D.C. Odesza: Beloved Villian: You can’t run from me

Um vor einem Stalker zu fliehen, zieht Nuria nach Australien, um als Au-Paire zu arbeiten. Sie rechnet aber nicht damit, dass ihre Gastfamilie auch einige Geheimnisse hüten, die gefährlich für die junge Frau werden könnten. Zum Glück hat sie ja doch noch ihren Stalker an ihrer Seite, oder?

Das erste Drittel des Buches fand ich noch etwas schwierig mit dem Lesen, aber dann hat es mich doch noch etwas begeistern können. Ich muss dazu sagen, dass ich dieses Dark Romance einfach nicht so unbedingt feiere und mir manches Mal alles zu viel wird mit den Details, hier war es aber ok. Außerdem war es teils ganz schön spannend, wenn der Stalker für mich auch etwas schwach gezeichnet wurde und ich ihn nicht ganz so einordnen konnte. Er war das komplette Gegenteil von Nuria, aber wie sagt man so schön? Gegensätze ziehen sich an.

Gefallen hat mir hier der Thriller-Anteil, der das Ganze schön spannend macht. Auch die unvorhersehbaren Plot-Twists waren gut gesetzt und das Buch ließ sich gut durchlesen. Weiterlesen

Arezu Weitholz: Hotel Paraíso

Die Auszeit in einem verwaisten Hotel an der Algarveküste wird für eine junge Frau zur Reise zurück in die Kindheit und zum Selbstfindungstrip.

Für ihren im Jahr 2020 erschienenen erfolgreichen Vorgängerroman „Beinahe Alaska“ wurde die Autorin Arezu Weitholz mit dem Hans-Fallada-Preis ausgezeichnet.

Ihr neuer Roman „Hotel Paraiso“ entpuppt sich als kein wirkliches Paradies. Dennoch, das Timing könnte kaum besser passen für die Protagonistin: Frieda hat Probleme in ihrem Beruf, da kommt ihr das Angebot, die Weihnachtszeit in Portugal, in einem Hotel am Meer zu verbringen, gerade recht.

Jetzt, außerhalb der Saison, ist das Hotel Paraiso geschlossen. Während die Besitzerin ihren Urlaub in Asien verbringt, soll das Haus nicht leer stehen, weshalb sie der jungen Frieda den Hotelschlüssel samt ihrem Labrador Otto überlässt.

Frieda kommt die Ruhe im Hotel und an der Küste gelegen. Sie braucht Abstand zu ihrem Job als Synchronsprecherin, der zum Problem geworden ist. Nun ist sie krankgeschrieben, weil ihre Stimme versagt und sie sich nicht mehr in die Figuren hineinversetzen kann. Zudem treibt sie um, dass sie früher oder später möglicherweise durch KI ersetzt werden könnte. Weiterlesen

Kimberly McCreight: Die perfekte Mutter

Das Etikett Thriller passt so gar nicht auf diesen Roman, dazu fehlt es an Spannung, an Suspense und an Tempo. Stattdessen bietet die Geschichte zu viel Selbstmitleid, zu viel Tränendrüse, zu viel Drama.

Molly, die bisher in einer Mütterberatungsstelle gearbeitet hat und jetzt bei der Zeitung ihres neuen Wohnortes tätig ist, bekommt unverhofft den Auftrag, über eine aufgefundene Leiche zu berichten. Sie ist weder als Journalistin ausgebildet noch gehörten solche Aufgaben bisher zu ihrem Bereich. Molly ist verheiratet mit Justin und Mutter der fünfjährigen Ella. Und sie ist traumatisiert durch eine Totgeburt, die aber bereits ein paar Jahre zurückliegt, sie jedoch in tiefe und langanhaltende Depressionen stürzte, aus denen sie noch immer nicht ganz herausfand.

Umso schlimmer für sie, dass die gefundene Leiche ein Baby ist. Durch ihre Recherchen findet sie heraus, dass es zwar in der Kleinstadt bislang noch keine Morde, dafür aber am jetzigen Fundort der Babyleiche einen tödlichen Unfall gab vor ein paar Jahren.

