Jasmin Engel: Last Era: In Zeiten des Wandels

Der Roman Last Era: In Zeiten des Wandels entführt uns in das Nürnberg des Jahres 1500. Dieses Datum markiert den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit. Der Buchdruck, die Reformation, bedeutende Erfindungen und neue Strömungen in Kunst, Philosophie und Wissenschaft verändern das mittelalterliche Weltbild nachhaltig. Die neuen Erkenntnisse dringen jedoch nur langsam in das Leben und den Alltag der Menschen. Altes und Neues existieren gleichzeitig nebeneinander. Unsicherheit und veränderte Rahmenbedingungen führen zu tiefsitzenden Ängsten bei den Menschen. Der Glaube an die Endzeit kommt in Mode.

Die neunzehnjährige bürgerliche Sophie lebt, noch unverheiratet, zusammen mit ihrem Vater in Nürnberg. Während sie von ihrer unmöglichen Liebe zu dem Adligen Simon träumt und versucht, ihre übersinnlichen Fähigkeiten sowie die immer häufiger vorkommenden Träume von einem Engel namens Adrael zu verstehen, verfolgt ihr Vater im Keller seines Hauses heimliche Studien. Als ein Inquisitor in der Stadt aktiv wird, geraten Sophie und ihr Vater in große Gefahr. Die Menschen beginnen sich gegenseitig zu beschuldigen und über Sophies Vater kursiert das Gerücht, er würde schwarze Magie betreiben.

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Krisz Hardy: September-Kinder 89: Über alle Grenzen

Stell dir vor: Eines Morgens wachst du auf und deine Eltern sind verschwunden. Zurückgelassen haben sie nur eine kurze Nachricht und etwas Geld. Du bist erst 13 Jahre alt und plötzlich der Erwachsene.

„Mein Blick fällt auf einen Briefumschlag, …, für Paul und Michi, von Mama und Papa, steht darauf.“ S. 26

Dieser Satz fährt mir wie ein Stich ins Herz, weil es so unvorstellbar ist, dass eine Mutter oder ein Vater tatsächlich einfach so ihre Kinder im Stich lassen können, nur um „rüberzumachen“, wie damals in der DDR das Abhauen in den Westen so leichthin genannt wurde.

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Carmen Rohrbach: Der Kernbeißer

„Indem man etwas tut, hilft man sich selbst den Schmerz in eine Form zu kleiden.“ S. 14

Die Reiseschriftstellerin Steffi ist es gewohnt sich allein durchs Leben zu schlagen. Als Forschungsreisende hat sie die Welt gesehen, sie liebt das freie Leben in der Natur und hasst es abhängig zu sein. Als ein aggressiver Brustkrebs bei ihr diagnostiziert wird, droht sie in Hoffnungslosigkeit zu versinken. Der Hoffnung und dem Glück aufs Höchste misstrauend, glaub nur an Aktivität, Kampf und Disziplin. Nicht einmal engsten Freunden oder ihrer eigenen Familie vertraut sie sich an. Ganz auf sich gestellt lässt sie Arztbesuche, Chemotherapie und Bestrahlung über sich ergehen, ja sogar die Auseinandersetzung mit ihren Ängsten und Sorgen macht sie nur mit sich aus. Doch im Bewusstsein des drohenden Todes lassen sich die existenziellen Fragen des Lebens nicht so einfach verdrängen.

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Gisèle Pelicot: Eine Hymne an das Leben: Die Scham muss die Seite wechseln

„Ich dachte, unser Leben wäre gelungen, das Böse vermodere unter der Erde. Dabei gedieh es in ihm, der direkt neben mir stand …“ (S. 145)

Dieses Buch erzählt die verstörende Geschichte von Gisèle Pelicot, einer Frau, die zu einer Ikone der Frauenbewegung wurde, weil sie das Schweigen der Scham überwand.

Gisèle Pelicot hat drei Kinder und sieben Enkelkinder. Fünfzig Jahre ihres Lebens verbrachte sie mit dem Mann, der sie über zehn Jahre hinweg betäubte, missbrauchte und sie mehr als 70 weiteren Männern zur Vergewaltigung überließ. Heute nennt sie diesen Mann nur Monsieur Pelicot. Mehr als 200 dieser Vergewaltigungen hat er gefilmt. Nur weil es dieses Filmmaterial gibt, fand 2024 ein Gerichtsprozess statt, bei dem die Täter mit ihren Ausreden und infamen Behauptungen, es wäre alles nur ein Spiel gewesen, Gisèle hätte davon gewusst und zugestimmt, nicht durchkamen. Diese zarte, zerbrechliche Frau entschied, dass die Videos der Verbrechen während der Verhandlung gezeigt werden. Was ihr geschah, soll die Öffentlichkeit erfahren, damit die Scham endlich die Seite wechselt: weg vom Opfer, hin zu denen, die diese Taten verüben. Für ihren Mut wurde Gisèle Pelicot die höchste zivile Auszeichnung Frankreichs verliehen, der Verdienstorden der Ehrenlegion.

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Dorothea Stelling (Hrsg.): Frauen schreiben über das Leben

„Holen Sie sich erst einmal einen Kaffee, bevor Sie den gesamten Personalrat köpfen.“ (S. 34)

Aufgefallen ist mir die Anthologie „Frauen schreiben über das Leben“ aufgrund des extravaganten Covers, das zwischen all den bunten Hochglanztiteln erfrischend aus dem Rahmen fällt. Darin findet sich eine bemerkenswerte Sammlung von 35 Kurzgeschichten über die Schönheit und die Zumutungen des Lebens. Niedergeschrieben als traurige, bittersüße, humorvolle und zuweilen skurrile Erzählungen, immer aus der Perspektive von Frauen, die auch heute noch viel zu oft nicht gehört wird. Sie erzählen von Mut, Verlust und Neubeginn. Manche von ihnen lassen den Leser auch nachdenklich zurück. Zwischen Sommerregen, innerem Stinktier und Kuchen mit Gott stecken sie sogar das Schreckgespenst der Wechseljahre zurück in die Kiste.

