Regine Kölpin erzählt die Geschichte von Esther, einer jungen, engagierten Hebamme, die für die werdenden Mütter, die Wöchnerinnen und ihre Neugeborenen gerne einige Veränderungen erreichen möchte. Leider stößt sie im harten Klinikalltag in der Wesermarsch, wo sie sich gerade in der Probezeit befindet, immer wieder auf den Widerstand und den Widerwillen ihrer Vorgesetzten. Schwester Helma hält streng am Alten fest und ist Esthers Ideen gegenüber alles andere als aufgeschlossen. Es kommt so weit, dass Esther ihre Stelle verliert und nun auf sich gestellt, ohne viele Menschen in der Wesermarsch zu kennen, weil sie erst seit Kurzem dort lebt, zurechtkommen muss. Das gelingt ihr mit Hilfe einer erfahrenen älteren Hebamme, die seit Langem für Neuerungen und Verbesserungen kämpft. Als freie Hebamme hat sie es damit nicht leicht.
Ende der 1970er-Jahre stößt sie auf massiven Widerstand bei der Ärzteschaft. Esther lernt Luise in der Silvesternacht 1978/79 kennen, was sich später als Glücksfall für sie erweist, denn Luise unterstützt Esther in allen Belangen und wird ihr eine gute Freundin. Die Schneekatastrophe, die damals vor allem Norddeutschland lahmgelegt hat, bildet einen passenden Hintergrund für Esthers Geschichte. Mitten während dieser Katastrophe wird Esther zur Hilfe gerufen und muss beweisen, dass sie ihren Beruf beherrscht – auch unter schwierigsten Bedingungen, wie in jener Nacht, in der es keine Chance gibt, die Gebärende in eine Klinik zu bringen. Für Esther eine absolute Herausforderung, aber auch eine Bewährungsprobe.
Realität und Fiktion sind in diesem Roman gut verwoben. Viele werden sich noch an diesen strengen Winter erinnern und nachvollziehen können, welche Herausforderungen die Schneekatastrophe bedeutete. Flüssiger Stil, nachvollziehbare Geschichte, anschaulich erzählt und gut nachzuvollziehen. Die Charaktere sind gut dargestellt, man kann sich mit ihnen identifizieren und verfolgt mit Interesse ihren Weg. Auch wenn manches vorhersehbar ist, liest sich dieser Roman gut und bleibt interessant. Die Situation der Hebammen damals ist mit der heutigen in vielen Teilen vergleichbar.
Regine Kölpin: Zwischen Zuversicht und Leben: Die Hebammensaga
Piper Verlag, Oktober 2025
416 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
