Willow Smith & Jess Hendel: Die schwarze Schildmaid

Was ist das für ein – bedeutsamer – Roman, den uns Heyne hier in einer gediegenen Hardcover-Ausgabe kredenzt?

Ein Buch, in dem es um ein Thema geht, das wichtig war, wichtig ist und wichtig bleiben wird.

Es geht um das Selbstbestimmungsrecht von Frauen, um deren Gleichberechtigung – geschickt verpackt in einer abenteuerlichen Handlung, die die Verfasserin in der Vergangenheit angesiedelt hat.

Uns begegnen mutige Frauen, die gegen ihr vorgesehenes Los, ihre Fremdbestimmung, aufstehen und nach Gerechtigkeit und Freiheit suchen.

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Kaliane Bradley: Das Ministerium der Zeit

Zeitreisen sind Realität. Das erfährt eine (lange namenlose) junge Frau, die sich auf einen Job bewirbt, von dem sie erst nach der Einstellung erfährt, um was es geht. Es ist dem „Ministerium der Zeit“ gelungen, Menschen aus verschiedenen Epochen in die Gegenwart zu holen. Menschen, die in ihrer eigenen Zeit ohnehin sehr bald gestorben wären, sodass die Auswirkungen auf die Geschichte marginal sind. Glaubt man. So auch der Polarforscher Graham Core, Mitglied der katastrophal geendeten Expedition um die Schiffe „Terror“ und „Erebus“. Graham sollte 1847 sterben und jetzt soll er in unserem Jahrhundert leben.

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Ken Stornes, Heidi Friedrich: Mein Leben als letzter Wikinger

Der norwegische Extremsportler Ken Stornes sieht das Besondere, nicht das Gewöhnliche. „Die Oberfläche des Normalen interessiert mich nicht. Für mich ist das Leben … wie das Skript eines fulminanten Kinofilms. Und ich bin die Hauptfigur darin.“ (S. 197)

Vielleicht hat er aus diesem Grund seiner Biografie den Titel Mein Leben als letzter Wikinger gegeben. Die Faszination der nordischen Mythen hat sein Onkel ihm schon in seiner Kindheit nahegebracht. Damals besuchte Ken seinen Onkel häufig, wenn dieser seine Schafherde hütete. In der Einsamkeit erzählte er ihm dann die unzähligen Geschichten von Helden und ihren Kämpfen. Heute kennt Ken Stornes zahlreiche Gleichgesinnte, die das Wikingerleben und deren Ideale zelebrieren. Sie alle bevorzugen ein archaisches Leben in der Natur und die Bewahrung alter Traditionen.

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Nell Zink: Sister Europe

Mit Sister Europe legt Nell Zink einen ironisch gebrochenen Berlin-Roman vor, der eine einzige Nacht ins Zentrum rückt. Die amerikanische Autorin, die seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, nutzt die Kulisse eines abgehalfterten Luxushotels und das nächtliche Berlin, um ein Gesellschaftspanorama zu entwerfen.

Handlung und Figuren

Im Mittelpunkt steht eine illustre Runde: Demian, ein deutscher Kunstkritiker, seine Trans-Tochter Nicole, der amerikanische Verleger Toto, eine desillusionierte Grande Dame, ein arabischer Prinz und weitere Figuren. Es bedarf einiger Konzentration, um immer gleich zu wissen, wer wer ist – Namen, Hintergründe und Beziehungen sind nicht immer sofort präsent. Anlass des Treffens ist ein literarischer Preis für einen arabischen Autor, doch schon bald löst sich die Gesellschaft von der offiziellen Gala und driftet durch das Berliner Nachtleben. Die Gespräche, die sich dabei entspinnen, sind mal voller Witz, Ironie und kluger Beobachtungen – mal aber auch weniger intellektuell, so wie im richtigen Leben.

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Carissa Orlando: Das Septemberhaus

Haunted House light – unterhaltsame Geistergeschichte, die leider nicht gruselt!

Warum ich „Das Septemberhaus“ unbedingt lesen wollte?

Deshalb:

Simone St. James: »Schockierend, elektrisierend und absolut originell … Wenn du meine Bücher magst, sie aber nicht gruselig genug findest, dann ist dieses Buch genau das Richtige für dich.«

Ein viktorianisches Traumhaus, ein erschreckend niedriger Kaufpreis – und ein dunkles Geheimnis, das jeden September aufs Neue erwacht. Margaret weigert sich zu gehen, selbst als die Wände bluten und die Geister der Vergangenheit davon flüstern, was im Keller lauert. Bis der Albtraum eskaliert …

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Annie Ernaux: Ich komme nicht aus der Dunkelheit raus

Die 1940 geborene französische Schriftstellerin Annie Ernaux hat ihren Bekanntheitsgrad vor allem durch ihr autobiografisches Schreiben geprägt. Sie bezeichnet sich nach eigener Aussage als „Ethnologin ihrer selbst“. Ihre Romane wurden vielfach gefeiert und mit Auszeichnungen versehen. Im Jahr 2022 wurde ihr der Nobelpreis für Literatur verliehen.

