Agatha Christie: N oder M? Ein Fall für Tommy und Tuppence (1941)

Das Ehepaar Tommy und Tuppence Beresford war im Ersten Weltkrieg ein erfolgreiches Spionageteam. 1941 gehören sie zu den Alten, die keiner mehr braucht. Und während sie versuchen, sich mit dem Stillstand abzufinden, bekommt Tommy einen geheimen Auftrag. In Leahampton, einem verträumten Ort an der Südküste von England, wird die Pension Sans Souci verdächtigt, Anlaufstelle von englischen Verrätern zu sein. Ein Agent starb bereits bei der Suche nach den zwei übergelaufenen Agenten N und M. Und bis sein Ersatzmann erscheint, soll Tommy in der Rolle eines harmlosen Witwers das Feld nach möglichen Verdächtigen sondieren. Womit jedoch keiner gerechnet hat, ist Tuppence Raffinesse. Drei Tage vor Tommy taucht sie in der Pension Sans Souci auf.

Viele scheinbar harmlose Gäste logieren einträchtig nebeneinander, bis die Gefahr eines Angriffs der Deutschen auf London vorbei ist. Plötzlich wird die kleine Tochter eines Gastes entführt. Der Schock und die Überraschung führen dazu, dass die harmlosen Gäste nicht mehr ganz so harmlos aussehen wie vorher. Weiterlesen

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James Runcie: Die Vergebung der Sünden

Sidney Chambers ist viel mehr als nur ein engagierter Pfarrer in England. Sein Ruf, Verbrechen aufzuklären, eilt ihm voraus. Immer wieder wird er gebeten, einem Verdacht nachzugehen oder sogar einen Mordfall aufzuklären. Weil bei ihm selbst Verbrecher redselig werden, beeindruckt der Pfarrer jeden mit seiner hohen Aufklärungsrate. Nur seine Frau Hildegard ist darüber nicht amüsiert, denn Sidney glänzt durch Abwesenheit. Ein glückliches Familienleben mit Kleinkind braucht einen präsenten Vater und Ehemann.

Sein Freund, Inspector Keating, holt Sidney ebenfalls auf den Boden der Tatsachen zurück: „ ‚… Die wirklich hässlichen Fälle mute ich dir meist gar nicht zu. Du lebst zu behütet, Sidney.‘
‚Behütet? Ich habe in den letzten zehn Jahren etliche grausige Verbrechen miterlebt.‘
‚Dann kannst Du dich auf weitere fünfundzwanzig gefasst machen. Und das sind nur die leichten Fälle, mit denen wir die Amateure glücklich machen.‘
“(S. 133)

Der Brite James Runcie hat um den ermittelnden Pfarrer Sidney Chambers bereits eine Reihe geschrieben. Dank seines Vaters, dem ehemaligen Erzbischof von Canterbury, kennt er sich mit den Interna und Querelen innerhalb der Kirchenverwaltung aus. Angesiedelt sind Chambers Ermittlungen im Raum Cambridge der 1960er Jahre. Im Stil dieser Zeit hat der Autor auch seine Kurzkrimis erzählt, die Renate Orth-Guttmann übersetzt hat. Weiterlesen

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Jeong Yu-Jeong: Der gute Sohn

Als Yu-jin morgens blutbesudelt erwacht und seine Mutter mit aufgeschnittener Kehle in der Nähe findet, glaubt er, der Mörder zu sein. Alles spricht gegen ihn. Dummerweise hat er an die letzte Nacht keine eindeutigen Erinnerungen. Dies liegt unter anderem an den Entzugserscheinungen der heimlich abgesetzten Medizin. Die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Kostbare Zeit vergeht, bis er den Schock überwunden hat. Und allmählich begreift er, dass die Polizei nur das Augenscheinliche ermitteln wird. Seine Pflicht als guter Sohn verlangt jedoch, die ganze Wahrheit herauszufinden. Leider erweist sich dies als sehr schwierig. Denn Hae-jin, sein Ziehbruder, wird bald kommen.

Yu-jin versteckt den Leichnam und putzt, so gut es geht, die verdächtigen Spuren weg. Viel zu früh steht Hae-jin in der gemeinsamen Wohnung. Wie von Yu-jin befürchtet, hinterfragt der Ziehbruder Mutters Abwesenheit. Er wird immer neugieriger und skeptischer. Auch die Tante, die zugleich Yu-jins behandelnde Ärztin ist, fragt hartnäckig nach.

Der gute Sohn sucht weiter nach der Wahrheit und läuft nicht weg. Gleichzeitig läuft ihm unaufhaltsam die Zeit davon. Weiterlesen

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Irene Götz (Hrsg.): Kein Ruhestand: Wie Frauen mit Altersarmut umgehen

Wenn eine Frau wenig eigenes Geld verdient, dann sind die Aussichten für ein gesichertes Leben im Alter alles andere als gut. Im Prinzip ist dies jedem denkenden Mensch klar. Doch diese logische Konsequenz wird häufig verdrängt, weil Sachzwänge oder festgelegte Rollenbilder im Vordergrund stehen.