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Christine Rechl: Die wunderbaren Schafe der Amelie und der Tote im Englischen Garten

weihnachtlich – cosy – herzerwärmend

Die wunderbaren Schafe der Amelie und der Tote im Englischen Garten

Ein veganer Weihnachtsmarkt im Englischen Garten mit Stall, Krippe und echten Schafen. Für Künstlerin Amelie, die eigentlich ein Wollgeschäft in München betreibt und mit ihrem Rauhaardackel Josef den Advent ganz allein in einem Schäferwagen wohnt, um ihre Schafherde im Englischen Garten nicht allein zulassen, endet das vorweihnachtliche Idyll abrupt, als ausgerechnet der Markt zum Tatort wird. Natürlich fällt der erste Verdacht auf eine Gruppe von Veganern. Doch diese Lösung scheint Amelie viel zu einfach zu sein.

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Andrea Günther: Die Gipfelstürmerin

kraftvoll – inspirierend

Das Matterhorn, einer der höchsten Berge der Alpen und meistfotografierte Touristenattraktion der Schweiz, fasziniert uns mit seiner besonderen Form. So sehr, dass man sogar im Disneyland Resort in Kalifornien eine maßstabsgetreue Nachbildung bewundern kann. Seit seiner Erstbesteigung vor mehr als 150 Jahren starben aber auch mindestens 500 Alpinisten bei dem Versuch, den Gipfel zu erklimmen.

Andrea Günther erzählt in ‚Die Gipfelstürmerin‘ von der Engländerin Lucy Walker, die am 22. Juli 1871 als erste Frau das Matterhorn bestieg.

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Nick Stein: Die Bierhexe

Es ist das Jahr 1151. Die 14-jährige Amalia genießt ihre erwachende Spiritualität, ihr Leben im Einklang mit der Natur und sie lernt von ihrer Tante Elisabeth allerlei Wissenswertes über die Heilkraft der Pflanzen aber auch über das Bierbrauen. Weil ihre Eltern sie mit dem Sohn eines Schweinebauern verheiraten wollen, keimen in ihr Gedanken zur Flucht auf. Als dann auch noch ihr Bruder Johann in einen Kreuzzug Richtung Jerusalem gezwungen werden soll, machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Bremen. Amalias Wunsch ist es, einmal die berühmte Heilerin Hildegard von Bingen zu treffen. Ein Unglück verschlägt sie auf die Winzenburg, wo sie Bekanntschaft mit dem Bischof von Hildesheim macht. Das von Amalia eigens für ihn gebraute Heilbier scheint zu helfen, doch als seine Lebensgeister wieder erstarken und Amalia seine Avancen zurückweist, muss sie sich fortan auch vor seinem Einfluss verbergen. Im Paulskloster findet sie Unterschlupf und braut ihr erstes eigenes Starkbier, was mach einer ihr missgönnt. Nur in dem Henker Gernot, der nebenher als Bader tätig ist, findet sie einen Freund. Weiterlesen →

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Gina Mayer: Der Kuckuck

Der Kuckuck ist ein Familienroman und eine einfühlsame Geschichte über Mutterschaft, die für viele Frauen über Generationen hinweg und selbst heute, nicht immer eine unbelastete, freie Entscheidung ist. In poetischen Worten erzählt Gina Mayer von drei ungleichen Freundinnen in einem winzigen Dorf im Jahre 1919. Im Riestal zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb werden Babette Rosch, Kind einer alteingesessenen Bauernfamilie, Rosl Böswanger, Spross der ärmsten Familie des Dorfes und Evelin Gruber, die Tochter des Gutsherren zu Freundinnen, die ihre Geheimnisse miteinander teilen und zusammen von der Zukunft träumen. Eine Zukunft, die für jede von ihnen ganz anders kommt, als erhofft, ihre Schicksale fest miteinander verwebt, auch wenn sie sich später aus den Augen verlieren und die schließlich sogar die Leben ihrer Angehörigen und Nachgeborenen stärker beeinflusst, als ihnen bewusst ist. Weiterlesen →

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Regula Venske: Die Schneckenkönigin

komplex – verstörend – provokant

Eine Reihe grausamer Morde beschäftigt Polizeiteams in Hamburg, Berlin, Amsterdam und London. Der Killer wählt seine Opfer zielsicher aus, befördert sie, ermuntert durch diverse Bibelzitate, skrupellos ins Jenseits und lässt dabei die Ermittler ziemlich ratlos im Dunklen tappen.

Durch die Geschichte führen uns Peter Player, genannt Pit, Mediziner und unverbesserlicher Schürzenjäger, der zuerst seltsame Fotos, dann immer gruseligere Botschaften in seiner Post findet und Romy Schulze, eine Psychotherapeutin, deren eigenes Leben zusehends aus den Fugen gerät. Während sie ihre Patienten mit provozierenden Fragen traktiert, kämpft sie gegen die Realitäten des Älterwerdens, die unterkühlte Beziehung zu ihrer Tochter und eine unerfreuliche Schneckenplage in ihrem Gartenrefugium.

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