Andreas Winkelmann: Ihr werdet sie nicht finden

Für den Polizisten und Vater Jonas ist ein Alptraum wahr geworden. Seine wunderschöne Tochter Isabell geht abends zu einer Party, die ein Klassenkamerad ausgerichtet hat. Irgendwann am späten Abend verschwindet sie, und keiner der Partygäste weiß, wann und wohin Isabell gegangen sein könnte.

Natürlich sucht Jonas zusammen mit zahlreichen Helfern in der waldreichen Umgebung nach ihr, bei den polizeilichen Ermittlungen darf er sich jedoch nicht mehr einbringen. Denn jeder hält den aufbrausenden Jonas für befangen und in seinem emotionalen Ausnahmezustand für gefährlich. Jonas glaubt, zu wissen, wer der Täter ist. Es gab in der nahen Vergangenheit einige Auseinandersetzungen mit diesem Mann aus dem kriminellen Milieu, die in Drohungen gipfelten. Jonas müsse für seine Einmischungen bezahlen, zum Beispiel mit seiner Tochter. Diese Sätze haben sich in Jonas Gedächtnis eingenistet und werden von Tag zu Tag bedeutsamer.

Weiterlesen

Iny Lorentz: Ein verhängnisvolles Testament

Wieder einmal gelingt es dem Autorenduo Iny Klocke und Elmar Wohlrath, uns für eine kurze Zeit in eine andere Epoche zu entführen und uns intensiv am Leben der Menschen, denen wir dabei begegnen, teilhaben zu lassen. Wieder wird deutlich, wie wenig eine Frau im 16. Jahrhundert und danach bedeutet hat, wie wenige Rechte sie hatte, dafür aber umso mehr Pflichten. Das galt nicht nur für die Bediensteten oder Bauern, auch die Frauen von Stand mussten sich den gesellschaftlich vorgegebenen Konventionen und den Männern jederzeit unterordnen. Jedenfalls wurde das von ihnen erwartet.
Elisabeth von Thannberg ist gerade Witwe geworden als zwei Abgesandte des Kurfürsten von Trier im Schloss auftauchen und die Übergabe allen Besitzes an den Kurfürsten fordern.

Weiterlesen

Hubertus Borck: Die gute Tat

Eloğlu und Erdmann treffen in ihrem vierten Fall auf eine Wasserleiche und eines ist sofort klar: Eines natürlichen Todes ist sie nicht gestorben. Bei der weiteren Ermittlung stoßen die Beiden auf weiter Vermisste und alle haben die eine Gemeinsamkeit, nämlich dass sie sich alle ehrenamtlich engagiert haben. Ist es also das, was der Grund für die Zusammenhänge ist?

Die Bücher dieser Reihe kann man unabhängig zueinander lesen, es ist auch erst mein zweites der Reihe, so habe ich vielleicht nicht die Entwicklung des Verhältnisses zu den beiden Hauptcharakteren mitbekommen, aber ich mochte die Beiden. Sie haben einen großen Altersunterschied, eine total gegensätzliche Persönlichkeit und dennoch ergänzen sich die Beiden und kommen als Team gut voran.

Erzählt wird das Buch in verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen. Bei zuletzt genanntem ist man sich anfangs nicht ganz sicher in welchem Zusammenhang es steht, es lichtet sich erst mit er Zeit. Genau das fand ich aber auch so spannend.

Weiterlesen

Karoline Adler (Hg.): Neue Gute-Laune-Geschichten

Na, heute schon gelacht? Wenn nicht, dann ab zum Buchhändler! Denn erfrischend lustig – das sind die neuen Gute-Laune-Geschichten. Eine bunt gemischte Anthologie mit 26 Kurzgeschichten vieler bekannter Autoren. Darunter z.B. Horst Evers, Dora Heldt, Tommy Jaud, Wladimir Kaminer und viele andere. Thematisch ist alles dabei, von Aufräumen (geeignet zum Selbst-testen), Wandern (kann nämlich auch Spaß machen 😉), chinesische Medizin bis hin zu Hochzeit und Vorsorgeuntersuchung.

Wer noch eine unterhaltsame Durchhalte-Lektüre an unmotivierten Tagen bis zum langersehnten Sommerurlaub sucht oder einfach mal lachen möchte, ist mit diesem Büchlein sehr gut beraten.

Weiterlesen

Sira Huwiler-Flamm: Hinter dem Tellerrand: Warum uns erst Essen zu Menschen macht

Der Untertitel, Warum uns erst Essen zu Menschen macht, ist grammatisch betrachtet das kühne Ergebnis intensiver Recherchen. Die Journalistin und Autorin Sira Huwiler-Flamm hat diese in 20 Thesen zerlegt und beschreibt informativ und kurzweilig, warum Essen für uns so essenziell ist. Weil bekanntlich alles einen Anfang haben muss, beginnt sie mit den scheinbar einfachen Fragen. Sind wir Menschen beziehungsweise menschlich, weil wir eine Speise zubereiten, um sie im besten Fall mit anderen zu teilen? Und darüber hinaus: Entwickeln wir eine Esskultur, wenn Essen höheren Zielen dient als dem schlichten Erhalt des Körpers? Diesem Körper könnte es egal sein, ob er beim geistigen Austausch mit anderen eine genussreiche Nahrungsaufnahme erfährt oder mit irgendetwas den Magen gefüllt bekommt. Sättigung und guter Geschmack reichen auch dann nicht, wenn fehlende Nährstoffe, Vitamine und anderes zu einer Mangelernährung führen.

