Lea Streisand: Hätt‘ ich ein Kind

Leser:innen fragen sich ja oft, wieviel vom Autor bzw. der Autorin in der Geschichte steckt, und das besonders bei in Ich-Form verfassten Romanen. Hier ist es aber eine zu persönliche Frage, als dass man sie der Autorin stellen könnte. Jedoch hatte ich beim Lesen dieses Buchs stets das Gefühl, hier erzählt jemand seine eigene Geschichte.

Das mag an der gelungenen Umsetzung liegen oder eben vielleicht doch daran, dass es selbst erlebt ist. Lea Streisand, von deren im vergangenen Jahr erschienenen Roman „Hufeland, Ecke Bötzow“ ich absolut begeistert war, beschreibt hier den dornigen Weg einer jungen Frau von der Erkenntnis, dass sie keine eigenen Kinder wird haben können bis zum Ausgang ihres Antrags auf Adoption.

In einem niemals lamentierenden, oft vielmehr sehr humorvollen, sich selbst auf die Schippe nehmenden Ton folgen wir Kathi und ihrem Mann durch diese sich lange hinziehenden Monate. Parallel dazu erleidet Kathis beste Freundin eine Fehlgeburt, wird wieder schwanger und so können beide Frauen auf ganz unterschiedliche Weise die Erwartung der Mutterschaft erleben. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rebecca Gisler: Vom Onkel

Ist es eigentlich eine unabänderliche Gesetzmäßigkeit, dass mit wichtigen Preisen ausgezeichnete Bücher so oft unlesbar sind? Dieser kurze Roman ist das Debüt einer jungen Schweizer Autorin und er wurde gleich mehrfach mit Preisen, sowohl in der Schweiz wie in Deutschland, ausgezeichnet.

Doch leider passen Stil und Inhalt nicht zu den Erwartungen, die der Klappentext weckt. Dabei sind die Figuren, die uns Rebecca Gisler vorstellt, wahnsinnig plastisch und lebendig gezeichnet, man steht ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüber, erlebt ihre Macken und ihre Absonderlichkeiten. Aber die Art, wie die Autorin schreibt, ist sehr anstrengend. Das liegt vor allem an den – und das ist wörtlich zu verstehen – seitenlangen Sätzen. Da gibt es kaum Sätze, die mal kürzer sind als eine halbe oder dreiviertel Seite, da gibt es viele Sätze, die länger sind als eine ganz Seite. In diesen verliert man sich, am Ende des Satzes hat man längst vergessen, worum es am Anfang überhaupt ging. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Annegret Held: Das Verkehrte und das Richtige

Ein verschlafenes Dorf im Westerwald namens Scholmerbach in den 80er Jahren. Die junge Anna, unglücklich in ihrem Beruf als Polizistin in Darmstadt und unglücklich in ihrer Liebe zu einem verheirateten Kollegen, kommt nach Hause in ihr Dorf und begegnet auf dem Feuerwehrfest dem verboten attraktiven Pfarrer aus dem Nachbardorf. Was daraus entsteht und wie dies das Leben etlicher Menschen auf Dauer verändert, darum geht es in dem neuen Roman von Annegret Held.

In Ich-Form erzählt Anna von den Ereignissen damals, erzählt sie jemandem, dessen Identität man ahnt, die aber wirklich enthüllt wird erst am Ende des Buchs. Anna ist eine recht zerrissene junge Frau, einerseits fest verwurzelt in ihrem Dorf, in dem Umfeld, in welchem sie aufwuchs. Andererseits zieht es sie weg. Daher arbeitet sie in Darmstadt, hat sich auf eine andere Stelle in Frankfurt beworben. Doch die Arbeit bei der Polizei ist nichts für sie, sie kündigt und bewirbt sich erfolgreich um einen Studienplatz in Heidelberg, wovon sie immer geträumt hatte. Dort zieht sie in eine WG mit anderen Studentinnen, gleichzeitig pflegt sie eine innige Freundschaft mit Thea, eine jungen Mutter aus Scholmerbach. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kerstin Sgonina: Und wenn wir wieder tanzen

Gutes Timing könnte man es nennen, dass dieser Roman fast genau am 60. Jahrestag der Hamburger Sturmflut erscheint. Beginnt er doch genau an diesem Tag, an dem die Protagonistin Marie, die in einer Gartenhütte haust, ihr ganzes Hab und Gut durch diese Flut verliert. Und das an einem Tag, der ihr auch schon an ihrem Arbeitsplatz als Zimmermädchen im vornehmen Hotel Atlantic Ärger gebracht hatte.

Ohne Dach über dem Kopf wird Marie nun bei Effie von Tieck einquartiert, einer alten Dame, die spröde, launisch und vergrämt zu sein scheint. Erst nach und nach kommen die beiden Frauen einander näher und Marie erfährt, dass auch Effie durch die Sturmflut einen großen Verlust erfuhr, wurde doch ihr Tanzlokal davon in Mitleidenschaft gezogen.