An dieser Stelle wechselt abrupt die bislang in Ich-Form erzählte Perspektive und wir folgen nun der jungen Sandy, deren Handlung in der dritten Person erzählt wird. Sandys Mutter Jenna ist verschwunden, der Vermieter droht wegen ausstehender Mietzahlungen mit Rauswurf. Weiterlesen

Sibylle Baillon: Wie Spuren am See – Das Juwel: Bodensee-Saga

Erster Eindruck
Dass der Roman Wie Spuren am See – Das Juwel von Sibylle Baillon gleich mit zwei Paukenschlägen beginnt, überrascht nicht nur die Hauptfiguren Bella und Chris, sondern auch denjenigen Leser, der Band 1 und 2 genossen hat. Obwohl jeder Band voneinander unabhängig lesbar und keine Fortsetzung des vorherigen ist, stellt dieser Roman Bezüge zu bereits bekannten Figuren und Begebenheiten her. Dem, der dieses Buch als erstes liest, entgeht dadurch nichts, die Leser der Reihe finden aber durch ihre Erinnerung umso leichter ins Setting.

Inhalt
Während Isabella und Chris unbeschwert ihr Leben in der von Ada geerbten Villa am Bodensee genießen, meldet sich Isas alte Freundin Rita zu Besuch an – mit Bernd, Isabellas früherem Lebensgefährten, den sie wegen dieser Erbschaft und wegen Chris verlassen hatte. Überraschend harmonisch verläuft das Zusammensein – dem gemeinsamen Interesse der beiden Männer an einem geheimen Besuch Napoleons in Lindau geschuldet. Und einem dort wohl verloren gegangenem Kleinod: dem Juwel, das dem Buch seinen Namen gab. Weiterlesen

Ana Huang: If We Ever Meet Again

Sie möchte sich das erste Mal verlieben, er möchte von Liebe nichts wissen.

Farrah Lin macht ein Auslandssemester in Shanghai, genau wie Blake Ryan. Blake ist ein Ex-College-Football-Star und vom ersten Anschein an nicht Ferrahs Typ, doch sie haben dieselbe Freundesgruppe und freunden sich somit an, dadurch können sie aber auch das Knistern zwischen ihnen nicht mehr leugnen.

Ich habe mich sogleich in dieses Cover verliebt, das Buch an sich konnte mich dann aber leider nicht mehr ganz so überzeugen. Vor allem fand ich die Story an einem gewissen Punkt schon sehr vorhersehbar. Die Wendung am Ende wurde schon im Prolog gespoilert und den Grund dafür konnte man eins zu eins so alleine zusammen denken, weshalb die Überraschung ausgeblieben ist. Dennoch ließ sich das Buch sehr schnell und flüssig lesen, allerdings würde ich es wohl nicht weiterempfehlen wollen. Weiterlesen

Petra Pellini: Der Bademeister ohne Himmel

Im Mittelpunkt der Geschichte, die anrührend ist und nachdenklich macht, steht die fünfzehnjährige Linda. Sie erzählt in Ich-Form von ihrer Freundschaft zum sechsundachtzigjährigen Hubert, den sie lieber besucht als die Schule.

Linda wächst bei ihrer Mutter auf, der Vater ist verschwunden, doch beide weinen ihm nicht nach, denn er schlug auch schon mal zu. Doch zwischen Linda und ihrer Mutter fehlen oft die Worte, sie scheinen nicht dieselbe Sprache zu sprechen. Als ein neuer Mann in das Leben der Mutter tritt, wird es nicht besser.

So ist es auch eine Art Flucht, wenn Linda so oft wie möglich zu ihrem Nachbarn Hubert geht. Der immer mehr seiner Demenz verfallende Mann wird von Ewa versorgt, einer Polin, die mit Fachkenntnis, Akribie und Liebenswürdigkeit ihre Arbeit versieht. Beauftragt wurde sie von Huberts Tochter, die Linda nur den „Nachtfalter“ nennt. Denn die Tochter ist überfordert mit dem zunehmenden Verfall des Vaters, ist hilflos im Umgang mit dem Mann, der nie so reagiert, wie man es erwartet. Weiterlesen

Tillie Cole: Lord of London Town

Der jungen Cheska Harlow-Wright steht eine glorreiche Zukunft an der Seite eines einflussreichen britischen Geschäftsmanns bevor. Doch ihr Herz gehört Arthur Adley, dem Mann, der London mit eiserner Hand regiert – dem Mann, der für sie getötet und damit ihr Leben gerettet hat. Seit dem Tod seines Vaters hat der 18-jährige als Oberhaupt der meistgefürchteten Familie Großbritanniens alle Hände voll zu tun, sich als rechtmäßiger König der Londoner Unterwelt zu behaupten. Ablenkung, Gefühle oder Schwäche kann er sich nicht leisten. Aber als Cheska zurück in sein Leben tritt, gerät alles ins Wanken. Sie darf nicht Teil seiner Welt sein und doch ist ihm klar, dass er sie nicht noch einmal von sich stoßen wird …

