Bo Svernström: Opfer

Hauptkommissar Carl Edson aus Stockholm stößt nach dem Fund eines gefolterten Mannes auf eine Serie von Morden, die alle auf einen Täter hinweisen. Schnell entwickelt sich dieser Fall völlig anders als alles, was er bisher erlebt hat.

Der Journalistin Alexandra Bengtsson ergeht es ähnlich. Ihr sensationsgieriger Chef setzt sie auf diese Story an und bringt sie, ohne es zu ahnen, in größte Schwierigkeiten.

Bo Svernström, Autor, Dr. der schwedischen Literatur und Journalist, legt mit seinem Debüt einen ungewöhnlichen Thriller vor, der von Ulla Ackermann übersetzt worden ist.

Sein Thema ist das Wechselspiel zwischen Täter und Opfer, bei dem die alttestamentarische Auffassung von Gerechtigkeit »Auge um Auge, Zahn um Zahn« die Regie übernommen hat. Seine Opfer stecken unmenschliche Grausamkeiten ein, nachdem sie selbst als Täter eine Brutalität ausgelebt haben, die nur verstören kann. Die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind deshalb aufgelöst. Niemand kann sich sicher fühlen, weil Justiz und Polizei naturgemäß immer zu spät kommen. Weiterlesen

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Jaron Lanier: Zehn Gründe, warum du deine Social Media Accounts sofort löschen musst

2014 erhielt der 1960 in New York geborene Jaron Lanier den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ein Journalist fragte ihn nach einer Buchpräsentation, was er von Social Media halte. Die anschließende Diskussion veranlasste den Autoren, sein Wissen in einem Buch zusammenzufassen. Es wurde eine emotionale, engagierte Auflistung von Gründen, warum Social Media Accounts gelöscht werden müssen:

… Früher … konnte man sehen, ob ein Produkt sich besser verkauft. … Heute messen Social-Media-Konzerne, ob der Einzelne sein Verhalten geändert hat, und der Feed wird für jeden Anwender ständig optimiert, um dessen individuelles Verhalten zu ändern.“ (S. 41)

Als Internetpionier der ersten Stunde schrieb er wegweisende Programme. Anfangs teilte er die Meinung seiner Kollegen, das Internet solle kostenlos sein. In verschiedenen Foren tauschte er seine Erfahrungen aus, bis ihm etwas auffiel, das er drastisch formuliert und mit der Gruppendynamik begründet: „… Ich habe es … erlebt, dass ich online zum Arschloch wurde, und das war beängstigend und deprimierend.“ (S. 59) Weiterlesen

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Garry Disher: Kaltes Licht

Fünf Jahre nach seiner Frühpensionierung kehrt Adam Auhl in den Polizeidienst zurück. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die Bearbeitung der kalten, also ungeklärten Mordfälle. Doch dann wird ein Skelett unter einem scheinbar alten Betonfundament gefunden. Die Umstände und Spurenlage weisen auf einen Mord hin, der recht bald mit der Ermordung einer jungen Frau in Verbindung gebracht wird. Damals liefen die Ermittlungen ins Leere, weil der mutmaßliche Täter verschwunden war. Neue Indizien verändern die Ausgangslage, so dass Sergeant Auhl seine Kollegen in diesem komplizierten Fall unterstützen soll.

Vergessliche Zeugen, Halbwahrheiten und Lügen sowie Medienrummel erweisen sich als wenig hilfreich.

Und während Auhl mit den Widerständen bei den Ermittlungen innerhalb und außerhalb der Polizeibehörde kämpft, kündigen sich in seinem Privatleben Veränderungen an. Seine Frau geht nun endgültig eigene Wege. Gleichzeitig bringen neue Untermieter dem sozial engagierten Sergeant Probleme ins Haus, die seine Werte vollständig in Frage stellen. Weiterlesen

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Hoeps & Toes: Die Cannabis-Connection

Der Deutsche Marcel und der Niederländer Sander lernen sich im Amsterdam der 80er Jahre kennen. Studentenrevolten, Hausbesetzungen und Drogentourismus haben die beiden jungen Männer für eine Weile zusammengeschweißt. Als die gemeinsame Freundin Kiki bei einer Drogenübergabe unter seltsamen Umständen stirbt, ist die Freundschaft vorbei.

Drei Jahrzehnte später steht Dr. Marcel Kamrath als Staatssekretär im Fokus der Medien. Seine Gesetzesinitiative für die Legalisierung von Cannabis schreckt viele auf. Kurz vor der Abstimmung des Gesetzes begegnet Marcel Sander wieder. Wie früher gewinnt der alte Freund Marcels Vertrauen mit lustigen Sprüchen und seinem einnehmenden Wesen, bis dieser in Sanders Falle festsitzt. Erschreckend schnell steht nicht nur Marcels politische Karriere auf dem Spiel.

„… Irgendwann in dieser Nacht waren ihm alle verlässlichen Koordinaten verloren gegangen, mit denen er zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Hirngespinsten unterscheiden konnte. Alles floss ineinander, … eine einzige Katastrophe, …“ (S. 109) Weiterlesen

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Carol Weston: Wie man bei Regen einen Berg in Flip-Flops erklimmt

In ihrer Widmung schreibt Carol Weston „Für meine Mom und meinen Dad – denen ich so gern ein signiertes Exemplar überreicht hätte“.

Sofia, die Ich-Erzählerin, lebt mit ihrem Vater in einem Hochhaus in New York, das den Lehrern vorbehalten ist, die in der benachbarten Schule unterrichten. Auch sie geht in diese Schule. Ohne Vorankündigung stirbt ihre Mutter, und Sofias behütetes Leben verändert sich.

Gleich zu Beginn ihrer Geschichte warnt sie vor ihrer ziemlich traurigen Geschichte.

Sofia erzählt einleitend, „… Vierzehn war ein hartes Alter für mich. Echt hart. … – rückblickend betrachtet war das ein perfektes Leben.“ (S.10)

Trotz allem oder genau genommen wegen allem ist es ein perfektes Leben geworden. Denn nach dem Erklimmen eines Berges bei Regen in Flip-Flops findet Sofia Selbstvertrauen, Liebe, Glück und die Erkenntnis, aus allem das Beste machen zu können. Immer und egal, was passiert.

Im Nachwort schreibt die Autorin, dass viele Menschen ihren Roman vor der Veröffentlichung gelesen und kommentiert haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Abgesehen von einer ausgereiften, angenehm berührenden Geschichte hat die Autorin die Trauer um einen geliebten Menschen perfekt in einem Jugendroman ausgearbeitet. Weiterlesen

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Karen Sander: Wenn ich tot bin

Drei Frauen lernen sich an einem schicksalhaften Tag in Edinburgh kennen. Es ist der Tag, an dem Madelin nach ihrer zehnjährigen Entführung den Weg nach Hause zurückfindet. Ihre Mutter Susan ist überglücklich und ruft die Polizei. Der damals ermittelnde Beamte Tom bringt seine Kollegin Kate mit. Beide sind genauso überrascht wie die Mutter und ihre neue Familie. Aus dem kleinen Mädchen ist inzwischen eine verwahrloste, abgemagerte junge Frau, eine Fremde, geworden. Wenige Stunden später ist wieder alles beim Alten. Denn Madelin verschwindet spurlos. Nur eines ist anders: Susanns Mann Stuart liegt nach einem Messerangriff schwer blutend auf dem Boden. Pannen in der Polizeiarbeit und viele falsche Fährten führen zu verkehrten Schlussfolgerungen.

Allein Kate gibt sich nicht mit bequemen Mutmaßungen zufrieden. Sie will unbedingt die Wahrheit herausfinden, bis auch sie  in Gefahr gerät. Weiterlesen

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Paul McNeive: Resistent

In Manhattan herrscht ein Ausnahmezustand, der scheinbar jeden unvorbereitet erwischt. Polizei, Krankenhäuser und Behörden stehen vor einem Rätsel, denn auffallend viele Menschen erkranken und sterben.

„… Professor, mein Team ist mit allen Krankenhäusern in Kontakt. Alle sagen, dass sie keine weiteren Patienten mehr aufnehmen können. Und ihre Parkplätze sind voll mit Menschen, die versuchen, aufgenommen zu werden“
„Und was machen sie mit diesen Leuten?“ (…)
„Für den Moment bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sie nach Hause zu schicken … Wir müssen mit ansehen, wie Patienten septisch werden, und zwar extrem schnell.“ (S. 320/321)

Der einzige, der viel zu spät eine Idee für die Ursache der Katastrophe zu erkennen glaubt, ist Detective John Wyse vom New York Police Department. Seine Idee ist eher eine Ahnung, für die ihm leider handfeste Beweise fehlen. Nur eines ist sicher, ihm rennt die Zeit davon und die Personen, die ihm Auskunft geben könnten, sind außer Landes. Weiterlesen

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Alva Gehrmann: I did it Norway!

Auf ihrer Homepage erklärt die Journalistin und Autorin Alva Gehrmann über sich selbst: »Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen.« Das Schreiben scheint ihr tatsächlich leicht zu fallen, denn sie zeigt eine Vielfältigkeit, die sich auch in ihrem Sachbuch wieder findet. Ihr aktuelles Buch über Norwegen schenkt eine Fülle von Details über ein freundliches Volk, das durch Öl reich geworden ist.

Die Autorin reiste über einen Zeitraum von einigen Jahren immer wieder nach Norwegen: So nach und nach erlebt sie Kulturereignisse, lernt sportliche Wettkämpfe und ein Arbeitsleben kennen, das dem Norweger ein intensives Freizeit- und Familienleben ermöglicht. Denn freitags geht es spätestens um 15.00 Uhr ins Wochenende. Wer länger arbeitet, verliert seinen guten Ruf.

Die beliebten Holzhütten weit weg vom normalen Alltag erlauben pure Natur. Wer so lebt, hat eine innige Beziehung zur Familie und der Natur. Ein solches Umfeld bietet zugleich Raum für Kunst und Kultur und fördert Werte, die ein soziales Miteinander in den Vordergrund stellen. Ein Dorf, in dem Bücher die Hauptrolle spielen, ein Museum, das einsam am Fjord auf Besucher wartet oder ein Rockfestival in der Einsamkeit sind nur einige Beispiele. Spontane Feiern werden ebenso gern angenommen wie ehrenamtliches Engagement. Weiterlesen

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Harry Bingham: Fiona: Unten im Dunkeln

… Die Polizei hat nicht ohne Grund Vorschriften, und ich bemühe mich, sie zu befolgen. Aber die Toten sind wichtiger. Ihre Regeln sind heilig und in Ewigkeit gültig.“ (S. 85)

Fiona arbeitet bei der Polizei, obwohl sie unter dem Cotard-Syndrom leidet. In den Augen ihrer Kollegen und Vorgesetzten wirkt sie mal verschroben oder eigenwillig. Nur ihre engen Freunde sind eingeweiht und wissen die hoch intelligente junge Frau zu nehmen. Früher glaubte Fiona, trotz Puls tot zu sein. Heute spürt sie eine stärkere Nähe zu den Toten als zu den Lebenden und fühlt sich aus diesem Grund für sie verantwortlich.

Während Fiona in der Asservatenkammer aushilft, liest sie zu ihrer Erbauung in alten Akten. Ein tödlicher Sturz von den Klippen und ein Selbstmord wecken ihre Neugier. Dann kommt ein seltsamer Einbruch hinzu, bei dem der Dieb mit ungewöhnlichen Kletterkünsten das Gestohlene zurückgegeben hat. Aus unscheinbaren Verbindungen entwickelt sich allmählich ein richtig großer Fall. Ein Grund mehr für Fiona, mit vollem Einsatz die Hintermänner zu entlarven. Weiterlesen

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Ljudmila Petruschewskaja: Das Mädchen aus dem Hotel Metropol

Das Mädchen in Moskaus vornehmen Hotel Metropol eckt an, als sie im Flur einen kämpfenden Reiter spielt. Sie ist laut, wild und verwahrlost. Mit über dem Boden schrammenden Schaukelpferd und schleifendem Säbel schreit sie die heilige Ruhe nieder und ruiniert zugleich das Parkett. Die Konsequenzen kommen: Sie muss ausziehen. Mit Unterbrechungen wohnt sie in einem kleinen, hohen Raum mit 5000 Büchern, dem gelehrten, in Ungnade gefallenen Großvater und ihrer Mutter. Mutter und Tochter schlafen unter dem Tisch, bis ihnen die Exfrau des Großvaters diesen wegnimmt.

Ljudmila Petruschewskajas Geschichte bis zum Beginn ihrer beruflichen Karriere ist eine Geschichte der extremen Umstände. Wie sie diese überlebt, beschreibt die Autorin mit den familientypischen Charaktereigenschaften: „… Hartnäckigkeit, … selbstzerstörerischen Starrsinn; … Treue zur eigenen Überzeugung; … grausame Aufrichtigkeit; … der Wunsch, allen zu helfen, und der Hass auf die Nachbarn …“ (S. 11) Dieser Hass bleibt nachvollziehbar, wenn die lieben Nachbarn Ljudmila und ihre Familie nicht nur als Volksfeind betrachten, sondern sie auch so behandeln. Zahlreiche Familienmitglieder wurden vom Regime getötet. Die Unfähigkeit ein gehorsamer Parteisoldat und Stalingetreuer zu sein, kann während und nach dem Zweiten Weltkrieg nur eines bedeuten: unerwünscht ein fragiles Überleben zu fristen. Weiterlesen

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