Sunil Mann: Ziemlich beste Verbrecher

Ein herrlich skurriler, unterhaltsamer, leichter Krimi mit zwei herrlich dargestellten Protagonisten, die sich zwar gegenseitig nicht ausstehen können, aber auch nicht anders können, als weiterhin zusammen in einer Art Wohngemeinschaft miteinander auszukommen. Beide in fortgeschrittenem Alter, da bleiben nicht mehr allzu viele Möglichkeiten, sich eine neue Existenz aufzubauen, wenn die bisherige Arbeitgeberin verstirbt. Alois Mistelzweig, gescheiterter Pianist, verdingt sich hin und wieder als Klavierspieler in Hotelbars oder Lounges, was allein allerdings den doch anspruchsgewohnten Lebensunterhalt nicht sichern kann. Berta Bartok, pensionierte Köchin, ist da eher auf die „Zusammenarbeit“ mit Alois angewiesen. Gemeinsam haben sie ein recht raffiniertes System entwickelt, den ein oder anderen Gast in vornehmen Zürcher Cafés oder Restaurants um sein Bargeld zu erleichtern. Ihre Methode ist ziemlich gezwungenermaßen ausgeklügelt und hat bisher auch immer gut funktioniert – zum Flüchten sind beide immerhin zu alt, da hätten sie keine Chance gegen einen jüngeren Verfolger.

Auf diese, wenn auch riskante Art können sie es sich leisten, wenn auch mit Einschränkungen, weiter in der Villa von Elvira Graffenried zu wohnen und die Annehmlichkeiten des recht ansehnlichen Weinkellers zu genießen – in Kombination mit Bertas Kochkünsten kein schlechtes Leben. Woher Berta die Zutaten zu ihren erlesenen Gerichten, die sie fast allabendlich auftischt, immer wieder herzaubert, will Alois gar nicht so genau wissen. Neugierige Nachbarn wie auch der Gärtner, der Gott sei Dank nur unregelmäßig erscheint, werden mit der Erklärung, Madame Graffenried befinde sich bei einem längeren Kuraufenthalt, abgespeist. Wie lange diese Lüge noch aufrechterhalten werden kann, ist eine Frage, die Alois und Berta sich zwar immer wieder stellen, aber gerne auch mal unbeantwortet lassen. Bisher war das Schicksal gnädig mit diesen beiden schrägen Vögeln.

Bis eines Tages Geneviève Grandson sie erwischt und mit Anzeige droht. Es sei denn, Alois und Berta lassen sich auf einen Deal mit ihr ein. Sie sollen herausfinden, was mit ihrer Freundin Emilie passiert ist, die offenbar völlig unvermittelt und ohne besonderen Anlass aus einer Seniorenresidenz verschwunden ist, in der sie seit einiger Zeit gelebt hat. Was bleibt den beiden Gaunern übrig? Die Aussicht auf ein entsprechendes Honorar und den weiteren Verbleib in der noblen, wenn auch heruntergekommenen Villa machen die Entscheidung leicht. Alois und Berta lassen sich auf den Deal ein und beginnen zu ermitteln. Allein der Ideenreichtum, den sie hierbei entwickeln, lohnt es, diesen leichten Krimi zu lesen! Alois und Berta decken bei ihren oft gefährlichen Unternehmungen und Recherchen einiges mehr auf als nur die Umstände von Emilies Verschwinden.

Eine amüsante, gut geschriebene Studie über das Älterwerden, über Zusammenhalt und Freundschaft. Humorvoll, witzig, skurril und unterhaltsam.

Sunil Mann: Ziemlich beste Verbrecher
grafit, März 2026
352 Seiten, Taschenbuch, 18,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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