Während wir auf der einen Erzählebene nun verfolgen können, wie Marie das Tanzlokal wieder auf Vordermann bringt und dabei von einem netten jungen Mann Unterstützung erhält, erfahren wir auf der zweiten, im Rückblick erzählten Ebene, die Geschichte von Effie, von ihrer Ehe und ihrer Tochter Helly.  Dieser Teil ist durchaus spannend, denn Effie wird von ihrem Ehemann gequält, muss fliehen und sich auf eigenen Füßen behaupten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Stine Pilgaard: Meter pro Sekunde

Beim Rezensieren dieses Buches schlagen wieder einmal zwei Herzen in meiner Brust. Stilistisch ist dieser Roman genial, die Sätze sind geschliffen, plastisch, witzig und so nah am Leben, dass es schmerzt. Inhaltlich aber enttäuscht er, es fehlt Spannung, Dynamik, Handlung.

Erzählt werden in Ich-Form die Erlebnisse einer jungen Frau – wir erfahren ihren Namen nicht – die mit Freund und kleinem Kind neu in einer dänischen, sehr dörflich strukturierten Kleinstadt ankommt. Sie ist mit Kind und Dorfleben reichlich überfordert, eckt immer wieder an mit ihrer spontanen, etwas rüpelhaften und viel zu ehrlichen Art, mit ihren leicht sarkastischen Bemerkungen, die an den Bewohnern abprallen wie ein Ball vom Boden. Als roter Faden ziehen sich durch den Roman ihre immer wiederkehrenden, endlosen Fahrstunden, mit denen sie diverse Fahrlehrer verschleißt, das Fahren dabei aber nicht lernt. Das Kind wird derweil bei einer Tagesmutter betreut, die ebenso wie alle anderen um sie herum, nicht mit allerlei Ratschlägen zur Kindererziehung spart. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Susanne Goga: Schatten in der Friedrichstadt

Ein neuer Fall für Leo Wechsler, den Kommissar im Berlin der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts. Was mir an dieser Krimireihe der Mönchengladbacher Autorin so gut gefällt, ist die Schilderung normaler Menschen in (mehr oder weniger) normalen Verhältnissen. Anders als in so vielen anderen Büchern oder Filmen, die vor allem die nächtliche, die schattige Seite des Berlins dieser Jahre zeigen, treffen wir in den Wechsler-Krimis auf Alltag, Menschen mit alltäglichen Problemen oder mit alltäglichem Glück.

Wobei das Mordopfer natürlich weniger Glück hat, als der Mann nämlich vom Dach des Ullstein-Hauses gestoßen wird. Moritz Graf war das, was man heute einen Investigativ-Journalisten nennt. Aufgrund seiner erfolgreichen Artikel, die auf akribischen Recherchen beruhten, hatte er einigen Freiraum im Verlag, darunter das Privileg, auch mal auf dem Dach des Hauses zu schreiben. Das wurde ihm nun zum Verhängnis.

Leo Wechsler und sein Team finden lange nicht heraus, was denn das Motiv für den Mord war und fischen daher in vielen trüben Gewässern. In Verdacht gerät ein Arbeitsloser ohne Obdach, aber auch Mitarbeiter anderer Verlagshäuser kommen ins Visier der Polizei. Dabei spielt auch die damalige politische Situation in Deutschland und besonders in Berlin eine erhebliche Rolle, gerät doch Leo Wechsler unter heftigen Druck und wird sogar bedroht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rebecca Fleet: Die Stiefmutter

Ein Brand zerstört nicht nur das Haus der Familie von Alex und Nathalie, er zerstört auch ihr Vertrauen zueinander, verbrennt ihre Träume, Lügen und Gefühle. Das klingt dramatischer und spannender als dieser Roman letztlich ist – ein Thriller ist er ganz sicher nicht.

Nein, im Gegenteil, mich hat dieser Roman so gar nicht gefesselt, die Spannung fehlt in meinen Augen völlig, die Figuren waren hölzern, die Dialoge ebenso und die Handlung flach und ohne Höhepunkte. Die Aktionen der Protagonisten waren für mich zu keiner Zeit nachvollziehbar, Kleinigkeiten wurden aufgebauscht, wichtige Fragen nicht verfolgt.

So beginnt der Roman mit dem Brand. Das Haus, in dem Alex mit seiner zweiten Frau und seiner Tochter aus erster Ehe lebt, geht in Flammen auf. Misstrauen wächst in Alex, da Nathalie offensichtlich aus dem Haus geflohen ist, ohne seine Tochter Jade mitzunehmen. Diese wird dennoch gerettet und erzählt später von einem Unbekannten, der im Haus gewesen sei, Nathalie hingegen will ihn nicht gesehen haben. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eva-Maria Bast: Miss Würzburg

Was nützt ein interessanter, vielleicht sogar etwas spannender Plot, wenn der Schreibstil einfach nur schlimm ist? Dann macht die Lektüre eines Romans schlicht keine Freude.

