Volker Klüpfel & Michael Kobr: Affenhitze

Es geht doch, ging mir durch den Kopf beim Lesen dieses neuen Falls des berühmten Allgäuer Kommissars Kluftinger. Denn bei den letzten Büchern der beiden Erfolgsautoren kamen mir Zweifel, ob es Sinn macht, diese Reihe weiterzulesen. Zu abgedreht, zu überdreht war der Humor, zu nebensächlich waren die Kriminalfälle geworden.

Doch diesmal hat mich der Roman so gefesselt, dass ich tatsächlich das Buch erst aus der Hand legte, als ich die letzte der über 500 Seiten gelesen hatte. Natürlich spielt auch diesmal das Privatleben des grantelnden Kommissars eine sehr große Rolle, sind auch diesmal seine Unfähigkeiten im Umgang mit modernen Medien oder mit seinen Mitmenschen ziemlich raumgreifend beschrieben. Aber dennoch hat es diesmal auch der Kriminalfall zu einiger Bedeutung im Roman geschafft.

Mittelpunkt des Falles ist eine Tongrube, in welcher Ausgrabungen durchgeführt werden – sehr zum Missfallen des die Grube betreibenden Unternehmers. Während sogar der Ministerpräsident anreist zur Feier eines Sensationsfundes, wird in besagter Grube eine Leiche gefunden, kein paläontologisches Skelett, sondern ein sehr moderner Toter. Der Ermordete war just der Professor, welcher den so wichtigen Fund gemacht hatte, ein Fund, der ein Umschreiben der Menschheitsgeschichte nötig machen könnte. Weiterlesen

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Marianne Cronin: Die hundert Jahre von Lenni und Margot

Herzerwärmend und berührend sind die Adjektive, die mir als erstes einfallen, um diesen Roman zu beschreiben. Mit überwältigendem Einfühlungsvermögen erzählt uns die Autorin in ihrem Erstling die Geschichte von zwei ganz und gar unterschiedlichen Frauen.

Lenni ist siebzehn und wird sterben. Margot ist 83 und wird sicher ebenfalls in absehbarer Zeit sterben. Die beiden begegnen sich im Krankenhaus und beschließen, ihre gemeinsamen genau einhundert Jahre in Bildern festzuhalten.

So beginnen sie für jedes Jahr ihres bisherigen Lebens ein Bild zu malen, und während das geschieht, erzählt die eine der anderen die jeweilige Geschichte dazu.

Geschrieben ist der Roman (fast) durchgängig aus Lennis Perspektive, die den Krankenhausalltag mit so intensiven wie lakonischen Worten beschreibt, dass die Leserin eine Gänsehaut bekommt. Besonders ihre Begegnungen mit Pater Arthur, den sie immer dann in der Krankenhauskapelle besucht, wenn eine Schwester Zeit hat, sie dorthin zu bringen, sind berührend und die Gespräche zwischen dem alten Geistlichen, der vor seinem Ruhestand steht, und dem jungen Mädchen, das bereits am Ende seines Lebens angekommen ist, machen sehr nachdenklich und wirken lange nach. Weiterlesen

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Annette Wieners: Die Diplomatenallee

Über eine spannende Zeit an einem spannenden Ort schreibt Annette Wieners in ihrem neuen Roman. Die Autorin, Journalistin und Moderatorin beim WDR, habe ich schätzen gelernt durch ihre Kriminalromane um eine ehemalige Kriminalbeamtin, die hochspannend und sehr gut geschrieben sind. Hier würde ich mir unbedingt weitere Bände wünschen.

Der neue Roman spielt im Jahr 1974, ein politisch sehr dynamisches Jahr, vor allem in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. Wurde doch in diesem Jahr die Ständige Vertretung der DDR dort eröffnet und scheiterte der damalige Kanzler Willy Brandt an der Spionagetätigkeit von Günther Guillaume.

Zu dieser Zeit führt Heike zusammen mit ihrem Mann Peter ein Schreibwarengeschäft, ganz in der Nähe von Bundestag und den Ministerien. Das führt dazu, dass viele hochrangige Politiker sich die Klinke des Ladens in die Hand geben.

Heike ist eine sehr zurückgezogen lebende junge Frau. Sie hat Graphologie studiert und war dort bereits vor dem Abschluss ihres Studiums sehr erfolgreich. Dann jedoch geschah Schreckliches, ausgelöst durch ein von Heike erstelltes Schriftgutachten. Danach hat sie der Wissenschaft entsagt, nie wieder Schriften studiert, geschweige denn interpretiert. Seither sind viele Jahre vergangen. Weiterlesen

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Judith W. Taschler: Über Carl reden wir morgen

Ich mag Familienepen über mehrere Generationen sehr und ich mag die Bücher von Judith W. Taschler. Also war es keine Frage, dass ich auch ihren neuesten Roman unbedingt lesen wollte. Und ich habe es keineswegs bereut.

