren Daeschler, ich werde für euch beten! Aber nur, wenn ihr auch brav als Märtyrer sterbt und kein Einziger von euch übrig bleibt!“ (S. 129)

Zwischen August und Oktober 2015 wurde Ruqia von der IS hingerichtet. Weil sie insbesondere über die Unterdrückung und den Terror in Rakka bzw. Syrien auf Facebook berichtet hatte, wurde sie „Journalistin“ genannt und als gefährlich eingestuft. Denn ihre Berichte standen im Widerspruch zu den offiziellen Bekanntmachungen.

Hala Kodmani ist eine syrische-französische Journalistin, die im Rahmen ihrer Recherchen 2016 auf „Nissan Ibrahim“ aufmerksam wurde. Nissans umfangreiche Chronik beeindruckte sie so sehr, dass sie sich auf eine Spurensuche begab. Wer verbarg sich hinter dem Pseudonym Nissan, wie lebte und starb sie? Weiterlesen

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Raja Alem: Sarab

Es gibt viele Geschichten, die von einem Rollenwechsel berichten: Frauen, die sich als Männer verkleiden, Männer als Frauen. Bei dem Beduinenmädchen Sarab beginnt der Rollenwechsel bereits bei der Geburt. Denn ihre Mutter behauptet, sie habe einen zweiten Sohn geboren. Kurz darauf stirbt ihr Mann, ein alter Scheich, und sie muss mit ihren zwei Söhnen ohne männlichen Schutz überleben.

»… Sie verbrachten ihre Kindheit in einem eingebildeten Kriegslager, in dem die Mutter sie zu Kämpfern gegen den Satan ausbildete. Ihr Glaubenskrieg wurde für den Stamm zu einer Quelle der Offenbarung. (S. 144)

Als ihre Mutter stirbt, folgt ihr Bruder Saifallah dem Ruf des Predigers Mudschan nach Medina. Und Sarab folgt ihm wie gewohnt als sein Schatten in Männerkleidern. Während Saifallah von Mudschan begeistert ist, fühlt sich Sarab von Mudschans Schwager, dem auserkorenen Mahdi, angezogen. Die Geschwister befolgen nicht nur die neuen Doktrin, sie ziehen mit Mudschan und dem Mahdi in den Krieg nach Mekka, um die große Moschee in ihre Gewalt zu bringen. Danach seien sie alle erlöst, behauptet Mudschan. Weiterlesen

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Karola Briese: Dragonerkind

1758 ist das Ende des Siebenjährigen Krieges noch nicht absehbar. Jeans Vater wird wieder gezwungen, erhöhte Steuern zu zahlen. Diese Geldforderung bedeutet für seine Familie mehr als nur Hungern und Frieren. Nachdem Jeans Lieblingsschwester einem fremden Haushalt übergeben wird, eine jüngere Schwester an Hunger und Kälte stirbt, muss nun auch er bei Fremden sein Brot verdienen. Das Schicksal führt den Zwölfjährigen zu dem jungen Dragoner Philippe de Belsace. Dieser kuriert gerade seine Verwundung aus dem letzten Kriegsgemetzel aus und braucht für seinen temperamentvollen Hengst einen neuen Burschen. Jean als erfahrener Bauernjunge kann sich schnell mit dem außergewöhnlich großen Fuchs des Herrn Leutnant anfreunden. Auch sonst geht es in Jeans Leben aufwärts. Er bekommt genug zu essen, warme Kleidung und lernt unter anderem Lesen und Schreiben. Während zwischen ihm und seinem Herrn eine Freundschaft entsteht, müssen sich beide tödlichen Gefahren und politischen Ränkespielen stellen. Weiterlesen

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