So im vorliegenden Buch, dessen Handlung sich in den Nachkriegsjahren zuträgt. Es geht um eine junge Frau, die unerwartet zur Miss Würzburg – in dieser Stadt spielt der Roman – gewählt wird. Wie immer in solchen Fällen ergibt sich für die Betreffende daraus einiges an Möglichkeiten. Sie wird zu Modenschauen eingeladen, muss für Werbung zur Verfügung stehen und vieles mehr. Dies bedeutet Reisen, Trennung von der Familie, andererseits aber auch ein nicht zu verachtendes Einkommen.

Dies alles trägt sich zu für die junge Luisa, die mit ihrer Mutter im zerstörten Würzburg lebt. Kurz nach dem Krieg heiratet sie ihre Tanzstundenliebe Hannes, eine Tochter wird bald darauf geboren. Hannes, mehr oder weniger erfolgreicher Theaterschauspieler, kommt nicht gut klar mit dem Erfolg seiner Frau. Hinzu kommt eine Erkrankung des Kleinkindes, was Luisa das Reisen zusätzlich schwer werden lässt. Es kommt, wie es kommen muss. Hannes sucht anderweitig Ablenkung und Bestätigung, auch Luise denkt oft an einen anderen Mann, den sie vor Jahren traf. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Antoine Laurain: Eine verdächtig wahre Geschichte

Vermutlich mag jeder, der gerne liest und vor allem jeder, der selbst schreibt, Romane, die in Verlagen spielen und das Leben von Autoren und Lektoren zum Thema haben. Daher habe ich auch dieses Buch des Franzosen Antoine Laurain mit großer Freude gelesen, wie auch schon seine früheren Romane.

Hauptfigur in dieser verdächtig wahren Geschichte ist die Lektorin Violaine Lepage. Sie ist ein Star in ihrem Beruf und leitet in dem Verlag, bei dem sie arbeitet, die sogenannte Manuskriptabteilung. Dort sind mehrere Menschen damit beschäftigt, die täglich zu Hunderten eintreffenden Manuskripte bekannter und unbekannter Autor:innen zu sichten und zu bewerten. Dabei benutzen sie ein einfaches System: ein Quadrat als Symbol qualifiziert das Manuskript als Ausschuss, ein Mond besagt, man könne später eventuell darauf zurückkommen. Und eine Sonne kennzeichnet eine wertvolle Entdeckung.

Nun machte Marie, Mitarbeiterin in dieser Abteilung, eines Tages eine solche Sonnen-Entdeckung und der Verlag veröffentlichte das Buch „Die Zuckerblumen“ eines bis dato unbekannten Autors. Dieser Roman aber wird nun für den Prix Goncourt, den angesehensten französischen Literaturpreis, nominiert. Doch der Autor – oder ist es eine Autorin? – ist unauffindbar. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nita Prose: The Maid: Ein Zimmermädchen ermittelt

Bei diesem Roman darf man sich von Untertitel und Klappentext nicht in die Irre führen lassen. Denn Molly, das titelgebende Zimmermädchen ermittelt mitnichten. Sondern sie wird in einem Mordfall als Täterin verdächtigt und muss, zum Glück mit Hilfe von einigen guten Freunden, ihre Unschuld beweisen. Dabei ist es am wenigsten sie selbst, die ermittelt.

Denn Molly ist Autistin, ohne es selbst zu wissen. Was sie weiß, ist, dass sie anders ist als andere. In Rückblicken lernt man viel über sie, die bei ihrer – wie es scheint ebenfalls autistischen – Großmutter aufwuchs. So beispielsweise wie sehr sie in der Schule gemobbt wurde, wie die Kollegen im eleganten Regency Hotel sie ablehnen und ihr die schwersten Arbeiten zuschustern.

Die Geschichte wird dabei von Molly selbst in Ich-Form erzählt. Das ist durchaus bewundernswert, muss sich die Autorin, deren Debütroman dies ist, doch stark in ihre Protagonistin hineinversetzen. Die Sprache, die Auffassung von ihrer Umwelt, das (fehlende) Verständnis für die anderen Menschen, all das erfahren wir aus der begrenzten Sicht von Molly.

Sie findet eines Tages die Leiche des reichen Hotelstammgasts Mr. Black in seinem Schlafzimmer. Aufgrund der Hinterlist anderer Beteiligter gerät Molly in Verdacht, die Mörderin und darüber hinaus in Drogengeschäfte verstrickt zu sein. Wegen ihrer Naivität und ihrer Gutgläubigkeit verwickelt sie sich immer mehr in die Fälle. Da ihre Großmutter, deren Lebensweisheiten Molly stets parat hat, vor einer Weile verstorben ist, steht Molly ganz allein in der Welt. Doch Hilfe naht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: