Kjersti A. Skomsvold: meine gedanken stehen unter einem baum und sehen in die krone

Die Ich-Erzählerin hat sich für ein Leben entschieden, in dem nur Raum für das Schreiben bleibt. Bis sie Bo kennenlernt, glaubte sie, sich in der konservierten Einsamkeit eingerichtet zu haben. Und dann, völlig überraschend sagt sie nach fünf Jahren ja zu Bo, einem Mann, der trotz der ständigen Absagen immer wieder auf sie zugegangen ist. Jetzt sind sie eine Familie. Als ihr zweites Kind, eine Tochter, geboren wird, hält sie mit ihr eine Zwiesprache, die eine Liebeserklärung an das Leben ist.

Die Autorin Kjersti A. Skomsvold, 1979 in Oslo geboren, zählt zu den wichtigsten Gegenwartsautorinnen Norwegens. Zahlreiche Preise und unterschiedliche Werke in den Bereichen Lyrik und autobiographischer Prosa zeigen ihre künstlerische Vielfalt. Ihr aktueller Kurzroman handelt von einer schreibenden Frau, die ihre Arbeit und die Natur braucht, um sich vollständig zu fühlen. Die Ich-Erzählerin beschreibt ein an und für sich normales Leben so präzise und zugleich reduziert, dass sich ihre Lebensabschnitte als besonders und einzigartig offenbaren. Mit leichter Hand weiß sie ihren vertraulichen, halb privaten Erzählton einzusetzen, um den Leser für sich einzunehmen. Sie vermittelt damit den Eindruck, man tauche in das reiche Innenleben einer intellektuellen Künstlerin ein. Einige Textpassagen sind direkte Ansprachen an ihre Tochter, viele andere jedoch haben den Charakter des inneren Monologes, in dem die Ich-Erzählerin sich ihrem Thema offen und ehrlich stellt, nämlich der Überwindung der Einsamkeit für eine Zwei- beziehungsweise Mehrsamkeit. Weiterlesen

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Karl Olsberg: Boy in a Dead End

Stephen Hawking hatte die Krankheit und wurde über siebzig Jahre alt. Manuel hat sie auch, und sie zersetzt seinen Körper systematisch. Nur viel, viel schneller. Die Ärzte geben ihm noch ein halbes Jahr Lebenszeit. Was macht ein überdurchschnittlich kluger Junge von 15 Jahren, wenn für ihn nichts mehr eine Rolle spielen soll?

Als sein Vater mit der Idee nach Hause kommt, er könne sein Gehirn scannen und alle gelesenen Informationen auf einen Hochleistungscomputer übertragen lassen, klingt dies wie eine Verheißung. Manuel würde als Datenpaket in einer virtuellen Welt überleben. Der Firmeninhaber und Milliardär spricht sogar von dem ewigen Leben. Seine Firma, die ihm dieses Angebot scheinbar selbstlos unterbreitet, verkauft gerade das beliebteste Onlinespiel aller Zeiten. Die Forschungsabteilung lädt Manuel ein, als Proband die neue Version auszuprobieren und alle Tools zu testen. Wenn er den Spezialanzug trägt, fühlt Manuel seinen Körper wie früher, als er noch laufen und seine Arme bewegen konnte. Ohne Vorwarnung werden seine letzten Lebensmonate zu einem Abenteuer, das nicht nur angenehme Überraschungen für ihn bereit hält. Weiterlesen

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Sigrid Undset: Viga-Ljot und Vigdis (1909)

Die Norwegerin Sigrid Undset (1882 – 1949) erhielt 1928 den Nobelpreis für Literatur. Sie wurde berühmt für ihre eigenständigen Island-Sagas, in denen in erster Linie Bauern und nicht Könige oder Adelige eine Rolle spielen. Schauplatz ist das mittelalterliche Norwegen, in dem die Christianisierung langsam vorangeht, Wikinger auf Beutezug sind und auf dem Allting Unstimmigkeiten und Verstöße gegen allgemeines Recht verhandelt werden.

In ihrem frühen Werk aus dem Jahr 1909 erzählt Sigrid Undset von der Begegnung eines Mannes und einer jungen Frau, die sich spontan mögen und ein Paar werden könnten. Viga-Ljot, der aufbrausende, ungezügelte Isländer, ist der Ziehsohn eines Handlungsreisenden. Auf ihrer Reise nach Norwegen trifft er auf die selbstbewusste Vigdis, als Viga-Ljots Ziehvater mit Vigdis reichem Vater Geschäfte machen will. Die Geschäfte gehen ihren Weg, die Gastfreundschaft könnte für die beiden jungen Leute eine gute Basis für eine gemeinsame Zukunft sein, doch Viga-Ljots ungebührliches Benehmen zerstört für immer Vigdis Gefühle. Ernüchtert und verletzt gehen beide getrennte Wege. Der eine trauert um den Verlust, die andere sinnt auf ewige Rache. Weiterlesen

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Hugo von Kupffer: Reporterstreifzüge: Die ersten modernen Reportagen aus Berlin (1886)

Wer sich mit den prägnanten Bildern von Heinrich Zille beschäftigt, bekommt einen plastischen Eindruck vom Leben des einfachen Volkes in der Reichshauptstadt Berlin. Es war eine Zeit, in der Arme die feuchten Neubauten der Reichen trocken wohnten. Erkrankungen waren in den nasskalten Räumen vorprogrammiert, erst recht, wenn man hungerte. Deshalb schickten spendable Bürger die ärmsten Kinder regelmäßig in Erholungsheime, wo diese – weg von schlechten Einflüssen – sich satt essen und genesen konnten.

Der Journalist Hugo von Kupffer, 1853 in Sankt Petersburg geboren, arbeitete von 1875 bis 1878 in verschiedenen New Yorker Nachrichtenagenturen. Ab 1883 führte er zusammen mit dem Verleger August Scherl den Berliner Lokal-Anzeiger, in dem er moderne amerikanische Pressestandards einführte. Über 45 Jahre lang war er Chefredakteur des erfolgreichen Massenblattes und starb 1928.

Wenn der Journalist durch die Stadt streifte, interessierte er sich für den Menschen, seine Lebensweise und sein Schicksal. Er gewann durch seine Interviews und Besichtigungen ein Bild, das er unterhaltsam in Reportagen kleidete. Missverständnisse und Vorurteile wollte er mit seinen Berichten beseitigen und gleichzeitig aufklären. Weiterlesen

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Hendrik Otremba: Kachelbads Erbe

… Was wäre, könnten wir die Phase des Todes überspringen, eine Brücke bauen in eine Zeit danach …? Was wäre, wenn wir nicht verfallen würden, wenn wir zurückkämen, ohne Sorgen, ohne Leid?“ (S. 24)

In den 1980er Jahren bietet die Firma Exit U.S. einen besonderen Service an, in dem sie lebensverlängernde Maßnahmen durch Kryonik verspricht. Die Idee ist, Menschen im flüssigen Stickstoff zu lagern, bis eines Tages in der Zukunft die Medizin mit der Wiederbelebung und Heilung von Krankheiten beginnen kann.

Kachelbad, einer der beiden Geschäftsführer der Firma baut den Kontakt zu möglichen Klienten auf, bespricht die Details, Vermögensübertragungen und sorgt persönlich für die Durchführung. Alles läuft einigermaßen nach Plan, bis sein Kompagnon plötzlich stirbt und Kachelbad genauso plötzlich vor dem Ruin steht. Abgesehen davon, dass Firmengelder verschwunden sind, wird ihm die Schwachstelle ihrer Idee vor Augen geführt. Wie lange kann ein Vermögen reichen, wenn ihr Unternehmen einer Kostenexplosion in unbekannter Höhe ausgesetzt ist? Die Anmietung geeigneter Lagerräume, Wartung der Aufbewahrungstanks sowie der regelmäßige Kauf von flüssigem Stickstoff steigen, je mehr Menschen bei Exit U.S. einsteigen. Der Tod seines Kollegen zwingt Kachelbad zum Umdenken. Wenn er das Vertrauen seiner Kunden nicht enttäuschen will, braucht es sehr schnell eine Lösung. Weiterlesen

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Ester Gonstalla: Das Klimabuch

Das Thema Klima beschäftigt inzwischen viele Menschen. Die einen werden es nicht müde, eine von menschenverursachte Klimaveränderung zu negieren, die anderen leiden bereits darunter. Letztendlich dürfte es entscheidend sein, dass sich jeder fundiert informiert. Am besten von Wissenschaftlern, die wissen, wovon sie reden. Esther Gonstalla hatte den kühnen Gedanken, die Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen grafisch darzustellen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Klare Bilder, klare Worte und klare Aussagen haben das umfangreiche Thema überschaubar gemacht. Unmissverständlich werden die Zusammenhänge und Kettenreaktionen dargestellt. In den ersten Kapiteln zeigen die Grafiken vereint den Ist-Zustand, wie Klima funktioniert und was passiert, wenn der natürliche Kreislauf von Menschen weiterhin zerstört wird. Im letzten Kapitel präsentiert Ester Gonstalla viel mehr als nur die bekannten Weisheiten. An den Beispielen der grünen Suchmaschine, dem grünen Unternehmen oder den vorbildlichen Leistungen anderer Länder erweitert die Autorin den Fokus. Weiterlesen

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Petra Ivanov: Entführung

Steinerne Mienen, steife Rücken, angespannte Stille. Im Büro der Staatsanwältin knisterte die Luft, sie war aufgeladen mit kaum verhohlener Wut. Pal Palushi sieht seinem Klienten nach. Trotz Handschellen und Fußfesseln wirkte Mustafa Saifullah unbekümmert …“ (S. 7)

Pal Palushi hat in einen Sack voller Giftschlangen gegriffen: Er wird Pflichtverteidiger eines Entführers, der die Aussage verweigert, und die Staatsanwältin missbraucht ihr Amt, um mit Pal alte Rechnungen zu begleichen. Während die Medien alles über die Entführung von Lara Blum, der Tochter eines Millionärs, ausbreiten, der Polizei Ermittlungsansätze fehlen, wird Pal in seiner Berufsehre öffentlich angegriffen. Wie kann ein Anwalt einen muslimischen Entführer verteidigen?

Um Lara zu retten, bringen sich Pal und seine Freundin Jasmin in Gefahr.

Petra Ivanov hat bereits über Jasmin Meyer, inzwischen Ex-Polizistin, und den Anwalt Pal Palushi drei Kriminalromane geschrieben, in denen das ungleiche Paar ermittelt. Im neuen Fall tauchen beide in das Milieu der strenggläubigen Muslime ein, die mit ihren Doktrin Glaubensbrüder radikalisieren. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Erebos 2

Das Computerspiel Erebos war schon vor Jahren kein Spiel, es war eine Bedrohung mit weitreichenden Folgen für alle Mitspieler.
Eine Spielregel lautet: Mit niemandem über Erebos reden.
Auch heute, bei seiner unerwarteten Rückkehr, ist Erebos kein Spiel.

Für den Schüler Derek sieht es wie ein virtuelles Abenteuer aus, bei dem er mit seltsamen Wesen für bessere Waffen und Fähigkeiten kämpft. Jedes weitere Abenteuer wird gefährlicher. Aber auch Erebos‘ Aufträge in der realen Welt haben es in sich. Sie bringen ihn mit überzeugenden Argumenten zum Lügen, Stehlen und Betrug. Ohne es anfangs zu bemerken, entwickelt sich für Derek die virtuelle Welt voller Gefahren und Tod realer als der Alltag. Und als er es begreift, ist es für ihn zu spät. Erebos hat ihn fest im Griff.

Nick, der Spielveteran, wird ebenfalls von Erebos überrascht. Weil der Abschluss eines Fotoauftrags vom Mitspielen abhängig gemacht wird, entsteht für ihn eine Zwangslage. Egal, was er versucht, jedes weitere Spiel, jeder neue Auftrag raubt ihm Freiheit und Lebenszeit, die er besser für das Studium und seine Jobs nutzen könnte. Deshalb wachsen von Tag zu Tag Nicks Schwierigkeiten in der realen und virtuellen Welt. „… Das Smartphone in der Jackentasche fühlte sich wie ein Sprengsatz an, … doch jetzt musste er erst mal erreichbar bleiben. Für beide Welten.“ (S. 268) Weiterlesen

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Helen Endemann: Todesstreifen

Die Grenzmauer zwischen Ost- und West-Berlin wirkt auf Marc eher wie die Wand eines Gefängnisses. Er muss da raus, weg von den Bestrafungen und den ständigen Kontrollen. Er will auch keine Tabletten einnehmen, die die Sportschule ihm vorschreibt.

Marcs Auflehnung kritisiert indirekt das sozialistische System der DDR, in dem jeder stumm jede Regel befolgt. Mal freiwillig, mal unter Zwang. Natürlich wissen alle, dass es mit Marc nicht gut enden wird. Niemals.

„… Wer diskutiert, ist ein Schädling.“ (S. 51) sagen die Lehrer.

Weil Marc trotzdem nicht den Mund halten kann, droht ihm der Aufenthalt in einem Kinderheim, das genaugenommen ein Gefängnis für Kinder ist.

Der Besuch einer Westberliner Sportschule zu einem Sportfest in Ost-Berlin verleitet Marc zu einem Fluchtversuch in den Westen. Ben, einer der westlichen Schüler, sieht ihm so ähnlich, dass Marc in Bens Kleidung und mit dessen Pass heil über die Grenze kommen könnte. Weiterlesen

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Annette Sabersky: Besser essen ohne Zusatzstoffe

Irgendwann war der Witz da und auch lustig. Jemand sagte stolz, er habe heute lecker gekocht. Er habe eine Dose aufgemacht.

An den Dosen hat sich wenig geändert. Sie bekamen unzählige Geschwisterchen in Gestalt von gefrorenen, gekühlten, eingeschweißten Fertiggerichten. Auch anderes wird fertig zubereitet, bunt verpackt offeriert, in Tuben, Gläsern, Bechern, Tüten. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Inhalt wurde haltbar gemacht und mit Geschmack aufgewertet.

Der Preis für das Delegieren des Selber-Kochens kennt keine Grenzen: Bei wenigen Cents für eine Tütensuppe geht es los.

Besser essen könnte für den Eiligen, Immer-Beschäftigten bedeuten: billig (in erster Linie für den Hersteller), viel, lecker süß oder salzig. Manches macht sogar satt.

Die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky versteht unter besser essen einen Speiseplan mit so wenig Chemie und Zusatzstoffen wie möglich. Das Ziel ihrer Aufklärung über Zusatzstoffe aller Art richtet sich auf eine gesunde Ernährung und ein Bewusstsein für gesunde Nahrung. Vor allen Dingen dieses Bewusstsein will sie wecken und bietet in den letzten Kapiteln hilfreiche Hinweise, wie man ohne Zusatzstoffe ganz einfach Lebensmittel haltbar macht oder zubereitet. Weiterlesen

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