Sie erzählt die Geschichte der Familie Brugger, die im österreichischen Mühlviertel in einem kleinen Ort die Mühle betreibt. Beginnend im frühen 19. Jahrhundert verfolgt die Autorin die Geschicke der Familie über mehr als 100 Jahre.

Dabei verfährt sie nicht unbedingt streng chronologisch, sondern folgt eher einzelnen Erzählsträngen, angelehnt an die Perspektive einzelner Familienmitglieder. So erfährt man im einen Strang angedeutete Ereignisse erst später dann im Detail.

Die ersten Protagonisten sind Anton Brugger und seine Schwester Rosa. Sie folgt den Versprechungen einer Anwerberin und gelangt als Hausmädchen nach Wien. Es kommt, wie es kommen muss. Weiterlesen

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Mikael Bergstrand: Zusammen ist es Freundschaft

Zwei ganz besondere Figuren prägen diesen Roman, zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und dennoch werden sie Freunde.

Vor allem der einsame Ingemar Modig ist eine Figur, die man einfach mögen muss. Ja, man möchte ihn in den Arm nehmen, trösten und beschützen vor der Welt, die ihm so grausam vorkommt. Und da ist Dalia, das fußballverrückte Mädchen aus Syrien, mutig ohne Rücksicht auf Verluste, beladen mit leidvollen Erinnerungen.

Diese Beiden begegnen sich durch einen Zufall. Ingemar, seit einem tragischen Ereignis psychisch schwer gestört, zählt alles, in der Hoffnung und dem Wunsch, das Ergebnis möge sich durch Drei teilen lassen. Er zählt die Autos auf einem Parkplatz ebenso wie die Bäume auf der Tapete in seinem Wohnzimmer. Ingemar, über 60 Jahre alt und früher erfahrener Fußballtrainer, erkennt sofort das unglaubliche Talent der kleinen Dalia. Sie ist die Wildeste auf dem Spielfeld zwischen all den älteren Jungs, zumindest so lange, bis ihr Vater sie für alt genug befindet, ab jetzt das vorgeschriebene Kopftuch zu tragen. Weiterlesen

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Eric Berg: Die Toten von Fehmarn

Es hat etwas für sich, eine Krimireihe zu lesen. Man begegnet denselben Figuren wieder, kennt sie und ihre Stärken und Schwächen. Und man kennt den Autor bzw. die Autorin und weiß, was man erwarten darf. Eric Berg dagegen, trotzdem er hier die Reihe um die Journalistin Doro Kagel fortsetzt, ändert zwar seinen Schreibstil nicht, dennoch sind die einzelnen Romane dieser Serie recht unterschiedlich.

Manchen mochte ich sehr, fand beispielsweise „Die Mörderinsel“ unglaublich spannend und tiefschürfend. Andere, wie „Totendamm“ waren eher etwas durchschnittlich, auch überzeugten mich die Figuren damals nicht. Nun also ein weiterer Krimi, in welchem diesmal Doro Kagel sozusagen in eigener Sache ermittelt.

Denn sie taucht in ihre eigene Vergangenheit ein, als sie zum Begräbnis eines früheren Jugendfreundes zu Besuch nach Fehmarn kommt und bei ihrer Mutter unterschlüpft. Mit dieser verbindet sie ein sehr schwieriges Verhältnis, bei dem auch die Hilfe von Yim, Doros Ehemann, nicht viel ausrichtet. Weiterlesen

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Helen Frances Paris: Das Fundbüro der verlorenen Träume

Eine versponnene, etwas skurrile Hauptfigur und eine ungewöhnliche Plotidee, das verspricht dieser Roman. Dazu kommt ein wunderschöner, bildhafter und berührender Schreibstil, mit humorigen Untertönen, ohne dabei ins alberne abzugleiten. Doch leider kollidiert dieser Stil mit einer etwas zäh verlaufenden Handlung.

Die junge Dot lebt völlig zurückgezogen, seit ihr so sehr geliebter Vater starb. Ihre ältere Schwester Philippa dominiert und organisiert nicht nur vieles in Dots Leben, sondern auch die Unterbringung und die Besuche bei der dementen Mutter. Dot arbeitet in einem Londoner Fundbüro und fühlt sich dort, zwischen all den verlorenen Gegenständen mit ihren eigenen Geschichten, sehr wohl. Dabei bricht es ihr das Herz, wenn Fundsachen, die bis Ablauf der Aufbewahrungsfrist nicht abgeholt wurden, versteigert oder verschrottet werden.

Als ein älterer Mann einen Verlust meldet, möchte sie so gerne die verlorene Tasche für ihn finden. Das und viele weitere Umstände, wie ein schmieriger Vorgesetzter, der ihr auf die Pelle rückt, führen dazu, dass sie sich immer mehr im Untergrund des Fundbüros verkriecht und dabei Gefahr läuft, in ihrer Fantasiewelt zu versinken. Doch mit Hilfe von ihrer Kollegin, ihrer Schwester und eines Arztes aus dem Pflegeheim ihrer Mutter gelingt ihr die  Entwicklung und Befreiung. Weiterlesen

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Delphine de Vigan: Die Kinder sind Könige

Was für ein Buch. Was für eine Autorin. Ich war schon von ihren anderen Romane begeistert, die ich lesen durfte. Aber dieses hier ist wie ein Faustschlag in den Magen, wie eine eiskalte Dusche. Und man kann nur hoffen, dass es viele Menschen lesen und ihre Lehren daraus ziehen. Ich bin jedenfalls sicher, dass es noch lange nachwirken wird, dass ich noch lange darüber nachdenken werde.

Die Handlung beginnt 2019. Mélanie ist eine Mutter, die ihre Kinder, Sammy und Kimmy,  vergöttert. Ihre Liebe und vor allem ihre Bewunderung für ihre Kinder sollen möglichst viele andere Menschen teilen. Und diese Menschen sollen vor allem auch Mélanie selbst lieben. Um das zu erreichen, hat Mélanie, als Kimmy gerade einmal 2 Jahre alt war, begonnen, Videos ihrer Kinder zu drehen und diese auf You-Tube zu veröffentlichen. Nach anfänglich nur gelegentlichen Filmen wird es immer mehr, bis schließlich ständig die Handykamera auf die Kinder gerichtet ist. Und die Familie unglaublich viel Geld damit verdient.

Doch eines Tages verschwindet Kimmy, kehrt vom Versteckspiel nicht zurück. Die Polizei glaubt an Entführung und setzt den in solchen Fällen üblichen Apparat in Gang. Besonders in die Ermittlungen eingebunden ist die procédurière Clara. Sie hat eine ganz andere Geschichte als Mélanie, sie führt ein komplett anderes Leben als Mélanie. Clara ist unverheiratet, hat keine Kinder und geht im Grunde völlig in ihrem Beruf auf. Weiterlesen

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Julia Mattera: Der Koch, der zu Möhren und Sternen sprach

Ein liebenswerter Grantler mit eigenwilligen Macken, eine wunderschöne Landschaft und dazu noch gutes Essen – also die perfekten Zutaten zu einem perfekten Roman. Die selbst im Elsass geborene Autorin siedelt die Handlung ihres ersten Romans für Erwachsene eben dort an und erzählt von Robert, dem Koch, der in der von seiner Schwester Elsa betriebenen Auberge für die kulinarischen Genüsse der Gäste sorgt.

Robert ist ein verschrobener, zurückhaltender Mann Anfang 50, der am liebsten allen Menschen, außer seiner Schwester und deren beiden Kindern, aus dem Weg geht. Viel lieber als mit Menschen unterhält er sich mit seinen Möhren, seinen Tomaten und den Zucchini, die er alle mit großer Achtung und Liebe behandelt.

In sein bisher geordnetes Leben bricht nun einmal der junge Hassan ein, der zusammen mit seiner Mutter Fatima in Elsas Auberge aushelfen und Robert zur Hand gehen soll. Aufgrund schlechter Erfahrung mit solchen Praktikanten ist Robert erst sehr skeptisch, doch mit vereinten Kräften, viel Geduld und Humor gelingt es den anderen, ihn dazu zu bringen, sich etwas mehr zu öffnen. Noch mehr ist das der Fall, als schließlich auch noch die Engländerin Maggie, eine Freundin von Fatima, in sein Idyll eindringt. Sie überwältigt ihn, er ist fasziniert von ihr und man ahnt, was kommen wird. Weiterlesen

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Dietmar Wischmeyer: Als Mutti unser Kanzler war

Von A wie Abschied bis Z wie Zukunft führt uns Dietmar Wischmeyer durch 16 Jahre Kanzlerin Angela Merkel. Wer kennt ihn nicht, den Kabarettisten und Autor Dietmar Wischmeyer, bekannt für seine treffsichere Ironie, seine präzise Aufdeckung der Schwachstellen unsere aktuellen und früheren Politiker.

Im vorliegenden Buch nun nimmt er sich die Zeit vor, die von Angela Merkel als Kanzlerin geprägt ist. Dabei geht er nicht chronologisch und eigentlich auch nicht thematisch vor, sondern er hangelt sich von einer Erinnerung zur anderen, eben von A bis Z durch eine „total krasse Zeit“.

Keiner ist vor ihm sicher, an allen Parteien, an allen echten und eingebildeten Größen der Politik arbeitet er sich ab. Dabei ist seine Zunge so spitz, dass sie tief in die von ihm aufgerissenen Wunden eindringt und den Eiter freilegt. Weiterlesen

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