Wie Rentnerinnen heute mit der Armut umgehen, hat die Herausgeberin Irene Götz anschaulich in einem fundierten Sachbuch festgehalten. Hierfür wurden viele Betroffene über mehrere Jahre von einem Autorenteam begleitet und interviewt. Ihre berührenden Geschichten dienen der Aufklärung.

Untersuchungen zeigen, dass ein finanziell gesicherter Lebensabend kein verbrieftes Recht ist. Das ganze Konzept steht und fällt mit den Einkünften, den Rücklagen und im besten Fall mit einer Erbschaft. Jeder zweite Deutsche wird ein Vermögen erben, sofern der Erblasser nicht schon vorzeitig sein Geld für Pflegekosten ausgegeben hat. Weiterlesen

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Helon Habila: Öl auf Wasser

Vor zwei Wochen starben zwei Journalisten, als sie der Einladung einer Rebellen-Gruppe folgten, die für einen Italiener Lösegeld verlangen. Geplant war ein Interview mit der Geisel.

Jetzt ist eine Britin verschwunden. Und wieder bieten anonyme Rebellen ein Interview an. Dieses Mal will niemand diesem Ruf folgen, bis sich aus den unterschiedlichsten Gründen so nach und nach eine Handvoll Freiwillige einfinden. Zwei von ihnen sind der junge Journalist Rufus und sein Idol, der einst berühmte Zaq.

Viel zu früh bricht der Funkkontakt mit den Rebellen ab. Rufus wird Zeuge, wie ihre Fahrt auf dem Boot von Port Harcourt nach Süden zu einer Irrfahrt wird. Und während sie Ausschau halten, glauben sie, auf einer Insel ein Signalfeuer zu sehen. Doch statt der Rebellen finden sie ein verlassenes Dorf und ein paar Tote. Alle Spuren weisen auf einen bewaffneten Angriff. Und während sie noch überlegen, wer wen angegriffen haben könnte, werden sie von Rebellen überfallen und verlieren ihr Boot. Keiner glaubt ihren Versprechungen, dass sie abgeholt werden. Rufus sieht sich auf der einsamen Insel ohne Handyempfang und Proviant gefangen. Weiterlesen

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Christoph Simon: Spaziergänger Zbinden

Es kommt auf die richtige Freizeitbeschäftigung an. „… Das unbesorgte Sterben ist eine große Probe auf die Richtigkeit einer Freizeitbeschäftigung. Meine Großmutter spazierte bis ins hohe Alter. Mit vierundneunzig Jahren bückte sie sich so tief nach einer Wiesenblume, dass ihr Herz versagte.“ (S. 90)

Wenn bei anderen der Gedanke an das eigene Lebensende in den Vordergrund tritt, dann geht der pensionierte Lehrer Zbinden spazieren. Er wohnt im Alter von 87 Jahren in einem Seniorenheim. Jeden Tag sucht er das Gespräch, den Weg nach draußen, um mit möglichst vielen Menschen zu sprechen. Neue Menschen kennenzulernen wird zu seinem Motor.

Der Spaziergang über eine sehr lange Treppe hinunter bringt ihm den neuen Zivildienstleistenden Kâzim näher. Das, was im Leben wichtig ist, kommt unweigerlich zur Sprache: Die Liebe.

Der Autor und Kabarettist Christoph Simon aus Bern schlüpft in die Rolle eines wesentlich Älteren. Seine Perspektive kommt so nah an Lukas Zbinden ran, wie es nur in einem inneren Monolog möglich ist. Weiterlesen

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Michaela Karl: „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“

Maeve Brennan (1917 – 1993) misst 1,50 m, ist quirlig, klug und freiheitsliebend. 1933 zieht ihre Familie nach Washington. Die Berufung ihres Vaters als Legationsrat der irischen Gesandtschaft ermöglicht der Familie einen noch nie gekannten Luxus und eine finanzielle Sicherheit. Nach dem Umzug geht Maeve weiter zur Schule und studiert, während der Vater seine politische Karriere nach vorn treibt.

Eine unglückliche Liebe führt sie ohne Universitätsabschluss nach New York. Anfang der vierziger Jahre ist es nicht leicht, in Manhattan eine bezahlbare Wohnung zu finden. Maeve wird eine Frau, die häufig umzieht und dabei Greenwich Village bevorzugt. Während sie in New York als Bibliothekarin arbeitet, beginnt sie mit dem Schreiben. Ihre erste Kurzgeschichte Die Besucherin, wird nach ihrem Tod entdeckt und als eines ihrer wichtigsten Werke angesehen.

1943 beginnt sie als Werbetexterin bei Harpers’s Bazaar und wird schnell – auch über ihre Arbeit bei Junior Bazaar – zur Stilikone. Das Kleine Schwarze will nicht zu dem von der Mode diktierten Tellerrock passen. Doch für Maeve hat dieser Look durchaus praktische Erwägungen: Sie kann direkt von der Arbeit zur Party gehen und ist immer passend angezogen. Zu ihren Markenzeichen gehören hochgesteckte Haare, eine auffallende Brille, Perlenkette und ein stark geschminktes Gesicht. Dort, wo sie sich gerade aufhält, vermischt sich der Rauch ihrer Zigaretten mit einem luxuriösen, schweren Parfüm. 1949, nach einer erneuten Beförderung bei Harper’s Bazaar, wechselt sie zum New Yorker, ein Magazin, das speziell für die New Yorker Bevölkerung konzipiert worden ist und Heimat vieler berühmter Autoren war. Weiterlesen

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Tom Perrotta: Mrs Fletcher

Nachdem ihr Sohn Brendan ausgezogen ist, lebt Eve Fletcher allein in einem großen Haus. Früher waren sie zu dritt, bis die Ehe nicht mehr funktionierte. Wie geht eine Frau in den mittleren Jahren mit der Einsamkeit um? Ein neuer Partner findet sich auch nicht so leicht. Eve beschließt, ihr Leben neu zu organisieren und meldet sich für ein Seminar am College an.

Auch Brendan fühlt sich an der Uni allein. Saufen und Parties helfen ihm nur kurzweilig, über die Leere hinwegzukommen. Viele fremde Gesichter können den Verlust von echten Freunden nicht ersetzen.

Auf der Suche nach menschlicher Nähe lernen Eve und Brendan neue Bekannte kennen, manches, was früher undenkbar erschien, passt auf einmal und führt zu Verwirrungen.

Der Autor Tom Perrotta hat bereits mit seinem verfilmten Roman Little Children das Thema Einsamkeit mit und ohne Partner bearbeitet. Eves Wünsche und Erfolge passen nicht immer zusammen. Das eigene Glück zu schmieden, will bei ihr nicht so richtig funktionieren. Sie hängt aus reiner Routine in ihrer Rolle fest. »… Sie hatte ihr Gefängnis freiwillig gewählt, war selbst hineingeklettert und hatte sich den Deckel über den Kopf gezogen.« (S. 331) Weiterlesen

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Ivy Pochoda: Wonder Valley

Los Angeles und die Wüste sind die Schauplätze von sehr unterschiedlichen Menschen, die aus der Bahn geworfen wurden. Angekommen sind sie an den Rand der Gesellschaft, ein Bereich, der erstaunlich belebt ist und an einen Schmelztiegel erinnert.

Über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren begegnen sich eingefleischte Gauner, Jugendliche, Erwachsene und geben ihren Zufallsbekanntschaften ungewollt einen Impuls, der für die Betroffenen mehr Bedeutung erhält, als sie anfangs für möglich halten.

Die Amerikanerin Ivy Pochoda, geboren 1977, schreibt über fünf Lebensschicksale, die sie gekonnt miteinander verknüpft.

Einen nackten Jogger im morgendlichen Verkehrskollaps rennen zu lassen, ist mehr als nur ein gelungener Kunstgriff. Diese Schlüsselszene zeigt einen Befreiungsakt, der nur von dem biederen Anwalt Tony erkannt wird. Er fühlt sich von diesem Jogger motiviert, sein eigenes, enges Leben zu verlassen. Spontan steigt er aus seinem Wagen, lässt diesen mitten im Stau stehen und rennt los. Weiterlesen

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JL Butler: Mein: Wie weit wirst du gehen, um ihn zu behalten?

Die Londoner Scheidungsanwältin Francine Day zählt zu den Besten unter den Besten. Alles hat sie unter Kontrolle. Ihr Spezialgebiet ist der Erhalt von Vermögen ihrer scheidungswilligen Mandanten. Eines Tages steht der attraktive Martin Joy, ein neuer, schwer reicher Auftraggeber vor ihr. Das Scheidungsverfahren könnte ein ganz normaler Fall werden, doch Francine spürt seit der ersten Sekunde ihres Treffens eine starke Anziehung. Kurz darauf erliegt die eingefleischte Single-Frau seinem Charme. Verstand, Ethik und ihre berufliche Karriere stehen auf einmal in der zweiten Reihe. Francine schwelgt im Liebesrausch und kämpft mit Eifersucht. Ausgerechnet an dem Abend, an dem sie seiner Ehefrau Donna heimlich folgt, hat diese sich mit Martin verabredet. Zweifel nagen an Francine. Sie muss unbedingt mehr über das Ehepaar Donna und Martin erfahren. Sind sie vielleicht doch noch ein Paar und spielen anderen etwas vor?

Am Fenster des Pubs sitzend, das direkt gegenüber von Donnas Haus steht, verbringt sie den späten Abend und trinkt etwas gegen ihren Frust. Irgendwann hat sie einen Aussetzer. Francine kann sich an die letzten zwei Stunden ihrer Observierung nicht mehr erinnern. In dieser Nacht verschwindet Donna spurlos. Weiterlesen

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