Weiterlesen

Sabine Riedel: How To Feed A Demon

Einfach nur weg. Plötzlich und möglichst schnell. Nur daran denkt Marie, als sie von zu Hause wegrennt. So beginnt Sabine Riedels Roman „How To Feed A Demon“. Anfangs habe ich einen Moment gebraucht, um mich auf die Geschichte einzulassen. Mir ist zu Beginn nämlich bewusst geworden, dass sich das Buch an eine jüngere Leserschaft richtet. Nachdem ich mir diesem Aspekt aber klar geworden bin, ist es mir gelungen mich hier mehr für den Inhalt zu öffnen beziehungsweise mich auf diesen einzulassen. Die ersten Momente in denen die Protagonistin auf das besondere Hotel sowie dessen rätselhaften, nicht menschlichen Bewohner*innen antrifft, konnten mich zum Schmunzeln bringen.

Weiterlesen

Melanie Fischer: Die Werbefrauen: Wir schaffen eine neue Welt

Ein Roman, der sehr anschaulich das Leben zweier junger Frauen in der DDR beschreibt, die einen Traum haben, den sie dort so nicht verwirklichen können und die Vieles auf sich nehmen, um ihr Leben so leben zu können, wie sie es möchten.

Margot und Lotte kennen sich seit Kindertagen.  Sie verbringen jede freie Minute miteinander und träumen davon, einmal in der Werbung erfolgreich zu sein, sich einen Namen zu machen. Margot hat eine Begabung fürs Texten, Lotte mehr für die Präsentation, sie möchte ein bekanntes Mannequin werden. Nach ihrem Schulabschluss beginnt Margot eine Lehre bei der Deutschen Werbe- und Anzeigengesellschaft, DEWAG, muss aber erkennen, dass sie als Frau kaum die Chance hat, ihre Fähigkeiten einzusetzen. Sie wird zur Schreibkraft ausgebildet. Einzig Tim, ein junger Texter in der Agentur erkennt ihr Potenzial und nutzt ihre Begeisterung schamlos aus, um seine Texte aufzuwerten. Dass Margot einen großen Anteil an seinem Erfolg hat, behält er allerdings für sich.

Weiterlesen

Anna Lane: Love, uncovered

Ein PR-Eklat kostet Kim Chiari nicht nur ihren guten Ruf als Grafikdesignerin, sondern auch eine Reihe an Klienten. Als sie in einer Bar den attraktiven und zurückhaltenden Junginvestor Conrad de Wit trifft, kann sie sein unverhofftes Jobangebot daher nicht ablehnen: Weil er aufgrund seines vollen Terminkalenders keine Zeit für Dates hat, soll Kim ihm helfen, die große Liebe zu finden – und ihm bei Test-Verabredungen beibringen, wie man flirtet. Es gibt nur zwei Probleme: Erstens muss die leidenschaftliche Kim mit einer Dating-App konkurrieren, in die Conrad investieren will und die verspricht, für jede Person die passende Seelenverwandtschaft aufzuspüren. Und zweitens muss sie bei den Fake Dates nicht nur über Conrads, sondern auch über ihre eigenen, zunehmend verwirrenden Gefühle den Überblick behalten. Denn obwohl sie so verschieden sind wie Tag und Nacht, knistert es gewaltig zwischen ihnen …

Weiterlesen

Kate Atkinson: Nacht über Soho

Ein beschwingter Krimi voller schillernder Charaktere im London der 20er Jahre! Mit eleganten Spitzen und gewitzter Fabulierkunst entführt die „Costa Novel Award“-Preisträgerin in die Roaring Twenties vom Glanz bis zur Gosse. Das Besondere: Eine Frauenfigur (die auf einer realen Person basiert!) hält hier das Zepter der Unterwelt fest in der Hand. Sie ist die Königin der Nachtclubs in Soho, deren Leitung sie auf ihre sechs Kinder verteilen möchte. Diese eignen sich mal mehr, mal weniger, mal gar nicht für die Aufgabe. Noch dazu, wo korrupte Polizisten, Diebe und Gläubiger darauf warten, ihr Imperium zu stürzen.  
Wer denkt, dass erst seit Social Media merkwürdige Trends kursieren, sei hier eines Besseren belehrt. Die „Bright Young Things“ waren damals VorreiterInnen in Sachen Motto- und Fetischpartys. Ein großartiger Pageturner mit britischen Schwarzen Humor.

Weiterlesen

Anne Freytag: Blaues Wunder

Schein und Abgrund auf offenem Meer

Nach „Lügen, die wir uns erzählen“, das mich mit seiner Zärtlichkeit und schmerzhaften Ehrlichkeit tief berührt hat, schickt Anne Freytag uns diesmal auf offenes Meer – und direkt in die Abgründe hinter makellosen Fassaden. Ganz anders im Ton, aber ebenso brillant.

„Blaues Wunder“ ist kein Wohlfühlroman, auch wenn er sich anfühlt wie Urlaub. Es glitzert, es schmeckt nach Salz und Luxus, doch unter Deck brodelt es:

„Wir sind allein mitten auf dem Meer – wir und der Schein, den wir wahren.“ (S. 17)

Weiterlesen