Daniel Fuhrhop: Einfach anders wohnen

Ein Grundgesetz für bezahlbaren Wohnraum gibt es nicht. Und täglich kaufen Investoren weitere Quadratmeter. Wer sein Studium finanziell alleine stemmt, von einer kleinen Rente lebt oder als Normalverdiener keine bezahlbare Wohnung mehr findet, darf in diesem klugen Ratgeber die Ideen von 66 Raumwundern aufgreifen.

Eines wird beim inspirierenden Schmökern mehr als deutlich: Das klassische Wohnen war gestern. Heute braucht man Kreativität, um die vorhandenen Ressourcen erstens zu erkennen und zweitens zu nutzen.

Entrümpeln und sich auf das Wesentliche konzentrieren dürfte die leichteste Übung sein. Die inzwischen bekannten und geschätzten Tiny Houses bringen die Konzentration im Leben quasi auf den Punkt, während intelligente Möbelarchitektur im beengten Wohnraum mehr Möglichkeiten eröffnet. Aber die eigene Wohnung mit anderen zu teilen, bedeutet ein gravierendes Umdenken, bei dem für jede Form von Egoismus kein Raum bleibt. Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark, zeichnet der Autor Daniel Fuhrhop unterschiedliche Lebensmodelle auf. Ob Arbeiten für Wohnen, der gemeinsame Erwerb von leerstehenden Häusern, klassische Wohngemeinschaften, für jeden Bereich gibt es Wege herauszufinden, wer passt zu wem. Im Zeitalter der Digitalisierung lassen sich Fragekataloge leicht entwerfen und auswerten. Inzwischen entwickeln sich daraus immer mehr Geschäftsmodelle, deren Eigendynamik gerade erst begonnen hat. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

James Baldwin: Von dieser Welt (1953)

John hat Geburtstag. Er wird vierzehn, und keiner aus der Familie nimmt beim Frühstück seinen Geburtstag zur Kenntnis. Dieser Tag scheint genauso traurig und öde zu verlaufen wie jeder andere auch. Als Ältester hat er seinen Geschwistern gegenüber Verpflichtungen. John, der Vernünftige, der Ruhige, wird gleichzeitig mit Verboten überhäuft.

Am Morgen seines Geburtstages fragt er seine Mutter, ob der Vater ein guter Mensch sei. Wer seine Kinder liebt, der schlägt sie, erfährt er. Doch am Gesicht seiner Mutter erkennt John, dass sie diese Meinung nicht teilt, denn auch sie wird geschlagen und schlecht behandelt. Kurz darauf verspricht sein Tag doch noch richtig gut zu werden. Seine Mutter schenkt ihm ein paar Münzen und freie Zeit, die ihm ein ungestörtes Nachdenken erlauben. Was soll er mit seinem Leben anfangen? Gibt er dem drängenden Wunsch seines Vaters nach und wird ebenfalls Prediger?

James Baldwin, 1924 in New York geboren, war der erste schwarze Künstler auf dem Cover des Time Magazins. Viele Preise und Auszeichnungen zieren seine Werke. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Castle Freeman: Männer mit Erfahrung

Lilian wird vom Sheriff zu den Männern mit Erfahrung geschickt. Sie können ihr helfen, sagt er. Seit einigen Tagen wird sie von Blackway, dem brutalsten Gangster der Gegend, bedroht. Ihr Exfreund Kevin ist bereits vor ihm geflohen.

Jeder rät ihr, es ihm nachzumachen. Doch Lilian will nicht weg. Schließlich hat sie nichts Böses getan. Wenn jemand gehen soll, dann müsse es Blackway sein, findet sie.

Der alte, hinkende Les und der junge Hüne Nate werden ihr zur Seite gestellt. Anfangs denkt Lilian, es ginge nur darum, Blackway zu finden, um mit ihm ein deutliches Wort zu reden. Dann entwickelt sich die Suche alles andere als harmlos.

Der Autor Castle Freeman, geboren 1944 in Texas, folgt in seinem Roman Männer mit Erfahrung (»Go With Me«) seinem Leitthema, in dem er einen Tag in einem kleinen ländlichen Ort in Vermont beschreibt. Die überschaubare Einwohnerzahl erlaubt keine Geheimnisse. Jeder kennt jeden. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michel Faber: Das Buch der seltsamen neuen Dinge

Peter und Bea lieben sich. In London haben sie geheiratet und ihr gemeinsames Leben aufgebaut. Beide engagieren sich für ein besseres Leben. Sie arbeitet als Krankenschwester, und er leitet als Pfarrer eine christliche Gemeinde. Als Peter ein besonderes Arbeitsangebot vom Konzern USIC erhält, klingt dies nicht nur wegen der gigantischen Höhe seines Honorars nach einer verlockenden Chance. Er soll laut USIC auf einem schon von wenigen Menschen bewohnten Planeten die dortigen Ureinwohner missionieren. Das zeitlich begrenzte Projekt ist für Peter wie ein einmaliges Geschenk, das er einfach annehmen muss, auch wenn er dafür Bea in London zurücklassen muss. Peter fliegt zu diesem fernen Planeten. Kaum angekommen stellt er zu seiner Verwunderung fest, dass dort schon jemand Vorarbeit geleistet hat.

