Man schrieb das Jahr 1841, als es die übernatürlichen Kreaturen leid waren, sich vor den Menschen immerzu zu verstecken. Ihr „Coming-out“ war riskant und aufsehenerregend; mittlerweile aber hat man sich an die Übernatürlichen gewöhnt. Dass diese diskriminiert werden und sich registrieren lassen müssen, ist lästig, ein Ärgernis – aber allemal besser als die Alternative.
Inzwischen gibt es speziell in Magie geschulte Polizisten, die für Verbrechen durch oder an Übernatürlichen zuständig sind.
Dennoch verschwinden im Großraum von San Francisco in letzter Zeit immer wieder unregistrierte Vampire.
Honora, deren Vampir-Partner vor Jahren in New York City ermordet wurde, will herausfinden, wer hinter den Verbrechen steckt und was mit den Vampiren passiert, die sich nach ihrem zweiten Ableben unerklärlicherweise nicht in Staub verwandeln. Auf dem Fairy-Glow-Festival, auf dem sie nach Spuren sucht, begegnet sie am Strand dem ungebundenen Werwolf Gabhán sowie dem Polizisten Dan. Durch ein uraltes, druidisches Ritual werden die Seelen der drei unbeabsichtigt aneinander gebunden. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den unschuldigen Opfern und den Strippenziehern im Hintergrund – und stoßen auf weit mehr, als sie je gedacht oder befürchtet hätten …
Noah Stoffers ist bekennend transmaskulin und nicht-binär und porträtiert in ihren durchweg unterhaltsamen phantastischen Romanen stets auch queere Beziehungen.
Dies vorausgeschickt zum Buch: Der Plot zieht einen Großteil seiner Faszination aus der auch in den Details stimmigen Welt, die sie uns hier kredenzt. Eine moderne Welt, in der die Übernatürlichen zwar ihren Platz gesucht und gefunden haben, dabei aber ausgegrenzt, verleumdet und ausgebeutet bleiben, ist nur zu wahrscheinlich und atmet eine Realität, die den Plot erdet. Mehr noch: Es gibt einen Markt für Relikte und Körperflüssigkeiten von Übernatürlichen. Einen Markt, auf dem die Überbleibsel der ermordeten Opfer für sehr viel Geld oder politischen Einfluss versteigert werden. Auch dieser Aspekt ist keineswegs so unwahrscheinlich oder unglaubwürdig. In der ersten, starken Hälfte des Romans nimmt so das Bild einer faszinierenden Welt, in der Habgier und Mitleidlosigkeit herrschen, vor unseren Augen Gestalt an.
Dann jedoch verschiebt Stoffers’ Fokus unerwartet. Der Kriminalplot tritt mehr und mehr in den Hintergrund, stattdessen rücken die Gefühle des Beziehungsdreiecks ins Zentrum des Textes. Das hat durchaus seinen Reiz und ist insbesondere in Zeiten, in denen sich fast nur noch Romantasy verkauft, auch nachvollziehbar. Allein der Wechsel vom packenden und interessanten Kriminalplot hin zu einer Geschichte um große Gefühle wirkte auf mich ein wenig unrund.
So bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass sie sich letztlich nicht ganz entscheiden konnte, was für einen Roman sie ihren Lesenden präsentieren wollte. Nach einem sehr überzeugenden Beginn nahm der Wechsel hin zur Romantik Tempo und Spannung aus der Handlung, die dann schlussendlich etwas abrupt zu einem in sich logischen Ende geführt wurde.
Der Verlag hat dem Band im hinteren Umschlag zudem eine Zeichnung der drei Hauptfiguren beigegeben. Allerdings wirken die beiden Herren darauf recht jugendlich – das passt nicht ganz zu ihrer Beschreibung im Text.
Noah Stoffers: Cage of the Moon
Knaur Verlag, Januar 2026
460 Seiten, Paperback, 18,00 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.