Dieses Buch ist das erste einer Reihe und ich werde die Reihe nicht weiter verfolgen, denn selbst für Dark Romance war es mir zu sadistisch dargestellt. Ich tat mich schwer mit dem Buch, es war für mich eine Qual zu lesen. Nichts in dem Buch konnte ich nachvollziehen. Auch wenn ich irgendwann an den Punkt angelangt war, dass ich die Geheimnisse wissen wollte, hatte es mich nicht begeistern können. Trotz des großen Cliffhangers werde ich den nächsten Band der Reihe nicht lesen. Weiterlesen

Colin Niel: Darwyne

Die Anthropologin Mathurine arbeitet in Französisch-Guayana bei der Kinder- und Jugendwohlfahrt. Mehrere Mitarbeiterinnen versuchen dort nach Kräften gegen Kindesmisshandlungen oder Missbrauch vorzugehen. Zu dem von ihnen betreuten Gebiet gehört auch der Slum Bois Sec, unmittelbar angrenzend an den Dschungel. Ein anonymer Anrufer meldet eines Tages, dass es da ein Kind gebe, mit dem sei etwas ganz und gar nicht in Ordnung. Mathurine muss dem Fall nachgehen und entdeckt, dass schon vor einiger Zeit jemand von der Kinder- und Jugendwohlfahrt bei der angegebenen Adresse war, der Fall aber als erledigt zu den Akten gelegt wurde. Sie schaut trotzdem dort vorbei und lernt Yolanda Massily und ihren Sohn Darwyne kennen. Darwyne hat eine Fehlstellung der Füße, liebt Pflanzen und Tiere über alles und seine Mutter abgöttisch.

Sozial scheint alles in Ordnung zu sein. Yolanda nimmt keine Drogen, verdient ihr Geld als Händlerin, macht einen sauberen, gepflegten, bemühten Eindruck. Lediglich ihr Männerkonsum weicht ein wenig vom Standard ab. Weiterlesen

Anne Freytag: Lügen, die wir uns erzählen

„Nostalgie ist eine dreckige Lügnerin“
Ein endloses Was-wäre-wenn?, ein tiefes Bedauern.“ (S. 214)

Ja, was wäre gewesen, wenn …

Helene hätte mit Alex durchbrennen können. Stattdessen blieb sie bei ihrem Mann Georg – der sie jetzt verlässt, weil er sich in eine andere verliebt hat.

Ich sollte Mariam nicht stalken, aber ich kann nicht anders. Wie bei einem Mückenstich, den man anfängt zu kratzen, und dann ist man im Wahn.“ (S. 25)

Alex und Helene, ihre Liebe zueinander hat sie beide schon damals während ihres Studiums existenziell erschüttert. Ein ewiges Hin und Her, Gefühle, die ein Echo hatten, aber im Lärm von Helenes Leben untergingen.

Ich kann diesen fulminanten Roman, dem man die ein oder andere Länge verzeihen kann, nur wärmstens empfehlen! Weiterlesen

Claire Lombardo: Genau so, wie es immer war

Die US-Amerikanerin Claire Lombardo (Jahrgang 1989) hat nach dem großen Erfolg ihres ersten Romans „Der größte Spaß, den wir je hatten“ aus dem Jahr 2019 nun ein neues Buch geschrieben. „Genau so, wie es immer war“ wurde mit Spannung erwartet und erscheint heute, am 15. August 2024, bei dtv. Es wurde wie schon der vorangegangene Roman von Sylvia Spatz aus dem Englischen übersetzt.

 

Große Erwartungen und kleine Enttäuschungen

Zur Erinnerung: Claire Lombardo schrieb in ihrem ersten Buch „Der größte Spaß, den wir je hatten“ über die Familie Sorenson aus Oak Park in Illinois. Ein Buch mit vielen Akteuren, das ich mit dem größten Vergnügen gelesen habe. Dementsprechend waren meine Erwartungen an „Genau so, wie es immer war“ hoch. Und wurden zunächst enttäuscht. Mit Julia Ames, der Protagonistin dieser Geschichte, wurde ich zu Beginn nicht recht warm. Weiterlesen