Vielleicht wird er aus diesem Grund wie ein Star aufgenommen. Seine Arbeit in der kargen Umgebung läuft ungewöhnlich gut, zu gut, um wahr zu sein. Während dessen läuft Beas Leben in die entgegengesetzte Richtung. Lebensmittelknappheit, Straßenrevolten, Umweltkatastrophen. Das Chaos auf der Erde scheint immer schlimmer und schlimmer zu werden. Peters und Beas Fernbeziehung wird auf eine harte Probe gestellt. Nur über Nachrichten können sie sich austauschen. Schnell gibt es Missverständnisse, Aussöhnungen und erste Entfremdungen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Bianca Bellová: Am See

Das Fischerdorf Boros liegt an einem großen See, der systematisch vergiftet und ausgebeutet wird. Die Menschen in Boros glauben an den Seegeist, der einmal erzürnt, durch ein Menschenopfer besänftigt werden kann. Auch Nami glaubt an ihn und dass die Erzürnung des Seegeistes mit seinem Schicksal verknüpft ist. Schon vor seiner Geburt liegt ein Zorn auf seinem Leben, in dem alles zerrinnt, was gut war: Mutter verschollen, Vater unbekannt, Großeltern früh verstorben. Misshandelt und beschimpft flieht Nami in die fremde Hauptstadt. Dort soll es für ihn eine Zukunft geben. Doch aus irgendeinem Grund scheint ihn die Rache des Seegeistes zu verfolgen.

Die Prager Autorin Bianca Bellová darf man als vielseitige Künstlerin sehen, die den Gebrauch der Sprache in- und auswendig beherrscht. Sie schreibt neben Novellen auch Romane und Übersetzungen. Darüber hinaus arbeitet sie als Dolmetscherin.

In ihrem Roman »Am See« thematisiert sie die Haltbarkeit von Unschuld und Reinheit in Gestalt des Jungen Nami, der unter widrigen Bedingungen erwachsen wird. Nami, lernt laufen, zuhören, schwimmen und geht zur Schule. Völlig unvorbereitet steht er vor seinen Gegenspielern: der grausamen Seite des Aberglaubens und der Willkürherrschaft der Russen. Lakonisch und bildhaft zugleich beschreibt Bianca Bellová die menschenverachtenden Lebensbedingungen und ihre Opfer in der von Männern dominierten Welt, zu denen nun auch Nami als Arbeitssuchender gehört. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Daša Drndic: Belladonna

Ein Mensch kann vieles sein und entsprechend viele Rollen in seinem Leben innehaben. Andreas Ban ist einer von ihnen: Psychologe, Schriftsteller, Dozent, ehemaliger Wehrdienstleister und Fahnenflüchtiger, Witwer, Vater und zum Schluss reduziert auf Alter, Krankheit und Armut. Auf diese Weise zurechtgestutzt blickt er auf sein Leben zurück, das andere Geschichten und Schicksale anzog wie ein Magnet.

»… die Geschichten sprangen aus dem Nichts, sprangen ihn an und kullerten ihm nach, krallten sich an ihm fest, … Hier in dieser kleinen Stadt, direkt unter seiner Nase, schlummerten die gleichen Geschichten, verstreut auf den Friedhöfen, haften an den Namen, eingeprägt in Fotografien, man hat sie rumliegen lassen wie billige Ware, … (S. 344, 345)

Was soll Andreas mit seinem großen Wissen anfangen? Was ist es wert, wenn Worte nichts mehr zählen? Stückweise verabschiedet er seinen Besitz, solange seine Augen noch funktionieren. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Susanne Fischer: Wolkenkönigin

Für Corinna ist nach dem Umzug vor dem Umzug mit dem üblichen Ablauf: neue Schule, neue Klassenkameraden und der erste Platz bei den Außenseitern. Häufig wird ihr Name für Hänseleien genutzt. Mit den Worten »Iih, Corry zieht ins Kanakennest!« (S. 13) wird sie verabschiedet. Aus diesem Grund will sie die immer gleichen Abläufe ändern. Bei ihrer Anmeldung in der neuen Schule behauptet sie einfach, ihr Name sei Corinna Marie und Marie der Rufname. In ihrer neuen Klasse gibt es nur noch einen freien Stuhl. Wie es der Zufall so will, saß dort vor kurzem noch eine andere Marie, die Pechmarie. Pechmarie musste die Schule verlassen.

Schnell findet Corinna Marie Anschluss. Auch zu Marc, der eine Etage unter ihr wohnt und sie zu seinem Lieblingsplatz führt.

»… Schon merkwürdig, dass du mir das erzählst, wir kennen uns doch gar nicht.« … Marc lächelt schief. »Du heißt Inna, dein Vater ist mit einer Tussi weg, du gehst auf die Schwitze, vorher warst du in Neuenmarken. Dein Bruder ist ein Spasti, deine Mutter harzt. Ich bin Mark, … , meine Mutter jobt beim Billig, keine Geschwister. Vater weg. Mutter hat gerade einen neuen Typen. Kennen wir uns?« (S. 28/29) Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Claudia Rikl: Das Ende des Schweigens

Das Ende des Schweigens besiegelt der Mörder, in dem er dem Opfer die Zunge herausschneidet. Kommissar Herzberg findet schnell heraus, dass der Tote zu Lebzeiten ein unangenehmer Zeitgenosse war. Der Ex-Major zählte zu den Hardlinern im DDR-Regime und agierte seinen Soldaten gegenüber ebenso rücksichtslos wie in seiner Familie. Je tiefer Herzberg in die Geschehnisse vor der Wende eintaucht, um so mehr leidet er an den eigenen Erinnerungen, die er bisher erfolgreich verdrängt hat. Damals wurde er wie alle jungen Männer zu einem harten Wehrdienst gezwungen, der den Willen der angehenden Soldaten brechen sollte. Herzberg selbst ging danach in den Widerstand und wurde wegen der Lektüre eines verbotenen Buches inhaftiert. Weit über Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall findet er noch immer Zeitgenossen, die der DDR und der guten, alten Armeezeit hinterher trauern. Gleichzeitig gehen sie über ihre eigenen Taten schweigend hinweg. Einer dieser Männer ist sogar Herzbergs unsympathischer Kollege Sven Färber. Sehr schnell macht dieser sich verdächtig, weil er immer neue Lügen erzählt. Während ihrer Ermittlungen finden Herzberg und sein Team auch überraschend viel über Svens Vergangenheit und dessen Verbindung zu dem Opfer heraus. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alex Wheatle: Liccle Bit

Bits Chance, abzurutschen, sieht gar nicht mal so schlecht aus. Trotz seines Zeichentalents und den guten Freunden. Denn sein Vater lebt bei der neuen Familie und hat für ihn seit Jahren keine Zeit mehr. Seine Mutter ebenso. Ständig muss sie für kleines Geld Doppelschichten arbeiten. Auch Elaine, seine große Schwester, die früher immer für Bit da war, weiß gerade nicht, wie es mit ihr weiter gehen soll. Vor etwa zwei Jahren hat sie sich von Manjaro, dem Chef der Gang in South Crongton schwängern lassen. Wie soll sie allein ein Studium organisieren, wenn ihr kleiner Sohn Jerome keine Betreuung hat? In Bits Ohren scheint die häusliche Stimmung nur noch aus Schimpfen und Schreien zu bestehen.

Zur gleichen Zeit ködert Manjaro Bit mit Geld und kleinen Aufträgen. Einer besteht aus dem Transport eines Päckchens. Kurz darauf wird ein Mitglied der North Crongton Gang erschossen. Bits bester Freund McKay sieht zwischen dem Päckchen und dem Toten einen Zusammenhang. Und dann stirbt wieder ein Junge, dieses Mal aus Manjaros Gang. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Garry Disher: Leiser Tod

Wer nicht gefunden werden will, muss ständig in Bewegung bleiben. Grace, alias Anita, alias Susan fürchtet sich vor dem kriminellen Expolizisten Galt. Vor ein paar Jahren zwang er sie, für ihn einzubrechen. Er lieferte ihr die nötigen Informationen, sie ihm im Gegenzug große Werte. Seit der glücklichen Wendung von Galts Verhaftung gehen sie getrennte Wege. Sie rannte mit einer großen Beute davon, er später mit einer Mordswut hinterher.

»… Rechne immer mit dem Schlimmsten«, hatte Galt ihr eingebläut, »dann erlebst du auch keine Überraschungen.« (S. 7)

Nach diesem Motto lebt Grace, die Einbruchkönigin, im Verborgenen. Keiner ist so erfolgreich wie sie. Und noch nie hat sie dort gearbeitet, wo sie lebt. Doch eines Tages macht sei eine Ausnahme. Die verschollene Ikone ihrer Familie findet sie bei einem reichen Gaunerpaar, das zufällig für eine Woche nach Sydney verreisen will. Nach einem fast missglückten Einbruch vermehren sich ihre Risken. Noch mehr Feinde und Kriminalkommissar Hal Challis folgen ihrer Spur. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: