Henriette Valet (1900 – 1993) war in Paris Schriftstellerin und Journalistin. Sie schrieb für linke Arbeiter- und Gewerkschaftsblätter, Romane und darüber hinaus Theaterstücke. In der Szene linker Intellektueller lernte sie den marxistischen Philosophen und Soziologen Henri Lefebvre kennen, den sie 1936 heiratete. Nach 1946 verlieren sich ihre literarischen Spuren. Ihr Roman Madame 60a wurde 1934 veröffentlicht und erfuhr mehrere Auflagen.
Und dies zu Recht. Die Autorin thematisiert die Situation von ledigen schwangeren Frauen, die aus der ehrbaren Gesellschaft verstoßen worden sind. Deshalb sollen sie wieder brav und fügsam sein, still leiden und fleißig arbeiten. Für ihre Würde und Rechte gibt es wenig Raum. Sogar untereinander scheint es wenig Unterstützung zu geben. Denn die Schwangeren loten untereinander ihre eigene, gnadenlose Hackordnung aus, die von den verheirateten Frauen angeführt wird. Danach kommen die Arbeiterinnen und die Dienstmädchen. Und am Ende die Huren, Bettlerinnen und Polinnen, die auf fremden Feldern schwere Arbeit verrichten und in Baracken hausen. Sie alle haben einiges gemeinsam: Armut, wenig Bildung und eine ungewollte Schwangerschaft. Weiterlesen