In unserem Leselustportal sind fünf weitere Romane von Annie Ernaux zu finden: Erinnerung eines Mädchens (2018), Eine Frau (2019), Der Platz (2020), Der junge Mann (2023), Eine Leidenschaft (2024).

Ich komme nicht aus der Dunkelheit raus“  ist der letzte Satz, den die Mutter von Annie Ernaux aufgeschrieben hat. In ihrem neuen Buch beschreibt Ernaux den Zerfall ihrer unter der Alzheimer-Erkrankung leidenden Mutter. Lange Zeit verwahrte sie ihre persönlichen Notizen über diese letzte schwere Zeit mit der Mutter in einer Schublade, bevor sie sich nach über zehn Jahren doch noch für die Veröffentlichung entschied.

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Barbi Marković: Stehlen, Schimpfen, Spielen 

Barbi Marković legt mit Stehlen, Schimpfen, Spielen keinen klassischen Roman vor, sondern ein autobiografisches Essay, das sich mit dem Schreiben und dem Leben im Allgemeinen auseinandersetzt.

Inhalt und Stil

Marković macht das Stehlen – verstanden als kulturelle Unverschämtheit – zum literarischen Programm. Sie schildert, wie es dazu kam, dass sie sich das Aneignen von Ideen und Motiven – zum Beispiel von Thomas Bernhard – zu eigen gemacht hat, und reflektiert, warum ihr trotz offener „Piraterie“ die Originalität nie abgesprochen wurde. Im Zentrum stehen zudem die Kraft und der Rhythmus einer guten Schimpftirade, Machtverhältnisse, selbst auferlegte Regeln und die Distanz zwischen Autorin und Text.

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Bianca Iosivoni: Bad Vibes: Deine Geheimnisse sterben nie

Ein Schauder erfasst Dahlia, als sie vor den Toren von MacRaven Manor steht. Dunkle Schatten ranken sich um die Burg, dunkel so wie die Geheimnisse der Menschen die sie bewohnen. Sie ist angereist um den Bestsellerautor J.J. Burnett die letzte Ehre zu erweisen. Als sie unerwartet einen großen Teil seines Vermögens erbt, macht sie sich damit seine Familie zum Feind. Was jedoch niemand ahnt, sie hat eine geheime Mission und will den Mörder von Burnett entlarven, denn sie ist davon überzeugt, dass es kein Unfall war, der sein Leben beendete. Durch ihre Recherche kommt sie nicht nur dem Zwilling Evan viel zu nahe, sondern auch dem mysteriösen Ayden. Was als verführerisches Spiel beginnt, entwickelt sich bald zur Gefahr und Dahlia weiß nicht mehr wen sie trauen kann.

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Melissa K. Roehrich: Lady of Shadows: Liebe und Dunkelheit 02

Ja, sie hat es weit gebracht. Die Rede ist von Scarlett, einst eine Waise auf den Straßen der Hauptstadt des menschlichen Reiches, dann Assassinin im Dienst des Verbrecherfürsten – und jetzt soll sie doch tatsächlich eine Fae sein. Mehr noch: Ihre Mutter sei von adeligem Fae-Geblüt!

Inzwischen hat sie der Prinz der Feuer-Fae an seinen Hof geholt und versucht, sie von den Drogen zu entwöhnen, die seit Jahren ihre Fae-Gaben unterdrücken. Kalter Entzug nennt sich so etwas gemeinhin – da ist man, ist Scarlett nicht länger Herr ihrer Sinne.

Hat die innere Verwirrtheit vielleicht auch damit zu tun, dass sie sich so sehr zu dem Fae-Prinzen hingezogen fühlt? Und das, obwohl ihr Möchtegern-Gemahl, nebst Anhang, sie ins Reich der Fae begleitet hat?

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Francois Bégaudeau: Die Liebe

Dieser eher stille, unaufgeregte Roman hat grade mal etwas mehr als hundert Seiten – Lektüre für einen Nachmittag. Das Cover ist schwungvoll, fällt auf. Großzügig geschwungene Schreibschrift, Autorenname und Titel gleichermaßen hervorgehoben, macht neugierig.

Es passiert nicht viel in diesem kleinen Roman, der uns die tiefe Liebe zwischen Jeanne und Jacques schildert. Völlig unspektakulär eigentlich, ihr Leben verläuft wie das von Millionen anderer Paare, sie verlieben sich, heiraten, bekommen einen Sohn, der später sehr erfolgreich wird und auf den sie sehr stolz sind. Sie kommen nie weg aus dem Dorf, der Region, in der sie aufgewachsen sind, aber sie schaffen es, aus ihrem gemeinsamen und ihrer beider Leben was zu machen. Jeanne will nicht „in dem Kabuff hinter der Rezeption“ des kleinen Hotels, versauern, in dem sie arbeitet, als sie Jacques kennenlernt, der – nicht unbedingt der Hellste, offenbar – damals in der Firma seines Vaters mitarbeitet, die grade Umbauarbeiten am Hotel vornimmt. Jeanne schafft es bis zur Chefsekretärin bei Michelin, Jacques zu einem eigenen Unternehmen, mit dem er durchaus erfolgreich ist.

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