Yanis Varoufakis: Technofeudalismus

„Ich weiß noch, wie ich … sagte: „Wir erleben etwas, das in eklatantem Widerspruch zu allen Formen des Kapitalismus steht.“ (S. 113)

In den Augen des Wirtschaftswissenschaftlers, Politikers und Autoren Yanis Varoufakis hat der Technofeudalismus den Kapitalismus getötet. Unter Technofeudalismus versteht er unter anderem ein riesiges, digitales Finanzsystem, das systematisch Gebühren („Renten“) von Internetnutzern einfordert, ohne hierfür tatsächlich eine Gegenleistung zu erbringen.

Die Natur einer Rente erklärt der Autor wie folgt: „Eine Rente fließt aus dem privilegierten Zugang zu Dingen mit fixem Angebot wie fruchtbaren Boden oder Land, in dem fossile Brennstoffe lagern. Man kann nicht mehr von diesen Ressourcen produzieren …“ (S. 145) Im Gegensatz hierzu steht der Profit, der durch unternehmerisches Handeln entsteht und durch Wettbewerb gefährdet ist.

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Charlotte Inden: Im Warten sind wir wundervoll

Ein anrührender Roman, der viel mehr ist als eine simple Liebesgeschichte. Wir erfahren hier eine ganze Menge über die Lebensumstände in Deutschland in der Nachkriegszeit mit all ihren Problemen und Nöten. Wir erfahren auch, welche Hürden junge Frauen überwinden mussten, denen es „passiert ist“, sich in einen amerikanischen Soldaten zu verlieben und ihn heiraten zu wollen. Das war nicht erlaubt. Viele Frauen mussten deshalb alleine zurückbleiben. Manchmal bereits verheiratet – was ebenfalls verboten war und bestraft wurde -, manchmal sogar mit Kind. Bis der sogenannte „war-bride-act“ erlassen wurde, der es den Frauen, die mit einem GI verlobt waren, gestattete, ihm in die USA zu folgen. Der Act galt allerdings nur befristet bis zum 31.12.1948.

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Sebastian Fitzek: Das Kalendermädchen

Um das Leben ihrer Tochter zu retten, begibt sich Olivia auf die verzweifelte Suche nach den richtigen Eltern ihrer Tochter. Die Akte ist allerdings unter Verschluss, denn den Namen darf keiner erfahren, denn das würde die leibliche Mutter in Gefahr bringen. Bei der Recherche stößt Olivia auf die Legende des Kalendermädchens, dies soll eine junge Frau sein, die sich einst zur Weihnachtszeit in einer einsamen Hütte zurückgezogen hatte und dort gezwungen wurde, einen Adventskalender des Grauens zu öffnen …

Der Prolog verspricht hier eine spannende Geschichte und dem ist auch so, wenn es sich für mich in der Mitte des Buches auch etwas zog und der typische Fitzek Plottwist bei dem Buch etwas länger auf sich warten ließ – aber er kam.

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Silvia Jelincic: Wir im besten Alter

Greta, Ximena, Lilly, Nadine und Burglind wohnen alle fünf in Wien, sind alle Mitte vierzig und miteinander befreundet. Außerdem verbindet sie eine gewisse Langeweile und die Angst vor dem Altwerden. Obwohl keine von ihnen nennenswerte Probleme hat, ist ihnen das Leben in seiner momentanen Form nicht genug. Sie wollen Abenteuer, jung und schön sein und unbeschwert. Vier sind verheiratet, eine hat einen Langzeitlover, der ebenfalls verheiratet ist. Drei haben Kinder, zwei sind freiwillig kinderlos.

Um Pep in ihr Leben zu bringen, schließen sie einen Pakt. Jede von ihnen soll ihre „besten Jahre“ auf ihre Weise genießen. Das machen die Damen auch und in Folge geht es dann fast ausschließlich um Sex. Ximena engagiert zum Beispiel einen Detektiv, der mögliche Liebhaber für sie ausspioniert, Burglind nimmt sich die Männer ohnehin wann und wo sie will und Lilly hatte noch nie einen Orgasmus, was sie schleunigst ändern will.

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Colum McCann mit Diane Foley: American Mother

In „American Mother“ beleuchtet der preisgekrönte US-amerikanische Schriftsteller Colum McCann gemeinsam mit Diane Foley ein erschütterndes Kapitel der jüngeren Geschichte: die Geiselnahmen durch islamistische Gruppen im Nahen Osten. Im Zentrum des Buches steht die tragische Geschichte des Journalisten James Foley, der 2012 in Syrien von extremistischen Islamisten gefangen genommen und nach zwei Jahren brutaler Folter vor laufender Kamera grausam hingerichtet wurde. Seine Mutter, Diane Foley, verarbeitet in diesem Buch nicht nur ihre unermessliche Trauer, sondern auch ihren Kampf für andere Geiseln und ihre Familien.

James Foley: Ein Leben zwischen Mut und Gefahr

Das Buch zeichnet ein intensives Porträt von James Foley, einem mutigen Journalisten, der bereit war, sein Leben zu riskieren, um die Wahrheit aus Konfliktgebieten zu berichten. Doch es bleibt nicht bei der Erzählung seines Lebens: Diane Foley gewährt Einblicke in ihre eigene Gefühlswelt und beschreibt ihren Weg, mit dem Verlust ihres Sohnes umzugehen. Besonders eindrücklich sind ihre Begegnungen mit dem inhaftierten Geiselnehmer ihres Sohnes, dem sie am Ende sogar die Hand reicht – ein bewegender Akt der Vergebung.

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Katja Lange-Müller: Unser Ole

Ein Roman mit drei Protagonistinnen, in dem ein geistig beeinträchtigter Junge das Verbindungsglied ist.

Ole will am liebsten in Ruhe gelassen werden. Die Pubertät macht ihm zu schaffen. Außerdem liebt der autistische Halbwüchsige die Welt genauso wenig wie sie ihn. Ein abgedunkeltes Zimmer im oberen Stockwerk des Hauses, dazu immer dieselben Essensrationen. Zum Trinken täglich Cola, dazu mehrere kalte Bockwürste und Brötchen, mehr braucht er nicht. Ein anderes Leben kennt er auch nicht. Versorgt, umsorgt und auch immer häufiger schikaniert wird er von seiner Oma Elvira. Als der geistig schwer beeinträchtigte Junge, dessen Wortschatz sich aus nur wenigen Worten zusammensetzt, seinen eigenen Willen entwickelt, ist Elvira schlicht überfordert. Immerhin hat sie doch bislang alles und alle dominiert. Hat ihre Form von Mutterliebe gegeben oder entzogen. Aber mittlerweile ist Ole ihr körperlich weitaus überlegen.

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Jo Nesbø: der könig

Die Könige in ihrem Königreich

Den norwegischen Krimiautoren Jo Nesbø (Jahrgang 1960) muss ich hier nicht weiter vorstellen, denn er gehört zu den weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Schriftstellern seines Genres.

2020 erschien bei Ullstein sein Kriminalroman „ihr königreich“ über die beiden Brüder Roy und Carl Opgard aus Os, einem fiktiven kleinen Dorf in Norwegen mit ungefähr tausend Einwohnerinnen und Einwohnern. Die beiden Opgards wollen in Os ein Wellness-Hotel errichten, aber das Projekt steht unter keinem guten Stern. Os Spa geht am Ende in Flammen auf. Nun hat Jo Nesbø mit „der könig“ die Fortsetzung der Geschichte vorgelegt. Das Buch ist am 31. Oktober 2024 in einer Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein erschienen.

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Freida McFadden: Sie wird dich finden

Es sind einige Jahre vergangen, seit Millie die Häuser anderer Leute putzte und dabei immer wieder auf Dramen stieß. Sie hat den italienischen Gärtner inzwischen geheiratet, zwei Kinder bekommen und gerade sind die beiden so weit, dass sie in ihr erstes eigenes Haus ziehen können. Sie haben nur zwei Nachbarn – Freida McFadden hält ihre Protagonistenzahl angenehm überschaubar – aber die haben es irgendwie in sich. Die eine ist verwitwet, hält ihren kleinen Sohn wortwörtlich an der kurzen Leine und erweist sich als Helikoptermami. Die andere hat keine Kinder, will keine Kinder, mag keine Kinder und schmeißt sich an Millies Mann Enzo heran.  Beide begrüßen Millie und ihre Familie oberflächlich freundlich und jede warnt Millie vor der jeweils anderen.

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Freida McFadden: Sie wird dich finden

Millie und ihre Familie ziehen in ein kleines Häuschen in einer ruhigen idyllischen Gegend, hier wollen sie endlich ihre Ruhe finden. Doch schon bald kommt Millie alles komisch vor, sie ist sich sicher hier geht etwas vor sich. Sie fühlt sich beobachtet und macht schließlich einen grausigen Fund, wodurch ihre Vergangenheit sie mit voller Wucht wieder einholt. Ist die Vorstadtidylle in Wahrheit nur eine tödliche Falle, aus der es kein Entkommen gibt?

Die ersten 200 Seiten dieses Buches plätschern nur dahin und ich habe mich echt gefragt, ob ich weiter lesen sollte. Doch dann kam der Twist und langsam begannen die Fragezeichen in meinem Kopf zu wachsen. Aber bis es so weit war, war das kein Thriller für mich, eher ein Familien-Beziehungsdrama und wie oft kann man erwähnen, wie toll ein Mann aussieht? Gefühlt jede zweite Zeile beginnt damit, dass Millie erwähnen muss, wie schön ihr Mann ist. Es ist alles leicht surreal und die Nachbarn sind sowieso merkwürdig.

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Kerri Maniscalco: Escaping from Houdini

Die US-amerikanische Bestseller-Autorin Kerri Maniscalco beweist auch in Band 3 ihrer beliebten „Audrey-Rose-Reihe“, wie meisterhaft sie historische Settings und packende Atmosphären erschaffen kann. Nach den düsteren Gassen des viktorianischen Londons in Band 1 und dem unheimlichen Vampir-Schloss in Transsilvanien in Band 2 entführt sie ihre Leser in „Escaping from Houdini“ auf eine spannende Reise über den Atlantik.

Handlung: Spannung auf hoher See

Die Geschichte spielt an Bord des Luxus-Dampfschiffs RMS Etruria, das es tatsächlich gegeben hat. Während der Überfahrt von Liverpool nach New York wird die Reisegesellschaft von einem Zirkusensemble unterhalten, zu dem auch der berühmte Entfesselungskünstler Harry Houdini gehört. Doch als es zu mehreren mysteriösen Morden kommt, müssen die angehenden Gerichtsmediziner Audrey Rose und ihr charmanter Begleiter Thomas Cresswell die Ermittlungen aufnehmen. Kerri Maniscalco verbindet dabei gekonnt historische Elemente mit einem Hauch von Mystery und Crime.

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